Auf das filmernste Geschehen im Herbst haben wir nun ausführlich hingewiesen, das war die Rundbrief-Pflicht sozusagen. In der abschließenden Rundbrief-Kür wenden wir den Blick zunächst nach Venedig, wo beim ältesten Filmfestival der Welt im Moment noch die hochkarätigen Wettbewerbsbeiträge um wertsteigernde Auszeichnungen konkurrieren. Einen Preis gab es gleich zu Beginn des Festivals: George Clooney wurde mit einem Goldenen Löwen für sein Lebenswerk geehrt. In seiner Dankesrede gebrauchte er ein Wort, das …
… nach Aufklärung verlangte. »Ich glaube, wir leben im Moment vielleicht in einer Kakistokratie. Das ist ein Land, das von den am wenigsten qualifizierten Leuten regiert wird«, lautete sein ernüchterter Befund. »Aber wir werden da durchkommen«, versicherte er dem Publikum. Wie man so rein- und durchkommt, hat George Clooney nicht nur in »Ocean’s Eleven« mehrfach bewiesen. Der »Goldene Löwe« ist verdient – und für seine engagierte Dankesrede gibt es ein Lob.
Kein Lob gab es von der Jury-Präsidentin, der US-amerikanischen Schauspielerin Maggie Gyllenhaal. Sie kritisierte zu recht den viel zu geringen Frauenanteil beim diesjährigen Festival. Hier fände dann erneut ein griechisches Wort seinen praktischen Ausdruck: »Patriarchat«.
Übrigens: Kakistokratie heißt »Herrschaft der Schlechtesten« – und die britische Zeitung »Economist« wählte den Begriff 2024 zum »Wort des Jahres« – mit explizitem Verweis auf die sich abzeichnende zweite und vielleicht letzte Amtszeit des jetzigen MAGA-Präsidenten.
Unser Faible für Sprache und Worte, für Neologismen und Fremdworte, aber auch für die Jugend- oder Un-Worte des Jahres haben wir ja schon des öfteren in den FILMERNST-Rundbriefen bekundet. »Kakistokratie« war neu für uns, wir sind also etwas klüger geworden. Wir hätten noch einen weiteren, ganz persönlichen Favoriten für ein Wort des Jahres, bei dem man zwar nicht unbedingt klüger wird, aber den man hin und wieder in ein Streitgespräch einflechten könnte: Vielleicht entsinnen Sie sich noch, wie der echauffierte Jung-Trainer Julian Nagelsmann nach dem WM-Spiel gegen Paraguay die (Fehl-)Entscheidung des marokkanischen Schiedsrichters charakterisierte: Das wäre ja wohl ein »Vollwitz« gewesen. Nun ist er weg, der Nagelsmann, kein Witz!
Foto: George Clooney in »Ocean's Eleven«, Warner Bros. GmbH