FILMERNST

Sehend lernen – Die Schule im Kino

Das Kompetenzzentrum für
Film – Schule – Kino
im Land Brandenburg

Wal-Reiterin

Gut, wir geben es zu: Der erste Text des Rundbriefes sollte in seiner Überschrift das Lockwort »Wal« haben. »Wal-Kampf« war uns zu politisch und »Wal-Urne« zu deprimierend. Beides hätte ja auch keinerlei Bezug zu FILMERNST. »Wal-Reiterin« dagegen schon, als Übersetzung des originalen »Whale Rider«. Dieser neuseeländische Film war vor mehr als 20 Jahren eine frühe Perle im FILMERNST-Programm. Am Ende der Geschichte reitet ein 12-jähriges Mädchen auf dem Rücken eines Wals hinaus auf den Pazifik, führt damit …


… nicht nur ein ganzes Rudel lebensüberdrüssiger Meeressäuger in die Freiheit, sondern auch ihr Dorf und ihren Stamm in die Zukunft. Dem Großvater hat sie mit der Wal-Rettung eindrucksvoll klar gemacht, dass es nicht auf ewig ein Junge sein muss, der die Traditionen fortführt und das Erbe der Whangara bewahrt.


»Whale Rider«, der Film, entstand nach dem Roman des Māori-Schriftstellers Witi Ihimaera. Aus seiner New Yorker Wohnung heraus hatte der neuseeländische Autor einen im Hudson River aufgetauchten Wal beobachten können. Das seltene Ereignis inspirierte ihn dann zur literarischen Verarbeitung der Wal-Mythen seines Volkes.


Nun sind wir natürlich sehr gespannt auf die literarischen und filmischen Verarbeitungen von Timmys Ostsee-Odyssee. Vielleicht greift ja MV-Umweltminister Till Backhaus gleich mal selbst zur Feder. Als Experten sich gewiss zeigten, dass der wochenlang ganz Deutschland in Hochspannung haltende Buckelwal nun endlich das Zeitliche gesegnet habe, verkündete der wal-kämpfende Minister in einem NDR-Interview: »Ich kann Ihnen heute sagen: Der Wal lebt.«


Wenn das kein Stoff für dramatische Kunst ist! Doch ob FILMERNST den Timmy-Film dereinst ins Programm nimmt, bleibt abzuwarten. Wir würden weiter »Whale Rider« empfehlen!


Teaserfoto: Andrew Bain auf Unsplash 
Filmplakat und Filmstill: Pandora Film, Köln 2003


Königliches Traumpaar

Vom pazifischen Ozean um Neuseeland kommen wir nun auf kürzestem filmischen Weg ins brandenburgische Havel- und Seenland – und damit zum FILMERNST-Frühsommer-Programm. Der Film für die Kleinsten ist unser Gruß an den Regisseur Rainer Simon. Als junger Mann hatte er 1968 einen fantastisch-fulminanten Film gedreht: »Wie heiratet man einen König«. Fast 60 Jahre nach ihrem Entstehen ist diese Grimmsche Märchenadaption noch immer ein absolut geistreiches Vergnügen. Sie überrascht und überzeugt …


… von Anfang bis Ende mit Bildern und Tönen, Farben und Formen höchster Lebensfreude. Ein Dank also gen Potsdam an Rainer Simon. Ein Dank und Gruß aber auch nach Berlin, wo die DEFA-Stiftung ihren Sitz hat und seit Jahren dafür sorgt, dass das DEFA-Erbe erhalten und bewahrt, gehegt und gepflegt wird. Und dass Filme eben auch digitalisiert werden, damit sie nicht auf analogem Material in Archiven verstauben, sondern in Kinos weiter am Leben bleiben. Wie eben »Wie heiratet man einen König« (wir werden uns bei Rainer Simon erkundigen, warum dem Titel das Satzzeichen fehlt, obwohl es doch ganz eindeutig eine Frage ist).


Und um noch mal auf das havelländische Wasser zurückzukommen: Gedreht wurde u.a. um das Dorf Päwesin herum. Das erste Bild des Films zeigt uns ein windschiefes Häuschen an einem See. Ein malerisch schönes Motiv – und Rainer Simon glaubt sich zu erinnern, dass es ehemalige Kieskuten waren, »wo unsere Szenenbildner das Häuschen hinbauten, nachempfunden dem Weiherhaus von Albrecht Dürer«. Nicht das einzige Bild und die einzige Einstellung wie gemacht für den Kunstunterricht.



Wir empfehlen »Wie heiratet man einen König« für 1. bis 3. Klasse. Aber eigentlich ist er sehenswert für jedes Alter – und für die Älteren, die DEFA-Freunde, gibt es viel (wieder-)zuentdecken, vor allem auch ganz großartige Schauspielerinnen und Schauspieler. Cox Habbema und Eberhard Esche sind ein Traumpaaar!


Hier die Online-Version des Flyers mit dem FILMERNST-Frühjahrsprogramm.


Der MDR widmet sich mit einem opulenten Programm dem Jubiläum »DEFA 80« – unter diesem Link finden Sie alle Filme und alle Sendezeiten: https://www.mdr.de/presse/achtzig-jahre-defa-100.html


Teaserfoto: © DEFA-Stiftung/Hans Rudolf Hattop, Wolfgang Reinke
Gemälde: »Weier Haws«, Aquarell, Albrecht Dürer 1495/96

Ungarisch übersetzt

Wir bleiben am Wasser und baden jetzt im Balaton: Die 13-jährige Nina lässt sich rücklings auf dem See treiben, schaut in den strahlend blauen Himmel mit einer dahinschwebenden weißen Wolke. Das Mädchen träumt aber nicht nur so vor sich hin, sondern versucht, Bilder ihrer Mutter zu erinnern. Die ist vor acht Jahren schon gestorben, und nun drängt es die Tochter, mehr oder überhaupt etwas über die Frau zu erfahren, von der sie so gut wie nichts weiß, von der es absolut keine Fotos zu geben scheint. Um ihr auf die Spur zu kommen, beginnt Nina zu schreiben – und es wird »Der Sommer, als ich (m)eine Geschichte fand« …


Eigentlich trägt der Film den Titel »I Accidentally Wrote A Book – Der Sommer, als ich (m)eine Geschichte fand« – und das wäre der längste Titel gewesen, den wir jemals für einen Film gehabt hätten. Vor allem hätte er auf dem Flyer so viele Zeilen beansprucht, dass für den Inhaltstext kaum noch was übrig geblieben wäre. Also haben wir uns für die Kurzfassung entschieden, die auch schon lang genug ist. Und weil es so schön klingt, würden wir Ihnen gerne auch den Titel im Original zu Gehör bringen. Da das nicht geht, schreiben wir ihn wenigstens hin: »Véletlenül írtam egy könyvet«. So besonders wie der Titel ist auch das Werk: Ein Kinderfilm, der nicht behauptet, sondern zeigt, wie traurig und ernsthaft, wie kreativ und originell die Geschichten des Lebens sind.



Ungarische Filme waren bislang bei FILMERNST viel zu selten, fast nie zu sehen. Was nicht unbedingt daran liegt, dass es keine gäbe. Sie finden nur nicht den Weg zu uns, laufen vielleicht noch auf Festivals, aber nicht in den Kinos und nicht synchronisiert. Von daher sind wir froh um die Initiative des Chemnitzer SCHLiNGEL. Immer mehr der auf dem Festival gezeigten und ausgezeichneten Filme werden über den eigenen Landfilm-Verleih für das normale Kinoprogramm bereitgestellt. Der Vertrieb erfolgt über den im schleswigschen Ascheffel beheimateten barnsteiner filmverleih. Dort sitzen Film-Enthusiasten, mit denen wir seit Jahren bestens zusammenarbeiten, die uns Filme frühzeitig signalisieren und empfehlen, wie eben das – ins Ungarische übersetzte – »Véletlenül írtam egy könyvet«. Das aus dem Niederländischen übersetzte Buch von Annet Huizing, nach dem der Film entstand, trägt übrigens den Titel: »Wie ganz zufällig aus meinem Leben ein Buch wurde«
Eine Geschichte, so viele Titel!


