FILMERNST

Sehend lernen – Die Schule im Kino

Das Kompetenzzentrum für
Film – Schule – Kino
im Land Brandenburg

Mut für Filme und Kinos

Wir wollten Ihnen, uns und dem neuen Jahr noch etwas Luft lassen, ehe im wahrsten Sinne des Wortes der FILMERNST des Lebens wieder beginnt. Nun aber ist es höchste Zeit, die Auszeit zu beenden, denn bald schon gibt es die nächste Ferienwoche, vor allem aber einiges zu berichten: sowohl im 2025er Nachtrag als auch im 2026er Ausblick – und da möchten wir den Blick gleich auf die nächsten SchulKinoWochen richten, die zum nunmehr 20. Male stattfinden werden: vom 12. bis 27. März. Mit so vielen Spielorten …


… wie noch nie, runden 33! Neu oder seit langem erstmals wieder dabei: das »Union« in Luckenwalde und der »Hofgarten« in Bad Belzig. In diesem schönen Kino wird am 12. März auch die Eröffnungsveranstaltung über die Bühne gehen – und es bedurfte keines großen Mutes, sich für den jüngsten Film unseres FILMERNST-Paten Bernd Sahling als passenden Auftakt zu entscheiden: »Ab morgen bin ich mutig«.


Die Kritik im Münchner Branchenblatt »THE SPOT media & film« ist nur eine von etlichen begeisterten Stimmen: » …ein überaus unterhaltsamer pädagogischer Film über die Liebe, andererseits der seltene Fall eines Liebesfilms für Kinder, in dem der jugendliche Held schließlich das erste Verliebtsein fast beiläufig in all seinen Facetten und dabei sich selbst kennenlernt, genauso, wie es tröstlicherweise jeder Erwachsene vor ihm irgendwann schon einmal durchlebt hat.«



Fotos: Real Fiction Filmverleih, Köln


»Ab morgen bin ich mutig« gehört zu den insgesamt 31 Filmen der diesjährigen SchulKinoWochen – und dass viele Lehrkräfte offenbar schon auf das Angebot des Jubiläumsjahrgangs gewartet haben, zeigt die erste Resonanz nach Aussendung des Programmhefts: Anmeldungen kamen bereits aus mehr als 100 Schulen, für rund 5.200 Kinder und Jugendliche aller Jahrgangsstufen. 


Der filmische Spitzenreiter bis dato wird wohl auch am Ende die Nase vorn haben: Tobias Krell alias Checker Tobi mit seiner dritten Weltexkursion: »Checker Tobi 3 – Die heimliche Herrscherin der Erde« . Dicht gefolgt von Bernd Sahlings »Ab morgen bin ich mutig« – und einem Film, der erst am Eröffnungstag der diesjährigen SchulKinoWochen, nämlich genau am 12. März, in die deutschen Kinos kommen wird. Dank der jahrelangen freundschaftlich-filmernsten Verbundenheit zum Berliner farbfilm-Verleih dürfen wir »Das geheime Stockwerk«, eine Zeitreise in die deutsche Geschichte,  ohne die sonst übliche Karenzzeit zeigen.


Poetisch, magisch, zauberhaft: Ein Film, der Sterne und Herzen schweben lässt, ist »Lauras Stern«, den wir früher schon mal mit Erfolg im Programm hatten. Poetisch, magisch, zauberhaft, ließe sich aber auch über einen Animationsfilm sagen, der ganz neu, am 12. Februar, seinen Kinostart erlebt und wenig später bei uns zu sehen sein wird: »Hola Frida«. Und weil uns das kleine Mädchen, aus der eine große Malerin werden wird, viel zu erzählen hat,  geben wir ihr gleich selbst das Wort: »Für mich ist nichts unmöglich (…) Ich umarme das Leben und gestalte es neu.«



Fotos: eksystent Filmverleih, München / Tobo Studio; Du Coup Animation & Production


Auf ein Neues also, mit den SchulKinoWochen 2026. 
Wir freuen uns über viele Anmeldungen!


Alle Filme finden Sie auf unserer Webseite, hier können Sie sich auch direkt online anmelden.


pdf: Programm SchulKinoWochen Brandenburg 2026

Erste Wahl: Literatur und Leinwand

»Dürfen Lite­ra­tur­ver­fil­mungen mehr wagen als die Vorlage? Auf jeden Fall!« Frage und Antwort stammen aus einer Kritik des Films »22 Bahnen«. Es ist die Leinwand-Adaption eines Bestsellers, des 2023 erschienenen literarischen Debüts von Caroline Wahl. Mehr als 600.000 Exemplare des Buchs wurden bereits verkauft – und wahrscheinlich auch gelesen. Der gleichnamige Film läuft seit rund 20 Wochen in den Kinos, bislang haben ihn fast 700.000 Menschen gesehen …


… und die SchulKinoWochen bieten weitere Gelegenheit. Seit jeher sind Literaturadaptionen fester Bestandteil des Programms und natürlich per se für den Literaturunterricht relevant. Caroline Wahl und ihre Bücher jedenfalls offerieren viel und nicht nur Lesestoff für Gespräche über Literatur: über die Themen und Geschichten, über Erzähl- und Gestaltungsweisen, über Sprache und Stil, über Leben und Vermarktung der Autorin. Und nicht zuletzt eben über die Transformationen des Werks in andere Medien, im speziellen Falle der Film. Diverse Anknüpfungspunkte und Möglichkeiten für einen diskursiven, hochinteressanten Literaturunterricht


Die erst 30-jährige Caroline Wahl hat nach »22 Bahnen« zwei weitere Romane mit Bestsellerpotential verfasst – »Windstärke 17« und »Die Assistentin« – und findet es mit dem ihr eigenen Selbstbewusstsein längst an der Zeit, endlich auf die Nominierungsliste für den Deutschen Buchpreis zu kommen. Lesen und schauen wir mal …



Fotos: Constantin Film Verleih, München

Weitere Literaturadaptionen im Programm der SchulKinoWochen: »Lauras Stern« (gleichnamiges Kinderbuch von Klaus Baumgart), »Momo« (die zweite Verfilmung des Michael-Ende-Bestsellers), »Romys Salon« (gleichnamiges Buch von Tamara Bos), 
»Die verlorene Ehre der Katharina Blum« (nach Heinrich Bölls gleichnamigem Roman) – und nicht zuletzt, ganz aktuell, 
»Amrum«, die von Fatih Akin verfilmten, auf persönlichen Erinnerungen beruhenden Kriegs- und Nachkriegserzählungen seines Mentors und väterlichen Freundes Hark Bohm.



Fotos: Warner Bros. Pictures Germany (»Lauras Stern« und »Amrum«); Constantin Film, München (»Momo«); StudioCanal, Berlin (»Die verlorene Ehre der Katharina Blum«)


Um auf den eingangs zitierten Satz aus der Kritik zu »22 Bahnen« zurückzukommen: Geschrieben wurde sie von Axel Timo Purr, zu lesen ist sie in voller Länge im Münchner Filmmagazin artechock.de.
Ein Vergleich dieser professionellen Filmbewertung mit einer selbst verfassten Einschätzung, auch das wäre ja ein aufschluss- und erkenntnisreiches Unterfangen für den Literaturunterricht.  
Für »Windstärke 17«, ebenfalls in der Regie von Mia Maariel Meyer, gibt es bereits den entsprechenden filmischen Rückenwind, sprich die Fördergelder, gedreht wird u.a. auf der Insel Rügen. Ob der Rückenwind ausreicht für Filmpreise: Wir werdern sehen, vielleicht auch bei den SchulKinoWochen.

