FILMERNST

Sehend lernen – Die Schule im Kino

Das Kompetenzzentrum für
Film – Schule – Kino
im Land Brandenburg

Zirkus- und andere Familien

»Dokumentarfilme können ergreifend, humorvoll, aufrüttelnd und tiefgründig sein. Sie sind ein essentieller Teil der öffentlichen Meinungsbildung.« So steht es auf der Webseite von LETsDOK, einer Initiative der »Arbeitsgemeinschaft Dokumentarfilm« – mit dem Ziel, einem weithin unterschätzen Filmgenre eine Stimme zu geben. Bei FILMERNST stehen dem Dokumentarischen die Türen von jeher weit offen, erst recht zu den SchulKinoWochen. VISION KINO weist kontinuierlich in FilmTipps auf wichtige Dokfilme hin; oft werden wir ganz direkt von Dokumentarfilmschaffenden gefragt …


… ob wir denn nicht ihre Filme in unsere Programme nehmen könnten. Die Themen seien doch brisant und böten viel Gesprächs- und Diskussionsstoff auch für den Unterricht, für verschiedene Fächer. Dem können wir in den meisten Fällen nur zustimmen, würden gern und mehr unterstützen, wohl wissend um die oft schwache Resonanz auf das reichhaltige Angebot. Von Ausnahmen freilich abgesehen: »Checker Tobi« zum Beispiel, auch Filme über Bienen und Bäume, Wiesen und Wälder laufen gut. Aber »Holy Shit« oder »Auf der Kippe«, »No Land’s Song« oder »Blix Not Bombs«

Fotos: farbfilm Verleih Berlin (»Holy Shit«); Real Fiction Filmverleih, Köln (»Auf der Kippe«); Hanfgarn & Ufer Filmproduktion, Berlin (»No Land’s Song«); CineGlobal, München (»Blix Not Bombs«)

Dennoch: Dokumentarfilme bleiben ein fester Bestandteil des schulfilmischen Angebots. Dieses Jahr bei den Brandenburger SchulKinoWochen immerhin mit sechs Beiträgen, darunter der 2025 mit dem Deutschen Dokumentarfilmpreis gewürdigte und soeben mit dem Bayerischen Filmpreis 2026 geehrte »Im Prinzip Familie«. Diese Auszeichnung und Wertschätzung des Films freut uns besonders, denn der Regisseur Daniel Abma war bereits zu Beginn des Schuljahres unser Gast: Im »Filmpalast« Oranienburg gab es eine Sonderveranstaltung, bei der 240 Jugendliche des Georg-Mendheim-Oberstufenzentrums »Im Prinzip Familie« sahen und sich sehr beeindruckt zeigten. 

Fotos: FILMERNST

Im Anschluss daran schrieb uns Daniel Abma und bedankte sich für den großartigen Tag: »Viele, die unseren Film gesehen haben, berichteten, dass er hilft, Berührungsängste abzubauen, dass er Vorurteile auflöst und Stigmatisierung entgegenwirkt: Eine Zuschauerin, die selbst in einer Wohngruppe lebt, erzählte nach der Vorführung, dass sie nun verstanden habe, dass nicht sie die Ursache für ihre Situation ist – der Film habe sie gestärkt.«

»Im Prinzip Familie« wird nun in mehreren Spielorten im Rahmen der SchulKinoWoche zu sehen sein, ebenso wie der bereits im FILMERNST-Herbstprogramm präsentierte »Zirkuskind«. Die beiden Regisseurinnen, Anna Koch und Julia Lemke, wurden in der Kategorie »Bester Kinderfilm« gerade für den Preis der deutschen Filmkritik 2025 nominiert, den renommierten Bayerischen Filmpreis haben sie gerade erhalten.  Darauf ein doppelter Salto!