Nun aber: Baden im Balaton! – mit der filmernsten Ergänzung, dass wir vor etlichen Jahren schon mal einen Film im Programm hatten, der am und auf dem Balaton spielt: Robert Thalheims leider arg unterschätzter »Westwind«, mit Friederike Becht, Luise Heyer, Franz Dinda und Volker Bruch. Zwei Mädchen aus der DDR, Zwillinge, die als Kanutinnen künftig Medaillen für ihr Sport-Land holen sollen. Das Sommer-Trainingslager am Plattensee ist eine Auszeichnung für sie, doch ihr Rudergleichschlag kommt schjon bald aus dem Takt. Die Bekanntschaft mit zwei Hamburger Jungs verursacht eine Konfusion der Gefühle und verlangt eine Entscheidung: Zurück in die DDR oder Flucht in den Westen? Ein Schicksalsmoment, im Sommer 1988. Ein spannend erzählter, eindringlich gespielter, emotional bewegender Film, auch für den Geschichts- und Politikunterricht. FILMERNST hat ausführliches Begleitmaterial für diesen Film erstellt.



Fotos: Landfilm Filmverleih, Chemnitz / barnsteiner filmverleih, Ascheffel (»Der Sommer, als ...«) / Zorro Filmverleih, München (»Westwind«)

Pretty in pink

Ganz wenig Wasser nur gibt es im Film »DJ Ahmet«. Lediglich frühmorgens klatscht der Vater seinem Sohn einen Scheffel eiskaltes Nass ins Gesicht, damit der aufstehe und sich an sein Tagwerk mache: Schafe hüten. Weil ihm eins von den 20 Tieren abhanden kam, muss Ahmet so lange draußen schlafen, bis die Herde wieder komplett ist. Das Leben in diesem nordmazedonischen Dorf bewegt sich in archaischen Bahnen. Eine arrangierte Ehe ist, auch heute noch, nichts Ungewöhnliches. Sie entspricht den Traditionen der hier lebenden türkischen Minderheit der Yörük …


… zu der auch die Vorfahren der 15-jährigen Aya gehören. Eigentlich in Deutschland lebend, ist das Mädchen in die Heimat ihrer Familie zurückgekommen, wo bereits ein ihr völlig unbekannter Bräutigam auf sie wartet. Doch die Zeiten haben sich gewandelt, und Aya hat einen Plan, wie die Hochzeit zu verhindern wäre. Mit ein paar mutigen Freundinnen will sie beim jährlichen Dorffest einen Auftritt präsentieren, der gegen alle Braut-Regeln verstößt. Ahmet hilft ihr bei den heimlichen Proben, indem er seinen Traktor DJ-mäßig mit Lautsprechern bestückt, aus denen die Rap-Songs ertönen. Die Musik ist für Ahmet ein Elixier, das ihn an die verstorbene Mutter erinnert und nun von Aya neuen Sinn bekommt. Ausbrechen aus der Herde, wie eines seiner Schafe, das aus der Reihe tanzt, um dann doch wieder zur Familie zu stoßen. Das Ende wird pretty in pink!


»DJ Ahmet« hat, nach seiner Premiere beim berühmten Sundance-Festival in Salt Lake City, eine weltweite Tour absolviert, wurde vielfach ausgezeichnet und von den Medien hochgelobt. Gerade auch für die großartigen Laiendarsteller, die der Regisseur nach ausgiebiger Suche in den noch bestehenden Yörük-Gemeinden fand. Mit welcher Intensität und Subtilität sie ihre Rollen spielen – Haupt- und Nebendarsteller, Kinder, Jugendliche, Erwachsene –, ist nachhaltig überzeugend und jetzt bei FILMERNST zu erleben.



Fotos: Neue Visionen Filmverleih, Berlin

Klassenfahrt nach Krakau

Es vergeht kein Tag, an dem nicht solche Nachrichten zu lesen sind: »Antisemitische Vorfälle haben … auch in NS-Gedenkstätten deutlich zugenommen«. Vielfach, aber eben nicht nur gibt es einen rechtsextremen Hintergrund, knapp die Hälfte der Geschehnisse ist anti-israelisch motiviert. Das nicht einfach nur stillschweigend hinzunehmen und sich noch weiter ausbreiten zu lassen, ist gesellschaftliche Verpflichtung, auch der Schulen. »Zu viele Bildungslücken« jedoch wurden Brandenburger Schülerinnen und Schülern bescheinigt, sie wüssten »zu wenig über jüdisches Leben, Geschichte und Religion«. Im Herbst …


… des vergangenen Jahres haben wir mit einem filmischen Sonderprogramm zu den Themen Holocaust und Antisemitismus etwas dazu beitragen wollen, Wissen zu erweitern und Gespräche zu befördern. Die vier ausgewählten Filme liefen im Rahmen einer Ausstellung im Filmmuseum Potsdam mit dem Titel »How to Catch a Nazi«. Die Resonanz war leider bescheiden, was die weiter oben getroffenen Einschätzungen nur zu bestätigen scheint. Zu wenige Klassen und Gruppen bekundeten Interesse am Angebot, meldeten sich zu den Filmen und den Ausstellungsrundgängen an. Für jene aber, die ins Potsdamer Filmmuseum kamen, bewirkte das im »Lernort Kino« Gesehene und Besprochene durchaus etwas, wirkte nach und regte zum Weiterdenken an.


Genau das möchten wir fortsetzen, bieten einen der Filme im Frühjahrsprogramm nicht nur im Filmmuseum Potsdam, sondern landesweit in allen Partner-Kinos an: »Delegation«, das Werk des israelischen Regisseurs Asaf Saban, hat auf Festivals weltweit für Aufmerksamkeit gesorgt und Preise gewonnen. Der Film erzählt davon, wie Geschichte ohne Routine und Rituale lebendig bleibt, für jeden, wo auch immer.


»Verhaltet euch unauffällig. Kein lautes Rufen auf Hebräisch!« Mit diesen Regeln werden israelische Jugendliche für den Rundgang durch Krakau instruiert. Es ist eine Klassenfahrt der besonderen Art. Eine Reise, die junge Israelis nach Ende der Schulzeit obligatorisch gen Polen führt, zu den Orten früheren Schreckens, den Mahnmalen des Holocausts. Zu vieles scheint auf der Fahrt in die Vergangenheit allerdings normiert und programmiert. Routine mit Fixpunkten und kalkulierten Emotionen. Was aber macht es mit einem, wenn man in Maidanek vor den Bergen von Schuhen der Häftlinge steht? Was macht es mit einem (um auf den einleitenden Satz dieses Textes zurückzukommen), wenn man in Gedenkstätten antisemitische Grafitti liest? Was diese Tour in den israelischen Jugendlichen auslöst, wie sie sich der Vergangenheit und den Erwartungen der Erinnerungskultur stellen, wird zur Suche nach dem eigenen Platz im Leben.


Natürlich besteht auch weiterhin die Möglichkeit, die anderen Filme des letztjährigen Sonderprogramms als »Wunschfilm«-Veranstaltungen in einem Kino Ihrer Region bei uns anzufragen.


