5. September 1972: Die Olympischen Spiele in München sind in vollem Gange. Der amerikanische Fernsehsender ABC Sports berichtet vor Ort von den Wettkämpfen, dank neuester Satellitentechnik erstmals live. Frühmorgens fallen Schüsse im olympischen Dorf: Die palästinensische Terrorgruppe »Schwarzer September« hat elf Mitglieder der israelischen Mannschaft als Geiseln genommen, zwei von ihnen bereits getötet. Das
ABC-Studioteam reagiert schnell und improvisiert mit analoger Technik und eingeschleusten Reportern, um als einziger Sender Livebilder vom Geschehen zu übertragen. Die Dolmetscherin im Sendestudio übersetzt aus dem deutschen Radio und Polizeifunk, doch in der chaotischen und sich tragisch zuspitzenden Lage sind verbürgte Informationen rar.
Der Journalismusthriller zeigt, wie Reporter*innen unter Zeitdruck,
Unsicherheit und ethischen Dilemmata live berichten – und damit
selbst Teil des Geschehens werden.
Fotos: Constantin Film Verleih, München / Jürgen Olczyk
»Fehlbaum zeigt geschickt Bilder vom Besuch der Israelis in Dachau, kurz vor dem Anschlag, 27 Jahre nach dem Krieg. Dies ist aber auch ein sehr aktueller Film, weil wir, weil die freie Welt seit dem 7. Oktober 2023 wieder konfrontiert ist mit einem Terrorangriff arabischer Terroristen auf Israelis und auf Juden in aller Welt und dies in weit größerem Ausmaß. 1972 gab es zum ersten Mal diese Art von brutalem menschenverachtenden und nicht durch die Behauptung eines Befreiungskrieges zu rechtfertigenden Massaker.
Das hätte nie passieren dürfen. München 1972 ist der Sündenfall unserer Generation. Danach war die Bundesrepublik nicht mehr, was sie vorher gewesen war.Dieser ausgezeichnete Film bringt das alles in Erinnerung.«
Rüdiger Suchsland, artechock.de, München
»Fehlbaums Fokus auf die Rolle der Medien fügt der Geschichte vom Versagen der Institutionen ein weiteres Kapitel hinzu. Wenn die Live-Übertragung via Fernseher in dem Zimmer, in dem sie sich mit den Geiseln verschanzen, den Terroristen einen taktischen Vorteil verschafft, weil sie so über das Vorgehen der Polizei draußen informiert werden, entwickelt das Scheitern des Fernsehteams an seiner Aufgabe eine bitter-tragische Komik. Das Zeitkolorit, zu dem auch die Referenz auf die finster-fatalistische Grundstimmung der Polit-Thriller der 1970er gehört, wird durchsetzt mit ganz und gar gegenwärtigen Momenten der Reflexion; etwa des Alltagssexismus: Zu dumm, wenn die einzige Deutsche im ABC-Team zwar ständig als Dolmetscherin gebraucht wird, aber im entscheidenden Moment nicht da ist, weil sie als einzige Frau zum Kaffee holen geschickt wurde.«
Nicolai Bühnemann, perlentaucher.de, Berlin
»›September 5‹ besticht durch seine authentische Darstellung des hektischen Newsroom-Alltags der 70er Jahre. Die detailgetreue Rekonstruktion der technischen Herausforderungen und die gelungene Mischung aus Spielszenen und Archivmaterial erzeugen eine dichte Atmosphäre, die den Zuschauer mitten ins Geschehen zieht. Die Spannung wird über die gesamte Laufzeit aufrecht gehalten, indem sie die Unsicherheit der Reporter, die verzweifelten Verhandlungen und die wachsende Erkenntnis der Tragödie geschickt miteinander verwebt. Darüber hinaus wirft der Film wichtige medienethische Fragen auf ...«
Sophia Förtsch, kino-total.net, Hasloh
»Wird das Olympische Dorf abgeriegelt, schmuggelt die Redaktion Filmmaterial hinein und heraus, das erst entwickelt werden muss, bevor es wenig später gesichtet und gesendet werden kann. In einer Zeit, in der beinahe eine jede und ein jeder eine Kamera und ein Mikrophon in der Hosentasche bei sich trägt, kann man sich dies kaum vorstellen. Umso beeindruckender ist, mit welchem Detailgrad ›September 5‹ all dies präsentiert. Nicht nur, dass Archivaufnahmen, unter anderem von Moderator Jim McKay oder dem Geschehen insgesamt, derart nahtlos mit den tatsächlich gedrehten Szenen zusammengefügt werden, wie unsichtbar all dies geschieht, macht einen sprachlos. Ebenso die dargestellte Technik, von den Aufnahmegeräten, der Studio-Ausrüstung oder der Lokalität in München. Tim Fehlbaum gelingt das Kunststück, sein Drama wie einen Thriller zu erzählen, der in jeder Sekunde das Gefühl vermittelt, er wäre zur damaligen Zeit entstanden.«