Fotos: Across Nations Filmverleih, Stuttgart/Berlin

Oscar & Lola

»And the Oscar goes to …« Wie gern hätten wir diesen Satzanfang gehört, komplettiert durch: »Sound of Falling« – so der englische Titel von Mascha Schilinskis »In die Sonne schauen«. Letzten Mai hatte sie damit in Cannes Publikum und Jury beeindruckt. In gleich acht Kategorien konkurrierte ihr Vier-Generationen-Frauen-Porträt dann um den Europäischen Filmpreis. Dass das Werk als deutscher Beitrag ins Oscar-Rennen geschickt wurde, verwunderte daher niemanden. Als letzte Woche die fünf internationalen Titel für die Endrunde bekanntgegeben wurden …


… musste Mascha Schilinski aber in die Sonne schauen: Die Oscar-Zeremonie am 16. März im Dolby Theatre in Los Angeles wird ohne sie über die Bühne gehen. Schade, aber auch ohne diesen Ritterschlag bleibt es ein großartiger Film, den wir wahrscheinlich nicht im normalen FILMERNST-Programm wiederfinden werden, aber sehr gerne für Wunschfilm-Anfragen empfehlen.

Der Oscar-Exkurs sollte hier eigentlich nur die Überleitung bilden für den Hinweis, dass von den 31 Filmen des SchulKinoWochen-Programms die allermeisten mit ziemlich bedeutsamen Auszeichnungen und Preisen bedacht wurden, zwei sind ja bereits im vorhergehenden Text erwähnt.

Aber in der Tat: Sogar einen Oscar-Gewinner haben wir im Angebot, was wirklich selten ist: Aber an »Flow« kam im letzten Jahr keiner vorbei, zu groß waren das Staunen und die Begeisterung über diesen Animationsfilm aus Lettland. Zum Oscar gesellte sich der Golden Globe, der französische César und im Heimatland von Gints Zilbalodis der Lettische Filmpreis. Dass in der Hauptstadt Riga ein Denkmal in Gestalt einer Katze errichtet wurde, gleich neben dem Freiheits-Monument, ist für einen Film wohl eine seltene, einmalige Ehrung. Absolut sehenswert, dieser »Flow«, in der Sonderreihe »17 Ziele – Kino für eine bessere Welt«.

Fotos: LETA, Edijis Pālens via Gints Zilbalodis (Katzendenkmal Riga);
MFA+ FilmDistribution, Regensburg (Filmstills)

Hier, in unvollständiger Auflistung, noch ein paar weitere Verweise auf goldene und andere Preise der Filme, die wir während der SchulKinoWochen 2026 präsentieren.

»Goldene Spatzen«, beim traditionsreichen Deutschen Kinder Medien Festival in Erfurt und Gera, flogen dem »Geheimen Stockwerk« und den »Nulpen« zu, vor einigen Jahren schon »Amelie rennt«. Der (in Eberswalde angesiedelte) Dokumentarfilm »Über uns von uns« wurde 2025 von der FBW-Jugend-Filmjury als »Bester Jugendfilm« gekürt

Fotos: farbfilm Verleih, Berlin (»Amelie rennt« und »Das geheime Stockwerk«); UCM.ONE, Berlin (»Nulpen«); Real Fiction Filmverleih, Köln (»Über uns, von uns«)

»Amelie rennt« durfte sich 2018 auch über eine LOLA freuen, den Deutschen Filmpreis. Den bekam im letzten Jahr ebenfalls der hochdramatische Spielfilm »September 5« – und das in etlichen Kategorien: Bester Spielfilm, Beste Tongestaltung, Bester Schnitt, Bestes Maskenbild. Zudem erhielt er den »Brücke-Friedenspreis des Deutschen Films«.

