»Startet eine Petition! Bringt in zwei Sätzen aufs Papier, was ihr wollt und sucht Leute, die es unterschreiben.« So zielführend sind die Ratschläge von Frau Hunziker, nachdem ihr Pola das Problem beschrieben hatte. Die alte Dame ist der Elfjährigen nicht sonderlich sympathisch. Fast immer gerät sie mit der missmutigen Pensionärin aneinander, wenn sie ihre im Altenheim arbeitende Mutter besucht. Aber Frau Hunziker verfügt offenbart über einschlägige Erfahrungen in der Protestbewegung: Noch heute ist in Netz-Videos zu sehen, wie sie sich vor Jahrzehnten lautstark für Frauenrechte einsetzte. Ihre Handlungsempfehlungen könnten also auch jetzt noch sehr hilfreich sein, wenn es um Lokalpolitik geht: um die Rettung des örtlichen Schwimmbades. Schon am zweiten Ferientag musste es dicht machen wegen einer defekten Filteranlage – und wird wohl auf ewig geschlossen bleiben. Der Stadtrat plant mit dem lukrativen Grundstück ein Bauvorhaben, das weit mehr Geld einbringt als ein Badevergnügen für Kinder. Pola steht praktisch auf verlorenem Posten, wenn sie um die Erhaltung des »Plitsch Platsch« kämpfen will – und eigentlich um die Rückkehr ihrer besten Freundin Polly. Deren Eltern hatten im Bad einen Imbiss-Stand und sind auf der Suche nach neuer Arbeit von der Schweiz gleich ins ferne Toronto gezogen. Polas Rechnung ist klar: Freibad wieder offen, Polly wieder da. Für ihre Rettungsaktion verbündet sich Pola mit dem klügsten Mädchen des Ortes. Bislang hatte sie Rosalie immer übersehen, doch nun geben ihre Ideen der Sache Geist und Schwung. Trotz erster Rückschläge lassen die beiden nicht locker, holen sogar die Bürgermeisterin ins Boot und andere Kinder als Verstärkung. Plakate werden gedruckt und Unterschriften gesammelt, bis sie fast am Ziel sind. Nur noch 374 Unterschriften fehlen, um den vom Stadtrat gefassten Beschluss anfechten zu können. Doch kurz vorm Ziel geschieht etwas Unerwartetes: Pola scheint im letzten Moment zu versagen und alles im Stich zu lassen. Allein sitzt sie auf dem Brett des Sprungturms, kein Höhe-, sondern ein Tiefpunkt. Das kann es doch nicht gewesen sein, nach allem, was sie für die Bewahrung ihres Freibades schon erreicht haben.
Wie ein Sprung ins kühle, blaue Nass: aufmunternd, anregend, aktivierend. Vielleicht auch: Wie Projektwochen in den Ferien.
Mehr lässt sich nicht lernen für das Leben.
Fotos: Der Filmverleih, Stuttgart
»Am schönsten ist der Film dort, wo er dieses Freibad als kleines Gemeinwesen begreift, das plötzlich verschwinden soll. Dann wird aus der sommerlichen Planschkulisse ein mikrokosmisches Symbol für eine makrokosmische Gegenwart, in der Vertrautes verschwindet, Sicherheiten bröckeln, Abschiede erzwungen werden und Sparmaßnahmen als Naturgesetz auftreten. Pola muss lernen, dass Heimat nicht einfach da ist, sondern fragil ist. Und dass Protest nicht einfach nur eine Sommer-Pose sein muss, sondern wirkungsvolle Selbstermächtigung sein kann.«
Axel Timo Purr, artechock.de, München
»›Plitsch Platsch Forever!‹ erweist sich so ganz nebenbei immer mehr als Familienfilm, der Kindern zutraut, politische Zusammenhänge zu begreifen, und Erwachsene dazu auffordert, ihnen zuzuhören. Dass am Ende nicht alles so wird, wie Pola es sich am Anfang wünscht, ist der eigentliche Gag des Films: Nicht jeder Wunsch geht in Erfüllung, und trotzdem kann aus einer großen Traurigkeit etwas entstehen, das größer ist als man selbst. Ein Film wie ein Sprung vom Dreimeterbrett: Mut sammeln, Luft holen und dann mitten rein – ins Wasser wie ins Leben.«
Gaby Sikorski, programmkino.de, Berlin
»Schnell fällt auf, mit wie viel Realismus hier komplexe Themen dargestellt werden, ohne dabei eine kindgerechte Umsetzung aus den Augen zu verlieren. Die Kinder sind in ›Plitsch Platsch Forever!‹ keine Superhelden, denen ihr Unterfangen leicht von der Hand geht, stattdessen sehen sie sich mit der Realität konfrontiert – und lernen dabei gemeinsam mit dem jungen Publikum auch so einiges über Demokratie und Teilhabe. Als Verbündete können sie die Stadtpräsidentin gewinnen, außerdem erhalten sie wertvolle Tipps von einer Bewohnerin des Altenheims. Diese legt den Kindern nahe, laut zu werden und eine Petition zu starten. Das Alles wird aber keinesfalls trocken verpackt, stattdessen zeigt sich Regisseurin Natascha Beller, die hier erstmals einen Kinderfilm inszeniert, als wahnsinnig kreativ und spielerisch.«
Lea Morgenstern, THE SPOT media & film, München
»Trotz aller Authentizität vergisst Beller beim Inszenieren den für einen Kinderfilm nötigen Spaß nicht. Running Gags, visuelle Spielereien, viel Farbe und eine Tanz- und Gesangseinlage verleihen ›Plitsch Platsch Forever!‹ das passende sommerliche Flair. Und die von der Drehbuchautorin Sabina Gröner geschriebene Geschichte funktioniert deshalb so gut, weil sie den Kindern nicht nur auf Augenhöhe begegnet, sondern bei der Rettung des Freibads auch auf realistische Lösungen setzt.«
Falk Straub, kino-zeit.de, Mannheim
»Bemerkenswert ist dann, wie selbstverständlich der Film seine politischen Themen integriert. Demokratie, Mitbestimmung und Kinderrechte werden nicht als Unterrichtsstoff präsentiert, sondern ergeben sich organisch aus der Handlung. Petition, öffentliche Debatte und kommunale Entscheidungsprozesse bleiben verständlich, ohne ihre Komplexität vollständig zu verlieren. Dass Erwachsene die Anliegen der Kinder belächeln, verweist zugleich auf den oft übersehenen Adultismus, den der Film behutsam, aber deutlich anspricht. Die Botschaft bleibt dabei erfreulich differenziert: Engagement lohnt sich, garantiert aber nicht die Erfüllung aller persönlichen Wünsche.«
Markus Solty, film-rezensionen.de, München
»Und weil ›Plitsch Platsch Forever!‹ eben in einem ins Positive gewendeten – und nachdrücklich multikulturellen – Seldwyla spielt, ist die Schlussfolgerung klar: Nur das direktdemokratische Instrument der Petition kann das öffentliche Gut noch retten. Früh übt sich.«
Alan Mattli, filmbulletin.ch, Zürich