»Aya, tu, was immer du willst. Tu’s für dich selbst. Aber mach’ nie wieder Baklava!« Aus dem Lautsprecher des Minaretts verkündet Ahmet weithin seine Botschaft und (zer-)stört damit gründlich Ayas Hochzeitsfeier. Die 15-jährige war aus Deutschland ins Heimatdorf ihrer Familie nach Nordmazedonien gekommen, wo schon ein Bräutigam auf sie wartet. Eine arrangierte Ehe ist, auch heute noch, nichts Ungewöhnliches und entspricht den Traditionen der hier lebenden türkischen Minderheit der Yörük. Doch die Zeiten haben sich gewandelt, und Aya hat einen Plan, wie das Ganze zu verhindern wäre: Mit ein paar mutigen Freundinnen will sie beim jährlichen Dorffest einen Auftritt präsentieren, der gegen alle Braut-Regeln verstößt. Die Gemeinde erwartet von den »Drei Schönen« in ihren bunten Gewändern etwas Folkloristisches, doch die legen einen Rap vom Feinsten hin. Die Minen des Publikums erstarren, in die entsetzte Stille dringt Ahmets Stimme vom Minarett. Sein Appell an Aya, nie wieder Baklava zu machen, ist zwar ehrlich, zugleich aber auch eine Liebeserklärung. Ahmet hatte Ayas heimliche Proben überhaupt erst möglich gemacht, indem er seinen Traktor mit Lautsprechern bestückte und von ihrem Handy die Songs abspielte. Aya wiederum hatte Ahmets Leben eine unerwartete Wendung gegeben. Er war eben weit mehr als der Hirte von 20 Schafen, die ihn sein Vater hüten ließ. Auch mehr als nur der fürsorgliche große Bruder des kleinen Naim, der seit dem Tod der Mutter das Sprechen eingestellt hat. Die Musik ist für Ahmet ein Elixier, das ihn an die Mutter erinnert und nun von Aya neuen Sinn bekommt. Ausbrechen aus der Herde, wie eines seiner Schafe, das – komplett in pink – aus der Reihe tanzt, um am Ende doch wieder zur Familie zu stoßen.
Ein warmherziger, humorvoller Film mit vielen Facetten: von Hoffnungen, Träumen und erster Liebe. Malerische Landschafts-Panoramen und Schafe, die auf Rapper und Raver treffen.
Fotos: Neue Visionen Filmverleih, Berlin
»Wenn Ahmet nun insgeheim davon träumt, ein DJ zu sein, dann ist es nicht der Traum, auf einer Kanzel hinter zwei 1210er-Technics-Plattenspielern zu stehen und einen Saal voller Raver mit nahtlosen Übergängen und den neuesten Tracks der angesagtesten Produzenten zu begeistern. Er war noch nie in einer Disco und weiß im Zweifelsfall auch nicht, dass es 1210er überhaupt gibt. Aber er weiß, dass ihm die Musik davon erzählt, dass die Welt größer ist als der kleine Fleck Erde, der sein gesamtes Universum ist. Und er spielt die Musik, wenn er auf dem Traktor herumfährt, ein Paar billige Boxen jeweils an die Seite geklebt. Das ist DJ genug, mehr jedenfalls, als es sonst jemand wäre in dieser gottesfürchtigen Gegend, wo Söhne zu spuren haben und Töchter in arrangierte Ehen geschickt werden, mit denen man ihre und die Zukunft der Familien absichert.«
Thomas Schultze, THE SPOT media & film, München
»Bemerkenswert ist die ungeheure Wärme, die der Film ausstrahlt. Mit liebevollem Blick beobachtet der Regisseur das Leben der Menschen in der Region, lässt augenzwinkernd Gegensätze aufeinanderprallen und erzählt, was dann passiert. Unterdessen liegt das weiche Licht der Morgen- oder Abendstunden auf den Feldern und Hügeln, was immer wieder einen sehr sinnlichen Eindruck der Region vermittelt. Schön ist es dort, wenngleich auch karger und rauer als anderswo. Aber die Sehnsüchte der jungen Menschen sind doch gleich. Zum Kitsch allerdings wird ›DJ Ahmet‹ nie. Er hat den Mut, am Ende nicht alle Probleme zum kitten, und lässt Raum zum Nachdenken. Und Raum für ein rot gefärbtes Schaf, das äußerlich ein bisschen anders ist als die anderen, aber genauso Teil der Herde.«
Stefan Stiletto, kinder-jugend-filmportal.de, Remscheid
»Die Handlung folgt klassischen Mustern, doch entfaltete einen einzigartigen Charme dank nuancierter Charaktere, überzeugendem Schauspiel und hintersinnigem Humor. Der ironischen Inszenierung gelingt ein feinsinniges Spiel mit magischem Realismus, der sich wiederholt andeutet, jedoch als stets als skurrile oder subjektiv verzerrte Realität entpuppt. Musik holt die Figuren für ein paar flüchtige Momente in eine andere Welt, in Individualität und Kreativität willkommen sind. Als Synonym für Emotionen, die in den rigiden patriarchalischen Strukturen nicht gewollt sind, werden Beats und Tanz von den Vätern der Hauptfiguren verboten, aber schaffen unter der jungen Generation eine intuitive Verbundenheit.«
Lida Bach, moviebreak.de, Kassel, Berlin
»Von Beginn an setzt Unkovski auf einen vielschichtigen Soundtrack, der moderne englischsprachige Tracks mit regionaltypischen Stücken verbindet. Die musikalischen Kontraste spiegeln den Konflikt der Protagonist:innen wider und zeigen, wie die jüngere Generation an der Musik festhält, um sich inmitten eines von religiöser Strenge geprägten Lebens zu behaupten. Für Ahmet und Naim, der keine Gelegenheit zum Tanzen auslässt, ist die Musik schliesslich auch eine Quelle der Freude in einem Haushalt, der vom Verlust der Mutter überschattet ist. Um zu unterstreichen, wie eng Geschichte und Musik miteinander verknüpft sind, setzt Unkovski an ausgewählten Stellen auf Zeitlupe. Auf fast schon magische Weise heben sich die Tanzsequenzen dadurch vom Rest der Handlung ab.«
Yanick Ammann, trigon-film.org, Ennetbaden (Schweiz)
»›DJ Ahmet‹ punktet mit einem enorm sympathischen Protagonisten sowie einem Humor, der zwar den Clash von Tradition und Moderne fein seziert, aber dabei die realen Probleme in dem abgelegenen Bergdorf dennoch ernst nimmt. Georgi M. Unkovski gelingt so ein warmherziger Coming-of-Age-Debütfilm, der vom Verlust und familiären Spannungen erzählt, zugleich aber auch den Blick auf das richtet, was das Leben aufhellt: Die jugendliche Lebensfreude, die der titelgebende Ahmet versprüht, ist wahrlich ansteckend.«
Ulf Lepelmeier, filmstarts.de, Berlin