Tilda ist stark. Sie ist stark, weil sie es schon immer war. Und sie ist stark, weil sie es sein muss. Denn ganz allein kümmert sie sich um ihre 10-jährige Schwester Ida und ihre alkoholkranke Mutter. Tilda liebt schwimmen, arbeitet im Supermarkt und verfolgt ihr Mathematikstudium im Heimatort, während ihre beste Freundin nach dem Schulabschluss in die große weite Welt gezogen ist. Als Viktor auftaucht und sich als großer Bruder von Tildas verstorbenem besten Freund Ivan herausstellt, kommen viele Gefühle an ihre Schulzeit zurück: Welche Beziehung hatte sie zu Ivan wirklich? Und wer hat das Auto gefahren, in dem Ivan und seine Familie damals verunglückt sind? Als Tilda dann noch eine Promotionsstelle in Berlin ans Herz gelegt wird, muss sie sich entscheiden. Wird ihre kleine Schwester Ida in Zukunft alleine zurechtkommen?
Romanverfilmung über Tildas verregneten Freibadsommer
voller Entscheidungen.
Fotos: Constantin Film Verleih GmbH, München
»›22 Bahnen‹ fängt den flotten, flirrenden Sound des Romans ein und spiegelt ihn unter Wasser an die Oberfläche des Freibad-Beckens. Und das Freibad an sich ist schon kein Badesee, eine namenlose Kleinstadt ist keine Metropole und eine Schwestern-Gemeinschaft nur ein Teil einer Familie. Und dennoch erzählt Tilda nicht vom trostlosen Leben im traurigsten Haus in der Fröhlichstraße, sondern von Aufbruch und Ausbruch.«
Frank Schmidke, brutstatt.de, Hamburg
»Regisseurin Mia Maariel Meyer orientiert sich in ihrer Kinoadaption des erfolgreichen Debüt-Romans von Caroline Wahl eng an der Vorlage. Das gilt für die Handlung wie für den unaufgeregten Ton des Films; aber damit macht es sich die Regisseurin keineswegs einfach. ›22 Bahnen‹ ist ein ruhiges, aber eindringliches Buch. Diese Intensität auf die Leinwand zu übertragen gelingt Meyer über weite Strecken mit einer einfachen, klaren Bildsprache.«
Pamela Jahn, kunstundfilm.de, Kassel/Berlin
»›22 Bahnen‹ ist ein sensibles Familiendrama, das weniger auf Schockmomente setzt als auf glaubwürdige Figuren und starke Darstellerinnen. Auch wenn der Inszenierung manchmal die Dringlichkeit fehlt, gelingt es, Tildas Zerrissenheit zwischen Verantwortung und Selbstbestimmung eindringlich zu zeigen – ein berührender Film, der vor allem jungen Zuschauer:innen viel Identifikationspotenzial bietet.«
Antje Wessels, wessels-filmkritik.com, Hamburg
»Der Film zeigt eindringlich, wie Tilda in Zwängen leben muss, die sie sich durch ihr Verantwortungsgefühl selbst auferlegt, eine tapfere Kämpferin im Alltag, die oft schlichtweg überfordert ist. Dieser stimmig inszenierte, in jeder Minute glaubhafte Film könnte gerade ein junges Publikum ins Kino ziehen.«
Knut Elstermann, radioeins.de, Potsdam/Berlin
»Echte Kraft entwickelt der Film durch seine Hauptdarstellerinnen. Laura Tonke untermauert mit der komplexen wie zweischneidigen Mutterfigur ihr Ausnahmekönnen, während die junge Zoë Baier sich im Doppelpack mit ›In die Sonne schauen‹ als großes Talent empfiehlt. Und Luna Wedler macht die inneren Widersprüche und Verunsicherungen ihrer oftmals so passiven Figur mit so vielen Nuancen sichtbar, dass sie einmal mehr beweist, warum ihr unter den deutschsprachigen Altersgenossinnen kaum jemand das Wasser reichen kann.«
Patrick Heidmann, epd film, Frankfurt/Main
»›22 Bahnen‹ ist eine Verfilmung, die das Potenzial der Buchvorlage nicht nur voll ausschöpft, sondern ihr eine neue, visuelle und emotionale Ebene hinzufügt. Es ist ein Film, der sich auf die Stärke seiner Charaktere, die Kraft der Bilder und die leisen, aber bedeutungsvollen Momente verlässt. Er berührt, ohne kitschig zu sein, und regt zum Nachdenken an, ohne zu moralisieren. Ein Film über die Last familiärer Verantwortung, die leise, aber unerschütterliche Hoffnung und die mutige Suche nach dem eigenen Platz im Leben. Wer ein emotional tiefgehendes, authentisches und visuell beeindruckendes Kinoerlebnis sucht, kommt an ›22 Bahnen‹ nicht vorbei. Meisterhaftes deutsches Kino!«
Sophia Förtsch, kino-total.net, Hasloh
»In einer besonders einprägsamen, für den Film symptomatischen Szene singen die beiden gemeinsam den Tokio-Hotel-Hit ›Durch den Monsun‹. Tilda beginnt, Ida stimmt zögerlich mit ein, bis sie schließlich gemeinsam auf offener Straße den pathosgefüllten Durchhalte-Popsong mit Inbrunst intonieren. Das ist alles andere als subtil – und die Symbolik des Liedtexts für die Reise der beiden Schwestern dürfte selbst in der letzten Reihe des Kinosaals ankommen. Doch genau darin liegt die Stärke des Films: Er schöpft aus dem Überdeutlichen etwas Echtes.«
Pascal Reis, filmstarts.de, Berlin
»Auch Tilda ist inkonsistent. Ihre gespaltene Kind-Mutter-Rolle ist das Ergebnis unverarbeiteter Traumata, festgefahrener sozialer Strukturen und unausgesprochener Spannungen. Die Inszenierung gelingt nicht zuletzt auch dank der brillanten Performance Luna Wedlers, die an eine Sandra Hüller erinnert und hoffentlich bald in Hauptrollen in internationalen Projekten glänzen darf.«
Jesper Rusterholz, filmbulletin.ch, Zürich
»Das vereinte Talent vor und hinter der Kamera macht ›22 Bahnen‹ dann doch sehenswert. Das Publikum darf hier durch die Abgründe waten und doch auch Hoffnung schöpfen, wenn Tilda am Ende gestärkt aus allem herauskommt und für die Mühen belohnt wird. Das muss man nicht zwangsläufig realistisch finden. Aber irgendwie tut es doch gut, wenn am Ende zumindest eine Perspektive da ist, dass es nach der langen schwierigen Zeit wieder weitergeht.«
Oliver Armknecht, film-rezensionen.de, München
»Das Herz des Films schlägt in jeder gemeinsamen Szene von Luna Wedler und Jannis Niewöhner, die schon in ›Je Suis Karl‹ zusammen vor der Kamera standen. Die Musik und Atmosphäre verwandeln ihre unbestreitbare Chemie in pure Kinomagie, mit der die Regisseurin die schwerwiegenderen Themen ausbalanciert, ohne die existenziellen Konflikte ihrer Protagonistin aus den Augen zu verlieren. Am Ende ist es allein die Wahrscheinlichkeit dieser Lovestory, mit der niemand gerechnet hat, die ›22 Bahnen‹ zu einem herzzerreißenden Film umwerfender Wahrhaftigkeit macht, in den man sich auch dann verlieben kann, wenn man nicht zu den Millionen Fans der Romanvorlage gehören sollte.«
Corinna Götz, THE SPOT media & film, München