Zirkus- und andere Familien

»Dokumentarfilme können ergreifend, humorvoll, aufrüttelnd und tiefgründig sein. Sie sind ein essentieller Teil der öffentlichen Meinungsbildung.« So steht es auf der Webseite von LETsDOK, einer Initiative der »Arbeitsgemeinschaft Dokumentarfilm« – mit dem Ziel, einem weithin unterschätzen Filmgenre eine Stimme zu geben. Bei FILMERNST stehen dem Dokumentarischen die Türen von jeher weit offen, erst recht zu den SchulKinoWochen. VISION KINO weist kontinuierlich in FilmTipps auf wichtige Dokfilme hin; oft werden wir ganz direkt von Dokumentarfilmschaffenden gefragt …


… ob wir denn nicht ihre Filme in unsere Programme nehmen könnten. Die Themen seien doch brisant und böten viel Gesprächs- und Diskussionsstoff auch für den Unterricht, für verschiedene Fächer. Dem können wir in den meisten Fällen nur zustimmen, würden gern und mehr unterstützen, wohl wissend um die oft schwache Resonanz auf das reichhaltige Angebot. Von Ausnahmen freilich abgesehen: »Checker Tobi« zum Beispiel, auch Filme über Bienen und Bäume, Wiesen und Wälder laufen gut. Aber »Holy Shit« oder »Auf der Kippe«, »No Land’s Song« oder »Blix Not Bombs«



Fotos: farbfilm Verleih Berlin (»Holy Shit«); Real Fiction Filmverleih, Köln (»Auf der Kippe«); Hanfgarn & Ufer Filmproduktion, Berlin (»No Land’s Song«); CineGlobal, München (»Blix Not Bombs«)


Dennoch: Dokumentarfilme bleiben ein fester Bestandteil des schulfilmischen Angebots. Dieses Jahr bei den Brandenburger SchulKinoWochen immerhin mit sechs Beiträgen, darunter der 2025 mit dem Deutschen Dokumentarfilmpreis gewürdigte und soeben mit dem Bayerischen Filmpreis 2026 geehrte »Im Prinzip Familie«. Diese Auszeichnung und Wertschätzung des Films freut uns besonders, denn der Regisseur Daniel Abma war bereits zu Beginn des Schuljahres unser Gast: Im »Filmpalast« Oranienburg gab es eine Sonderveranstaltung, bei der 240 Jugendliche des Georg-Mendheim-Oberstufenzentrums »Im Prinzip Familie« sahen und sich sehr beeindruckt zeigten. 



Fotos: FILMERNST


Im Anschluss daran schrieb uns Daniel Abma und bedankte sich für den großartigen Tag: »Viele, die unseren Film gesehen haben, berichteten, dass er hilft, Berührungsängste abzubauen, dass er Vorurteile auflöst und Stigmatisierung entgegenwirkt: Eine Zuschauerin, die selbst in einer Wohngruppe lebt, erzählte nach der Vorführung, dass sie nun verstanden habe, dass nicht sie die Ursache für ihre Situation ist – der Film habe sie gestärkt.«


»Im Prinzip Familie« wird nun in mehreren Spielorten im Rahmen der SchulKinoWoche zu sehen sein, ebenso wie der bereits im FILMERNST-Herbstprogramm präsentierte »Zirkuskind«. Die beiden Regisseurinnen, Anna Koch und Julia Lemke, wurden in der Kategorie »Bester Kinderfilm« gerade für den Preis der deutschen Filmkritik 2025 nominiert, den renommierten Bayerischen Filmpreis haben sie gerade erhalten.  Darauf ein doppelter Salto!



Fotos: Across Nations Filmverleih, Stuttgart/Berlin

Oscar & Lola

»And the Oscar goes to …« Wie gern hätten wir diesen Satzanfang gehört, komplettiert durch: »Sound of Falling« – so der englische Titel von Mascha Schilinskis »In die Sonne schauen«. Letzten Mai hatte sie damit in Cannes Publikum und Jury beeindruckt. In gleich acht Kategorien konkurrierte ihr Vier-Generationen-Frauen-Porträt dann um den Europäischen Filmpreis. Dass das Werk als deutscher Beitrag ins Oscar-Rennen geschickt wurde, verwunderte daher niemanden. Als letzte Woche die fünf internationalen Titel für die Endrunde bekanntgegeben wurden …


… musste Mascha Schilinski aber in die Sonne schauen: Die Oscar-Zeremonie am 16. März im Dolby Theatre in Los Angeles wird ohne sie über die Bühne gehen. Schade, aber auch ohne diesen Ritterschlag bleibt es ein großartiger Film, den wir wahrscheinlich nicht im normalen FILMERNST-Programm wiederfinden werden, aber sehr gerne für Wunschfilm-Anfragen empfehlen.


Der Oscar-Exkurs sollte hier eigentlich nur die Überleitung bilden für den Hinweis, dass von den 31 Filmen des SchulKinoWochen-Programms die allermeisten mit ziemlich bedeutsamen Auszeichnungen und Preisen bedacht wurden, zwei sind ja bereits im vorhergehenden Text erwähnt.


Aber in der Tat: Sogar einen Oscar-Gewinner haben wir im Angebot, was wirklich selten ist: Aber an »Flow« kam im letzten Jahr keiner vorbei, zu groß waren das Staunen und die Begeisterung über diesen Animationsfilm aus Lettland. Zum Oscar gesellte sich der Golden Globe, der französische César und im Heimatland von Gints Zilbalodis der Lettische Filmpreis. Dass in der Hauptstadt Riga ein Denkmal in Gestalt einer Katze errichtet wurde, gleich neben dem Freiheits-Monument, ist für einen Film wohl eine seltene, einmalige Ehrung. Absolut sehenswert, dieser »Flow«, in der Sonderreihe »17 Ziele – Kino für eine bessere Welt«.



Fotos: LETA, Edijis Pālens via Gints Zilbalodis (Katzendenkmal Riga);
MFA+ FilmDistribution, Regensburg (Filmstills)


Hier, in unvollständiger Auflistung, noch ein paar weitere Verweise auf goldene und andere Preise der Filme, die wir während der SchulKinoWochen 2026 präsentieren.


»Goldene Spatzen«, beim traditionsreichen Deutschen Kinder Medien Festival in Erfurt und Gera, flogen dem »Geheimen Stockwerk« und den »Nulpen« zu, vor einigen Jahren schon »Amelie rennt«. Der (in Eberswalde angesiedelte) Dokumentarfilm »Über uns von uns« wurde 2025 von der FBW-Jugend-Filmjury als »Bester Jugendfilm« gekürt



Fotos: farbfilm Verleih, Berlin (»Amelie rennt« und »Das geheime Stockwerk«); UCM.ONE, Berlin (»Nulpen«); Real Fiction Filmverleih, Köln (»Über uns, von uns«)

»Amelie rennt« durfte sich 2018 auch über eine LOLA freuen, den Deutschen Filmpreis. Den bekam im letzten Jahr ebenfalls der hochdramatische Spielfilm »September 5« – und das in etlichen Kategorien: Bester Spielfilm, Beste Tongestaltung, Bester Schnitt, Bestes Maskenbild. Zudem erhielt er den »Brücke-Friedenspreis des Deutschen Films«.


Als der Deutsche Filmpreis noch nicht auf den Namen LOLA hörte, gab es ihn im Jahre 1976 für einen Film, der zweifellos zum nationalen filmischen Erbe zählt: Volker Schlöndorffs »Die verlorene Ehre der Katharina Blum«, nach dem gleichnamigen Buch des Literatur-Nobelpreisträgers Heinrich Böll. Der Film läuft, wie »September 5«, in der bpb-Sonderreihe »Demokratische Grundrechte schützen: Presse, Recht und Ethik«. Ein Filmband in Gold gab es damals für die beeindruckende Hauptdarstellerin Angela Winkler, ebenso für den Kameramann Jost Vacano. Eine Wiederentdeckung, ein Filmschatz bei den SchulKinoWochen.


Da die Berlinale 2026 vor den Kinotüren steht und in ihren verschiedenen Reihen sicher wieder Filme ins Licht rückt, die erst ins »normale« Kino und dann auch ins FILMERNST-Programm kommen könnten: Hier noch ein Rückblick auf 2025 ausgezeichnete Berlinale-Beiträge. Für einen wirklich sehr schönen, berührenden österreichischen Film – mit dem wahrscheinlich längsten Titel, den wir jemals im Programm hatten: »Wenn du Angst hast nimmst du dein Herz in den Mund und lächelst« – war der »Teddy Award«, ein LGBTIQ-Filmpreis, die verdiente Würdigung. Die AG Kino-Gilde verlieh ihren Preis an »Paternal Leave – Drei Tage Meer«, eine berührende deutsch-italienische Tochter-Vater-Geschichte. Und die für uns immer sehr relevante Berlinale-Sektion »Generation Kplus« hatte 2025 eine »Lobende Erwähnung« für »Zirkuskind«, was wir und bestimmt auch die 1.600 Kinder bestätigen können, die den Film im Herbst in 22 Veranstaltungen erlebten.