Jens Adrian, treffpunkt-kritik.com, Putzbrunn
»Fehlbaum versucht, im Chaos der Ereignisse möglichst objektiv zu bleiben. Der gebürtige Basler stellt in seinem Film die richtigen Fragen nach Verantwortung und Moral in den Medien, die sich auch 50 Jahre nach dem Münchner Attentat nicht klar beantworten lassen. Sein nüchterner Ansatz, der psychologisches Kammerspiel und amerikanisches Workplace-Drama vereint, macht September 5 zu einem packenden historischen Artefakt, auch wenn das Drehbuch von Moritz Binder in der Argumentation an den entscheidenden Punkten bisweilen zu kurz greift. Worauf es aber ankommt, ist, dass die Inszenierung bei aller Hektik des Geschehens den nötigen Raum für Reflexion und Austausch schafft, in einer Form, die weit über das filmische Erlebnis hinausgeht und aus dem Unglück kein Spektakel macht.«
Pamela Jahn, ray-Filmmagazin, Wien
»Doch ›September 5‹ kümmert sich nicht nur in einem aufregenden Spagat zwischen Fiktion und Fakten um die Kernhandlung, sondern bietet auch einen liebevoll aufbereiteten, rein faktischen Beitrag über das reine Handwerk des Fernsehmachens. Der Zuschauer erfährt etwa nicht nur, wie mühsam es war, sich einen Satelliten-Slot zu buchen, sondern dass reines Handwerk und Pappkartenschnitzereien nötig waren, um Notfälle zu meistern. Und dann natürlich die ungetümen Kameras selbst, das dubiose, semi-legale Hin und Her zwischen Sendeort und olympischem Dorf, wo mit analogen Handkameras gefilmt wurde, um später für den Bericht ›Live-Footage‹ zu ermöglichen.«
Axel Timo Purr, artechock.de, München
»Erfundene oder synthetisierte Charaktere, die dem verbürgten Personal hinzugefügt werden, sind ein bewährtes Mittel aus dem Technikkasten der historischen Fiktion. Sie können sich der Orientierung des Publikums widmen, während die historischen Personen tun, was über sie in den Geschichtsbüchern steht. Übersetzerfiguren sind typisch, auch Vermittler zwischen Vergangenheit und Gegenwart. Marianne ist Botschafterin der besseren deutschen Zukunft, die 1972 schon begonnen hat. Die Nachfrage ihrer Chefs, was ihre Familie im Krieg gemacht hat, ist erledigt, als sie mit dem Ernst einer Einserabiturientin die simple Wahrheit ausspricht, dass sie mit ihren Eltern nicht identisch ist. Vielleicht heißt Marianne nur zufällig mit Nachnamen so wie das wichtigste Handbuch der deutschen Geschichte, dessen 9. überarbeitete Auflage 1972 gerade im Erscheinen begriffen war.« Patrick Bahners, Frankfurter Allgemeine Zeitung
»Frauen, die gegen ihre institutionelle Benachteiligung aufbegehren, sind derzeit gerade in historischen Filmen sehr präsent. Man wünscht sie sich ganz besonders an Orte, an denen Geschichte geschrieben wird. Dennoch bleibt die Frage: Hätte man unter den wenigen historisch dokumentierten Mitarbeiterinnen des Teams nicht jemanden finden und aus der Masse herausheben können? Oder, wenn Frauen dort wirklich nichts zu sagen hatten, warum sollte man dann eine erfinden? Wäre das nicht Geschichtsklitterung? Und wenn man schon in faktenbasierten Stoffen den Raum für Erfindungen öffnet, sollten sie nicht gerade aus dem Schatten der Genremuster führen?«
Daniel Kothenschulte, Frankfurter Rundschau
»›September 5‹ stellt nachhaltige Fragen über die Verantwortung von Journalismus, über eine Welt, die an allen Brandherden auf dem Globus immer live mit dabei ist. Aber vor allem, und das ist entscheidend, ist der Film ein stupender Thriller, so überzeugend und zwingend umgesetzt, dass man um das Schicksal der Geiseln bangt, obwohl man doch eigentlich weiß, wie die Geiselnahme ausgehen wird. Hut ab, auch vor den Produzenten Thomas Wöbke und Philipp Trauer von BerghausWöbke, vor dieser beeindruckenden Leistung.«
Thomas Schultze, THE SPOT media & film, München