FILMERNST

Sehend lernen – Die Schule im Kino

Das Kompetenzzentrum für
Film – Schule – Kino
im Land Brandenburg

Herbststurm

Willkommen zurück mit einem FILMERNST-Rundbrief. Wir hoffen, Sie sind ohne Sonnenbrand und Hitzeschock aus dem Urlaub zurückgekehrt und haben sich, trotz scheinbar endloser Hundstage, entspannen, erholen und für kühlere Jahreszeiten regenerieren können. Nun wünschen wir Ihnen allen Kraft, Elan und Optimismus für das neue Schuljahr. Was FILMERNST betrifft: Wir haben uns schweißtreibend angestrengt, um exakt zur Vorbereitungswoche die aktuellen Programme in die Schulen zu bringen. Das ist uns …


… gelungen, wie wir an Ihren, gewissermaßen postwendenden Reaktionen gemerkt haben: Gleich am ersten Tag erreichten uns etliche Anmeldungen, mittlerweile sind es schon mehr als 75.


Veranstaltungen für rund 2.000 Schülerinnen und Schüler konnten bereits bestätigt werden, hier deutet sich ein filmernster Herbststurm an. Und was uns besonders freut: Alle vier Filme werden nachgefragt.


Oft ist es ja leider so, dass die Angebote für Sekundarstufe eher schwächeln. Im Frühjahrsprogramm wurde das, zu unserem Bedauern, erneut offensichtlich: Gerade mal 230 Jugendliche sahen den großartigen nordmazedonischen »DJ Ahmet«; keine einzige Anmeldung gab es für den israelischen Spielfilm »Delegation«.


Wir werden natürlich auch weiterhin derartige Filme präsentieren und Ihnen empfehlen. Zum einen, weil uns ihre thematischen Aspekte und ihre künstlerischen Qualitäten überzeugen. Zum anderen und vor allem auch deshalb, weil wir es für sehr wichtig erachten, mit filmischen Erkundungen andere Kulturen, andere Perspektiven, andere Anschauungen vom Leben und der Welt kennenzulernen.


Unter diesen Blickwinkeln wählen wir die Filme aus – und stets auch hinsichtlich möglicher Anknüpfungspunkte für den Unterricht. Einige unserer langjährigen FILMERNST-Partner in den Schulen bestätigen uns immer wieder, dass uns das gut gelingt. Sie wertschätzen die Veranstaltungen mit den von uns angebotenen Filmen, nutzen sie zur Unterstützung ihrer Bildungsarbeit oft und gern. So soll es bleiben – und mit diesem optimistischen Ausblick starten wir ins neue Schul- und FILMERNST-Jahr 2026/2027.


Hier schon mal das PDF mit den Filmen des aktuellen Programms, die wir nachfolgend im einzelnen vorstellen.


Foto: Sirius im Sternbild »Großer Hund«,
pixabay / dilsadakcaoglu, Ankara (Türkei)




Hund und Katz

Die »Hundstage« haben bekanntlich nichts mit dem besten Freund des Menschen zu tun. Sie lassen uns auf und in den Himmel schauen: auf das Sternbild »Großer Hund« mit dem strahlenden Sirius. Wir indes haben die zwischen 23. Juli und 23. August liegenden, heißen »Hundstage« nicht zur astronomischen Bildung im Einleitungstext plaziert. Sondern schlicht deshalb, um mit einer tierisch guten Überleitung vom Hund auf »Koschka« zu kommen ...


… was auf Russisch Katze heißt und im Herbstprogramm so vielfach schnurrt, dass es nicht nur für kleine Katzenfreunde eine große Freude ist. Wir hatten ja schon einige Filme mit und über Katzen im FILMERNST-Angebot: erst jüngst den Oscar-prämierten »Flow«, vor einigen Jahren den in Tokio herumstreunenden schwarzen Kater »Rudolf« – und nicht zu vergessen die sprechende Katze in Rolf Losanskys DEFA-Klassiker »Moritz in der Litfaßsäule«. Das alles waren animierte »Schnurrer«.


Bei »Koschka« (empf. für 1.-3. Klasse) dagegen haben wir es mit sehr echten, quicklebendigen Katzen zu tun, wie uns der Regisseur – und FILMERNST-Pate – Bernd Sahling berichtete: »Es waren fünf Katzen im Wurf von zwei Müttern. Mit drei kleinen Miezen und natürlich einer der beiden Mütter haben wir die jeweiligen Szenen gedreht. Wir wollten den Müttern nicht alle Katzen wegnehmen – und drei Minikatzen vor der Kamera sind beim Drehen auch sportlich genug, denn die bewegen sich ja ständig – und zwar ziemlich schnell.« 



»Koschka« wird erst im kommenden Frühjahr in die deutschen Kinos kommen, sorgt aber jetzt schon für Furore, national wie international.  Seine Weltpremiere erlebte der Film beim Internationalen Filmfestival für Kinder und Jugendliche im tschechischen Zlín, wo er eine erste »Lobende Erwähnung« der Fachjury erhielt. Ende August war »Koschka« beim Festival des Deutschen Films in Ludwigshafen vertreten, mit vier ausverkauften Vorstellungen. In der letzten Septemberwoche wird »Koschka« im Wettbewerb des Internationalen Festivals für junge Filmfans in Frankfurt/Main antreten. Die LUCAS-Kolleg:innen haben pädagogisches Begleitmaterial für die Arbeit mit dem Film erarbeitet, es ist hier in der Datenbank abrufbar.


Am 18. Oktober läuft »Koschka« im Rahmen der 70. Ausgabe des BFI London Film Festival, allein die Einladung ist eine Auszeichnung. Zuvor geht es für Bernd Sahling noch über den Großen Teich: In Los Angeles und Houston wird er dabei sein, wenn das Goethe-Institut seinen Film präsentiert.



Dank der langjährig vertrauten Beziehungen zu Bernd Sahling und zum Berliner farbfilm Verleih hat FILMERNST die Möglichkeit bekommen, »Koschka« bereits jetzt im FILMERNST-Herbstprogramm einzusetzen. Geplant sind 50 Veranstaltungen, für 21 liegen schon Anmeldungen vor. 


Wir haben an dieser Stelle, ganz exklusiv für und bei FILMERNST, einige Fotos von den Dreharbeiten. Es heißt ja immer, wer mit Kindern und Tieren dreht, der müsse schon ziemlich verrückt sein, um das alles unter einen Hut zu kriegen. Bernd Sahling hat das oft genug geübt, wie gut es ihm gelungen ist, davon können Sie sich mit Ihren Schülerinnen und Schülern überzeugen.



Auf den Fotos:  Bildgestalterin Sabine Ballnat (Tieraufnahmen); Sebastian Erbes (Jan), Ilkay Yalcin (Sami), Bella Mortlock (Martha); Bildgestalter Piotr Rosolowski und die 1. Kameraassistentin Sabine Rösing; Jan/Sebastian Erbes und Kameramann Piotr Rosolowski; Sebastian Erbes bei der ersten Begegnung mit den Katzenkindern mit der Tierpflegerin Anika Erdmann


Hier als Extra-Bonus auch noch ein wunderschönes Making-of mit Fotos vom »Koschka«-Produktionsprozess.