In diesem Zusammenhang möchten wir gern noch auf zwei Bücher hinweisen. Zum einen auf: Ben Salomo: Sechs Millionen, wer bietet mehr? Judenhass an deutschen Schulen
Jüdischer Verlag im Suhrkamp Verlag, Berlin 2025, 170 Seiten, Klappenbroschur, 18 Euro, ISBN 978-3-633-54342-7
»Lesen sollten das Buch vor ­allem Pädagogen, die sich scheuen, über Antisemitismus zu sprechen, denn Salomo liefert in erster Linie Argumente für die Notwendigkeit einer antisemitismuskritischen ­Bildungsarbeit, keine Anleitungen.« (aus einer Kritik des Buches von Silvia Stieneker, jungleworld.de)


Zum anderen auf: Sarah Cohen-Fantl: Wie alles begann und sich jetzt wiederholt. Meine jüdische Familiengeschichte. 
Bonifatius Verlag, Paderborn, 304 Seiten, gebunden, 25 Euro, 
ISBN 978-3-98790-100-3 
»Eine Auseinandersetzung mit der Frage, was ›Nie wieder‹ bedeutet, wenn Antisemitismus erneut um sich greift, und wie sich jüdisches Leben zwischen Erinnerungspflicht und alltäglicher Bedrohung behauptet. Sarah Cohen-Fantl gelingt damit ein Werk, das gleichermaßen Zeugnis und Selbstbehauptung ist. Ein Buch, das unbequem bleibt, weil es bewegt. Und das zum Handeln auffordert«, schrieb Jasmin Arémi in »mena-watch«, einem unabhängigen Nahost-Thinktank mit Sitz in Wien. Einen Auszug aus dem Buch in der »Jüdischen Allgemeinen« lesen Sie hier. 


Stehende Ovationen

Bildungslücken wie die eben beschriebenen schnell und dauerhaft zu schließen: Niemand dürfte wohl daran ein größeres Interesse haben als der Bildungsminister. Wir werden ihn bei passender Gelegenheit zu einer FILMERNST-Veranstaltung einladen und hoffen natürlich sehr auf eine Begegnung im »Lernort Kino«. Damit FILMERNST zu keiner Zeit im Regen steht, dafür haben wir uns seit seiner »Geburt« um einen Schirmherren bemüht – in Gestalt des Bildungsministers resp. der Bildungsministerin. Wie Sie alle wissen, …


… stand mal wieder ein Wechsel an, so dass wir in unserer ansehnlichen Schirmherren-Galerie inzwischen bei Porträt Nummer 7 angelangt sind. Wir freuen uns sehr, dass Gordon Hoffmann schnell und entschlossen den Schirm in die Hand genommen hat. Auf den an die Schulen gesandten Flyern fehlt sein Name, da war die Bestätigung noch nicht amtlich, aber auf der Online-Version des Flyers ist alles komplett.


Gordon Hoffmanns Vorgänger im Amt, Steffen Freiberg, sei auf dem SPD-Landesparteitag mit stehenden Ovationen verabschiedet worden, wie wir lasen. Ein bergmännisches »Glück auf!« soll er der neuen Koalition zugerufen haben. Wir danken ihm und zitieren aus Tucholskys Gedicht »Danach« die Zeile: »Und darum wird beim happy end im Film jewöhnlich abjeblendt«.

Probleme, Probleme

»Wie füllen wir denn diese Zeit? Wir denken über – gestatten Sie den Ausdruck? – über allen Teufelskram nach. Und das Resultat? Probleme! Dinge, die für den nichtdenkenden Menschen vollkommen selbstverständlich wären, wuchten sich auf, ballen sich zu unlösbaren Problemen. Wir haben Erziehungsprobleme, volkswirtschaftliche Probleme, Eheprobleme, wissenschaftliche Probleme, Sexualprobleme. Auf jeden Quadratmeter unserer Erde ein Problem!« Nun, hätten Sie gedacht, dass diese »Problematik« aus dem Abituraufsatz eines 19jährigen stammt? Von einem, der später mehrfach …


… für den Literatur-Nobelpreis im Gespräch war? Der selbst zum Abiturthema werden sollte mit seinen Werken, nun aber leider immer seltener unterrichts- und prüfungsrelevant ist.


Nun, der junge Max Frisch wählte 1930 im Deutsch-Abitur die »freie Erörterung« zum Thema »Licht- und Schattenseiten der modernen Technik«. Dass sein Ego auch in jungen Jahren Anspruch bewies, zeigte seine Ansage: »Ich erstrebe hier keine Vollständigkeit. Aus Mangel an Zeit und Lust.«


Wenn Sie wissen möchten, wie die Prüfer das Problembewusstsein des jungen Mannes benoteten, können Sie das in diesem Buch erfahren:
Bitte nicht ins Buch kritzeln! Von Lehrmitteln und Lernwegen
Herausgegeben von Dirk Vaihinger, mit Illustrationen von Sarah Weishaupt. Lehrmittelverlag Zürich 2026 / I
SBN 978-3-03713-972-1 / 108 Seiten / 16 Euro


https://nichtkritzeln.ch/


Sollten noch Examen anstehen, dann wünschen wir allen Prüflingen viel Erfolg – und verzichten Sie auf Sätze wie: »Ich erstrebe hier keine Vollständigkeit. Aus Mangel an Zeit und Lust.«

Knospen und KI

Auch diesen Rundbrief wollen wir gern wieder poetisch beenden. Aber nicht mit einem langen Frühlingsgedicht, sondern mit einem Haiku, passend zur Kirschblüte. Drei Zeilen, 17 Silben. Knappste Form, höchstes Gefühl. Aus Mangel an Zeit und Lust, wie der junge Max Frisch, bemühen wir die KI – und müssen doch korrigierend eingreifen: Die zweite Zeile wurde uns mit fünf statt sieben Silben angeboten. Also machten wir einen eigenen Vorschlag …


Im Frühlingsregen
Max Frisch wartet ohne Schirm
Knospen fragen nach.


Chat GPT wusste das wohlwollend so einzuschätzen:


Das funktioniert deutlich stärker als Haiku jetzt hast du auch eine klare 5–7–5-Struktur – und inhaltlich gewinnt es ebenfalls: Der Frühlingsregen setzt die Jahreszeit und Stimmung. »ohne Schirm« ist ein konkretes, alltägliches Bild sehr haiku-typisch. Die letzte Zeile öffnet dann einen Resonanzraum: Die Knospen wirken beinahe neugierig oder ungeduldig gegenüber dem Wartenden. Außerdem entsteht etwas subtil Ironisches: Der reale Schriftsteller Max Frisch steht plötzlich wie eine Figur im Regen beobachtet von der Natur selbst. Die Zäsur zwischen Zeile zwei und drei funktioniert gut. Das Gedicht hat Ruhe, Bildlichkeit und eine kleine Verschiebung ins Surreale alles Dinge, die ein gutes, modernes deutschsprachiges Haiku tragen können.


Damit wünschen wir Ihnen einen schönen Frühling. Nehmen Sie auf Ihre Spaziergänge einen Schirm mit, damit Sie nicht, wie der reale Schriftsteller Max Frisch, plötzlich im Regen stehen. Lassen Sie sich von Knospen befragen. Seien Sie neugierig auf deren Antworten.


Teaserbild: David Brooke Martin auf unsplash

Mut für Filme und Kinos

Wir wollten Ihnen, uns und dem neuen Jahr noch etwas Luft lassen, ehe im wahrsten Sinne des Wortes der FILMERNST des Lebens wieder beginnt. Nun aber ist es höchste Zeit, die Auszeit zu beenden, denn bald schon gibt es die nächste Ferienwoche, vor allem aber einiges zu berichten: sowohl im 2025er Nachtrag als auch im 2026er Ausblick – und da möchten wir den Blick gleich auf die nächsten SchulKinoWochen richten, die zum nunmehr 20. Male stattfinden werden: vom 12. bis 27. März. Mit so vielen Spielorten …


… wie noch nie, runden 33! Neu oder seit langem erstmals wieder dabei: das »Union« in Luckenwalde und der »Hofgarten« in Bad Belzig. In diesem schönen Kino wird am 12. März auch die Eröffnungsveranstaltung über die Bühne gehen – und es bedurfte keines großen Mutes, sich für den jüngsten Film unseres FILMERNST-Paten Bernd Sahling als passenden Auftakt zu entscheiden: »Ab morgen bin ich mutig«.