Als der Deutsche Filmpreis noch nicht auf den Namen LOLA hörte, gab es ihn im Jahre 1976 für einen Film, der zweifellos zum nationalen filmischen Erbe zählt: Volker Schlöndorffs »Die verlorene Ehre der Katharina Blum«, nach dem gleichnamigen Buch des Literatur-Nobelpreisträgers Heinrich Böll. Der Film läuft, wie »September 5«, in der bpb-Sonderreihe »Demokratische Grundrechte schützen: Presse, Recht und Ethik«. Ein Filmband in Gold gab es damals für die beeindruckende Hauptdarstellerin Angela Winkler, ebenso für den Kameramann Jost Vacano. Eine Wiederentdeckung, ein Filmschatz bei den SchulKinoWochen.

Da die Berlinale 2026 vor den Kinotüren steht und in ihren verschiedenen Reihen sicher wieder Filme ins Licht rückt, die erst ins »normale« Kino und dann auch ins FILMERNST-Programm kommen könnten: Hier noch ein Rückblick auf 2025 ausgezeichnete Berlinale-Beiträge. Für einen wirklich sehr schönen, berührenden österreichischen Film – mit dem wahrscheinlich längsten Titel, den wir jemals im Programm hatten: »Wenn du Angst hast nimmst du dein Herz in den Mund und lächelst« – war der »Teddy Award«, ein LGBTIQ-Filmpreis, die verdiente Würdigung. Die AG Kino-Gilde verlieh ihren Preis an »Paternal Leave – Drei Tage Meer«, eine berührende deutsch-italienische Tochter-Vater-Geschichte. Und die für uns immer sehr relevante Berlinale-Sektion »Generation Kplus« hatte 2025 eine »Lobende Erwähnung« für »Zirkuskind«, was wir und bestimmt auch die 1.600 Kinder bestätigen können, die den Film im Herbst in 22 Veranstaltungen erlebten.

Fotos: eksystent Filmverleih, München (»Paternal Leave«); Arsenal – Institut für Film und Videokunst, Berlin (»Wenn Du Angst hast …«)

Beim Bayerischen Filmpreis 2026 waren wir schon, mit »Im Prinzip Familie« und »Zirkuskind«. Eine Ehrung fehlt aber noch, die Auszeichnung in der Kategorie »Bester Film«: Die bekam »Amrum« – und Regisseur Fatih Akin rief seinem jungen Hauptdarsteller Jasper Billerbeck in einem anderen als dem auf der nordfriesischen Insel gesprochenen und im Film auch zu hörenden Öömrang-Dialekt zu: »Das ist dein Fame, Digga!« Wir sind platt – und gratulieren herzlich!

Teaserbild LOLA: © Clemens Porikys / Deutsche Filmakademie

Von Herzen glücklich

Wut, Liebe, Hoffnung. Dieser Film beeindruckt von der ersten bis zur letzten Minute. Er ist schmerzhaft schön, wie seine Heldin. »Vena«, der Filmtitel, stellt die Verbindung zur Nabelschnur-Vene her: Sie versorgt den Fetus mit allem, was er braucht: mit Blut und Nährstoffen, sogar mit Gefühlen. Aber auch mit allem, was er nicht braucht. Ein harter Film, ein zu Herzen gehender Film. Wir wollten ihn unbedingt im Programm – und die JugendFilmTage Ende 2025 boten uns hier die passenden Gelegenheiten. Der Einsatz hat sich gelohnt …


… und darüber freuen wir uns sehr. Auch über die schon jahrelange gute, vertrauensvolle Zusammenarbeit mit dem Gesundheitsamt des Landkreises Dahme-Spreewald, mit den »Spreewald-Lichtspielen« Lübben und dem »Capitol« Königs Wusterhausen.. Angefangen hatte es mit einer Veranstaltung rund um den Welt-Aids-Tag, daraus hat sich dann eine Reihe entwickelt und im Landkreis als feste Kooperation etabliert.

Die Bilanz 2025 kann sich sehen lassen: Fünf Veranstaltungen mit fast 500 Besuchern: knapp 200 im Jugendfilm »Eva & Adam« und drei Veranstaltungen mit 300 Besuchern bei »Vena«. Alle Veranstaltungen wurden moderiert, boten Gespräche mit dem Publikum und, so es möglich war, mit Gästen.