Zum Schluss noch unsere Hoffnung: Wenn Bernd mit den Katzen nicht gerade durch die Welt tourt, wird er auch bei uns die eine oder andere FILMERNST-Veranstaltung begleiten. Wir werden ihn sanft umschnurren …


Fotos: Bernd Sahling (privat und Dreharbeiten von »Koschka«),
farbfilm-Verleih, Berlin

(K)ein Freund

Ganz frisch in die Kinos, am 8. Oktober, kommt auch »Mira« (empf. für 5.-7. Klasse). Die dänische Produktion ist erneut ein Beispiel für den seit Jahrzehnten hervorragenden skandinavischen Kinder- und Jugendfilm. Beim renommierten Giffoni Film Festival in Italien wurde »Mira« Ende Juli als »Bester europäischer Spielfilm für Kinder« geehrt. Schul­vor­füh­rungen im Rahmen des Filmfestivals im schwedischen Malmö bewiesen, wie sehr der Film sein Publikum zu fesseln vermag. Es geht um Freundschaften und erste Liebe …



… um Ehrlichkeit und Vertrauen, um Verlockungen und Enttäuschungen im Umgang mit sozialen Medien. Der Film zeigt, wie es ist, fast ein Teenager zu sein: mit allen Höhen und Tiefen der Gefühle, warmherzig, einfühlsam, witzig und film-ernst zugleich. 

Nicht zuletzt: »Mira« ist nicht, wie vielleicht zu vermuten wäre, ein reiner »Mädchenfilm«. Bei der Sichtung und der Auswahl von Filmen achten wir immer auch darauf, einseitige oder eindimensionale Zuschreibungen zu vermeiden. »Warum weiß ich nichts über Liebe und Jungs?« Mira geht eine ganze Reihe von »Kandidaten« durch, wer denn geeignet sein könnte, ihn den anderen Mädchen als Freund zu präsentieren. Den guten Freund an ihrer Seite scheint sie zu übersehen, obwohl er doch so vieles mit ihr gemeinsam hat.


Der Film braucht genau diese Figur, diesen Charakter als Protagonisten neben Mira. Jungen werden sich als beim Zuschauen in dessen Rolle versetzen und überlegen können, was sie in solchen Situationen wohl tun oder lassen würden. »Ich will nicht mehr dein Freund sein, damit wir wieder Freunde sein können.« Klingt merkwürdig, aber wer den Film gesehen hat, weiß genau, was Louis meint.



Fotos: Der Filmverleih, Stuttgart

Macht Lärm!

»Plitsch Platsch forever!« (empf. für 3.-5. Klasse) war ein Riesenerfolg in der Schweiz – und damit wir hierzulande auch verstehen, worum es geht, wurde vom Schwyzerdütschen ins Hochdeutsche synchronisiert. Das hat vielleicht nicht mehr den charmanten Klang, aber wir können dem Geschehen um eine Freibad-Rettung problemlos folgen. Begeistert schrieb eine Kritikerin, der Film wäre »wie ein Sprung vom Dreimeterbrett: Mut sammeln, Luft holen und dann mitten rein – ins Wasser wie ins Leben«. Auch wenn die Freibad-Saison …



…vorbei ist, die nächste kommt bestimmt – und was uns die Kinder im Film in Sachen Engagement, Verantwortung, Gemeinschaftssinn vormachen, gilt das ganze Jahr über.


»Macht Lärm und sorgt dafür, dass man euch hört!« So lautet einer der zweckdienlichen Ratschläge von Frau Hunziker, die jetzt im Altenheim lebt, aber offenbar über einschlägige Erfahrungen in der Protestbewegung verfügt. Bei der Rettung des Freibades werden sie von großer Bedeutung sein.


Für »Plitsch Platsch forever!« trifft leider zu, was wir immer wieder auch bei anderen guten Kinderfilmen feststellen müssen: Sie finden nur höchst unzureichend Leinwandpräsenz. Nach acht Wochen bundesweitem Kinoeinsatz zählte der Film gerade mal 4.100 Besucher. Bei FILMERNST sind wir nach nicht mal zwei Wochen Anmeldezeit bei 650 bestätigten Karten für den Film. Wir schwimmen weiter! Filme wie diese finden bei FILMERNST ihren Platz.



Übrigens, hier ist der Platz dafür, um das mal zu erwähnen: Wenn sich Filme bei ihrer Entstehung – von der Idee über die weitere Konzeption, vom Drehbuch bis hin zur Inszenierung - der Kompetenz dramaturgischer Beratung versichern, so ist das in den meisten Fällen ein großes Plus. Bei und für »Plitsch Platsch forever!« gab es eine solche von Beate Völcker. Beate ist eine langjährige FILMERNST-Freundin, Mentorin würde auch zutreffen – und so freuen wir uns immer sehr, wenn wir Filme präsentieren können, an denen Beate dramaturgisch entscheidend mitgewirkt hat. »Fritzi – Eine Wendewundergeschichte« wäre ein wunderbares Beispiel dafür. Im aktuellen Programm ist Beate Völcker gleich doppelt vertreten als Dramaturgin, denn auch die Katzen in Bernd Sahlings »Koschka« hat sie dramaturgisch begleitet. Wir haben es gemerkt ...


Fotos: Der Filmverleih, Stuttgart

Kein Knockout

Eine Perle des europäischen Jugendfilms ist »Wild Foxes« (empf. ab 8. Klasse). Diese belgisch-französische Ko-Produktion ist zwar nicht synchronisiert, aber mit den deutschen Untertiteln ohne Schwierigkeiten zu verstehen. So verstehen wir auch, dass es kein Sport- und schon gar kein klassischer Box-Film ist, selbst wenn wir einige kurze, intensive, authentische Kampfszenen erleben. Vielmehr geht es um das Sich-Selber-Finden in einer schwierigen Zeit. Was und wer ist mir wichtig? Was will ich und was will ich nicht? Woran erkenne ich …


… meine wahren Freunde? Wer hilft mir, wie kann ich anderen beistehen? Nicht zuletzt: Das überraschend Schöne an »Wild Foxes« und seiner Erzählung ist ein Mädchen, das im Sportinternat nicht nur Teakwondo trainiert, sondern zugleich ihre Liebe zur Musik, zum Jazz unter Beweis stellt. Die Beziehung zwischen dem Boxer Camille und der Trompeterin Yasemine hat weniger mit erster Liebe zu tun, aber ungemein viel mit Einfühlung, Verständnis, Ermutigung – auch und gerade in schwierigen Zeiten.


Kein Knockout, sondern eine absolute Empfehlung für die Oberstufe – und natürlich hoffen wir sehr, dass die Resonanz darauf groß ist. Bisher jedenfalls sieht es gut aus: schon knapp 500 angemeldete Schülerinnen und Schüler. Ring frei zur nächsten Runde!



Fotos: Grandfilm, Nürnberg

Der doppelte Bernd

Seit Jahren schon sind sie eine gute Tradition: die JugendFilmTage zu den Themen »Liebe, Freundschaft, Sexualität« – in Kooperation von FILMERNST und dem Gesundheitsamt des Landkreises Dahme-Spreewald. Immer Ende November, Anfang Dezember in den »Spreewald Lichtspielen« Lübben und im »Capitol« Königs Wusterhausen, erlebten wir im Laufe der Jahre stets bestens besuchte Veranstaltungen, oft mit Gästen vom Team der präsentierten Filme. Erfolg spricht sich rum – und so gibt es …



… in diesem Jahr erstmals auch in Cottbus, Forst und Spremberg die JugendFilmTage, hier als Kooperation von FILMERNST und dem Fachbereich Gesundheit der Stadt Cottbus/Chóśebuz sowie dem Gesundheitsamt des Landkreis Spree-Neiße/Wokrejs Sprjewja-Nysa.


Die Zusammenarbeit mit den Mitarbeiterinnen der Gesundheitsämter gestaltete sich sehr konstruktiv und produktiv – und ob wir genügend Besucher für die Veranstaltungen finden werden, diese Frage beantwortete sich ziemlich schnell: Mehrere Termine waren im Nu ausgebucht, was höchst erfreulich ist. Es bedeutet aber zugleich, dass wir alle folgenden Anfragen abschlägig bescheiden mussten, was wir natürlich sehr bedauern.