Fotos: eksystent Filmverleih, München (»Paternal Leave«); Arsenal – Institut für Film und Videokunst, Berlin (»Wenn Du Angst hast …«)


Beim Bayerischen Filmpreis 2026 waren wir schon, mit »Im Prinzip Familie« und »Zirkuskind«. Eine Ehrung fehlt aber noch, die Auszeichnung in der Kategorie »Bester Film«: Die bekam »Amrum« – und Regisseur Fatih Akin rief seinem jungen Hauptdarsteller Jasper Billerbeck in einem anderen als dem auf der nordfriesischen Insel gesprochenen und im Film auch zu hörenden Öömrang-Dialekt zu: »Das ist dein Fame, Digga!« Wir sind platt – und gratulieren herzlich!


Teaserbild LOLA: © Clemens Porikys / Deutsche Filmakademie

Von Herzen glücklich

Wut, Liebe, Hoffnung. Dieser Film beeindruckt von der ersten bis zur letzten Minute. Er ist schmerzhaft schön, wie seine Heldin. »Vena«, der Filmtitel, stellt die Verbindung zur Nabelschnur-Vene her: Sie versorgt den Fetus mit allem, was er braucht: mit Blut und Nährstoffen, sogar mit Gefühlen. Aber auch mit allem, was er nicht braucht. Ein harter Film, ein zu Herzen gehender Film. Wir wollten ihn unbedingt im Programm – und die JugendFilmTage Ende 2025 boten uns hier die passenden Gelegenheiten. Der Einsatz hat sich gelohnt …


… und darüber freuen wir uns sehr. Auch über die schon jahrelange gute, vertrauensvolle Zusammenarbeit mit dem Gesundheitsamt des Landkreises Dahme-Spreewald, mit den »Spreewald-Lichtspielen« Lübben und dem »Capitol« Königs Wusterhausen.. Angefangen hatte es mit einer Veranstaltung rund um den Welt-Aids-Tag, daraus hat sich dann eine Reihe entwickelt und im Landkreis als feste Kooperation etabliert.

Die Bilanz 2025 kann sich sehen lassen: Fünf Veranstaltungen mit fast 500 Besuchern: knapp 200 im Jugendfilm »Eva & Adam« und drei Veranstaltungen mit 300 Besuchern bei »Vena«. Alle Veranstaltungen wurden moderiert, boten Gespräche mit dem Publikum und, so es möglich war, mit Gästen.


Zu den »Vena«-Vorführungen konnten wir gleich zweimal den Hauptdarsteller begrüßen – und für Paul Wollin war es ein Novum: Zum ersten Mal die Begegnung mit einem Publikum außerhalb von Premieren- und Festivaltouren. Mit ganz anderer Atmosphäre und zum Teil auch anderen Fragen. Bis hin zur Begegnung mit einem Mädchen, das auf ihn zukam und, den Tränen nahe, von ganz persönlichen Momenten berichtete, von der Drogenabhängigkeit ihrer Schwester. Der Film habe ihr eine Art Halt geboten. »Liebe reicht eben NICHT immer….du mußt die Hilfe auch annehmen wollen«, hatte Paul Wollin, aus eigener Erfahrung, im Gespräch gesagt. Es waren intensive und gewiss nachwirkende Momente, sehr gelungene Veranstaltungen.


Auch die Regisseurin, Chiara Fleischhacker, wäre gern unser Gast gewesen, aber da sie intensiv an einem neuen Film arbeitet, wäre der Weg von Weimar nach LDS zu weit gewesen. Wir haben ihr berichtet – und sie schrieb uns zurück: »Mein klares Ziel als Regisseurin ist es, die Filme, die ich mache, aus der Bubble der Filmbranche zu bringen, zugänglich für alle zu machen. Vor allem auch Menschen zu finden, die Filme an Orte und zu Menschen bringen, die sich per se nicht vom Kino angesprochen fühlen. Junge Menschen mitzudenken und durch Veranstaltungen wie die von FILMERNST mit einzubeziehen, macht mich von daher von Herzen glücklich und führt das aus, was für mich der Sinn und die Relevanz von Kino ist. Danke!«



Fotos + Teaserbild: Weltkino Filmverleih, Feldafing, Leipzig (»Vena«)

Das war’s aber noch nicht mit den JugendFilmTagen 2025: Weil die Gesundheitsämter der Landkreise auch miteinander in Kontakt sind und gute Erfahrungen zur Nachnutzung empfehlen, gab es im Frühjahr bereits eine Anfrage des Landkreises Potsdam-Mittelmark. Wir waren bereit für die neue Kooperation – und so begann es mit zunächst einem Film, präseniert in drei Kinos: dem »Hofgarten« in Bad Belzig, dem »Neuen Lichtspielhaus« Beelitz und den »Neuen Kammerspielen« Kleinmachnow. Sechs Veranstaltungen mit dem Dokumentarfilm »Berlin Bytch Love« zogen 370 Jugendliche in die Kinos. Dr. Christoph Löwer, Beigeordneter des Landkreises Potsdam-Mittelmark, war als Schirmherr der JugendFilmTage zu Gast im »Neuen Lichtspielhaus« Beelitz – auf dem Bild gemeinsam mit der FILMERNST-Moderatorin Regine Jabin, mit Sandra Klebba vom Fachdienst Gesundheit, mit der Beelitzer Jugendamtsleiterin Antje Lempe sowie Margo Schuster und Angela Hauer von den Pro Familia-Beratungsstellen. Sie freuten sich sehr über die gelungene Premiere im voll besetzten Kino mit 60 Jugendlichen der Oberschule Beelitz und der Gesamtschule Treuenbrietzen.


Fotos: Stadt Beelitz



Wie schon im Jahr davor im Landkreis Dahme-Spreewald mit »Berlin Bytch Love« gab es auch bei den Veranstaltungen im Landkreis Potsdam-Mittelmark intensive Gespräche zum Film und die Begegnung mit den Regisseuren Heiko Aufdermauer und Johannes Gierke, die uns anschließend schrieben: Vielen Dank, dass Ihr diese Vorführungen möglich macht. Wir freuen uns, dass der Film so noch weiter im Gespräch bleibt und immer wieder zu neuen Gedanken und Diskussionen führt. Es ist immer wieder neu und toll bei FILMERNST.



Fotos: Silentfilm Berlin (»Berlin Bytch Love«)

Gut zu Fuß

Wir wissen natürlich, dass unsere Filmangebote primär von jenen Schulen genutzt werden, die direkt im jeweiligen Kino-Ort oder in naher Umgebung liegen. Die jährlichen Umfragen bestätigen das – und wir müssen notgedrungen in Kauf nehmen, dass die schulfilmischen Angebote nicht von allen wahrgenommen werden können. Einige nehmen aber schon auch weitere Wege auf sich, das dann zumeist mit dem ÖPNV. Ein Novum für uns – und wir wollten es erst gar nicht glauben – war die Wanderung von 200 Schülerinnen und Schülern …


… von Teltow ins Kino »Neue Kammerspiele« nach Kleinmachnow. Rund vier Kilometer, die die Mädchen und Jungen aus der »Ernst-von-Stubenrauch-Grundschule« unter ihre Füße nahmen, um dann »Weihnachten im Zaubereulenwald« zu sehen. Zurück natürlich wieder eine Stunde per pedes – und die Lehrerin, die den Wunschfilm bei uns nachgefragt hatte, berichtete von einem rundum gelungenen Erlebnis. Den FILMERNST-Wander-Pokal haben sie schon mal gewonnen!

Echter Schmerz …

… wäre vielleicht eine Übersetzung für »A Real Pain«. Diesen Film möchten wir gern am 15. Oktober im Potsdamer Filmmuseum zeigen, doch leider gibt es noch keine einzige Anmeldung dafür – Grund für unseren »echten Schmerz«. Deshalb an dieser Stelle noch einmal die große Bitte an die Oberstufen-Lehrkräfte in und um Potsdam, Ihre Möglichkeiten für einen Kinobesuch der besonderen Art zu prüfen – oder auch Kolleg:innen darauf hinzuweisen. »A Real Pain« läuft im Rahmen der Ausstellung »How to Catch a Nazi« ... 