Zu den »Vena«-Vorführungen konnten wir gleich zweimal den Hauptdarsteller begrüßen – und für Paul Wollin war es ein Novum: Zum ersten Mal die Begegnung mit einem Publikum außerhalb von Premieren- und Festivaltouren. Mit ganz anderer Atmosphäre und zum Teil auch anderen Fragen. Bis hin zur Begegnung mit einem Mädchen, das auf ihn zukam und, den Tränen nahe, von ganz persönlichen Momenten berichtete, von der Drogenabhängigkeit ihrer Schwester. Der Film habe ihr eine Art Halt geboten. »Liebe reicht eben NICHT immer….du mußt die Hilfe auch annehmen wollen«, hatte Paul Wollin, aus eigener Erfahrung, im Gespräch gesagt. Es waren intensive und gewiss nachwirkende Momente, sehr gelungene Veranstaltungen.

Auch die Regisseurin, Chiara Fleischhacker, wäre gern unser Gast gewesen, aber da sie intensiv an einem neuen Film arbeitet, wäre der Weg von Weimar nach LDS zu weit gewesen. Wir haben ihr berichtet – und sie schrieb uns zurück: »Mein klares Ziel als Regisseurin ist es, die Filme, die ich mache, aus der Bubble der Filmbranche zu bringen, zugänglich für alle zu machen. Vor allem auch Menschen zu finden, die Filme an Orte und zu Menschen bringen, die sich per se nicht vom Kino angesprochen fühlen. Junge Menschen mitzudenken und durch Veranstaltungen wie die von FILMERNST mit einzubeziehen, macht mich von daher von Herzen glücklich und führt das aus, was für mich der Sinn und die Relevanz von Kino ist. Danke!«

Fotos + Teaserbild: Weltkino Filmverleih, Feldafing, Leipzig (»Vena«)

Das war’s aber noch nicht mit den JugendFilmTagen 2025: Weil die Gesundheitsämter der Landkreise auch miteinander in Kontakt sind und gute Erfahrungen zur Nachnutzung empfehlen, gab es im Frühjahr bereits eine Anfrage des Landkreises Potsdam-Mittelmark. Wir waren bereit für die neue Kooperation – und so begann es mit zunächst einem Film, präseniert in drei Kinos: dem »Hofgarten« in Bad Belzig, dem »Neuen Lichtspielhaus« Beelitz und den »Neuen Kammerspielen« Kleinmachnow. Sechs Veranstaltungen mit dem Dokumentarfilm »Berlin Bytch Love« zogen 370 Jugendliche in die Kinos. Dr. Christoph Löwer, Beigeordneter des Landkreises Potsdam-Mittelmark, war als Schirmherr der JugendFilmTage zu Gast im »Neuen Lichtspielhaus« Beelitz – auf dem Bild gemeinsam mit der FILMERNST-Moderatorin Regine Jabin, mit Sandra Klebba vom Fachdienst Gesundheit, mit der Beelitzer Jugendamtsleiterin Antje Lempe sowie Margo Schuster und Angela Hauer von den Pro Familia-Beratungsstellen. Sie freuten sich sehr über die gelungene Premiere im voll besetzten Kino mit 60 Jugendlichen der Oberschule Beelitz und der Gesamtschule Treuenbrietzen.

Fotos: Stadt Beelitz

Wie schon im Jahr davor im Landkreis Dahme-Spreewald mit »Berlin Bytch Love« gab es auch bei den Veranstaltungen im Landkreis Potsdam-Mittelmark intensive Gespräche zum Film und die Begegnung mit den Regisseuren Heiko Aufdermauer und Johannes Gierke, die uns anschließend schrieben: Vielen Dank, dass Ihr diese Vorführungen möglich macht. Wir freuen uns, dass der Film so noch weiter im Gespräch bleibt und immer wieder zu neuen Gedanken und Diskussionen führt. Es ist immer wieder neu und toll bei FILMERNST.