Für einige Veranstaltungen gibt es aber noch freie Plätze, vor allem auch für den ganz herausragenden Film »Junge Mütter« (Belgien, Frankreich 2025, empf. ab 9. Jahrgangsstufe), der in Lübben am 26. November und in Königs Wusterhausen am 3. Dezember läuft (Beginn jeweils 10 Uhr).



Außerdem in Lübben und Königs Wusterhausen für die jüngeren (4.-8) Jahrgangsstufen: Bernd Sahlings von der Kritik hochgelobter, vorletzter Film »Ab morgen bin ich mutig«. Bei FILMERNST im Herbst 2026 also gewissermaßen ein doppelter Bernd: Manchmal läuft es einfach!


Wir freuen uns schon sehr, Bernd Sahling am 2. Dezember im »Capitol« Königs Wusterhausen begrüßen zu können. Bis dahin wird er wohl von seinen Weltreisen zurück sein.


Zur Premiere der JugendFilmTage in Cottbus, Forst und Spremberg werden die Filme »Anne liebt Philipp« (Norwegen/Deutschland 2011, empf. für 4.-7. Jahrgangsstufe) und »Das schönste Mädchen der Welt« (Deutschland 2018, empf. ab 8. Jahrgangsstufe) präsentiert – und zwar im »Obenkino« Cottbus, im »Spreekino« Spremberg und im Forster Museum für Textil- und Industriegeschichte Lausitz.


Flyer Filmernst JuFiTa 2026 LDS


Flyer Filmernst JuFiTa 2026 SPN


Fotos: Wild Bunch Germany, München

Kakistokratie

Auf das filmernste Geschehen im Herbst haben wir nun ausführlich hingewiesen, das war die Rundbrief-Pflicht sozusagen. In der abschließenden Rundbrief-Kür wenden wir den Blick zunächst nach Venedig, wo beim ältesten Filmfestival der Welt im Moment noch die hochkarätigen Wettbewerbsbeiträge um wertsteigernde Auszeichnungen konkurrieren. Einen Preis gab es gleich zu Beginn des Festivals: George Clooney wurde mit einem Goldenen Löwen für sein Lebenswerk geehrt. In seiner Dankesrede gebrauchte er ein Wort, das … 


… nach Aufklärung verlangte. »Ich glaube, wir leben im Moment vielleicht in einer Kakistokratie. Das ist ein Land, das von den am wenigsten qualifizierten Leuten regiert wird«, lautete sein ernüchterter Befund. »Aber wir werden da durchkommen«, versicherte er dem Publikum. Wie man so rein- und durchkommt, hat George Clooney nicht nur in »Ocean’s Eleven« mehrfach bewiesen. Der »Goldene Löwe« ist verdient – und für seine engagierte Dankesrede gibt es ein Lob. 


Kein Lob gab es von der Jury-Präsidentin, der US-amerikanischen Schauspielerin Maggie Gyllenhaal. Sie kritisierte zu recht den viel zu geringen Frauenanteil beim diesjährigen Festival. Hier fände dann erneut ein griechisches Wort seinen praktischen Ausdruck: »Patriarchat«. 


Übrigens: Kakistokratie heißt »Herrschaft der Schlechtesten« – und die britische Zeitung »Economist« wählte den Begriff 2024 zum »Wort des Jahres« – mit explizitem Verweis auf die sich abzeichnende zweite und vielleicht letzte Amtszeit des jetzigen MAGA-Präsidenten.


Unser Faible für Sprache und Worte, für Neologismen und Fremdworte, aber auch für die Jugend- oder Un-Worte des Jahres haben wir ja schon des öfteren in den FILMERNST-Rundbriefen bekundet. »Kakistokratie« war neu für uns, wir sind also etwas klüger geworden. Wir hätten noch einen weiteren, ganz persönlichen Favoriten für ein Wort des Jahres, bei dem man zwar nicht unbedingt klüger wird, aber den man hin und wieder in ein Streitgespräch einflechten könnte: Vielleicht entsinnen Sie sich noch, wie der echauffierte Jung-Trainer Julian Nagelsmann nach dem WM-Spiel gegen Paraguay die (Fehl-)Entscheidung des marokkanischen Schiedsrichters charakterisierte: Das wäre ja wohl ein »Vollwitz« gewesen. Nun ist er weg, der Nagelsmann, kein Witz!


Foto: George Clooney in »Ocean's Eleven«, Warner Bros. GmbH





Space Night

Nun kehren wir vom Festivalpalast am venezianischen Lido zurück in heimische Gefilde, in einen Kinopalast nach Werder und in ein MovieMagic nach Eberswalde. Beide Häuser sind seit vielen Jahren gute, verlässliche Partner. Wir wissen, was sie, was unsere Partnerkinos generell leisten, um den Betrieb am Laufen zu halten, um die Säle zu füllen. Am Vormittag mit FILMERNST natürlich – und abends mit Filmen, aber auch mit anderen Kulturveranstaltungen, mit Kleinkunst, Kabarett, Konzerten. Darauf möchten wir an dieser Stelle hinweisen, auf ein ganz besondereres Konzert: POND präsentiert …



… mit »Space Night« ein Elektronikkonzert der Extra-Klasse.


Im Kino »MovieMagic« Eberswalde schon am Freitag, dem 18. September (Beginn 20 Uhr) und im »Scala Kulturpalast« Werder am Freitag, dem 16. Oktober 2026, (Beginn 19:30 Uhr). Am Samstag, dem 17. Oktober 2026 (Beginn 20 Uhr) gibt es ein weiteres Konzert, im Französischen Dom am Berliner Gendarmenmarkt.


POND war die erste Gruppe, die weiland in der DDR elektronische Instrumentalmusik live aufführte. Ihre LPs »Planetenwind« und »Auf der Seidenstrasse« verkauften sich hunderttausendfach.


Der Synthesizer-Künstler und das POND-Mastermind Wolfgang Paule Fuchs hat nach den klassik-affinen Werken »Bilder einer Ausstellung« (nach Modest Mussorgski), nach »Gemälde einer Vernissage« (nach Bildern von Willi Sitte) sowie »Edelweiß« (Klassik & Poesie) nun ein weiteres Multimedia-Programm konzipiert: »POND Space Night – Elektronische Instrumentalmusik zwischen Erde , Himmel & Weltall« lädt ein zu einer Reise durch Raum und Zeit.


Wolfgang Paule Fuchs schrieb uns, dass seine Konzerte auch bestens geeignet seien als Erlebnis für Schülerinnen und Schüler der oberen Jahrgangsstufen, eine »außergewöhnliche Musikstunde« gewissermaßen. Klassen-Karten-Anfragen für die Konzerte in Eberswalde und Werder  direkt beim Künstler unter 0160 1884727


Da wir für außerschulische Lernorte viel übrig haben, geben wir diese Offerte gern weiter. Wir wünschen POND, aber vor allem auch unseren Partnerkinos volle Häuser und eine spannende Reise durch den Weltraum.


Foto: POND

Wal-Reiterin

Gut, wir geben es zu: Der erste Text des Rundbriefes sollte in seiner Überschrift das Lockwort »Wal« haben. »Wal-Kampf« war uns zu politisch und »Wal-Urne« zu deprimierend. Beides hätte ja auch keinerlei Bezug zu FILMERNST. »Wal-Reiterin« dagegen schon, als Übersetzung des originalen »Whale Rider«. Dieser neuseeländische Film war vor mehr als 20 Jahren eine frühe Perle im FILMERNST-Programm. Am Ende der Geschichte reitet ein 12-jähriges Mädchen auf dem Rücken eines Wals hinaus auf den Pazifik, führt damit …


… nicht nur ein ganzes Rudel lebensüberdrüssiger Meeressäuger in die Freiheit, sondern auch ihr Dorf und ihren Stamm in die Zukunft. Dem Großvater hat sie mit der Wal-Rettung eindrucksvoll klar gemacht, dass es nicht auf ewig ein Junge sein muss, der die Traditionen fortführt und das Erbe der Whangara bewahrt.