Die Kritik im Münchner Branchenblatt »THE SPOT media & film« ist nur eine von etlichen begeisterten Stimmen: » …ein überaus unterhaltsamer pädagogischer Film über die Liebe, andererseits der seltene Fall eines Liebesfilms für Kinder, in dem der jugendliche Held schließlich das erste Verliebtsein fast beiläufig in all seinen Facetten und dabei sich selbst kennenlernt, genauso, wie es tröstlicherweise jeder Erwachsene vor ihm irgendwann schon einmal durchlebt hat.«



Fotos: Real Fiction Filmverleih, Köln


»Ab morgen bin ich mutig« gehört zu den insgesamt 31 Filmen der diesjährigen SchulKinoWochen – und dass viele Lehrkräfte offenbar schon auf das Angebot des Jubiläumsjahrgangs gewartet haben, zeigt die erste Resonanz nach Aussendung des Programmhefts: Anmeldungen kamen bereits aus mehr als 100 Schulen, für rund 5.200 Kinder und Jugendliche aller Jahrgangsstufen. 


Der filmische Spitzenreiter bis dato wird wohl auch am Ende die Nase vorn haben: Tobias Krell alias Checker Tobi mit seiner dritten Weltexkursion: »Checker Tobi 3 – Die heimliche Herrscherin der Erde« . Dicht gefolgt von Bernd Sahlings »Ab morgen bin ich mutig« – und einem Film, der erst am Eröffnungstag der diesjährigen SchulKinoWochen, nämlich genau am 12. März, in die deutschen Kinos kommen wird. Dank der jahrelangen freundschaftlich-filmernsten Verbundenheit zum Berliner farbfilm-Verleih dürfen wir »Das geheime Stockwerk«, eine Zeitreise in die deutsche Geschichte,  ohne die sonst übliche Karenzzeit zeigen.


Poetisch, magisch, zauberhaft: Ein Film, der Sterne und Herzen schweben lässt, ist »Lauras Stern«, den wir früher schon mal mit Erfolg im Programm hatten. Poetisch, magisch, zauberhaft, ließe sich aber auch über einen Animationsfilm sagen, der ganz neu, am 12. Februar, seinen Kinostart erlebt und wenig später bei uns zu sehen sein wird: »Hola Frida«. Und weil uns das kleine Mädchen, aus der eine große Malerin werden wird, viel zu erzählen hat,  geben wir ihr gleich selbst das Wort: »Für mich ist nichts unmöglich (…) Ich umarme das Leben und gestalte es neu.«



Fotos: eksystent Filmverleih, München / Tobo Studio; Du Coup Animation & Production


Auf ein Neues also, mit den SchulKinoWochen 2026. 
Wir freuen uns über viele Anmeldungen!


Alle Filme finden Sie auf unserer Webseite, hier können Sie sich auch direkt online anmelden.


pdf: Programm SchulKinoWochen Brandenburg 2026

Erste Wahl: Literatur und Leinwand

»Dürfen Lite­ra­tur­ver­fil­mungen mehr wagen als die Vorlage? Auf jeden Fall!« Frage und Antwort stammen aus einer Kritik des Films »22 Bahnen«. Es ist die Leinwand-Adaption eines Bestsellers, des 2023 erschienenen literarischen Debüts von Caroline Wahl. Mehr als 600.000 Exemplare des Buchs wurden bereits verkauft – und wahrscheinlich auch gelesen. Der gleichnamige Film läuft seit rund 20 Wochen in den Kinos, bislang haben ihn fast 700.000 Menschen gesehen …


… und die SchulKinoWochen bieten weitere Gelegenheit. Seit jeher sind Literaturadaptionen fester Bestandteil des Programms und natürlich per se für den Literaturunterricht relevant. Caroline Wahl und ihre Bücher jedenfalls offerieren viel und nicht nur Lesestoff für Gespräche über Literatur: über die Themen und Geschichten, über Erzähl- und Gestaltungsweisen, über Sprache und Stil, über Leben und Vermarktung der Autorin. Und nicht zuletzt eben über die Transformationen des Werks in andere Medien, im speziellen Falle der Film. Diverse Anknüpfungspunkte und Möglichkeiten für einen diskursiven, hochinteressanten Literaturunterricht


Die erst 30-jährige Caroline Wahl hat nach »22 Bahnen« zwei weitere Romane mit Bestsellerpotential verfasst – »Windstärke 17« und »Die Assistentin« – und findet es mit dem ihr eigenen Selbstbewusstsein längst an der Zeit, endlich auf die Nominierungsliste für den Deutschen Buchpreis zu kommen. Lesen und schauen wir mal …



Fotos: Constantin Film Verleih, München

Weitere Literaturadaptionen im Programm der SchulKinoWochen: »Lauras Stern« (gleichnamiges Kinderbuch von Klaus Baumgart), »Momo« (die zweite Verfilmung des Michael-Ende-Bestsellers), »Romys Salon« (gleichnamiges Buch von Tamara Bos), 
»Die verlorene Ehre der Katharina Blum« (nach Heinrich Bölls gleichnamigem Roman) – und nicht zuletzt, ganz aktuell, 
»Amrum«, die von Fatih Akin verfilmten, auf persönlichen Erinnerungen beruhenden Kriegs- und Nachkriegserzählungen seines Mentors und väterlichen Freundes Hark Bohm.



Fotos: Warner Bros. Pictures Germany (»Lauras Stern« und »Amrum«); Constantin Film, München (»Momo«); StudioCanal, Berlin (»Die verlorene Ehre der Katharina Blum«)


Um auf den eingangs zitierten Satz aus der Kritik zu »22 Bahnen« zurückzukommen: Geschrieben wurde sie von Axel Timo Purr, zu lesen ist sie in voller Länge im Münchner Filmmagazin artechock.de.
Ein Vergleich dieser professionellen Filmbewertung mit einer selbst verfassten Einschätzung, auch das wäre ja ein aufschluss- und erkenntnisreiches Unterfangen für den Literaturunterricht.  
Für »Windstärke 17«, ebenfalls in der Regie von Mia Maariel Meyer, gibt es bereits den entsprechenden filmischen Rückenwind, sprich die Fördergelder, gedreht wird u.a. auf der Insel Rügen. Ob der Rückenwind ausreicht für Filmpreise: Wir werdern sehen, vielleicht auch bei den SchulKinoWochen.