Fotos: Silentfilm Berlin (»Berlin Bytch Love«)

Gut zu Fuß

Wir wissen natürlich, dass unsere Filmangebote primär von jenen Schulen genutzt werden, die direkt im jeweiligen Kino-Ort oder in naher Umgebung liegen. Die jährlichen Umfragen bestätigen das – und wir müssen notgedrungen in Kauf nehmen, dass die schulfilmischen Angebote nicht von allen wahrgenommen werden können. Einige nehmen aber schon auch weitere Wege auf sich, das dann zumeist mit dem ÖPNV. Ein Novum für uns – und wir wollten es erst gar nicht glauben – war die Wanderung von 200 Schülerinnen und Schülern …


… von Teltow ins Kino »Neue Kammerspiele« nach Kleinmachnow. Rund vier Kilometer, die die Mädchen und Jungen aus der »Ernst-von-Stubenrauch-Grundschule« unter ihre Füße nahmen, um dann »Weihnachten im Zaubereulenwald« zu sehen. Zurück natürlich wieder eine Stunde per pedes – und die Lehrerin, die den Wunschfilm bei uns nachgefragt hatte, berichtete von einem rundum gelungenen Erlebnis. Den FILMERNST-Wander-Pokal haben sie schon mal gewonnen!

Echter Schmerz …

… wäre vielleicht eine Übersetzung für »A Real Pain«. Diesen Film möchten wir gern am 15. Oktober im Potsdamer Filmmuseum zeigen, doch leider gibt es noch keine einzige Anmeldung dafür – Grund für unseren »echten Schmerz«. Deshalb an dieser Stelle noch einmal die große Bitte an die Oberstufen-Lehrkräfte in und um Potsdam, Ihre Möglichkeiten für einen Kinobesuch der besonderen Art zu prüfen – oder auch Kolleg:innen darauf hinzuweisen. »A Real Pain« läuft im Rahmen der Ausstellung »How to Catch a Nazi« ... 


... für die wir, in Koooperation mit dem Filmmuseum Potsdam, das schulfilmische Begleitprogramm gestalten und organisieren durften. Die Auftaktveranstaltung am 17. September war ein schöner Erfolg: ein ausgebuchter Kinosaal, ein intensiven Filmerlebnis, ein sehr aufmerksames jugendliches Publikum – und nach der Vorführung ein gutes Gespräch mit den Gästen, u.a. dem Antisemitismus-Beauftragten des Landes Brandenburg, Andreas Büttner, und dessen Stellvertreterin, Frau Dr. Verena Buser. 

Beide haben uns ihre Teilnahme auch an den nächsten Veranstaltungen der Reihe avisiert – und als Gäste für die Veranstaltung am 15. Oktober haben wir auch die aus New York stammende Schriftstellerin Holly-Jane Rahlens und den Synchronsprecher Constantin von Jascheroff,  die deutsche Stimme des Hauptdarstellers Kieran Culkin, angefragt.

Wir würden uns natürlich sehr über die Linderung unseres »Phantomschmerzes«, sprich über Anmeldungen für diese und die weiteren Veranstaltungen der Reihe freuen.

Anmeldung für den 15. Oktober (Beginn 10 Uhr) –Eintrittspreis 4,50 € pro Schüler:in, zwei Begleitpersonen pro Klasse kostenfrei.

Hier noch einmal der Flyer  zur Veranstaltungsreihe und der direkte Link zu »A Real Pain« mit dem Begleitmaterial.