... für die wir, in Koooperation mit dem Filmmuseum Potsdam, das schulfilmische Begleitprogramm gestalten und organisieren durften. Die Auftaktveranstaltung am 17. September war ein schöner Erfolg: ein ausgebuchter Kinosaal, ein intensiven Filmerlebnis, ein sehr aufmerksames jugendliches Publikum – und nach der Vorführung ein gutes Gespräch mit den Gästen, u.a. dem Antisemitismus-Beauftragten des Landes Brandenburg, Andreas Büttner, und dessen Stellvertreterin, Frau Dr. Verena Buser. 


Beide haben uns ihre Teilnahme auch an den nächsten Veranstaltungen der Reihe avisiert – und als Gäste für die Veranstaltung am 15. Oktober haben wir auch die aus New York stammende Schriftstellerin Holly-Jane Rahlens und den Synchronsprecher Constantin von Jascheroff,  die deutsche Stimme des Hauptdarstellers Kieran Culkin, angefragt.


Wir würden uns natürlich sehr über die Linderung unseres »Phantomschmerzes«, sprich über Anmeldungen für diese und die weiteren Veranstaltungen der Reihe freuen.


Anmeldung für den 15. Oktober (Beginn 10 Uhr) –Eintrittspreis 4,50 € pro Schüler:in, zwei Begleitpersonen pro Klasse kostenfrei.

Hier noch einmal der Flyer  zur Veranstaltungsreihe und der direkte Link zu »A Real Pain« mit dem Begleitmaterial.


Blühende Landschaften

»Nächstes Jahr fahren wir auch mal wieder in Urlaub«, sagt die Mutter bei einem Familienfest im Garten. Es ist schön hier auf dem Lande, in der Lausitz. Doch der Schein trügt. Als blühende Landschaften präsentieren sich im Jahre 2006 lediglich die Rapsfelder. Alles andere ringsum hält nicht, was den Menschen versprochen und von ihnen erhofft wurde. »Mit der Faust in die Welt schlagen« heißt der 2018 erschienene Roman des 1994 in Räckelwitz bei Bautzen geborenen Lukas Rietzschel. Es war das wuchtige literarische Debüt eines jungen Mannes, das von einer jungen Frau in einen fulminanten Film verwandelt wurde – ab jetzt im FILMERNST-Herbstprogramm. Kongenial …


… heißt es oft, wenn die filmische Adaption der Kritik und dem Publikum besonders gelungen erscheint. Für Constanze Klaues Film (empf. ab 8. Klasse) stimmt es: Sie trifft Geist und Gehalt der literarischen Vorlage – und übertrifft zugleich beides. Schon beim Lesen hatte man Bilder für die Figuren und Szenen im Kopf. Auf der Leinwand begegnet man ihnen wieder, in ganz ähnlicher oder in abweichender, veränderter, vielleicht auch irritierender Form. Genau diese Differenz macht das Sehen zu einem Erlebnis, die Geschichte der Menschen in der Lausitz zwischen 2006 und 2015 zu einer Neu-Entdeckung. Natürlich bietet sich gerade für den Literaturunterricht ein Vergleich der beiden Kunstwerke an, aber die Möglichkeiten für eine intensive Beschäftigung mit inhaltlichen wie formalen Elementen gehen weit darüber hinaus.


Die Schauspielerinnen und Schauspieler, gleich ob Erwachsene, Kinder oder Jugendliche, liefern Leistungen weit über dem Durchschnitt. »Filme sehen lernen« heißt hier aber auch zu sehen, was die Kamera von Florian Brückner aus der Landschaft herausholt, was das Szenenbild und die Kostüme hinzufügen, um uns in die Zeit nach der Wende zu versetzen. Der Film ist eine Wucht und wirkt daher lange nach. Wir sind sehr froh, ihn im Programm zu haben und empfehlen ihn hier sehr, wie übrigens auch die Jugendfilmjury der Filmbewertungsstelle: »Der Film hat uns auf eine besondere Art mitgerissen. Wir empfehlen diesen berührenden Film mit aktuell politischem Inhalt ab 13 Jahren«.



Ein Foto von der Premiere im Drehort des Films, viele der Szenen entstanden in und um Görlitz. 2. v.l. auf dem Bild im Görlitzer »Filmpalast« der Autor des Romans, Lukas Rietzschel. Rechts neben ihm der fantastische  Darsteller des Tobi, Camille Loup Moltzen. Mit der Hand auf seiner Schulter die Regisseurin Constanze Klaue, rechts neben ihr mit Cowboyhut Meinhard Neumann, der markante Darsteller des Uwe. 
Foto: FILMERNST, Susanne Pomerance


Titelfoto: Across Nations Filmverleih, Stuttgart/Berlin

Manege frei!

»So lange es Kinder gibt, so lange gibt es den Zirkus.« Eine Menge Lebensweisheiten hat der Urgroßvater, ein Urgestein der fahrenden Zunft, seinem Ur-Enkel mit auf den Weg zu geben. »Zirkuskind« ist eine Perle für die Jüngsten, aber eigentlich hat er ein Publikum zwischen 6 und 99 verdient. Als erster Dokumentarfilm in der Reihe »Der besondere Kinderfilm« wurde er mit viel Liebe vom Künstlerinnen-Duo »Badabum« gedreht, das sind Anna Koch und Julia Lemke. Am 16. Oktober ist bundesweiter Kinostart, die Manege für die erste FILMERNST-Veranstaltung öffnet sich aber schon am 30. September im »Union-Kino« Luckenwalde. Dafür danken wir …


… dem Verleih Across Nations sehr – und wollen uns natürlich mit einer großartigen Besucherresonanz revanchieren. Santino, der elfjährige Protagonist von »Zirkuskind« (empf. ab 2. Klasse), den wir ein Jahr lang begleiten dürfen, muss auf der Familien-Zirkustour durchs Land auch immer die Schulen wechseln. Stets wird er gefragt, wie das denn so sei, ohne feste Wohnung und ohne Freunde, die einem über Jahre vertraut und verbunden sind. Eine der Schulen, die Santino besucht und die wir im Film sehen, ist in Rathenow, wo insbesondere die »Pestalozzi«- und die »Spektrum«-Förderschule schon seit langem nicht nur zirkusbegeistert, sondern auch selbst zirzensisch aktiv sind. Und vielleicht gehen die Kinder, wenn sie den Film bei FILMERNST gesehen haben – ob im »Haveltor«-Kino in Rathenow oder den anderen 30 Spielorten –, noch einmal mit ihren Eltern oder Großeltern ins Kino. Es ist ja nicht nur ein fantastischerZirkus-, sondern vor allem auch ein wunderbarer Mehrgenerationenfilm.


Fotos: Across Nations Filmverleih, Stuttgart/Berlin

Smartphone-Hotel

»Amanda ist hier nicht willkommen!« Die Elfjährige hat Lars hintergangen und ihn angelogen wegen eines üblen, ihn verletzenden Videos. Dass wir »Lars ist LOL« ins Programm nehmen, war für uns seit langem ausgemachte Sache. Gut, dass es solche Kinderfilme gibt, die sich weltweit auf Festivals Auszeichnung um Auszeichnung verdienen und damit für große Aufmerksamkeit sorgen. Noch besser aber, dass sie hierzulande auch einen Verleih finden, der Lust und Kraft hat, solche Filme in die Kinos zu bringen. Immer wieder werden wir von Lehrkräften nach Kinder- und Jugendfilmen zum Thema Mobbing …


… gefragt und zunehmend auch um Filmvorschläge zu den Thema Social Media, Umgang und Missbrauch sozialer Netzwerke. »Lars ist LOL« (empf. für 4.-6. Klasse) bringt beides zusammen – und das auf eine sehr einfühlsame, aber auch, was seelische Verletzungen anlangt, sehr deutliche Weise. Um so entlastender und befreiender, wenn am Ende Amandas Entschuldigung akzeptiert wird, Versöhnung und Vergebung möglich sind. Die Lehrerin richtet, um künftigen Versuchungen und Missbräuchen zumindest während des Schultages vorzubeugen, ein »Smartphone-Hotel« ein.


