»Ich schwör’, ich habe Schmerzen!« Fünf Jahre hartes Training liegen schon hinter Camille. In wenigen Monaten wird er in Brüssel im Ring stehen, könnte dort Junioren-Europameister im Boxen werden. Die anderen jungen Männer im Sportinternat schätzen ihn durchaus, aber vielleicht nur wegen seiner sportlichen Qualitäten. Wenn sie in der Kabine vor ihren Handys posen und markige Sprüche unter dert Gürtellinie absondern, erscheint Camille meist am Rande des Bildes. Er geht gern in den nahen Wald, junge Füchse beobachten und sie anlocken mit an Äste gebundenen Fleischstücken. Matteo begleitet ihn zumeist – und wird zu Camilles Lebensretter, als der einen Felsen hinabzustürzen droht. Allerdings reißt er sich den Arm dabei auf. 52 Stiche sind nötig, um die Wunde zu nähen. Nach dem Unfall ist Camille ein anderer als zuvor. Ultraschall und MRT bescheinigen ihm zwar, kerngesund zu sein, aber etwas scheint ihn zu hemmen. Um seine Rekonvaleszenz zu verlängern, legt er dem Trainer ein gefälschtes Attest vor. Natürlich fliegt der Schwindel auf, Camille muss wieder mit dem Boxen beginnen. Doch schon beim nächsten Kampf steigt er in Runde drei aus dem Ring. Er schenkt seinem schon angeschlagenen Gegner praktisch den Sieg. Alle vom Team sind außer sich. Camille wird aufs schlimmste geschmäht und gemobbt, selbst Matteo kündigt ihm die Freundschaft. Kein Kamerad, der ihn trösten, dem er sich anvertrauen könnte. Dafür aber, nicht ganz unerwartet und überraschend, ein Mädchen. Yas ist ebenfalls im Sportinternat, Spezialistin für Taekwondo und zudem noch musikalisch versiert: Sie bläst Trompete und übt für einen Wettbewerb. Camille filmt sie auf dem Dach des Sportinternats für das Bewerbungsvideo. Für ihn eröffnet sich eine ganz andere, neue Welt. Yas hat er es zu verdanken, wenn er allmählich wieder zu sich selbst findet, zu seinem Sport, zu seinen Stärken. »Ich suche eine gute Position«, wird er am Ende einer Reporterin sagen, als sie ihn nach dem entscheidenden Kampf interviewt.
Schläge einstecken, aber nicht K.o. gehen: sich selbst besiegt und dabei viel gewonnen. Ein absolut starker Film!
Fotos: Grandfilm, Nürnberg
»Und so erzählt der belgische Regisseur Valéry Carnoy in seinem ebenso dicht und sensibel inszenierten wie auch spannungsgeladenen Debütfilm vor allem eine Geschichte über das Erwachsenwerden, in der ein junger Mann mit seiner eigenen Verletzlichkeit konfrontiert wird. Camille gerät an seine Grenzen, treibt sich mit allem, was er hat, darüber hinaus, um schließlich seinen eigenen Weg zu finden.«
Kirsten Taylor, filmdienst.de, Bonn
»Boxen, das ist im Kino meist ein Kampf des Helden vor allem gegen sich selbst, mit der zentralen Frage, wofür es sich lohnt, immer wieder blutig geschlagen zu werden. Nach seiner Premiere beim Filmfestival in Cannes wurde ›Wild Foxes‹ ein ›Anti-Rocky‹ genannt. Das Aufstiegsversprechen vieler Sportfilme zieht hier nicht mehr. Wenn Camille auf eine Wand oder einen Baumstamm einprügelt, ist das kein extrahartes Training wie bei Rocky, das sich am Ende auszahlt, sondern Ausdruck einer fundamentalen Erschütterung. Es tut weh!«
Martina Knoben, Süddeutsche Zeitung, München
»Ausgelöst durch seine Ängste lernt Camille unfreiwillig eine andere Perspektive kennen, die auch den Schmerz des Gegners nicht mehr ausblenden kann. Besonders deutlich sind die Anspannungen, inneren Ängste und äußeren Verletzungen im Bild erkennbar, nichts wirkt bei den Kampfszenen geschönt oder ausgespart. Das alles zusammen macht den Film zu einem visuellen und emotionalen Erlebnis.«
Holger Twele, kinder-jugend-filmportal.de, Remscheid
»Auch dank der eindringlichen Darstellung von Samuel Kircher gelingt Valéry Carnoy ein ungewöhnlicher Boxfilm, eher ein Anti-Boxfilm, der den so cineastischen Sport und seine Männlichkeitsrituale auf interessante, sehr zeitgemäße Weise hinterfragt und dekonstruiert.«
Michael Meyns, programmkino.de, Berlin
»Der Originaltitel ›La Danse des renards‹ (Der Tanz der Füchse) trifft es auf den Punkt, denn die Füchse werden zur Metapher des Films: Sie leben in Freiheit und sind eben keine Rudeltiere. Dort die unberührte, verheißungsvolle Natur, in die es Camille immer wieder zieht, in der Schule eine Kultur der Faust.«
Jens Balkenborg, epd film, Frankfurt/Main
»Wirkliche Antworten gibt der Film nicht, will er auch gar nicht. Vielmehr überzeugt ›Wild Foxes‹ ja gerade durch die Ambivalenzen und die Vielschichtigkeit, wenn die Welt doch komplizierter ist, als man es gern hätte.«
Oliver Armknecht, film-rezensionen.de, München