Zirkus- und andere Familien

»Dokumentarfilme können ergreifend, humorvoll, aufrüttelnd und tiefgründig sein. Sie sind ein essentieller Teil der öffentlichen Meinungsbildung.« So steht es auf der Webseite von LETsDOK, einer Initiative der »Arbeitsgemeinschaft Dokumentarfilm« – mit dem Ziel, einem weithin unterschätzen Filmgenre eine Stimme zu geben. Bei FILMERNST stehen dem Dokumentarischen die Türen von jeher weit offen, erst recht zu den SchulKinoWochen. VISION KINO weist kontinuierlich in FilmTipps auf wichtige Dokfilme hin; oft werden wir ganz direkt von Dokumentarfilmschaffenden gefragt …


… ob wir denn nicht ihre Filme in unsere Programme nehmen könnten. Die Themen seien doch brisant und böten viel Gesprächs- und Diskussionsstoff auch für den Unterricht, für verschiedene Fächer. Dem können wir in den meisten Fällen nur zustimmen, würden gern und mehr unterstützen, wohl wissend um die oft schwache Resonanz auf das reichhaltige Angebot. Von Ausnahmen freilich abgesehen: »Checker Tobi« zum Beispiel, auch Filme über Bienen und Bäume, Wiesen und Wälder laufen gut. Aber »Holy Shit« oder »Auf der Kippe«, »No Land’s Song« oder »Blix Not Bombs«



Fotos: farbfilm Verleih Berlin (»Holy Shit«); Real Fiction Filmverleih, Köln (»Auf der Kippe«); Hanfgarn & Ufer Filmproduktion, Berlin (»No Land’s Song«); CineGlobal, München (»Blix Not Bombs«)


Dennoch: Dokumentarfilme bleiben ein fester Bestandteil des schulfilmischen Angebots. Dieses Jahr bei den Brandenburger SchulKinoWochen immerhin mit sechs Beiträgen, darunter der 2025 mit dem Deutschen Dokumentarfilmpreis gewürdigte und soeben mit dem Bayerischen Filmpreis 2026 geehrte »Im Prinzip Familie«. Diese Auszeichnung und Wertschätzung des Films freut uns besonders, denn der Regisseur Daniel Abma war bereits zu Beginn des Schuljahres unser Gast: Im »Filmpalast« Oranienburg gab es eine Sonderveranstaltung, bei der 240 Jugendliche des Georg-Mendheim-Oberstufenzentrums »Im Prinzip Familie« sahen und sich sehr beeindruckt zeigten. 



Fotos: FILMERNST


Im Anschluss daran schrieb uns Daniel Abma und bedankte sich für den großartigen Tag: »Viele, die unseren Film gesehen haben, berichteten, dass er hilft, Berührungsängste abzubauen, dass er Vorurteile auflöst und Stigmatisierung entgegenwirkt: Eine Zuschauerin, die selbst in einer Wohngruppe lebt, erzählte nach der Vorführung, dass sie nun verstanden habe, dass nicht sie die Ursache für ihre Situation ist – der Film habe sie gestärkt.«


»Im Prinzip Familie« wird nun in mehreren Spielorten im Rahmen der SchulKinoWoche zu sehen sein, ebenso wie der bereits im FILMERNST-Herbstprogramm präsentierte »Zirkuskind«. Die beiden Regisseurinnen, Anna Koch und Julia Lemke, wurden in der Kategorie »Bester Kinderfilm« gerade für den Preis der deutschen Filmkritik 2025 nominiert, den renommierten Bayerischen Filmpreis haben sie gerade erhalten.  Darauf ein doppelter Salto!



Fotos: Across Nations Filmverleih, Stuttgart/Berlin

Oscar & Lola

»And the Oscar goes to …« Wie gern hätten wir diesen Satzanfang gehört, komplettiert durch: »Sound of Falling« – so der englische Titel von Mascha Schilinskis »In die Sonne schauen«. Letzten Mai hatte sie damit in Cannes Publikum und Jury beeindruckt. In gleich acht Kategorien konkurrierte ihr Vier-Generationen-Frauen-Porträt dann um den Europäischen Filmpreis. Dass das Werk als deutscher Beitrag ins Oscar-Rennen geschickt wurde, verwunderte daher niemanden. Als letzte Woche die fünf internationalen Titel für die Endrunde bekanntgegeben wurden …


… musste Mascha Schilinski aber in die Sonne schauen: Die Oscar-Zeremonie am 16. März im Dolby Theatre in Los Angeles wird ohne sie über die Bühne gehen. Schade, aber auch ohne diesen Ritterschlag bleibt es ein großartiger Film, den wir wahrscheinlich nicht im normalen FILMERNST-Programm wiederfinden werden, aber sehr gerne für Wunschfilm-Anfragen empfehlen.


Der Oscar-Exkurs sollte hier eigentlich nur die Überleitung bilden für den Hinweis, dass von den 31 Filmen des SchulKinoWochen-Programms die allermeisten mit ziemlich bedeutsamen Auszeichnungen und Preisen bedacht wurden, zwei sind ja bereits im vorhergehenden Text erwähnt.


Aber in der Tat: Sogar einen Oscar-Gewinner haben wir im Angebot, was wirklich selten ist: Aber an »Flow« kam im letzten Jahr keiner vorbei, zu groß waren das Staunen und die Begeisterung über diesen Animationsfilm aus Lettland. Zum Oscar gesellte sich der Golden Globe, der französische César und im Heimatland von Gints Zilbalodis der Lettische Filmpreis. Dass in der Hauptstadt Riga ein Denkmal in Gestalt einer Katze errichtet wurde, gleich neben dem Freiheits-Monument, ist für einen Film wohl eine seltene, einmalige Ehrung. Absolut sehenswert, dieser »Flow«, in der Sonderreihe »17 Ziele – Kino für eine bessere Welt«.



Fotos: LETA, Edijis Pālens via Gints Zilbalodis (Katzendenkmal Riga);
MFA+ FilmDistribution, Regensburg (Filmstills)


Hier, in unvollständiger Auflistung, noch ein paar weitere Verweise auf goldene und andere Preise der Filme, die wir während der SchulKinoWochen 2026 präsentieren.


»Goldene Spatzen«, beim traditionsreichen Deutschen Kinder Medien Festival in Erfurt und Gera, flogen dem »Geheimen Stockwerk« und den »Nulpen« zu, vor einigen Jahren schon »Amelie rennt«. Der (in Eberswalde angesiedelte) Dokumentarfilm »Über uns von uns« wurde 2025 von der FBW-Jugend-Filmjury als »Bester Jugendfilm« gekürt



Fotos: farbfilm Verleih, Berlin (»Amelie rennt« und »Das geheime Stockwerk«); UCM.ONE, Berlin (»Nulpen«); Real Fiction Filmverleih, Köln (»Über uns, von uns«)

»Amelie rennt« durfte sich 2018 auch über eine LOLA freuen, den Deutschen Filmpreis. Den bekam im letzten Jahr ebenfalls der hochdramatische Spielfilm »September 5« – und das in etlichen Kategorien: Bester Spielfilm, Beste Tongestaltung, Bester Schnitt, Bestes Maskenbild. Zudem erhielt er den »Brücke-Friedenspreis des Deutschen Films«.


Als der Deutsche Filmpreis noch nicht auf den Namen LOLA hörte, gab es ihn im Jahre 1976 für einen Film, der zweifellos zum nationalen filmischen Erbe zählt: Volker Schlöndorffs »Die verlorene Ehre der Katharina Blum«, nach dem gleichnamigen Buch des Literatur-Nobelpreisträgers Heinrich Böll. Der Film läuft, wie »September 5«, in der bpb-Sonderreihe »Demokratische Grundrechte schützen: Presse, Recht und Ethik«. Ein Filmband in Gold gab es damals für die beeindruckende Hauptdarstellerin Angela Winkler, ebenso für den Kameramann Jost Vacano. Eine Wiederentdeckung, ein Filmschatz bei den SchulKinoWochen.


Da die Berlinale 2026 vor den Kinotüren steht und in ihren verschiedenen Reihen sicher wieder Filme ins Licht rückt, die erst ins »normale« Kino und dann auch ins FILMERNST-Programm kommen könnten: Hier noch ein Rückblick auf 2025 ausgezeichnete Berlinale-Beiträge. Für einen wirklich sehr schönen, berührenden österreichischen Film – mit dem wahrscheinlich längsten Titel, den wir jemals im Programm hatten: »Wenn du Angst hast nimmst du dein Herz in den Mund und lächelst« – war der »Teddy Award«, ein LGBTIQ-Filmpreis, die verdiente Würdigung. Die AG Kino-Gilde verlieh ihren Preis an »Paternal Leave – Drei Tage Meer«, eine berührende deutsch-italienische Tochter-Vater-Geschichte. Und die für uns immer sehr relevante Berlinale-Sektion »Generation Kplus« hatte 2025 eine »Lobende Erwähnung« für »Zirkuskind«, was wir und bestimmt auch die 1.600 Kinder bestätigen können, die den Film im Herbst in 22 Veranstaltungen erlebten.



