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Als Hitler das rosa Kaninchen stahl

Deutschland, Schweiz 2019

 

 

»Das sind Stofftiere. Die haben keine Gefühle«, sagt Max zu seiner jüngeren Schwester. Anna muss sich entscheiden zwischen Hund und Kaninchen – und möchte keinem ihrer Lieblinge wehtun, wenn es allein zurückbleibt. Ein Spielzeug und zwei Bücher, mehr dürfen sie nicht mitnehmen auf ihre Reise. Ob und wann sie in die Wohnung, in die Heimat zurückkehren, ist gänzlich ungewiss. Vor ein paar Tagen noch hatten sie fröhlich Fasching gefeiert. Ein paar mit Hakenkreuz-Hemden kostümierte Jungs konnten erfolgreich in die Flucht geschlagen werden. Doch die Realität sieht anders aus, im Februar 1933. Zur Flucht gezwungen werden jene, die den Nazis als Volksfeinde gelten, denen Verhaftung und KZ drohen. Wie Max' und Annas Vater, der als prominenter Autor in Presse und Funk gegen die Braunen Stellung bezieht. Gerade noch rechtzeitig ist er den Warnungen gefolgt, zunächst von Berlin nach Prag und dann nach Zürich emigriert. Wenig später holt er die Familie nach. Von einem Tag auf den anderen sind sie Flüchtlinge. Fremd ziehen sie ein – und fremd ziehen sie wieder aus. Von der Schweiz nach Paris und weiter nach London. Die Kinder müssen sich schnell eingewöhnen, anpassen, neue Sprachen lernen. Sie sollen gute Juden sein. »Ich verstehe kein Wort«, sagt Anna auf der rettenden Überfahrt nach Dover. »Aber bald verstehe ich wieder alles.«

Über eine finstere Zeit: Ein Film voller Licht, Mut und Optimismus!

Fotos: Frédéric Batier/Warner Bros. Entertainment GmbH, Hamburg


 

Themen

(deutsche) Geschichte, Familie, Familien-, Geschwister- und Generationsbeziehungen, Identität, Heimat, Ausgrenzung, Flucht/Vertreibung, Abschied nehmen, Emigration, Verlusterfahrungen, Trauer, Nationalsozialismus, Drittes Reich, Antisemitismus, Judenhass, Toleranz, Vorurteile, Werte, Vertrauen, Zusammenhalt, Zivilcourage, Humanität, Autobiographie, Literaturverfilmung

 

Fächer

Deutsch, Geschichte, Lebensgestaltung-Ethik-Religionskunde, Politische Bildung, Kunst

 

Kritikerstimmen

»Mit dieser Geschichte, die noch einmal gut ausgeht, hat Judith Kerr Generationen von Kindern an die Verfolgung und Vertreibung der Juden herangeführt, bevor es dann weitergeht zum Holocaust, und zum ›Tagebuch der Anne Frank‹. Diese besondere Kinderperspektive, sie muss dann auch die Stärke einer gelungenen Verfilmung sein. Im Grunde sehr naheliegend für die Gegenwart und ihre neuen Flüchtlingskrisen. Ein Stoff wie geschaffen für Caroline Link.« Tobias Kniebe, Süddeutsche Zeitung, München

»Caroline Link geht das erste Projekt nach ihrem kolossal erfolgreichen ›Der Junge muss an die frische Luft‹ mit offensichtlicher Liebe zu der literarischen Quelle an. Das von ihr in Kooperation mit der Schauspielerin Anna Brüggemann verfasste Drehbuch behält die mitunter altersgerecht naive, dennoch von Kerr mit viel Klugheit und sogar ein wenig Humor angefütterte Perspektive der jungen Protagonistin bei.«
Oliver Kube, filmstarts.de, Berlin


»Judith Kerr wusste von dem Film, starb aber, im Mai dieses Jahres, bevor sie das fertige Werk sehen konnte. Einfühlsam, bewegend und mit viel Herz erzählt Regisseurin Link von Judith Kerrs Kindheit, getragen von atmosphärisch dichten Bildern. Den überstürzten Aufbruch der Familie ins ungewisse Exil inszeniert sie als Abenteuer, wenngleich mit ernstem Unterton. Sie zeigt, wie die Familie Judenhass und Ablehnung von Andersdenkenden erst unterschwellig, später ganz offen zu spüren bekommt – ein bedrückendes Gefühl. Packend an Links Film ist auch die Vielschichtigkeit, die Kinder und Erwachsene gleichermaßen in ihren Bann zieht – ein Phänomen, das auch auf die Buchvorlage zutrifft. Ein größeres Lob für die Verfilmung könnte es nicht geben.« Sophie Albers Ben Chamo, Jüdische Allgemeine, Berlin

»Was für die Verfil­mung ›Als Hitler das rosa Kaninchen stahl‹ einnimmt, ist die konse­quent insze­nierte kindliche Perspek­tive. Wir erleben mit der Zehn­jäh­rigen Gefühle wie Abschieds­schmerz, wenn Anna vor dem Verlassen ihres Zimmers sich von einzelnen Gegen­s­tänden auf ungewisse Zeit verab­schiedet, was sich später, in der Schweiz, als endgül­tiger Abschied heraus­stellt, als auch den Kindern klar wird, dass sie nicht mehr nach Berlin zurück­kehren werden. Durch einen Anruf von Heimpi aus Berlin erfuhren sie, dass die Nazis ihre gesamte Einrich­tung konfis­ziert und aus dem Haus geschafft haben, daher ja auch der Buchtitel: Als Hitler das rosa Kaninchen stahl.« Christel Strobel, artechock.de, München