Vielleicht keine so schlechte Lösung, zumindest ein Versuch. In etlichen europäischen Ländern gibt es ja bereits Mobiltelefon-Verbote in Schulen, in Deutschland wurde eine bundesweite Vorgabe von der Kultusministerkonferenz noch im Mai abgelehnt. Die Bundesländer entscheiden eigenständig über entsprechende Empfehlungen und Regelungen. Mit Beginn des neuen Schuljahres haben beispielsweise Hessen, Schleswig-Holstein, Bremen und auch Brandenburg die Vorschriften verschärft, setzen verstärkt auf Verbote. Ziel ist es, die private Handy-Nutzung weitgehend aus den Schulen zu verbannen, um die Konzentration zu fördern und die sozialen Kompetenzen der Kinder und Jugendlichen zu stärken. Sachsens Kultusminister Conrad Clemens lud zum Auftakt des neuen Schuljahres gleich zu einem medienwirksamen »Handygipfel« nach Dresden ein. Bundesbildungsministerin Karin Prien hatte sich genau diesen Tag für ihren Antrittsbesuch im Freistaat ausgesucht. Ab zweitem Halbjahr sind dort nun Handys tabu.

»Lars ist LOL« ist jedenfalls ein sehr geeigneter filmischer Beitrag, auch für Kultusminister und Ministerinnen, um das vielschichtige Problem mit seinen möglichen Auswirkungen und Folgen zu diskutieren, auch gemeinsam mit den Kindern. 
Also: »Lars« sehen und dann darüber reden!

Fotos: Der Filmverleih, Stuttgart

Hey, Siri …

»Der Spaß ist jetzt vorbei«, sagt die Direktorin zu Jordan und nimmt ihm das Handy ab. Nächste Woche wird er sich, gemeinsam mit seiner Mutter, vor der Schulkonferenz verantworten müssen. Auch in »Juniors« geht es um den Missbrauch sozialer Medien, um die scheinbar so einfache Möglichkeit, mit einer gefakten Erzählung an Klicks und damit auch an Geld zu kommen. Allerdings ist hier die Lüge ganz gewaltig – und um so größer und folgenreicher sind die Enttäuschungen und Vertrauensbrüche. Wenn Ihnen die Geschichte und der Film bekannt vorkommen: Wir hatten ihn bereits im Angebot …


… des FILMERNST-Frühjahrsprogramms, aber da die Zeit zwischen Flyer-Versand und Sommerferien so kurz bemessen war, mussten wir viele Termine leider absagen. Insofern versuchen wir es jetzt noch einmal, der Film hat es verdient! Irgendwann in »Juniors« kommen die Protagonisten an einen Punkt, wo nicht nur alles verloren scheint, sondern wirklich verloren ist – zumindest für einen der beiden. Die Fallhöhe von Jordans Lüge war aber auch gewaltig: Er hatte über seinen Videokanal verkündet, dass er Krebs habe und für die teure Therapie Spenden gut gebrauchen könne. Seine Glatze macht die infame Täuschung auf den ersten Blick glaubhaft. In Wahrheit will Jordan aber das online reichlich eingehende Geld für den Kauf einer neuen PlayStation verwenden. Natürlich ist die Enttarnung nur eine Frage der Zeit – und der Schwindel zu groß, als dass er sich mit Entschuldigungen und Reue leicht aus der Welt schaffen ließe.


»Hey, Siri, bin ich ein guter Mensch?«, möchte Jordan von der künstlichen Intelligenz wissen. »Das kann ich nicht beantworten«, lautet die Antwort. »Juniors« (empf. für 7.– 9. Klasse) ist, ungelogen, ein ganz großartiger Jugendfilm mit Ernst und Empathie.

Fotos: Landfilm Verleih, Chemnitz

Ohne Routine und Rituale

»Verhaltet euch unauffällig. Kein lautes Rufen auf Hebräisch!« Israelische Jugendliche werden für ihren Stadtrundgang durch Krakau instruiert. Es ist eine Klassenfahrt der ganz besonderen Art. Eine Reise, die junge Israelis nach Ende der Schulzeit obligatorisch gen Polen führt, zu den Orten früheren Schreckens, den Mahnmalen des Holocausts. Was diese Tour in ihnen auslöst, wie sie sich der Vergangenheit und den Erwartungen der Erinnerungskultur stellen, wird zur Suche nach dem eigenen Platz im Leben. »Delegation« ist ein Film, der Jugendliche …


… gleich welcher geografischen, sozialen oder religiösen Herkunft – zum Nachdenken bringt, wie die Vergangenheit hineinwirkt in die Gegenwart. Der Film erzählt davon, wie Geschichte ohne Routine und Rituale lebendig bleibt, für jeden, wo auch immer.


Der Film des Regisseurs Asaf Saban ist in Deutschland noch nicht in den Kinos gelaufen, hat aber auf Festivals weltweit für Aufmerksamkeit gesorgt und Auszeichnungen gewonnen. Am 17. September wird er – mit anschließendem Gespräch – im Filmmuseum Potsdam gezeigt, denn: In diesem Herbst gibt es aber nicht nur wie gewohnt das reguläre FILMERNST-Programm, sondern darüber hinaus noch eine Sonderreihe mit vier Filmen für die Oberstufe: Es ist die schulfilmische Ergänzung zu einer Ausstellung im Filmmuseum Potsdam mit dem Titel »How to Catch a Nazi«.


»In Brandenburg wissen viele Schülerinnen und Schüler zu wenig über jüdisches Leben, Geschichte und Religion«, konstatierte erst unlängst Andreas Büttner. Der Antisemitismus-Beauftragte des Landes Brandenburg sieht »einfach zu viele Bildungslücken«, daher müsse in Schulen mehr Wissen dazu vermittelt werden. Mit diesem Programm für die Oberstufe wollen wir hierfür einen Beitrag leisten. Die Veranstaltungen sind zunächst für das Filmmuseum Potsdam terminiert. Wir möchten aber auch Lehrkräfte in den anderen FILMERNST-Spielorten des Landes auf diese Sonderreihe aufmerksam machen – und vor allem auf die Möglichkeit, die vier Filme als »Wunschfilm«-Veranstaltungen in einem Kino Ihrer Region bei uns anzufragen.


Die Zeit bis zum 17. September, um noch die Teilnahme an dieser Veranstaltung zu planen, ist knapp bemessen. Wir wissen das – und möchten Sie dennoch herzlich einladen zum Besuch dieses Films. Wir freuen uns sehr, dass uns der Antisemitismus-Beauftragte des Landes Brandenburg, Andreas Büttner, bereits zugesagt hat – und ebenso die Schnittmeisterin des Films, Michal Oppenheim.


Anmeldungen direkt online hier.


Fotos: farbfilm Verleih, Berlin

Kolossales Kanu

»Ich bin mit der Gesamtsituation unzufrieden.« Dieser Satz soll Sie nicht auf das nächste Schuljahr einstimmen, ganz im Gegenteil. Wir hoffen sehr, dass Sie nach den Ferien mit ausreichend Kraft, Elan und Zuversicht ausgestattet sind, um all das zu bewältigen, was da auf Sie zukommt. Es werden nicht nur Diskussionen um soziale Medien und künstliche Intelligenzen sein. Wir wollen Sie jedenfalls auch weiterhin mit ausgewählten Filmen begleiten, uns als Partner für den besonderen »Lernort Kino« empfehlen. »Das Kanu des Manitu« wird wahrscheinlich …


…nicht zu unserem FILMERNST-Angebot zählen, das rauscht auch ohne uns auf einem kolossalen Kino-Strom. Fast drei Millionen Besucher in gerade mal drei Wochen, das wird ein neuer Rekord. »Ich bin mit der Gesamtsituation unzufrieden«, müssen ›Bully‹ Herbig und all seine komischen Mitstreiter also definitiv nicht sagen. Dieser Satz war jedoch einer der meistzitierten aus dem Vorgänger, »Der Schuh des Manitu«. Mit knapp zwölf Millionen verkaufter Eintrittskarten wurde das indianische Schuhwerk der erfolgreichste deutsche Film nach dem Zweiten Weltkrieg. Jetzt, mit dem »Kanu des Manitu«, hat ein anderer Spruch Aussichten auf dauerhaften Zitier-Erfolg: »Bitte, sag ned ›Indianer‹!«


Übrigens, nur zum Vergleich: Für »Das Kanu des Manitu« wurden in knapp drei Wochen 2.640.836 Tickets an den Kinokassen gekauft, das brachte einen Gesamtumsatz von 27.792.179 Euro. Für »Mit der Faust in die Welt schlagen« waren es in nunmehr 22 Wochen Kinoeinsatz 25.083 Besucher, die für einen Umsatz von 220.497 Euro sorgten, immerhin. »Lars ist LOL« kam in 19 Wochen auf 3.972 Zuschauer mit 24.222 Euro Umsatz. Das spornt uns an!