Fotos: eksystent Filmverleih, München (»Paternal Leave«); Arsenal – Institut für Film und Videokunst, Berlin (»Wenn Du Angst hast …«)


Beim Bayerischen Filmpreis 2026 waren wir schon, mit »Im Prinzip Familie« und »Zirkuskind«. Eine Ehrung fehlt aber noch, die Auszeichnung in der Kategorie »Bester Film«: Die bekam »Amrum« – und Regisseur Fatih Akin rief seinem jungen Hauptdarsteller Jasper Billerbeck in einem anderen als dem auf der nordfriesischen Insel gesprochenen und im Film auch zu hörenden Öömrang-Dialekt zu: »Das ist dein Fame, Digga!« Wir sind platt – und gratulieren herzlich!


Teaserbild LOLA: © Clemens Porikys / Deutsche Filmakademie

Von Herzen glücklich

Wut, Liebe, Hoffnung. Dieser Film beeindruckt von der ersten bis zur letzten Minute. Er ist schmerzhaft schön, wie seine Heldin. »Vena«, der Filmtitel, stellt die Verbindung zur Nabelschnur-Vene her: Sie versorgt den Fetus mit allem, was er braucht: mit Blut und Nährstoffen, sogar mit Gefühlen. Aber auch mit allem, was er nicht braucht. Ein harter Film, ein zu Herzen gehender Film. Wir wollten ihn unbedingt im Programm – und die JugendFilmTage Ende 2025 boten uns hier die passenden Gelegenheiten. Der Einsatz hat sich gelohnt …


… und darüber freuen wir uns sehr. Auch über die schon jahrelange gute, vertrauensvolle Zusammenarbeit mit dem Gesundheitsamt des Landkreises Dahme-Spreewald, mit den »Spreewald-Lichtspielen« Lübben und dem »Capitol« Königs Wusterhausen.. Angefangen hatte es mit einer Veranstaltung rund um den Welt-Aids-Tag, daraus hat sich dann eine Reihe entwickelt und im Landkreis als feste Kooperation etabliert.

Die Bilanz 2025 kann sich sehen lassen: Fünf Veranstaltungen mit fast 500 Besuchern: knapp 200 im Jugendfilm »Eva & Adam« und drei Veranstaltungen mit 300 Besuchern bei »Vena«. Alle Veranstaltungen wurden moderiert, boten Gespräche mit dem Publikum und, so es möglich war, mit Gästen.


Zu den »Vena«-Vorführungen konnten wir gleich zweimal den Hauptdarsteller begrüßen – und für Paul Wollin war es ein Novum: Zum ersten Mal die Begegnung mit einem Publikum außerhalb von Premieren- und Festivaltouren. Mit ganz anderer Atmosphäre und zum Teil auch anderen Fragen. Bis hin zur Begegnung mit einem Mädchen, das auf ihn zukam und, den Tränen nahe, von ganz persönlichen Momenten berichtete, von der Drogenabhängigkeit ihrer Schwester. Der Film habe ihr eine Art Halt geboten. »Liebe reicht eben NICHT immer….du mußt die Hilfe auch annehmen wollen«, hatte Paul Wollin, aus eigener Erfahrung, im Gespräch gesagt. Es waren intensive und gewiss nachwirkende Momente, sehr gelungene Veranstaltungen.


Auch die Regisseurin, Chiara Fleischhacker, wäre gern unser Gast gewesen, aber da sie intensiv an einem neuen Film arbeitet, wäre der Weg von Weimar nach LDS zu weit gewesen. Wir haben ihr berichtet – und sie schrieb uns zurück: »Mein klares Ziel als Regisseurin ist es, die Filme, die ich mache, aus der Bubble der Filmbranche zu bringen, zugänglich für alle zu machen. Vor allem auch Menschen zu finden, die Filme an Orte und zu Menschen bringen, die sich per se nicht vom Kino angesprochen fühlen. Junge Menschen mitzudenken und durch Veranstaltungen wie die von FILMERNST mit einzubeziehen, macht mich von daher von Herzen glücklich und führt das aus, was für mich der Sinn und die Relevanz von Kino ist. Danke!«



Fotos + Teaserbild: Weltkino Filmverleih, Feldafing, Leipzig (»Vena«)

Das war’s aber noch nicht mit den JugendFilmTagen 2025: Weil die Gesundheitsämter der Landkreise auch miteinander in Kontakt sind und gute Erfahrungen zur Nachnutzung empfehlen, gab es im Frühjahr bereits eine Anfrage des Landkreises Potsdam-Mittelmark. Wir waren bereit für die neue Kooperation – und so begann es mit zunächst einem Film, präseniert in drei Kinos: dem »Hofgarten« in Bad Belzig, dem »Neuen Lichtspielhaus« Beelitz und den »Neuen Kammerspielen« Kleinmachnow. Sechs Veranstaltungen mit dem Dokumentarfilm »Berlin Bytch Love« zogen 370 Jugendliche in die Kinos. Dr. Christoph Löwer, Beigeordneter des Landkreises Potsdam-Mittelmark, war als Schirmherr der JugendFilmTage zu Gast im »Neuen Lichtspielhaus« Beelitz – auf dem Bild gemeinsam mit der FILMERNST-Moderatorin Regine Jabin, mit Sandra Klebba vom Fachdienst Gesundheit, mit der Beelitzer Jugendamtsleiterin Antje Lempe sowie Margo Schuster und Angela Hauer von den Pro Familia-Beratungsstellen. Sie freuten sich sehr über die gelungene Premiere im voll besetzten Kino mit 60 Jugendlichen der Oberschule Beelitz und der Gesamtschule Treuenbrietzen.


Fotos: Stadt Beelitz



Wie schon im Jahr davor im Landkreis Dahme-Spreewald mit »Berlin Bytch Love« gab es auch bei den Veranstaltungen im Landkreis Potsdam-Mittelmark intensive Gespräche zum Film und die Begegnung mit den Regisseuren Heiko Aufdermauer und Johannes Gierke, die uns anschließend schrieben: Vielen Dank, dass Ihr diese Vorführungen möglich macht. Wir freuen uns, dass der Film so noch weiter im Gespräch bleibt und immer wieder zu neuen Gedanken und Diskussionen führt. Es ist immer wieder neu und toll bei FILMERNST.



Fotos: Silentfilm Berlin (»Berlin Bytch Love«)

Gut zu Fuß

Wir wissen natürlich, dass unsere Filmangebote primär von jenen Schulen genutzt werden, die direkt im jeweiligen Kino-Ort oder in naher Umgebung liegen. Die jährlichen Umfragen bestätigen das – und wir müssen notgedrungen in Kauf nehmen, dass die schulfilmischen Angebote nicht von allen wahrgenommen werden können. Einige nehmen aber schon auch weitere Wege auf sich, das dann zumeist mit dem ÖPNV. Ein Novum für uns – und wir wollten es erst gar nicht glauben – war die Wanderung von 200 Schülerinnen und Schülern …


… von Teltow ins Kino »Neue Kammerspiele« nach Kleinmachnow. Rund vier Kilometer, die die Mädchen und Jungen aus der »Ernst-von-Stubenrauch-Grundschule« unter ihre Füße nahmen, um dann »Weihnachten im Zaubereulenwald« zu sehen. Zurück natürlich wieder eine Stunde per pedes – und die Lehrerin, die den Wunschfilm bei uns nachgefragt hatte, berichtete von einem rundum gelungenen Erlebnis. Den FILMERNST-Wander-Pokal haben sie schon mal gewonnen!