»Whale Rider«, der Film, entstand nach dem Roman des Māori-Schriftstellers Witi Ihimaera. Aus seiner New Yorker Wohnung heraus hatte der neuseeländische Autor einen im Hudson River aufgetauchten Wal beobachten können. Das seltene Ereignis inspirierte ihn dann zur literarischen Verarbeitung der Wal-Mythen seines Volkes.


Nun sind wir natürlich sehr gespannt auf die literarischen und filmischen Verarbeitungen von Timmys Ostsee-Odyssee. Vielleicht greift ja MV-Umweltminister Till Backhaus gleich mal selbst zur Feder. Als Experten sich gewiss zeigten, dass der wochenlang ganz Deutschland in Hochspannung haltende Buckelwal nun endlich das Zeitliche gesegnet habe, verkündete der wal-kämpfende Minister in einem NDR-Interview: »Ich kann Ihnen heute sagen: Der Wal lebt.«


Wenn das kein Stoff für dramatische Kunst ist! Doch ob FILMERNST den Timmy-Film dereinst ins Programm nimmt, bleibt abzuwarten. Wir würden weiter »Whale Rider« empfehlen!


Teaserfoto: Andrew Bain auf Unsplash 
Filmplakat und Filmstill: Pandora Film, Köln 2003


Königliches Traumpaar

Vom pazifischen Ozean um Neuseeland kommen wir nun auf kürzestem filmischen Weg ins brandenburgische Havel- und Seenland – und damit zum FILMERNST-Frühsommer-Programm. Der Film für die Kleinsten ist unser Gruß an den Regisseur Rainer Simon. Als junger Mann hatte er 1968 einen fantastisch-fulminanten Film gedreht: »Wie heiratet man einen König«. Fast 60 Jahre nach ihrem Entstehen ist diese Grimmsche Märchenadaption noch immer ein absolut geistreiches Vergnügen. Sie überrascht und überzeugt …


… von Anfang bis Ende mit Bildern und Tönen, Farben und Formen höchster Lebensfreude. Ein Dank also gen Potsdam an Rainer Simon. Ein Dank und Gruß aber auch nach Berlin, wo die DEFA-Stiftung ihren Sitz hat und seit Jahren dafür sorgt, dass das DEFA-Erbe erhalten und bewahrt, gehegt und gepflegt wird. Und dass Filme eben auch digitalisiert werden, damit sie nicht auf analogem Material in Archiven verstauben, sondern in Kinos weiter am Leben bleiben. Wie eben »Wie heiratet man einen König« (wir werden uns bei Rainer Simon erkundigen, warum dem Titel das Satzzeichen fehlt, obwohl es doch ganz eindeutig eine Frage ist).


Und um noch mal auf das havelländische Wasser zurückzukommen: Gedreht wurde u.a. um das Dorf Päwesin herum. Das erste Bild des Films zeigt uns ein windschiefes Häuschen an einem See. Ein malerisch schönes Motiv – und Rainer Simon glaubt sich zu erinnern, dass es ehemalige Kieskuten waren, »wo unsere Szenenbildner das Häuschen hinbauten, nachempfunden dem Weiherhaus von Albrecht Dürer«. Nicht das einzige Bild und die einzige Einstellung wie gemacht für den Kunstunterricht.



Wir empfehlen »Wie heiratet man einen König« für 1. bis 3. Klasse. Aber eigentlich ist er sehenswert für jedes Alter – und für die Älteren, die DEFA-Freunde, gibt es viel (wieder-)zuentdecken, vor allem auch ganz großartige Schauspielerinnen und Schauspieler. Cox Habbema und Eberhard Esche sind ein Traumpaaar!


Hier die Online-Version des Flyers mit dem FILMERNST-Frühjahrsprogramm.


Der MDR widmet sich mit einem opulenten Programm dem Jubiläum »DEFA 80« – unter diesem Link finden Sie alle Filme und alle Sendezeiten: https://www.mdr.de/presse/achtzig-jahre-defa-100.html


Teaserfoto: © DEFA-Stiftung/Hans Rudolf Hattop, Wolfgang Reinke
Gemälde: »Weier Haws«, Aquarell, Albrecht Dürer 1495/96

Ungarisch übersetzt

Wir bleiben am Wasser und baden jetzt im Balaton: Die 13-jährige Nina lässt sich rücklings auf dem See treiben, schaut in den strahlend blauen Himmel mit einer dahinschwebenden weißen Wolke. Das Mädchen träumt aber nicht nur so vor sich hin, sondern versucht, Bilder ihrer Mutter zu erinnern. Die ist vor acht Jahren schon gestorben, und nun drängt es die Tochter, mehr oder überhaupt etwas über die Frau zu erfahren, von der sie so gut wie nichts weiß, von der es absolut keine Fotos zu geben scheint. Um ihr auf die Spur zu kommen, beginnt Nina zu schreiben – und es wird »Der Sommer, als ich (m)eine Geschichte fand« …


Eigentlich trägt der Film den Titel »I Accidentally Wrote A Book – Der Sommer, als ich (m)eine Geschichte fand« – und das wäre der längste Titel gewesen, den wir jemals für einen Film gehabt hätten. Vor allem hätte er auf dem Flyer so viele Zeilen beansprucht, dass für den Inhaltstext kaum noch was übrig geblieben wäre. Also haben wir uns für die Kurzfassung entschieden, die auch schon lang genug ist. Und weil es so schön klingt, würden wir Ihnen gerne auch den Titel im Original zu Gehör bringen. Da das nicht geht, schreiben wir ihn wenigstens hin: »Véletlenül írtam egy könyvet«. So besonders wie der Titel ist auch das Werk: Ein Kinderfilm, der nicht behauptet, sondern zeigt, wie traurig und ernsthaft, wie kreativ und originell die Geschichten des Lebens sind.



Ungarische Filme waren bislang bei FILMERNST viel zu selten, fast nie zu sehen. Was nicht unbedingt daran liegt, dass es keine gäbe. Sie finden nur nicht den Weg zu uns, laufen vielleicht noch auf Festivals, aber nicht in den Kinos und nicht synchronisiert. Von daher sind wir froh um die Initiative des Chemnitzer SCHLiNGEL. Immer mehr der auf dem Festival gezeigten und ausgezeichneten Filme werden über den eigenen Landfilm-Verleih für das normale Kinoprogramm bereitgestellt. Der Vertrieb erfolgt über den im schleswigschen Ascheffel beheimateten barnsteiner filmverleih. Dort sitzen Film-Enthusiasten, mit denen wir seit Jahren bestens zusammenarbeiten, die uns Filme frühzeitig signalisieren und empfehlen, wie eben das – ins Ungarische übersetzte – »Véletlenül írtam egy könyvet«. Das aus dem Niederländischen übersetzte Buch von Annet Huizing, nach dem der Film entstand, trägt übrigens den Titel: »Wie ganz zufällig aus meinem Leben ein Buch wurde«. 
Eine Geschichte, so viele Titel!


Nun aber: Baden im Balaton! – mit der filmernsten Ergänzung, dass wir vor etlichen Jahren schon mal einen Film im Programm hatten, der am und auf dem Balaton spielt: Robert Thalheims leider arg unterschätzter »Westwind«, mit Friederike Becht, Luise Heyer, Franz Dinda und Volker Bruch. Zwei Mädchen aus der DDR, Zwillinge, die als Kanutinnen künftig Medaillen für ihr Sport-Land holen sollen. Das Sommer-Trainingslager am Plattensee ist eine Auszeichnung für sie, doch ihr Rudergleichschlag kommt schjon bald aus dem Takt. Die Bekanntschaft mit zwei Hamburger Jungs verursacht eine Konfusion der Gefühle und verlangt eine Entscheidung: Zurück in die DDR oder Flucht in den Westen? Ein Schicksalsmoment, im Sommer 1988. Ein spannend erzählter, eindringlich gespielter, emotional bewegender Film, auch für den Geschichts- und Politikunterricht. FILMERNST hat ausführliches Begleitmaterial für diesen Film erstellt.