»Der Regisseurin und ihrem Ensemble gelingt das Kunststück, dass man als Erwachsener dem Geschehen ähnlich fasziniert folgen kann wie als Kind. Es ist ein Familienfilm, wie man ihn sich nur wünschen kann. Ältere Zuschauer mögen mit ihrer Erfahrung der Geschichte von den Bildern sogar stärker berührt werden, Kinder wiederum können die vielen lustigen Momente besser auskosten. Caroline Link inszeniert mit doppeltem Blick, lenkt die Schauspieler der Eltern (Carla Juri und Oliver Masucci als Eltern) so, dass ihre zunehmende Verunsicherung spürbar wird.«
Cornelia Geissler, Berliner Zeitung

»Neben seiner künstlerischen Qualität, die diesen Film zu einem zeitlosen Klassiker des Familienfilms machen wird, ist natürlich auch die Aktualität hervorzuheben: Allgemeingültig und schon für Kinder verständlich behandelt er mit den Themen Antisemitismus, Flucht und Vertreibung gleich drei der größten Geißeln der Gegenwart.« Daniel Kothenschulte, Frankfurter Rundschau

»Ist es angemessen, derart leichtfüßig über Flucht und Vertreibung – im konkreten Fall des Holocaust, aber auch mit Blick auf die Schicksale gegenwärtiger Geflüchteter – zu erzählen? Damit aber bleibt Caroline Link der Erzählhaltung der Romanvorlage treu, ohne die Augen vor dem Ernst der Lage zu verschließen und die Entbehrungen, die Ängste und die Sorgen deutlich zu machen. ›Als Hitler das rosa Kaninchen stahl‹ ist keine optimistische Geschichte über Flucht. Wohl aber eine darüber, seinen Lebensmut niemals zu verlieren. Vielleicht wirkt diese Botschaft hier umso glaubwürdiger, weil sie aus dem Mund eines Kindes kommt.«
Stefan Stiletto, film-dienst, Bonn

»Gerade im Schweizer Exil setzt Caroline Link auf eine Kamera, die beiläufig Details einfängt, etwa den hutzeligen Waldschrat mit weißem Rauschebart, der einmal stumm durchs Bild huscht, oder das kurze Spiel des Sonnenlichts, das am Nachmittag durch die Apfelbäume auf das sommersprossige Gesicht von Annas erster Schulfreundin fällt. In anderen Momenten verharrt sie wiederum bewusst bei der großen Kulisse, wie ein Spaziergänger, der die Natur auf sich wirken lassen will. Wenn Anna, Max und ihre Eltern mit dem geliebten Onkel, der sich später in Berlin aus Verzweiflung das Leben nehmen wird, vor den majestätischen Bergen stehen, verschmelzen der kindliche und der erwachsene Zuschauerblick zu einer zeitlosen Verwunderung, die erst das Kinderbuch und nun auch dieser Film auslöst: Wie kann es möglich sein, dass solche Menschen solchem Hass zum Opfer fallen?«
Nina Pauer, Die Zeit, Hamburg


»Man kann der Landschaft in der Schweiz ihre ansprechende Ästhetik nicht vorwerfen, aber in der im Film gezeigten Weise, mit der sie als Postkartenmotiv dienen könnte, wird sie von einem Kind sicher nicht gesehen. So setzt der Film eine Ästhetik ein, die ihn zeitweise ins Kitschige abgleiten lässt, als würde er ein romantisches Wintermärchen erzählen und nicht die Geschichte einer Flucht. Das ist schade, weil es unnötig ist; eine übermächtig schöne Landschaft kontrastiert nicht mehr die bedrohliche Außenwelt, sondern sie dominiert und gleitet ins Affirmative ab.«
Miriam N. Reinhard, haGalil.com, Jüdisches Leben online, München

»Die auf den ersten Blick vorherrschende Gefälligkeit ist also in Wirklichkeit gar keine. Immer wieder bleiben einem die Momente absoluter Heiter- und vorgegaukelter Glückseligkeit im Halse stecken, bis die ›Wir müssen wieder umziehen‹-Gespräche zwischen Eltern und Kindern zwar scheinbar immer weniger schockierte Reaktionen bei Anna und ihrem Bruder auslösen, in Wirklichkeit aber zunehmend an Bitterkeit umschwenken. Daran, wie tragisch all das hier letztlich doch ist, lassen die Macher letztlich nie einen Zweifel.«
Antje Wessels, wessels-filmkritik.com, Hamburg


»Die von Anne Bennent glänzend verkörperte Pariser Kleinbürgerin Madame Prune wird neben Riva Krymalowski zum schaupielerischen Ereignis. Eine griesgrämige Concierge und Antisemitin, die aus ihrer Mördergrube ein raues Herz macht. Sie wirft den Schatten für das noch kommende Unheil. Link will offenkundig: großes Kino für die ganze Familie. Deshalb hält sich der Schrecken in Grenzen, und jedem Anfang, selbst im Exil, wohnt ein Zauber inne. Das ist im Geist der Autorin Judith Kerr, die den Erwachsenen den Spiegel, den Spott, die Trauer und die Überlebensfreude der Kinder entgegenhält.«
Peter von Becker, Der Tagesspiegel, Berlin




zuletzt aktualisiert am 29.07.2020

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