Echter Schmerz …

… wäre vielleicht eine Übersetzung für »A Real Pain«. Diesen Film möchten wir gern am 15. Oktober im Potsdamer Filmmuseum zeigen, doch leider gibt es noch keine einzige Anmeldung dafür – Grund für unseren »echten Schmerz«. Deshalb an dieser Stelle noch einmal die große Bitte an die Oberstufen-Lehrkräfte in und um Potsdam, Ihre Möglichkeiten für einen Kinobesuch der besonderen Art zu prüfen – oder auch Kolleg:innen darauf hinzuweisen. »A Real Pain« läuft im Rahmen der Ausstellung »How to Catch a Nazi« ... 


... für die wir, in Koooperation mit dem Filmmuseum Potsdam, das schulfilmische Begleitprogramm gestalten und organisieren durften. Die Auftaktveranstaltung am 17. September war ein schöner Erfolg: ein ausgebuchter Kinosaal, ein intensiven Filmerlebnis, ein sehr aufmerksames jugendliches Publikum – und nach der Vorführung ein gutes Gespräch mit den Gästen, u.a. dem Antisemitismus-Beauftragten des Landes Brandenburg, Andreas Büttner, und dessen Stellvertreterin, Frau Dr. Verena Buser. 


Beide haben uns ihre Teilnahme auch an den nächsten Veranstaltungen der Reihe avisiert – und als Gäste für die Veranstaltung am 15. Oktober haben wir auch die aus New York stammende Schriftstellerin Holly-Jane Rahlens und den Synchronsprecher Constantin von Jascheroff,  die deutsche Stimme des Hauptdarstellers Kieran Culkin, angefragt.


Wir würden uns natürlich sehr über die Linderung unseres »Phantomschmerzes«, sprich über Anmeldungen für diese und die weiteren Veranstaltungen der Reihe freuen.


Anmeldung für den 15. Oktober (Beginn 10 Uhr) –Eintrittspreis 4,50 € pro Schüler:in, zwei Begleitpersonen pro Klasse kostenfrei.

Hier noch einmal der Flyer  zur Veranstaltungsreihe und der direkte Link zu »A Real Pain« mit dem Begleitmaterial.


Blühende Landschaften

»Nächstes Jahr fahren wir auch mal wieder in Urlaub«, sagt die Mutter bei einem Familienfest im Garten. Es ist schön hier auf dem Lande, in der Lausitz. Doch der Schein trügt. Als blühende Landschaften präsentieren sich im Jahre 2006 lediglich die Rapsfelder. Alles andere ringsum hält nicht, was den Menschen versprochen und von ihnen erhofft wurde. »Mit der Faust in die Welt schlagen« heißt der 2018 erschienene Roman des 1994 in Räckelwitz bei Bautzen geborenen Lukas Rietzschel. Es war das wuchtige literarische Debüt eines jungen Mannes, das von einer jungen Frau in einen fulminanten Film verwandelt wurde – ab jetzt im FILMERNST-Herbstprogramm. Kongenial …


… heißt es oft, wenn die filmische Adaption der Kritik und dem Publikum besonders gelungen erscheint. Für Constanze Klaues Film (empf. ab 8. Klasse) stimmt es: Sie trifft Geist und Gehalt der literarischen Vorlage – und übertrifft zugleich beides. Schon beim Lesen hatte man Bilder für die Figuren und Szenen im Kopf. Auf der Leinwand begegnet man ihnen wieder, in ganz ähnlicher oder in abweichender, veränderter, vielleicht auch irritierender Form. Genau diese Differenz macht das Sehen zu einem Erlebnis, die Geschichte der Menschen in der Lausitz zwischen 2006 und 2015 zu einer Neu-Entdeckung. Natürlich bietet sich gerade für den Literaturunterricht ein Vergleich der beiden Kunstwerke an, aber die Möglichkeiten für eine intensive Beschäftigung mit inhaltlichen wie formalen Elementen gehen weit darüber hinaus.


Die Schauspielerinnen und Schauspieler, gleich ob Erwachsene, Kinder oder Jugendliche, liefern Leistungen weit über dem Durchschnitt. »Filme sehen lernen« heißt hier aber auch zu sehen, was die Kamera von Florian Brückner aus der Landschaft herausholt, was das Szenenbild und die Kostüme hinzufügen, um uns in die Zeit nach der Wende zu versetzen. Der Film ist eine Wucht und wirkt daher lange nach. Wir sind sehr froh, ihn im Programm zu haben und empfehlen ihn hier sehr, wie übrigens auch die Jugendfilmjury der Filmbewertungsstelle: »Der Film hat uns auf eine besondere Art mitgerissen. Wir empfehlen diesen berührenden Film mit aktuell politischem Inhalt ab 13 Jahren«.



Ein Foto von der Premiere im Drehort des Films, viele der Szenen entstanden in und um Görlitz. 2. v.l. auf dem Bild im Görlitzer »Filmpalast« der Autor des Romans, Lukas Rietzschel. Rechts neben ihm der fantastische  Darsteller des Tobi, Camille Loup Moltzen. Mit der Hand auf seiner Schulter die Regisseurin Constanze Klaue, rechts neben ihr mit Cowboyhut Meinhard Neumann, der markante Darsteller des Uwe. 
Foto: FILMERNST, Susanne Pomerance


Titelfoto: Across Nations Filmverleih, Stuttgart/Berlin

Manege frei!

»So lange es Kinder gibt, so lange gibt es den Zirkus.« Eine Menge Lebensweisheiten hat der Urgroßvater, ein Urgestein der fahrenden Zunft, seinem Ur-Enkel mit auf den Weg zu geben. »Zirkuskind« ist eine Perle für die Jüngsten, aber eigentlich hat er ein Publikum zwischen 6 und 99 verdient. Als erster Dokumentarfilm in der Reihe »Der besondere Kinderfilm« wurde er mit viel Liebe vom Künstlerinnen-Duo »Badabum« gedreht, das sind Anna Koch und Julia Lemke. Am 16. Oktober ist bundesweiter Kinostart, die Manege für die erste FILMERNST-Veranstaltung öffnet sich aber schon am 30. September im »Union-Kino« Luckenwalde. Dafür danken wir …


… dem Verleih Across Nations sehr – und wollen uns natürlich mit einer großartigen Besucherresonanz revanchieren. Santino, der elfjährige Protagonist von »Zirkuskind« (empf. ab 2. Klasse), den wir ein Jahr lang begleiten dürfen, muss auf der Familien-Zirkustour durchs Land auch immer die Schulen wechseln. Stets wird er gefragt, wie das denn so sei, ohne feste Wohnung und ohne Freunde, die einem über Jahre vertraut und verbunden sind. Eine der Schulen, die Santino besucht und die wir im Film sehen, ist in Rathenow, wo insbesondere die »Pestalozzi«- und die »Spektrum«-Förderschule schon seit langem nicht nur zirkusbegeistert, sondern auch selbst zirzensisch aktiv sind. Und vielleicht gehen die Kinder, wenn sie den Film bei FILMERNST gesehen haben – ob im »Haveltor«-Kino in Rathenow oder den anderen 30 Spielorten –, noch einmal mit ihren Eltern oder Großeltern ins Kino. Es ist ja nicht nur ein fantastischerZirkus-, sondern vor allem auch ein wunderbarer Mehrgenerationenfilm.