Fotos: Landfilm Filmverleih, Chemnitz / barnsteiner filmverleih, Ascheffel (»Der Sommer, als ...«) / Zorro Filmverleih, München (»Westwind«)

Pretty in pink

Ganz wenig Wasser nur gibt es im Film »DJ Ahmet«. Lediglich frühmorgens klatscht der Vater seinem Sohn einen Scheffel eiskaltes Nass ins Gesicht, damit der aufstehe und sich an sein Tagwerk mache: Schafe hüten. Weil ihm eins von den 20 Tieren abhanden kam, muss Ahmet so lange draußen schlafen, bis die Herde wieder komplett ist. Das Leben in diesem nordmazedonischen Dorf bewegt sich in archaischen Bahnen. Eine arrangierte Ehe ist, auch heute noch, nichts Ungewöhnliches. Sie entspricht den Traditionen der hier lebenden türkischen Minderheit der Yörük …


… zu der auch die Vorfahren der 15-jährigen Aya gehören. Eigentlich in Deutschland lebend, ist das Mädchen in die Heimat ihrer Familie zurückgekommen, wo bereits ein ihr völlig unbekannter Bräutigam auf sie wartet. Doch die Zeiten haben sich gewandelt, und Aya hat einen Plan, wie die Hochzeit zu verhindern wäre. Mit ein paar mutigen Freundinnen will sie beim jährlichen Dorffest einen Auftritt präsentieren, der gegen alle Braut-Regeln verstößt. Ahmet hilft ihr bei den heimlichen Proben, indem er seinen Traktor DJ-mäßig mit Lautsprechern bestückt, aus denen die Rap-Songs ertönen. Die Musik ist für Ahmet ein Elixier, das ihn an die verstorbene Mutter erinnert und nun von Aya neuen Sinn bekommt. Ausbrechen aus der Herde, wie eines seiner Schafe, das aus der Reihe tanzt, um dann doch wieder zur Familie zu stoßen. Das Ende wird pretty in pink!


»DJ Ahmet« hat, nach seiner Premiere beim berühmten Sundance-Festival in Salt Lake City, eine weltweite Tour absolviert, wurde vielfach ausgezeichnet und von den Medien hochgelobt. Gerade auch für die großartigen Laiendarsteller, die der Regisseur nach ausgiebiger Suche in den noch bestehenden Yörük-Gemeinden fand. Mit welcher Intensität und Subtilität sie ihre Rollen spielen – Haupt- und Nebendarsteller, Kinder, Jugendliche, Erwachsene –, ist nachhaltig überzeugend und jetzt bei FILMERNST zu erleben.



Fotos: Neue Visionen Filmverleih, Berlin

Klassenfahrt nach Krakau

Es vergeht kein Tag, an dem nicht solche Nachrichten zu lesen sind: »Antisemitische Vorfälle haben … auch in NS-Gedenkstätten deutlich zugenommen«. Vielfach, aber eben nicht nur gibt es einen rechtsextremen Hintergrund, knapp die Hälfte der Geschehnisse ist anti-israelisch motiviert. Das nicht einfach nur stillschweigend hinzunehmen und sich noch weiter ausbreiten zu lassen, ist gesellschaftliche Verpflichtung, auch der Schulen. »Zu viele Bildungslücken« jedoch wurden Brandenburger Schülerinnen und Schülern bescheinigt, sie wüssten »zu wenig über jüdisches Leben, Geschichte und Religion«. Im Herbst …


… des vergangenen Jahres haben wir mit einem filmischen Sonderprogramm zu den Themen Holocaust und Antisemitismus etwas dazu beitragen wollen, Wissen zu erweitern und Gespräche zu befördern. Die vier ausgewählten Filme liefen im Rahmen einer Ausstellung im Filmmuseum Potsdam mit dem Titel »How to Catch a Nazi«. Die Resonanz war leider bescheiden, was die weiter oben getroffenen Einschätzungen nur zu bestätigen scheint. Zu wenige Klassen und Gruppen bekundeten Interesse am Angebot, meldeten sich zu den Filmen und den Ausstellungsrundgängen an. Für jene aber, die ins Potsdamer Filmmuseum kamen, bewirkte das im »Lernort Kino« Gesehene und Besprochene durchaus etwas, wirkte nach und regte zum Weiterdenken an.


Genau das möchten wir fortsetzen, bieten einen der Filme im Frühjahrsprogramm nicht nur im Filmmuseum Potsdam, sondern landesweit in allen Partner-Kinos an: »Delegation«, das Werk des israelischen Regisseurs Asaf Saban, hat auf Festivals weltweit für Aufmerksamkeit gesorgt und Preise gewonnen. Der Film erzählt davon, wie Geschichte ohne Routine und Rituale lebendig bleibt, für jeden, wo auch immer.


»Verhaltet euch unauffällig. Kein lautes Rufen auf Hebräisch!« Mit diesen Regeln werden israelische Jugendliche für den Rundgang durch Krakau instruiert. Es ist eine Klassenfahrt der besonderen Art. Eine Reise, die junge Israelis nach Ende der Schulzeit obligatorisch gen Polen führt, zu den Orten früheren Schreckens, den Mahnmalen des Holocausts. Zu vieles scheint auf der Fahrt in die Vergangenheit allerdings normiert und programmiert. Routine mit Fixpunkten und kalkulierten Emotionen. Was aber macht es mit einem, wenn man in Maidanek vor den Bergen von Schuhen der Häftlinge steht? Was macht es mit einem (um auf den einleitenden Satz dieses Textes zurückzukommen), wenn man in Gedenkstätten antisemitische Grafitti liest? Was diese Tour in den israelischen Jugendlichen auslöst, wie sie sich der Vergangenheit und den Erwartungen der Erinnerungskultur stellen, wird zur Suche nach dem eigenen Platz im Leben.


Natürlich besteht auch weiterhin die Möglichkeit, die anderen Filme des letztjährigen Sonderprogramms als »Wunschfilm«-Veranstaltungen in einem Kino Ihrer Region bei uns anzufragen.


In diesem Zusammenhang möchten wir gern noch auf zwei Bücher hinweisen. Zum einen auf: Ben Salomo: Sechs Millionen, wer bietet mehr? Judenhass an deutschen Schulen. 
Jüdischer Verlag im Suhrkamp Verlag, Berlin 2025, 170 Seiten, Klappenbroschur, 18 Euro, ISBN 978-3-633-54342-7
»Lesen sollten das Buch vor ­allem Pädagogen, die sich scheuen, über Antisemitismus zu sprechen, denn Salomo liefert in erster Linie Argumente für die Notwendigkeit einer antisemitismuskritischen ­Bildungsarbeit, keine Anleitungen.« (aus einer Kritik des Buches von Silvia Stieneker, jungleworld.de)


Zum anderen auf: Sarah Cohen-Fantl: Wie alles begann und sich jetzt wiederholt. Meine jüdische Familiengeschichte. 
Bonifatius Verlag, Paderborn, 304 Seiten, gebunden, 25 Euro, 
ISBN 978-3-98790-100-3 
»Eine Auseinandersetzung mit der Frage, was ›Nie wieder‹ bedeutet, wenn Antisemitismus erneut um sich greift, und wie sich jüdisches Leben zwischen Erinnerungspflicht und alltäglicher Bedrohung behauptet. Sarah Cohen-Fantl gelingt damit ein Werk, das gleichermaßen Zeugnis und Selbstbehauptung ist. Ein Buch, das unbequem bleibt, weil es bewegt. Und das zum Handeln auffordert«, schrieb Jasmin Arémi in »mena-watch«, einem unabhängigen Nahost-Thinktank mit Sitz in Wien. Einen Auszug aus dem Buch in der »Jüdischen Allgemeinen« lesen Sie hier. 