Blühende Landschaften

»Nächstes Jahr fahren wir auch mal wieder in Urlaub«, sagt die Mutter bei einem Familienfest im Garten. Es ist schön hier auf dem Lande, in der Lausitz. Doch der Schein trügt. Als blühende Landschaften präsentieren sich im Jahre 2006 lediglich die Rapsfelder. Alles andere ringsum hält nicht, was den Menschen versprochen und von ihnen erhofft wurde. »Mit der Faust in die Welt schlagen« heißt der 2018 erschienene Roman des 1994 in Räckelwitz bei Bautzen geborenen Lukas Rietzschel. Es war das wuchtige literarische Debüt eines jungen Mannes, das von einer jungen Frau in einen fulminanten Film verwandelt wurde – ab jetzt im FILMERNST-Herbstprogramm. Kongenial …


… heißt es oft, wenn die filmische Adaption der Kritik und dem Publikum besonders gelungen erscheint. Für Constanze Klaues Film (empf. ab 8. Klasse) stimmt es: Sie trifft Geist und Gehalt der literarischen Vorlage – und übertrifft zugleich beides. Schon beim Lesen hatte man Bilder für die Figuren und Szenen im Kopf. Auf der Leinwand begegnet man ihnen wieder, in ganz ähnlicher oder in abweichender, veränderter, vielleicht auch irritierender Form. Genau diese Differenz macht das Sehen zu einem Erlebnis, die Geschichte der Menschen in der Lausitz zwischen 2006 und 2015 zu einer Neu-Entdeckung. Natürlich bietet sich gerade für den Literaturunterricht ein Vergleich der beiden Kunstwerke an, aber die Möglichkeiten für eine intensive Beschäftigung mit inhaltlichen wie formalen Elementen gehen weit darüber hinaus.

Die Schauspielerinnen und Schauspieler, gleich ob Erwachsene, Kinder oder Jugendliche, liefern Leistungen weit über dem Durchschnitt. »Filme sehen lernen« heißt hier aber auch zu sehen, was die Kamera von Florian Brückner aus der Landschaft herausholt, was das Szenenbild und die Kostüme hinzufügen, um uns in die Zeit nach der Wende zu versetzen. Der Film ist eine Wucht und wirkt daher lange nach. Wir sind sehr froh, ihn im Programm zu haben und empfehlen ihn hier sehr, wie übrigens auch die Jugendfilmjury der Filmbewertungsstelle: »Der Film hat uns auf eine besondere Art mitgerissen. Wir empfehlen diesen berührenden Film mit aktuell politischem Inhalt ab 13 Jahren«.

Ein Foto von der Premiere im Drehort des Films, viele der Szenen entstanden in und um Görlitz. 2. v.l. auf dem Bild im Görlitzer »Filmpalast« der Autor des Romans, Lukas Rietzschel. Rechts neben ihm der fantastische  Darsteller des Tobi, Camille Loup Moltzen. Mit der Hand auf seiner Schulter die Regisseurin Constanze Klaue, rechts neben ihr mit Cowboyhut Meinhard Neumann, der markante Darsteller des Uwe. 
Foto: FILMERNST, Susanne Pomerance

Titelfoto: Across Nations Filmverleih, Stuttgart/Berlin

Manege frei!

»So lange es Kinder gibt, so lange gibt es den Zirkus.« Eine Menge Lebensweisheiten hat der Urgroßvater, ein Urgestein der fahrenden Zunft, seinem Ur-Enkel mit auf den Weg zu geben. »Zirkuskind« ist eine Perle für die Jüngsten, aber eigentlich hat er ein Publikum zwischen 6 und 99 verdient. Als erster Dokumentarfilm in der Reihe »Der besondere Kinderfilm« wurde er mit viel Liebe vom Künstlerinnen-Duo »Badabum« gedreht, das sind Anna Koch und Julia Lemke. Am 16. Oktober ist bundesweiter Kinostart, die Manege für die erste FILMERNST-Veranstaltung öffnet sich aber schon am 30. September im »Union-Kino« Luckenwalde. Dafür danken wir …