Fotos: Constantin Film, München

Rahmen sprengend

Auch wenn Spekulatius und Lebkuchen schon wieder in den Kaufhallen-Regalen stehen (der Kunde mag es, wie der Handel sagt!): Der Advent ist zum Glück noch eine Weile hin. Bis zu den Weihnachtsferien haben wir noch sehr viel vor: Mit dem regulären Herbstprogramm, mit der Sondedrreihe und etlichen bereits gebuchten »Wunschfilm«-Veranstaltungen streben wir filmernste Besucherrekorde an. Nicht zuletzt auch deshalb, weil wir schon wieder zwei neue Kinos als Partner haben: Bad Belzig und Luckenwalde gehörten zu den Spielorten, die bereits 2004 filmernst mitwirkten. Doch die Kooperation endete vor vielen Jahren, was wir – und zahlreiche Lehrkräfte in der Region – sehr bedauerten. Um so überraschender …


… als uns von den neuen Kinoleiter:innen umgehend die Frage erreichte: Können wir wieder filmernst mit von der Partie sein? Wir haben sofort »Ja« gesagt und auch nicht lange gezögert, um das »Hofgarten«-Kino in Bad Belzig und das »Union«-Filmtheater in Luckenwalde gleich mit Terminen ins aktuelle Programm zu integrieren. Verbunden damit war freilich, dass der Flyer in seiner bisherigen Form nicht mehr genügte: Die Orte + Zeiten sprengten den Rahmen, nachdem wir ja vor genau einem Jahr schon die Kinos in Brandenburg, Oranienburg und Neuruppin zurück in die FILMERNST-Familie geholt hatten. Nun sind es 31 Spielstätten, so viele wie noch nie. Von daher kommen die Flyer in wiedererkennbarer, aber leicht veränderter, eben erweiterter Form zu Ihnen. Mehr Platz auch für Bilder und Texte. Uns gefällt das neue Erscheinungsbild – und Ihnen hoffentlich auch.


Wir freuen uns jedenfalls sehr auf die Zusammenarbeit mit den beiden neuen Kinos und hoffen auf  viel Resonanz aus den Schulen der Region. Es sind schöne Kinos mit sehr engagierten Teams.


Auf dem Foto ist die Besucherschlange für eine FILMERNST-Veranstaltung im »Hofgarten« Bad Belzig zu sehen. Das war im Jahre 2008 – und das wünschen wir uns wieder. Herzlich willkommen!

Kleine Wunder

Zum Abschluss dieses Rundbriefs wollen wir nun noch einen gewaltigen filmernsten Bogen schlagen, von Brandenburg bis nach Venedig, an den Lido. Etwas gewagt, aber es gibt eine – zumindest indirekte – Verbindung: Dafür holen wir unsere diesjährige Neujahrskarte noch einmal hervor, auf der wir einen Film des Regisseurs Alexander Payne mit einem kauzigen Griechischlehrer ins Spiel brachten. Payne mag keine Filme mit dem Label »Weihnachtsfilme«, schrieben wir – und hat dennoch …


… mit »The Holdovers« einen der schönsten dieser Art geschaffen. Einen Film voller Melancholie, Wärme und Ermutigung. Ein Film für jede Jahreszeit, also auch für jetzt. Alexander Payne ist gerade beim berühmten A-Filmfestival in Venedig Präsident der Jury.


Bei der Eröffnungspressekonferenz ließ er die versammelten Journalisten (die gelegentlich so über Filme berichten, als wären sie ihnen zuwider) wissen: »Wir wurden für diese Aufgabe ausgewählt, weil wir in der Branche arbeiten, unseren Job offenbar ganz gut machen und uns mit Kino ganz gut auskennen. Aber, das sage ich allen: Jeder von uns sollte so reingehen, als hätte er noch nie einen Film gesehen. Ich sehe jeden der ausgewählten Filme als kleines Wunder an. Und freue mich auf alle.«


Übrigens: Zum Auftakt des Filmfestivals von Venedig wurde der Regisseur Werner Herzog mit einem »Goldenen Löwen« für sein Lebenswerk ausgezeichnet, überreicht von Francis Ford Coppola. Der 82-jährige Werner Herzog ist ein noch junger Regisseur, mit unverminderter Schaffenskraft. Er habe sich, wie er in Venedig dem Auditorium verkündete, immer in den Dienst des Kinos stellen wollen.


Auch das sprach uns aus dem Herzen: Wie Alexaner Payne sehen wir (fast) jeden von uns ausgewählten Film als kleines Wunder an, freuen uns auf alle – und stellen uns filmernst in den Dienst des Kinos. So soll es bleiben – von Brandenburg über Berlin bis Venedig!

Metamorphosen

»Die Metamorphosen des Protagonisten sind der Kern einer guten Geschichte«, macht der Schriftsteller-Vater seinem eher zweifelnden Sohn klar. »Der Protagonist kommt an einen Punkt, wo alles verloren scheint. Und genau an diesem Punkt muss er auf seine Stärken zurückgreifen.« Von der Literatur für das Leben lernen: Der 12-jährige Max braucht diese väterliche Ermutigung, um die Enttäuschungen beim Aufbau seiner »Coco Farm« zu überwinden und an seinen Plänen festzuhalten. Der kanadische Kinderfilm ist Teil des FILMERNST-Frühjahrsprogramms und auf seine höchst unterhaltsame Weise …


… eine Doppelstunde Wirtschaftsunterricht und Finanzkunde (empf. für 4.– 6. Klasse) im ›Lernort Kino‹. Die drei jungen Protagonisten der »Coco Farm« verfolgen mit viel Enthusiasmus eine blitzgescheite Geschäftsidee, gewinnen aus Rückschlägen im Bio-Ei-Business neue Kraft – und können nicht zuletzt auch Erwachsene motivieren, für sich selbst und die Gemeinschaft aktiv zu werden. Beim SCHLiNGEL-Festival in Chemnitz gewann der Film 2023 mehrere Preise, ebenso wie der französische Jugendfilm »Juniors«.



In »Juniors« (empf. für 7.– 9. Klasse) kommen die Protagonisten an einen Punkt, wo nicht nur alles verloren scheint, sondern wirklich verloren ist – zumindest für einen der beiden. Die Fallhöhe von Jordans Lüge ist gewaltig: Er verkündete über seinen Videokanal, dass er an Krebs erkrankt sein und für die teure Therapie Spenden gut gebrauchen könne. Seine Glatze macht die infame Täuschung auf den ersten Blick glaubhaft. In Wahrheit will Jordan aber das online reichlich eingehende Geld zum Kauf einer neuen PlayStation verwenden. Natürlich ist die Enttarnung nur eine Frage der Social-Media-Zeit – und der Vertrauensbruch zu groß, als dass er sich mit Entschuldigungen und Reue leicht aus der Welt schaffen ließe. Am Ende sitzt Jordan mit seiner Mutter vor der Schulkonferenz, die über seinen weiteren Weg entscheiden wird. »Juniors« ist, ungelogen, ein ganz großartiger, wahrhaftiger Jugendfilm mit Ernst und Empathie.