Stehende Ovationen

Bildungslücken wie die eben beschriebenen schnell und dauerhaft zu schließen: Niemand dürfte wohl daran ein größeres Interesse haben als der Bildungsminister. Wir werden ihn bei passender Gelegenheit zu einer FILMERNST-Veranstaltung einladen und hoffen natürlich sehr auf eine Begegnung im »Lernort Kino«. Damit FILMERNST zu keiner Zeit im Regen steht, dafür haben wir uns seit seiner »Geburt« um einen Schirmherren bemüht – in Gestalt des Bildungsministers resp. der Bildungsministerin. Wie Sie alle wissen, …


… stand mal wieder ein Wechsel an, so dass wir in unserer ansehnlichen Schirmherren-Galerie inzwischen bei Porträt Nummer 7 angelangt sind. Wir freuen uns sehr, dass Gordon Hoffmann schnell und entschlossen den Schirm in die Hand genommen hat. Auf den an die Schulen gesandten Flyern fehlt sein Name, da war die Bestätigung noch nicht amtlich, aber auf der Online-Version des Flyers ist alles komplett.


Gordon Hoffmanns Vorgänger im Amt, Steffen Freiberg, sei auf dem SPD-Landesparteitag mit stehenden Ovationen verabschiedet worden, wie wir lasen. Ein bergmännisches »Glück auf!« soll er der neuen Koalition zugerufen haben. Wir danken ihm und zitieren aus Tucholskys Gedicht »Danach« die Zeile: »Und darum wird beim happy end im Film jewöhnlich abjeblendt«.

Probleme, Probleme

»Wie füllen wir denn diese Zeit? Wir denken über – gestatten Sie den Ausdruck? – über allen Teufelskram nach. Und das Resultat? Probleme! Dinge, die für den nichtdenkenden Menschen vollkommen selbstverständlich wären, wuchten sich auf, ballen sich zu unlösbaren Problemen. Wir haben Erziehungsprobleme, volkswirtschaftliche Probleme, Eheprobleme, wissenschaftliche Probleme, Sexualprobleme. Auf jeden Quadratmeter unserer Erde ein Problem!« Nun, hätten Sie gedacht, dass diese »Problematik« aus dem Abituraufsatz eines 19jährigen stammt? Von einem, der später mehrfach …


… für den Literatur-Nobelpreis im Gespräch war? Der selbst zum Abiturthema werden sollte mit seinen Werken, nun aber leider immer seltener unterrichts- und prüfungsrelevant ist.


Nun, der junge Max Frisch wählte 1930 im Deutsch-Abitur die »freie Erörterung« zum Thema »Licht- und Schattenseiten der modernen Technik«. Dass sein Ego auch in jungen Jahren Anspruch bewies, zeigte seine Ansage: »Ich erstrebe hier keine Vollständigkeit. Aus Mangel an Zeit und Lust.«


Wenn Sie wissen möchten, wie die Prüfer das Problembewusstsein des jungen Mannes benoteten, können Sie das in diesem Buch erfahren:
Bitte nicht ins Buch kritzeln! Von Lehrmitteln und Lernwegen
Herausgegeben von Dirk Vaihinger, mit Illustrationen von Sarah Weishaupt. Lehrmittelverlag Zürich 2026 / I
SBN 978-3-03713-972-1 / 108 Seiten / 16 Euro


https://nichtkritzeln.ch/


Sollten noch Examen anstehen, dann wünschen wir allen Prüflingen viel Erfolg – und verzichten Sie auf Sätze wie: »Ich erstrebe hier keine Vollständigkeit. Aus Mangel an Zeit und Lust.«

Knospen und KI

Auch diesen Rundbrief wollen wir gern wieder poetisch beenden. Aber nicht mit einem langen Frühlingsgedicht, sondern mit einem Haiku, passend zur Kirschblüte. Drei Zeilen, 17 Silben. Knappste Form, höchstes Gefühl. Aus Mangel an Zeit und Lust, wie der junge Max Frisch, bemühen wir die KI – und müssen doch korrigierend eingreifen: Die zweite Zeile wurde uns mit fünf statt sieben Silben angeboten. Also machten wir einen eigenen Vorschlag …


Im Frühlingsregen
Max Frisch wartet ohne Schirm
Knospen fragen nach.


Chat GPT wusste das wohlwollend so einzuschätzen:


Das funktioniert deutlich stärker als Haiku — jetzt hast du auch eine klare 5–7–5-Struktur – und inhaltlich gewinnt es ebenfalls: Der Frühlingsregen setzt die Jahreszeit und Stimmung. »ohne Schirm« ist ein konkretes, alltägliches Bild — sehr haiku-typisch. Die letzte Zeile öffnet dann einen Resonanzraum: Die Knospen wirken beinahe neugierig oder ungeduldig gegenüber dem Wartenden. Außerdem entsteht etwas subtil Ironisches: Der reale Schriftsteller Max Frisch steht plötzlich wie eine Figur im Regen — beobachtet von der Natur selbst. Die Zäsur zwischen Zeile zwei und drei funktioniert gut. Das Gedicht hat Ruhe, Bildlichkeit und eine kleine Verschiebung ins Surreale — alles Dinge, die ein gutes, modernes deutschsprachiges Haiku tragen können.


Damit wünschen wir Ihnen einen schönen Frühling. Nehmen Sie auf Ihre Spaziergänge einen Schirm mit, damit Sie nicht, wie der reale Schriftsteller Max Frisch, plötzlich im Regen stehen. Lassen Sie sich von Knospen befragen. Seien Sie neugierig auf deren Antworten.


Teaserbild: David Brooke Martin auf unsplash

Mut für Filme und Kinos

Wir wollten Ihnen, uns und dem neuen Jahr noch etwas Luft lassen, ehe im wahrsten Sinne des Wortes der FILMERNST des Lebens wieder beginnt. Nun aber ist es höchste Zeit, die Auszeit zu beenden, denn bald schon gibt es die nächste Ferienwoche, vor allem aber einiges zu berichten: sowohl im 2025er Nachtrag als auch im 2026er Ausblick – und da möchten wir den Blick gleich auf die nächsten SchulKinoWochen richten, die zum nunmehr 20. Male stattfinden werden: vom 12. bis 27. März. Mit so vielen Spielorten …


… wie noch nie, runden 33! Neu oder seit langem erstmals wieder dabei: das »Union« in Luckenwalde und der »Hofgarten« in Bad Belzig. In diesem schönen Kino wird am 12. März auch die Eröffnungsveranstaltung über die Bühne gehen – und es bedurfte keines großen Mutes, sich für den jüngsten Film unseres FILMERNST-Paten Bernd Sahling als passenden Auftakt zu entscheiden: »Ab morgen bin ich mutig«.


Die Kritik im Münchner Branchenblatt »THE SPOT media & film« ist nur eine von etlichen begeisterten Stimmen: » …ein überaus unterhaltsamer pädagogischer Film über die Liebe, andererseits der seltene Fall eines Liebesfilms für Kinder, in dem der jugendliche Held schließlich das erste Verliebtsein fast beiläufig in all seinen Facetten und dabei sich selbst kennenlernt, genauso, wie es tröstlicherweise jeder Erwachsene vor ihm irgendwann schon einmal durchlebt hat.«



Fotos: Real Fiction Filmverleih, Köln


»Ab morgen bin ich mutig« gehört zu den insgesamt 31 Filmen der diesjährigen SchulKinoWochen – und dass viele Lehrkräfte offenbar schon auf das Angebot des Jubiläumsjahrgangs gewartet haben, zeigt die erste Resonanz nach Aussendung des Programmhefts: Anmeldungen kamen bereits aus mehr als 100 Schulen, für rund 5.200 Kinder und Jugendliche aller Jahrgangsstufen. 