… dem Verleih Across Nations sehr – und wollen uns natürlich mit einer großartigen Besucherresonanz revanchieren. Santino, der elfjährige Protagonist von »Zirkuskind« (empf. ab 2. Klasse), den wir ein Jahr lang begleiten dürfen, muss auf der Familien-Zirkustour durchs Land auch immer die Schulen wechseln. Stets wird er gefragt, wie das denn so sei, ohne feste Wohnung und ohne Freunde, die einem über Jahre vertraut und verbunden sind. Eine der Schulen, die Santino besucht und die wir im Film sehen, ist in Rathenow, wo insbesondere die »Pestalozzi«- und die »Spektrum«-Förderschule schon seit langem nicht nur zirkusbegeistert, sondern auch selbst zirzensisch aktiv sind. Und vielleicht gehen die Kinder, wenn sie den Film bei FILMERNST gesehen haben – ob im »Haveltor«-Kino in Rathenow oder den anderen 30 Spielorten –, noch einmal mit ihren Eltern oder Großeltern ins Kino. Es ist ja nicht nur ein fantastischerZirkus-, sondern vor allem auch ein wunderbarer Mehrgenerationenfilm.

Fotos: Across Nations Filmverleih, Stuttgart/Berlin

Smartphone-Hotel

»Amanda ist hier nicht willkommen!« Die Elfjährige hat Lars hintergangen und ihn angelogen wegen eines üblen, ihn verletzenden Videos. Dass wir »Lars ist LOL« ins Programm nehmen, war für uns seit langem ausgemachte Sache. Gut, dass es solche Kinderfilme gibt, die sich weltweit auf Festivals Auszeichnung um Auszeichnung verdienen und damit für große Aufmerksamkeit sorgen. Noch besser aber, dass sie hierzulande auch einen Verleih finden, der Lust und Kraft hat, solche Filme in die Kinos zu bringen. Immer wieder werden wir von Lehrkräften nach Kinder- und Jugendfilmen zum Thema Mobbing …


… gefragt und zunehmend auch um Filmvorschläge zu den Thema Social Media, Umgang und Missbrauch sozialer Netzwerke. »Lars ist LOL« (empf. für 4.-6. Klasse) bringt beides zusammen – und das auf eine sehr einfühlsame, aber auch, was seelische Verletzungen anlangt, sehr deutliche Weise. Um so entlastender und befreiender, wenn am Ende Amandas Entschuldigung akzeptiert wird, Versöhnung und Vergebung möglich sind. Die Lehrerin richtet, um künftigen Versuchungen und Missbräuchen zumindest während des Schultages vorzubeugen, ein »Smartphone-Hotel« ein.

Vielleicht keine so schlechte Lösung, zumindest ein Versuch. In etlichen europäischen Ländern gibt es ja bereits Mobiltelefon-Verbote in Schulen, in Deutschland wurde eine bundesweite Vorgabe von der Kultusministerkonferenz noch im Mai abgelehnt. Die Bundesländer entscheiden eigenständig über entsprechende Empfehlungen und Regelungen. Mit Beginn des neuen Schuljahres haben beispielsweise Hessen, Schleswig-Holstein, Bremen und auch Brandenburg die Vorschriften verschärft, setzen verstärkt auf Verbote. Ziel ist es, die private Handy-Nutzung weitgehend aus den Schulen zu verbannen, um die Konzentration zu fördern und die sozialen Kompetenzen der Kinder und Jugendlichen zu stärken. Sachsens Kultusminister Conrad Clemens lud zum Auftakt des neuen Schuljahres gleich zu einem medienwirksamen »Handygipfel« nach Dresden ein. Bundesbildungsministerin Karin Prien hatte sich genau diesen Tag für ihren Antrittsbesuch im Freistaat ausgesucht. Ab zweitem Halbjahr sind dort nun Handys tabu.

»Lars ist LOL« ist jedenfalls ein sehr geeigneter filmischer Beitrag, auch für Kultusminister und Ministerinnen, um das vielschichtige Problem mit seinen möglichen Auswirkungen und Folgen zu diskutieren, auch gemeinsam mit den Kindern. 
Also: »Lars« sehen und dann darüber reden!