Fotos: Across Nations Filmverleih, Stuttgart/Berlin

Smartphone-Hotel

»Amanda ist hier nicht willkommen!« Die Elfjährige hat Lars hintergangen und ihn angelogen wegen eines üblen, ihn verletzenden Videos. Dass wir »Lars ist LOL« ins Programm nehmen, war für uns seit langem ausgemachte Sache. Gut, dass es solche Kinderfilme gibt, die sich weltweit auf Festivals Auszeichnung um Auszeichnung verdienen und damit für große Aufmerksamkeit sorgen. Noch besser aber, dass sie hierzulande auch einen Verleih finden, der Lust und Kraft hat, solche Filme in die Kinos zu bringen. Immer wieder werden wir von Lehrkräften nach Kinder- und Jugendfilmen zum Thema Mobbing …


… gefragt und zunehmend auch um Filmvorschläge zu den Thema Social Media, Umgang und Missbrauch sozialer Netzwerke. »Lars ist LOL« (empf. für 4.-6. Klasse) bringt beides zusammen – und das auf eine sehr einfühlsame, aber auch, was seelische Verletzungen anlangt, sehr deutliche Weise. Um so entlastender und befreiender, wenn am Ende Amandas Entschuldigung akzeptiert wird, Versöhnung und Vergebung möglich sind. Die Lehrerin richtet, um künftigen Versuchungen und Missbräuchen zumindest während des Schultages vorzubeugen, ein »Smartphone-Hotel« ein.


Vielleicht keine so schlechte Lösung, zumindest ein Versuch. In etlichen europäischen Ländern gibt es ja bereits Mobiltelefon-Verbote in Schulen, in Deutschland wurde eine bundesweite Vorgabe von der Kultusministerkonferenz noch im Mai abgelehnt. Die Bundesländer entscheiden eigenständig über entsprechende Empfehlungen und Regelungen. Mit Beginn des neuen Schuljahres haben beispielsweise Hessen, Schleswig-Holstein, Bremen und auch Brandenburg die Vorschriften verschärft, setzen verstärkt auf Verbote. Ziel ist es, die private Handy-Nutzung weitgehend aus den Schulen zu verbannen, um die Konzentration zu fördern und die sozialen Kompetenzen der Kinder und Jugendlichen zu stärken. Sachsens Kultusminister Conrad Clemens lud zum Auftakt des neuen Schuljahres gleich zu einem medienwirksamen »Handygipfel« nach Dresden ein. Bundesbildungsministerin Karin Prien hatte sich genau diesen Tag für ihren Antrittsbesuch im Freistaat ausgesucht. Ab zweitem Halbjahr sind dort nun Handys tabu.

»Lars ist LOL« ist jedenfalls ein sehr geeigneter filmischer Beitrag, auch für Kultusminister und Ministerinnen, um das vielschichtige Problem mit seinen möglichen Auswirkungen und Folgen zu diskutieren, auch gemeinsam mit den Kindern. 
Also: »Lars« sehen und dann darüber reden!

Fotos: Der Filmverleih, Stuttgart

Hey, Siri …

»Der Spaß ist jetzt vorbei«, sagt die Direktorin zu Jordan und nimmt ihm das Handy ab. Nächste Woche wird er sich, gemeinsam mit seiner Mutter, vor der Schulkonferenz verantworten müssen. Auch in »Juniors« geht es um den Missbrauch sozialer Medien, um die scheinbar so einfache Möglichkeit, mit einer gefakten Erzählung an Klicks und damit auch an Geld zu kommen. Allerdings ist hier die Lüge ganz gewaltig – und um so größer und folgenreicher sind die Enttäuschungen und Vertrauensbrüche. Wenn Ihnen die Geschichte und der Film bekannt vorkommen: Wir hatten ihn bereits im Angebot …


… des FILMERNST-Frühjahrsprogramms, aber da die Zeit zwischen Flyer-Versand und Sommerferien so kurz bemessen war, mussten wir viele Termine leider absagen. Insofern versuchen wir es jetzt noch einmal, der Film hat es verdient! Irgendwann in »Juniors« kommen die Protagonisten an einen Punkt, wo nicht nur alles verloren scheint, sondern wirklich verloren ist – zumindest für einen der beiden. Die Fallhöhe von Jordans Lüge war aber auch gewaltig: Er hatte über seinen Videokanal verkündet, dass er Krebs habe und für die teure Therapie Spenden gut gebrauchen könne. Seine Glatze macht die infame Täuschung auf den ersten Blick glaubhaft. In Wahrheit will Jordan aber das online reichlich eingehende Geld für den Kauf einer neuen PlayStation verwenden. Natürlich ist die Enttarnung nur eine Frage der Zeit – und der Schwindel zu groß, als dass er sich mit Entschuldigungen und Reue leicht aus der Welt schaffen ließe.


»Hey, Siri, bin ich ein guter Mensch?«, möchte Jordan von der künstlichen Intelligenz wissen. »Das kann ich nicht beantworten«, lautet die Antwort. »Juniors« (empf. für 7.– 9. Klasse) ist, ungelogen, ein ganz großartiger Jugendfilm mit Ernst und Empathie.

Fotos: Landfilm Verleih, Chemnitz

Ohne Routine und Rituale

»Verhaltet euch unauffällig. Kein lautes Rufen auf Hebräisch!« Israelische Jugendliche werden für ihren Stadtrundgang durch Krakau instruiert. Es ist eine Klassenfahrt der ganz besonderen Art. Eine Reise, die junge Israelis nach Ende der Schulzeit obligatorisch gen Polen führt, zu den Orten früheren Schreckens, den Mahnmalen des Holocausts. Was diese Tour in ihnen auslöst, wie sie sich der Vergangenheit und den Erwartungen der Erinnerungskultur stellen, wird zur Suche nach dem eigenen Platz im Leben. »Delegation« ist ein Film, der Jugendliche …


… gleich welcher geografischen, sozialen oder religiösen Herkunft – zum Nachdenken bringt, wie die Vergangenheit hineinwirkt in die Gegenwart. Der Film erzählt davon, wie Geschichte ohne Routine und Rituale lebendig bleibt, für jeden, wo auch immer.


Der Film des Regisseurs Asaf Saban ist in Deutschland noch nicht in den Kinos gelaufen, hat aber auf Festivals weltweit für Aufmerksamkeit gesorgt und Auszeichnungen gewonnen. Am 17. September wird er – mit anschließendem Gespräch – im Filmmuseum Potsdam gezeigt, denn: In diesem Herbst gibt es aber nicht nur wie gewohnt das reguläre FILMERNST-Programm, sondern darüber hinaus noch eine Sonderreihe mit vier Filmen für die Oberstufe: Es ist die schulfilmische Ergänzung zu einer Ausstellung im Filmmuseum Potsdam mit dem Titel »How to Catch a Nazi«.


»In Brandenburg wissen viele Schülerinnen und Schüler zu wenig über jüdisches Leben, Geschichte und Religion«, konstatierte erst unlängst Andreas Büttner. Der Antisemitismus-Beauftragte des Landes Brandenburg sieht »einfach zu viele Bildungslücken«, daher müsse in Schulen mehr Wissen dazu vermittelt werden. Mit diesem Programm für die Oberstufe wollen wir hierfür einen Beitrag leisten. Die Veranstaltungen sind zunächst für das Filmmuseum Potsdam terminiert. Wir möchten aber auch Lehrkräfte in den anderen FILMERNST-Spielorten des Landes auf diese Sonderreihe aufmerksam machen – und vor allem auf die Möglichkeit, die vier Filme als »Wunschfilm«-Veranstaltungen in einem Kino Ihrer Region bei uns anzufragen.


Die Zeit bis zum 17. September, um noch die Teilnahme an dieser Veranstaltung zu planen, ist knapp bemessen. Wir wissen das – und möchten Sie dennoch herzlich einladen zum Besuch dieses Films. Wir freuen uns sehr, dass uns der Antisemitismus-Beauftragte des Landes Brandenburg, Andreas Büttner, bereits zugesagt hat – und ebenso die Schnittmeisterin des Films, Michal Oppenheim.


Anmeldungen direkt online hier.


Fotos: farbfilm Verleih, Berlin

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