Der filmische Spitzenreiter bis dato wird wohl auch am Ende die Nase vorn haben: Tobias Krell alias Checker Tobi mit seiner dritten Weltexkursion: »Checker Tobi 3 – Die heimliche Herrscherin der Erde« . Dicht gefolgt von Bernd Sahlings »Ab morgen bin ich mutig« – und einem Film, der erst am Eröffnungstag der diesjährigen SchulKinoWochen, nämlich genau am 12. März, in die deutschen Kinos kommen wird. Dank der jahrelangen freundschaftlich-filmernsten Verbundenheit zum Berliner farbfilm-Verleih dürfen wir »Das geheime Stockwerk«, eine Zeitreise in die deutsche Geschichte,  ohne die sonst übliche Karenzzeit zeigen.


Poetisch, magisch, zauberhaft: Ein Film, der Sterne und Herzen schweben lässt, ist »Lauras Stern«, den wir früher schon mal mit Erfolg im Programm hatten. Poetisch, magisch, zauberhaft, ließe sich aber auch über einen Animationsfilm sagen, der ganz neu, am 12. Februar, seinen Kinostart erlebt und wenig später bei uns zu sehen sein wird: »Hola Frida«. Und weil uns das kleine Mädchen, aus der eine große Malerin werden wird, viel zu erzählen hat,  geben wir ihr gleich selbst das Wort: »Für mich ist nichts unmöglich (…) Ich umarme das Leben und gestalte es neu.«



Fotos: eksystent Filmverleih, München / Tobo Studio; Du Coup Animation & Production


Auf ein Neues also, mit den SchulKinoWochen 2026. 
Wir freuen uns über viele Anmeldungen!


Alle Filme finden Sie auf unserer Webseite, hier können Sie sich auch direkt online anmelden.


pdf: Programm SchulKinoWochen Brandenburg 2026

Erste Wahl: Literatur und Leinwand

»Dürfen Lite­ra­tur­ver­fil­mungen mehr wagen als die Vorlage? Auf jeden Fall!« Frage und Antwort stammen aus einer Kritik des Films »22 Bahnen«. Es ist die Leinwand-Adaption eines Bestsellers, des 2023 erschienenen literarischen Debüts von Caroline Wahl. Mehr als 600.000 Exemplare des Buchs wurden bereits verkauft – und wahrscheinlich auch gelesen. Der gleichnamige Film läuft seit rund 20 Wochen in den Kinos, bislang haben ihn fast 700.000 Menschen gesehen …


… und die SchulKinoWochen bieten weitere Gelegenheit. Seit jeher sind Literaturadaptionen fester Bestandteil des Programms und natürlich per se für den Literaturunterricht relevant. Caroline Wahl und ihre Bücher jedenfalls offerieren viel und nicht nur Lesestoff für Gespräche über Literatur: über die Themen und Geschichten, über Erzähl- und Gestaltungsweisen, über Sprache und Stil, über Leben und Vermarktung der Autorin. Und nicht zuletzt eben über die Transformationen des Werks in andere Medien, im speziellen Falle der Film. Diverse Anknüpfungspunkte und Möglichkeiten für einen diskursiven, hochinteressanten Literaturunterricht. 


Die erst 30-jährige Caroline Wahl hat nach »22 Bahnen« zwei weitere Romane mit Bestsellerpotential verfasst – »Windstärke 17« und »Die Assistentin« – und findet es mit dem ihr eigenen Selbstbewusstsein längst an der Zeit, endlich auf die Nominierungsliste für den Deutschen Buchpreis zu kommen. Lesen und schauen wir mal …



Fotos: Constantin Film Verleih, München

Weitere Literaturadaptionen im Programm der SchulKinoWochen: »Lauras Stern« (gleichnamiges Kinderbuch von Klaus Baumgart), »Momo« (die zweite Verfilmung des Michael-Ende-Bestsellers), »Romys Salon« (gleichnamiges Buch von Tamara Bos), 
»Die verlorene Ehre der Katharina Blum« (nach Heinrich Bölls gleichnamigem Roman) – und nicht zuletzt, ganz aktuell, 
»Amrum«, die von Fatih Akin verfilmten, auf persönlichen Erinnerungen beruhenden Kriegs- und Nachkriegserzählungen seines Mentors und väterlichen Freundes Hark Bohm.



Fotos: Warner Bros. Pictures Germany (»Lauras Stern« und »Amrum«); Constantin Film, München (»Momo«); StudioCanal, Berlin (»Die verlorene Ehre der Katharina Blum«)


Um auf den eingangs zitierten Satz aus der Kritik zu »22 Bahnen« zurückzukommen: Geschrieben wurde sie von Axel Timo Purr, zu lesen ist sie in voller Länge im Münchner Filmmagazin artechock.de.
Ein Vergleich dieser professionellen Filmbewertung mit einer selbst verfassten Einschätzung, auch das wäre ja ein aufschluss- und erkenntnisreiches Unterfangen für den Literaturunterricht.  
Für »Windstärke 17«, ebenfalls in der Regie von Mia Maariel Meyer, gibt es bereits den entsprechenden filmischen Rückenwind, sprich die Fördergelder, gedreht wird u.a. auf der Insel Rügen. Ob der Rückenwind ausreicht für Filmpreise: Wir werdern sehen, vielleicht auch bei den SchulKinoWochen.

Zirkus- und andere Familien

»Dokumentarfilme können ergreifend, humorvoll, aufrüttelnd und tiefgründig sein. Sie sind ein essentieller Teil der öffentlichen Meinungsbildung.« So steht es auf der Webseite von LETsDOK, einer Initiative der »Arbeitsgemeinschaft Dokumentarfilm« – mit dem Ziel, einem weithin unterschätzen Filmgenre eine Stimme zu geben. Bei FILMERNST stehen dem Dokumentarischen die Türen von jeher weit offen, erst recht zu den SchulKinoWochen. VISION KINO weist kontinuierlich in FilmTipps auf wichtige Dokfilme hin; oft werden wir ganz direkt von Dokumentarfilmschaffenden gefragt …


… ob wir denn nicht ihre Filme in unsere Programme nehmen könnten. Die Themen seien doch brisant und böten viel Gesprächs- und Diskussionsstoff auch für den Unterricht, für verschiedene Fächer. Dem können wir in den meisten Fällen nur zustimmen, würden gern und mehr unterstützen, wohl wissend um die oft schwache Resonanz auf das reichhaltige Angebot. Von Ausnahmen freilich abgesehen: »Checker Tobi« zum Beispiel, auch Filme über Bienen und Bäume, Wiesen und Wälder laufen gut. Aber »Holy Shit« oder »Auf der Kippe«, »No Land’s Song« oder »Blix Not Bombs«? 



Fotos: farbfilm Verleih Berlin (»Holy Shit«); Real Fiction Filmverleih, Köln (»Auf der Kippe«); Hanfgarn & Ufer Filmproduktion, Berlin (»No Land’s Song«); CineGlobal, München (»Blix Not Bombs«)


Dennoch: Dokumentarfilme bleiben ein fester Bestandteil des schulfilmischen Angebots. Dieses Jahr bei den Brandenburger SchulKinoWochen immerhin mit sechs Beiträgen, darunter der 2025 mit dem Deutschen Dokumentarfilmpreis gewürdigte und soeben mit dem Bayerischen Filmpreis 2026 geehrte »Im Prinzip Familie«. Diese Auszeichnung und Wertschätzung des Films freut uns besonders, denn der Regisseur Daniel Abma war bereits zu Beginn des Schuljahres unser Gast: Im »Filmpalast« Oranienburg gab es eine Sonderveranstaltung, bei der 240 Jugendliche des Georg-Mendheim-Oberstufenzentrums »Im Prinzip Familie« sahen und sich sehr beeindruckt zeigten. 