Fotos: Der Filmverleih, Stuttgart

Aktuelle Programmfilme

Lauras Stern

1.–3. Jahrgangsstufe

Hola Frida

1.–4. Jahrgangsstufe

Die Schatzsuche im Blaumeisental

2.–5. Jahrgangsstufe

Zirkuskind

2.–5. Jahrgangsstufe

Checker Tobi 3 – Die heimliche Herrscherin der Erde

3.–6. Jahrgangsstufe

Der letzte Walsänger

3.–6. Jahrgangsstufe

Wow! Nachricht aus dem All

3.–6. Jahrgangsstufe

Coco Farm

4.–6. Jahrgangsstufe

Ab morgen bin ich mutig

4.–7. Jahrgangsstufe

Der Prank – April, April!

4.–7. Jahrgangsstufe

Romys Salon

4.–8. Jahrgangsstufe

Flow

4.–13. Jahrgangsstufe

Das geheime Stockwerk

5.–7. Jahrgangsstufe

Lioness – Die Löwin

5.–7. Jahrgangsstufe

Momo

5.–7. Jahrgangsstufe

Amelie rennt

6.–10. Jahrgangsstufe

Wenn du Angst hast, nimmst du dein Herz in den Mund und lächelst

7.–9. Jahrgangsstufe

Reinas – Die Königinnen

7.–13. Jahrgangsstufe

Über uns von uns

8.–10. Jahrgangsstufe

Die Möllner Briefe

8.–13. Jahrgangsstufe

Im Prinzip Familie

8.–13. Jahrgangsstufe

Nulpen

8.–13. Jahrgangsstufe

Paternal Leave – Drei Tage Meer

8.–13. Jahrgangsstufe

22 Bahnen

9.–13. Jahrgangsstufe

Amrum

9.–13. Jahrgangsstufe

Ein Tag ohne Frauen

9.–13. Jahrgangsstufe

Könige des Sommers

9.–13. Jahrgangsstufe

Marie Curie

9.–13. Jahrgangsstufe

September 5

9.–13. Jahrgangsstufe

Riefenstahl

10.–13. Jahrgangsstufe

Die verlorene Ehre der Katharina Blum

11.–13. Jahrgangsstufe

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SchulKinoWochen im Land Brandenburg

Ein Projekt von VISION KINO – Netzwerk für Film- und Medienkompetenz in Kooperation mit FILMERNST.
Gefördert durch die Medienboard Berlin-Brandenburg GmbH,
den Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien
und die Filmförderungsanstalt.

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Telefon 03378 209 161 (Susanne Guhlke)
03378 209 162 (Jana Hornung)
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Postanschrift FILMERNST – Kinobüro im LIBRA
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14974 Ludwigsfelde-Struveshof
Sehend lernen –
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… bietet

im besonderen Lernort Kino und als Teil des Unterrichts ein regelmäßiges Programm ausgewählter Kinder- und Jugendfilme für alle Jahrgangsstufen – und darüber hinaus die Möglichkeit für Veranstaltungen mit medienpädagogisch und künstlerisch wertvollen Wunschfilmen.

… vernetzt

engagierte Lehrer, Kinobetreiber, Filmverleiher und Filmemacher und ist als Kompetenzzentrum Ansprechpartner für schulfilmische Projekte aller Art.

… präsentiert

sein Angebot in zahlreichen Brandenburger und auch Berliner Kinos und hat sich zum Markenzeichen für schulische Film- und Kinokompetenz entwickelt – in der Region und darüber hinaus.

… fördert

mit anspruchsvollen Unterrichtsmaterialien, mit moderierten Veranstaltungen, Gesprächen und Diskussionen nachhaltig die Entwicklung von Film- und Medienkompetenz, von kultureller und Allgemeinbildung.