Einfühlungsvermögen und Emotionen, Ernst und Empathie charakterisieren auch den Film für die Jüngsten: »Nina und das Geheimnis des Igels« (empf. für 2.– 4. Klasse) ist ein fantastisch vielschichtiger, wunderbar leichter und zugleich tiefgründiger Animationsfilm. Immer aus der Sicht der Kinder erzählt, werden unerfreuliche, sie und ihre Familien belastende Themen ins Zentrum ihres Handelns gerückt: Der Vater, der für seine Tochter bislang jeden Abend Geschichten vom Igel erfand, zeigt sich nach dem Verlust seiner Arbeit niededrgeschlagen und verschlossen. Die Suche nach einer neuen Stelle ist schwierig, das Geld knapp, der Urlaub ungewiss. Das Abenteuer, auf das sich die beiden Protagonisten – Nina und ihr Freund Mehdi – einlassen, führt sie durchaus klopfenden Herzens an Punkte, an denen sie auf ihre spezifischen Stärken zurückgreifen müssen. »Nina und das Geheimnis des Igels« ist eine Perle von Animationsfilm!



Wenigstens vier Protagonisten gibt es in »5 Finger sind ›ne Faust« (empf. ab 9. Klasse): vier junge Männer, beste Freunde schon seit Kindertagen, die sich nach langer Zeit an einem traurigen Punkt wiederbegegnen, bei der Beerdigung ihrer gemeinsamen Freundin. Im Anschluss daran wollen sie noch einmal launig kollektiver Zeiten gedenken. Doch die Erinnerungstour mit einem geklauten SUV kracht schon bald aus der Kurve und es wird klar: Nichts in ihrem Leben ist so, wie es scheint. Statt der vermeintlichen Erfolge eher Tiefschläge und unerfüllte Hoffnungen. Auf welche ihrer Stärken wollen und können sie zurückgreifen? Noch dazu in dieser Situation, da sie auf ihrem Roadtrip notgedrungen einen Fremden aufgeghabelt haben, der ein islamistischer Terrorist sein könnte –  und überdies noch eine junge Frau, die immer unverhohlener ihre rechtsnationale Gesinnung propagiert. »5 Finger sind ›ne Faust« ist ein Film mit explosivem (visuellen) Beginn, mit überraschenden (erzählerischen) Wendungen und einer überzeugenden (politischen) Bodenhaftung. Ein Film für filmernste Diskussionen!




Das sind die vier Filme unseres FILMERNST-Frühjahrsprogramms: mit Protagonisten, die an ihre Grenzen kommen und genau an diesen Punkten auf ihre Stärken zurückgreifen. Die Filme und das Leben!

Wir freuen uns auf Ihre Anmeldungen.


Den Flyer gibt's auch hier als pdf.


Fotos: eksystent Filmverleih; Landfilm; Volle Pulle Filmproduktion

Große, kleine Zahlen

In »Juniors« wollen sich die Protagonisten ihren Verfolgern entziehen, indem sie real das machen, was sie zuvor schon so oft online in »Call of Duty« durchexerziert haben. Das Ego-Shooter-Spiel gehört zu ihren PlayStation-Favoriten – vielleicht kann es auch im wirklichen Leben Leben retten. Wie populär derartige Spiele sind, macht diese Zahl deutlich: Drei Millionen Zuschauer hat die Games-Verfilmung »Ein Minecraft Film« binnen eines Monats in die hiesigen Kinos geholt und ist damit der bisher umsatz- und besucherstärkste Film des Jahres geworden. Die Filme im FILMERNST-Programm …


… nehmen sich da etwas bescheidener aus, wenn sie überhaupt in den offiziellen Statistiken erscheinen. Der großartige Animationsfilm »Nina und das Geheimnis des Igels« verbucht nach acht Wochen Einsatz gerade mal 3.000 Besucher. »Coco Farm« streckt sich nach der 1000er-Marke, »Juniors« und »5 Finger sind ›ne Faust« tauchen in der Bilanz noch gar nicht auf. Wir machen in Moderationen und Filmgesprächen gern auf diese Relationen aufmerksam – und oft ist das Erstauen groß ob der fundamentalen Unterschiede in der (möglichen) Präsentation und Wahrnehmung von Filmen.

Seit Anbeginn des Projekts war es ein FILMERNST-Anliegen, gerade auch solchen Filmen eine Öffentlichkeit zu verschaffen, die in der normalen Kinoauswertung kaum einen oder gar keinen Platz finden und gewissermaßen unsichtbar bleiben. Filme, die berührende Geschichten erzählen, die Sichten und Horizonte erweitern, die auch nach Venezuela oder Argentinien führen, auf die Philippinen oder nach Südkorea, in die Türkei oder nach Bangladesch – oder wie im aktuellen Programm in die kanadische und französische Provinz. Was ist sonst schon zu sehen aus diesen Ländern im Kino? Auf guten Festivals natürlich weit mehr – und so ist es eine ganz großartige Initiative des Chemnitzer SCHLiNGEL-Festivals, einige der dort gezeigten und ausgezeichneten Filme – über den eigenen Landfilm-Verleih – für das normale Kinoprogramm bereitzustellen, zunehmend auch synchronisiert. »Coco Farm« und »Juniors« sind zwei Beispiele aus dem aktuellen Programm. Bei FILMERNST zu sehen waren aber auch »Rikscha Girl« und »Bori« oder »Binti – Es gibt mich«. Filme, die bei FILMERNST zumeist weit mehr als tausend Besucher erreichten.




Wie wichtig es ist, hochwertige, vielschichtige, anspruchsvolle Filme für Kinder und Jugendliche zu produzieren und dann auch zu zeigen, dazu haben wir einen sehr schönen Satz im Presseheft zu »Nina und das Geheimnis des Igels« gefunden. Alain Gagnol, einer der beiden Schöpfer des Animationsfilms, bekundet hier:
»Wenn man ein junges Publikum anspricht, macht man keine minderwertigeren Filme. Im Gegenteil, es ist, als hätte man eine noch größere Verantwortung bekommen. Das junge Publikum von heute wird das erwachsene Publikum von morgen sein. Wenn wir die jungen Leute nur mit lauten Bildern und bunten, seelenlosen Filmen füttern, die ihre Aufmerksamkeit erregen sollen, müssen wir uns nicht wundern, wenn sie später Filme auf ihren Handys konsumieren.«

In diesem Sinne: Kommen sie mit Ihren Schülerinnen und Schülern ins Kino, sehen Sie FILMERNST-Filme!


Fotos: Landfilm

Urlaub am Meer

Noch ist es ein Stück hin, aber man kann ja schon mal träumen von »Morgen, irgendwo am Meer«. Oder weiterträumen, wie Patrick Büchting. Sein Spielfilm-Debüt lief letztes Jahr mit Erfolg im FILMERNST-Herbstprogramm. Vor ein paar Tagen erreichte uns eine Mail des Regisseurs, die freudig kundgab, nun die 10.000er Besuchermarke erreicht zu haben. FILMERNST war daran mit 17 Veranstaltungen für insgesamt 1.300 Jugendliche beteiligt. Als Dank für diesen Einsatz schickte uns Patrick zum Verlosen drei DVDs …


… die wir an dieser Stelle gern ausschreiben und dann an die Gewinner weiterleiten. Wer sich also schon mal auf den nächsten Sommerurlaub einstimmen möchte, mit einem filmischen Roadtrip hin zum westlichsten europäischen Punkt an der portugiesischen Atlantikküste, der sende uns eine Mail mit dem Betreff: letzte Currywurst vor Amerika

Wer den Film vor den Sommerferien mit seinen Schülerinnen und Schülern (noch einmal) im Kino sehen möchte, der frage bei FILMERNST eine »Wunschfilm«-Veranstaltung für »Morgen, irgendwo am Meer« an. Patrick Büchting und sein Team würden sich sehr freuen – und wären, wenn es sich einrichten lässt, auch gerne wieder bei Gesprächen dabei.



Wer leer ausgeht bei unserer Verlosung, kann die DVD/Bluray natürlich auch auf den üblichen Vertriebswegen käuflich erwerben.


Fotos: Cangerfilms

Kannawoniwasein!

