… des vergangenen Jahres haben wir mit einem filmischen Sonderprogramm zu den Themen Holocaust und Antisemitismus etwas dazu beitragen wollen, Wissen zu erweitern und Gespräche zu befördern. Die vier ausgewählten Filme liefen im Rahmen einer Ausstellung im Filmmuseum Potsdam mit dem Titel »How to Catch a Nazi«. Die Resonanz war leider bescheiden, was die weiter oben getroffenen Einschätzungen nur zu bestätigen scheint. Zu wenige Klassen und Gruppen bekundeten Interesse am Angebot, meldeten sich zu den Filmen und den Ausstellungsrundgängen an. Für jene aber, die ins Potsdamer Filmmuseum kamen, bewirkte das im »Lernort Kino« Gesehene und Besprochene durchaus etwas, wirkte nach und regte zum Weiterdenken an.
Genau das möchten wir fortsetzen, bieten einen der Filme im Frühjahrsprogramm nicht nur im Filmmuseum Potsdam, sondern landesweit in allen Partner-Kinos an: »Delegation«, das Werk des israelischen Regisseurs Asaf Saban, hat auf Festivals weltweit für Aufmerksamkeit gesorgt und Preise gewonnen. Der Film erzählt davon, wie Geschichte ohne Routine und Rituale lebendig bleibt, für jeden, wo auch immer.
»Verhaltet euch unauffällig. Kein lautes Rufen auf Hebräisch!« Mit diesen Regeln werden israelische Jugendliche für den Rundgang durch Krakau instruiert. Es ist eine Klassenfahrt der besonderen Art. Eine Reise, die junge Israelis nach Ende der Schulzeit obligatorisch gen Polen führt, zu den Orten früheren Schreckens, den Mahnmalen des Holocausts. Zu vieles scheint auf der Fahrt in die Vergangenheit allerdings normiert und programmiert. Routine mit Fixpunkten und kalkulierten Emotionen. Was aber macht es mit einem, wenn man in Maidanek vor den Bergen von Schuhen der Häftlinge steht? Was macht es mit einem (um auf den einleitenden Satz dieses Textes zurückzukommen), wenn man in Gedenkstätten antisemitische Grafitti liest? Was diese Tour in den israelischen Jugendlichen auslöst, wie sie sich der Vergangenheit und den Erwartungen der Erinnerungskultur stellen, wird zur Suche nach dem eigenen Platz im Leben.
Natürlich besteht auch weiterhin die Möglichkeit, die anderen Filme des letztjährigen Sonderprogramms als »Wunschfilm«-Veranstaltungen in einem Kino Ihrer Region bei uns anzufragen.
In diesem Zusammenhang möchten wir gern noch auf zwei Bücher hinweisen. Zum einen auf: Ben Salomo: Sechs Millionen, wer bietet mehr? Judenhass an deutschen Schulen.
Jüdischer Verlag im Suhrkamp Verlag, Berlin 2025, 170 Seiten, Klappenbroschur, 18 Euro, ISBN 978-3-633-54342-7
»Lesen sollten das Buch vor allem Pädagogen, die sich scheuen, über Antisemitismus zu sprechen, denn Salomo liefert in erster Linie Argumente für die Notwendigkeit einer antisemitismuskritischen Bildungsarbeit, keine Anleitungen.« (aus einer Kritik des Buches von Silvia Stieneker, jungleworld.de)
Zum anderen auf: Sarah Cohen-Fantl: Wie alles begann und sich jetzt wiederholt. Meine jüdische Familiengeschichte.
Bonifatius Verlag, Paderborn, 304 Seiten, gebunden, 25 Euro,
ISBN 978-3-98790-100-3
»Eine Auseinandersetzung mit der Frage, was ›Nie wieder‹ bedeutet, wenn Antisemitismus erneut um sich greift, und wie sich jüdisches Leben zwischen Erinnerungspflicht und alltäglicher Bedrohung behauptet. Sarah Cohen-Fantl gelingt damit ein Werk, das gleichermaßen Zeugnis und Selbstbehauptung ist. Ein Buch, das unbequem bleibt, weil es bewegt. Und das zum Handeln auffordert«, schrieb Jasmin Arémi in »mena-watch«, einem unabhängigen Nahost-Thinktank mit Sitz in Wien. Einen Auszug aus dem Buch in der »Jüdischen Allgemeinen« lesen Sie hier.