Fotos: FILMERNST


Im Anschluss daran schrieb uns Daniel Abma und bedankte sich für den großartigen Tag: »Viele, die unseren Film gesehen haben, berichteten, dass er hilft, Berührungsängste abzubauen, dass er Vorurteile auflöst und Stigmatisierung entgegenwirkt: Eine Zuschauerin, die selbst in einer Wohngruppe lebt, erzählte nach der Vorführung, dass sie nun verstanden habe, dass nicht sie die Ursache für ihre Situation ist – der Film habe sie gestärkt.«


»Im Prinzip Familie« wird nun in mehreren Spielorten im Rahmen der SchulKinoWoche zu sehen sein, ebenso wie der bereits im FILMERNST-Herbstprogramm präsentierte »Zirkuskind«. Die beiden Regisseurinnen, Anna Koch und Julia Lemke, wurden in der Kategorie »Bester Kinderfilm« gerade für den Preis der deutschen Filmkritik 2025 nominiert, den renommierten Bayerischen Filmpreis haben sie gerade erhalten.  Darauf ein doppelter Salto!



Fotos: Across Nations Filmverleih, Stuttgart/Berlin

Oscar & Lola

»And the Oscar goes to …« Wie gern hätten wir diesen Satzanfang gehört, komplettiert durch: »Sound of Falling« – so der englische Titel von Mascha Schilinskis »In die Sonne schauen«. Letzten Mai hatte sie damit in Cannes Publikum und Jury beeindruckt. In gleich acht Kategorien konkurrierte ihr Vier-Generationen-Frauen-Porträt dann um den Europäischen Filmpreis. Dass das Werk als deutscher Beitrag ins Oscar-Rennen geschickt wurde, verwunderte daher niemanden. Als letzte Woche die fünf internationalen Titel für die Endrunde bekanntgegeben wurden …


… musste Mascha Schilinski aber in die Sonne schauen: Die Oscar-Zeremonie am 16. März im Dolby Theatre in Los Angeles wird ohne sie über die Bühne gehen. Schade, aber auch ohne diesen Ritterschlag bleibt es ein großartiger Film, den wir wahrscheinlich nicht im normalen FILMERNST-Programm wiederfinden werden, aber sehr gerne für Wunschfilm-Anfragen empfehlen.


Der Oscar-Exkurs sollte hier eigentlich nur die Überleitung bilden für den Hinweis, dass von den 31 Filmen des SchulKinoWochen-Programms die allermeisten mit ziemlich bedeutsamen Auszeichnungen und Preisen bedacht wurden, zwei sind ja bereits im vorhergehenden Text erwähnt.


Aber in der Tat: Sogar einen Oscar-Gewinner haben wir im Angebot, was wirklich selten ist: Aber an »Flow« kam im letzten Jahr keiner vorbei, zu groß waren das Staunen und die Begeisterung über diesen Animationsfilm aus Lettland. Zum Oscar gesellte sich der Golden Globe, der französische César und im Heimatland von Gints Zilbalodis der Lettische Filmpreis. Dass in der Hauptstadt Riga ein Denkmal in Gestalt einer Katze errichtet wurde, gleich neben dem Freiheits-Monument, ist für einen Film wohl eine seltene, einmalige Ehrung. Absolut sehenswert, dieser »Flow«, in der Sonderreihe »17 Ziele – Kino für eine bessere Welt«.



Fotos: LETA, Edijis Pālens via Gints Zilbalodis (Katzendenkmal Riga);
MFA+ FilmDistribution, Regensburg (Filmstills)


Hier, in unvollständiger Auflistung, noch ein paar weitere Verweise auf goldene und andere Preise der Filme, die wir während der SchulKinoWochen 2026 präsentieren.


»Goldene Spatzen«, beim traditionsreichen Deutschen Kinder Medien Festival in Erfurt und Gera, flogen dem »Geheimen Stockwerk« und den »Nulpen« zu, vor einigen Jahren schon »Amelie rennt«. Der (in Eberswalde angesiedelte) Dokumentarfilm »Über uns von uns« wurde 2025 von der FBW-Jugend-Filmjury als »Bester Jugendfilm« gekürt



Fotos: farbfilm Verleih, Berlin (»Amelie rennt« und »Das geheime Stockwerk«); UCM.ONE, Berlin (»Nulpen«); Real Fiction Filmverleih, Köln (»Über uns, von uns«)

»Amelie rennt« durfte sich 2018 auch über eine LOLA freuen, den Deutschen Filmpreis. Den bekam im letzten Jahr ebenfalls der hochdramatische Spielfilm »September 5« – und das in etlichen Kategorien: Bester Spielfilm, Beste Tongestaltung, Bester Schnitt, Bestes Maskenbild. Zudem erhielt er den »Brücke-Friedenspreis des Deutschen Films«.


Als der Deutsche Filmpreis noch nicht auf den Namen LOLA hörte, gab es ihn im Jahre 1976 für einen Film, der zweifellos zum nationalen filmischen Erbe zählt: Volker Schlöndorffs »Die verlorene Ehre der Katharina Blum«, nach dem gleichnamigen Buch des Literatur-Nobelpreisträgers Heinrich Böll. Der Film läuft, wie »September 5«, in der bpb-Sonderreihe »Demokratische Grundrechte schützen: Presse, Recht und Ethik«. Ein Filmband in Gold gab es damals für die beeindruckende Hauptdarstellerin Angela Winkler, ebenso für den Kameramann Jost Vacano. Eine Wiederentdeckung, ein Filmschatz bei den SchulKinoWochen.


Da die Berlinale 2026 vor den Kinotüren steht und in ihren verschiedenen Reihen sicher wieder Filme ins Licht rückt, die erst ins »normale« Kino und dann auch ins FILMERNST-Programm kommen könnten: Hier noch ein Rückblick auf 2025 ausgezeichnete Berlinale-Beiträge. Für einen wirklich sehr schönen, berührenden österreichischen Film – mit dem wahrscheinlich längsten Titel, den wir jemals im Programm hatten: »Wenn du Angst hast nimmst du dein Herz in den Mund und lächelst« – war der »Teddy Award«, ein LGBTIQ-Filmpreis, die verdiente Würdigung. Die AG Kino-Gilde verlieh ihren Preis an »Paternal Leave – Drei Tage Meer«, eine berührende deutsch-italienische Tochter-Vater-Geschichte. Und die für uns immer sehr relevante Berlinale-Sektion »Generation Kplus« hatte 2025 eine »Lobende Erwähnung« für »Zirkuskind«, was wir und bestimmt auch die 1.600 Kinder bestätigen können, die den Film im Herbst in 22 Veranstaltungen erlebten.



Fotos: eksystent Filmverleih, München (»Paternal Leave«); Arsenal – Institut für Film und Videokunst, Berlin (»Wenn Du Angst hast …«)


Beim Bayerischen Filmpreis 2026 waren wir schon, mit »Im Prinzip Familie« und »Zirkuskind«. Eine Ehrung fehlt aber noch, die Auszeichnung in der Kategorie »Bester Film«: Die bekam »Amrum« – und Regisseur Fatih Akin rief seinem jungen Hauptdarsteller Jasper Billerbeck in einem anderen als dem auf der nordfriesischen Insel gesprochenen und im Film auch zu hörenden Öömrang-Dialekt zu: »Das ist dein Fame, Digga!« Wir sind platt – und gratulieren herzlich!


Teaserbild LOLA: © Clemens Porikys / Deutsche Filmakademie

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