Dieser Titel eines großartigen Kinderbuchs und eines ebenso großartigen Kinderfilms ist einfach zu schön, als dass wir ihn nicht gern immer wieder mal verwenden möchten. Heute aus gegebenem Anlass eines runden Geburtstages: Leicht verspätete, aber nicht minder herzliche Glückwünsche zum 80. für Felix von Manteuffel. Er ist im schon 40-mal bei FILMERNST gezeigten »Kannawoniwasein!« kurz, aber kräftig als Opa Heinz zu erleben. Wer von Felix von Manteuffel nicht gleich ein Bild vor Augen hat (unwahrscheinlich) …


… hat (sehr wahrscheinlich) seine Stimme im Ohr. Es müssen ja nicht gleich die 145 Stunden Komplettfassung von »Harry Potter« sein. Die Reihe seiner Hörspiel-Auftritte ist scheinbar endlos – und jeder von ihnen ein Erlebnis. Wie eine Stimme zum Instrument wird, lässt Felix von Manteuffel auf höchst eindrucksvolle und höchst einprägsame Weise seine kleinen und großen Zuhörer mit- und nacherleben. Wir – und ein begeistertes Publikum – konnten ihn schon einige Male live hören bei FILMERNST-Veranstaltungen und hoffen auf Fortsetzungen. Seit letztem Jahr sind Felix von Manteuffel und seine Frau Leslie Malton FILMERNST-Paten.

Herzlichen Glückwunsch, lieber Felix – und lass von Dir hören!




Fotos: Lieblingsfilm/sad ORIGAMI / FILMERNST

Blaues Band

Es muss vor unendlich langer Zeit gewesen sein, als wir zum ersten Mal einen von ChatGPT verfassten Text im Rundbrief präsentierten. Es war Ende November 2022. Was in den zweieinhalb Jahren seitdem im KI-Bereich passiert ist, kann einen, je nach Stimmung, in Staunen oder in Schwindel versetzen. Vielen wird angst und bange, und sie fragen sich, ob ihre Fähigkeiten, ihr Wissen und Können noch gebraucht wird: Nennen wir, auf den Film bezogen, nur mal Drehbuchautoren oder Synchronsprecher. Auch Dichter sollten sich nach neuen, zukunftsträchtigen Professionen umschauen, oder? Wir wollten die Probe aufs Exempel machen …


… und uns ein Frühlingsgedicht verfassen lassen. Die Vorgaben an unseren maschinellen Intelligenzpartner waren präzise: Frühling, aber nicht März, sondern Mai. Unsere Leser sehr klug und poesie-erfahren. Die Themen Bildung und Erziehung sollten indirekt angesprochen werden, möglichst metaphorisch.
Nach einigen von uns abgelehnten Versuchen kam der Vorschlag:


»Erste Blüten, erster Mai« von Otto Julius Bierbaum,
mit dem Auszug:


Lange schlug das Herz mir dumpf  Und in faulen Schlägen, / War ein tangbedeckter Sumpf / Ohne Wellenregen. Bunte Blumen blühten rings /
Und ich ging vorüber; / Wissenschaft, die graue Sphinx / Gab mir Nasenstüber.

Der KI-Kommentar dazu lautete: Dieses Gedicht könnte als humorvolle Anspielung auf die schulischen Herausforderungen dienen, insbesondere in der Zeit des Frühjahrs, wenn der Wunsch nach draußen zu gehen und die Natur zu genießen, mit den Pflichten des Lernens kollidiert.


Das gefiel uns überhaupt nicht, schon gar nicht diese Erklärung. Schnell und dann mehrfach wiederholt, folgte der Vorschlag, uns von ChatGPT doch ein eigenes Gedicht schreiben zu lassen. All unsere Vorgaben wollte die KI bedenken und einbringen.



Im Mai beginnt das Denken leicht
(für Lehrerinnen und Lehrer)


Die Zweige schreiben grün und rund ihr Alphabet in Blätterschrift, der Wind liest laut – und jede Kund erhebt sich wie ein leichter Lift.
Im Klassenzimmer fließt das Licht, als wollt es selbst am Lernen sein, ein Kind fragt plötzlich: ›Was ist Pflicht?‹ –und alle horchen fragend rein.
Der Mai, er blättert sacht und still im Buch, das Jahreszeiten trägt, und zeigt: Wer wachsen wirklich will, sucht Fragen, die man nicht gleich schlägt.



Das fanden wir gruselig und gaben zu bedenken, dass das Gedicht auf keinen Fall mit dem Wort »schlägt« enden dürfe, denn das könnte gestrige, heute strengstens untersagte Gepflogenheiten assoziieren. Dieser Einwand wurde sofort akzeptiert: Im Kontext mit Erziehung wäre das Wort ›schlagen‹ wirklich unangebracht.


Nach unserer weiteren Eingrenzung nur auf Dichter des 20. oder 21. Jahrhunderts kamen zwar neue Vorschläge, aber keiner, der uns gefiel oder den wir gar hätten weitergeben wollen.


Eine Strophe erregte allerdings unsere Aufmerksamkeit:


»Bleib nicht stehen, geh weiter,
auch wenn der Weg steinig ist.
Der Frühling kommt, er wird dich begleiten,
auch wenn du ihn nicht siehst.«

Als Autor wurde Wolf Biermann angegeben, was uns merkwürdig vorkam, da wir sein Werk ganz gut zu kennen glaubten. Wir baten um das ganze Gedicht, das sofort übermittelt wurde, es heißt: »Ermutigung« und beginnt mit den wunderbaren Versen:


»Du, laß dich nicht verhärten / in dieser harten Zeit.«

Die anfangs zitierte und Biermann zugeschriebene Strophe »Bleib nicht stehen, geh weiter«, findet sich allerdings nicht in Biermanns Gedicht »Ermutigung«, wie wir sogleich etwas verärgert einwandten. Das zuzugeben, fiel ChatGPT leicht. Ohne rot zu werden (ist das überhaupt möglich?) wurde die Erklärung angefügt: »Diese Zeilen kommen in Wolf Biermanns Gedicht ›Ermutigung‹ nicht vor – weder im Originaltext noch in irgendeiner bekannten Variante. Dieses Zitat stammt nicht von Biermann und gehört auch nicht zu seinem Werk. Es ist eine frei formulierte Motivationsstrophe unbekannter Herkunft, die häufig im Netz geteilt wird, manchmal fälschlich mit seinem Namen. Das tatsächliche Gedicht ›Ermutigung‹ ist deutlich politischer und sprachlich klar Biermanns Stil zuzuordnen – wie du an den echten Versen gesehen hast. Es enthält keine so direkt ermutigende Frühlingsmetaphorik wie die irrtümlich zugeschriebene Strophe. Danke, dass du so aufmerksam warst! Möchtest du vielleicht noch nach anderen Gedichten aus dem 20. Jahrhundert suchen, die besser zu deinem Rundbrief passen könnten?


Nein, wir wollten keinen weiteren Versuch mehr wagen, konzentrierten uns auf die eigene natürliche Intelligenz und versuchten, auf der wunderbaren Webseite von planetlyrik.de fündig zu werden, was uns auch gelang.


Hier nun das uns sehr gefallende Frühlingsgedicht für Sie. Es ist von Felix Philipp Ingold, einem 1942 geborenen Autor, Übersetzer, Herausgeber, Slawistikprofessor. Natürlich klingt Eduard Mörike – mit dem Gedicht-Klassiker »Frühling läßt sein blaues Band« – im Ingoldschen Werk an und durch:



(Er ist’s!)
FRÜHLING läßt sein blaues
Wieder durch die
Süße: Lüfte
Streifen Land. Schon
Wollen, ein Kommen. Horch:
Von fern – geh leise!
Ja? Dem
Sei’s unbenommen.



aus: Felix Philipp Ingold: Haupts Werk Das Leben. Ein Koordinatenbuch vom vorläufig letzten bis zum ersten Kapitel. https://www.planetlyrik.de/fpihauptswerk/fruehling/


Wir schließen hier mit dem letzten Satz eines Kommentars von Lisa Becker in der »Frankfurter Allgemeinen Zeitung« vom 1. Mai 2025:
»Lehrkräfte sollten sich weiterbilden und einfach beginnen, gemeinsam mit den Schülern zu experimentieren, und natürlich kritisch über KI reflektieren – damit die Schüler schlauer und nicht dümmer werden.«


Diese Frühlings-Gedicht-Analyse wäre schon mal ein Anfang.
Kommen Sie gut durch die schönste Zeit des Jahres, grüner wird's nicht!


Foto: cottonbro studio / Pexels

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