Leo ist 15, es ist Winter und nur mit einer Adresse in der Hand reist sie nach Italien. Am Ziel steht ein verriegeltes Strandcafé, wo sie Paolo trifft: ihren Vater, den sie nie kannte. Paolo ist überrumpelt und abweisend. Doch Leo hat Fragen vorbereitet und bleibt. In einer wilden Mischung aus Italienisch, Deutsch und gebrochenem Englisch beginnen sie miteinander zu sprechen. Dabei bleiben sie meistens auf Distanz. Doch in seltenen Momenten ist die Nähe zwischen ihnen plötzlich so unerwartet groß, dass sie kaum auszuhalten ist. Nicht für Paolo, der gerade versucht, als Vater seiner kleinen Tochter Emilia nicht ein zweites Mal zu versagen. Und nicht für Leo, die Wunden jahrelanger Sehnsucht schmerzen. Einen Verbündeten findet Leo in Edoardo, der in der Nachbarschaft wohnt und selbst mit familiärer Ablehnung ringt. Ihre kurze, intensive Freundschaft wird zum Resonanzraum für das, was Worte nicht sagen können.
»Paternal Leave« erzählt von der Suche nach einem Vater
und dem Finden von etwas anderem
Fotos: eksystent Filmverleih, München
»›Paternal Leave – Drei Tage Meer‹, von Alissa Jung geschrieben und gedreht, ist eine sehr eigenwillige Hymne auf die Pubertät. Auf die Resilienz, die Verletzlichkeit, die Selbständigkeit und auf den Mut in diesem Alter. Auf die Fähigkeit, sich auf Neues einzulassen und Rückschläge schnell wegzustecken.«
Bettina Steiner, Die Presse, Wien
»Es ist ein Auf und Ab der Gefühle, ein Hin- und Hergerissensein zwischen Erwartungen und Enttäuschungen. Mal ist es Misstrauen und Wut, von denen Leo und Paolo getrieben werden, dann wieder Bedauern, Scham, aber auch Hoffnung und ein zaghaftes Annähern. Dieses Stimmungskarussell zu spielen, kommt einem Hochseilakt nahe, den Luca Marinelli in der Rolle des Vaters und Juli Grabenhenrich als Leo unglaublich gut meistern.«
Barbara Felsmann, kinder-jugend-filmportal.de, Remscheid
»Was den Film wärmt, ist die Reibung zwischen Juli Grabenhenrich und Luca Marinelli. Grabenhenrich spielt Leo – es ist wirklich ihre erste Hauptrolle – mit der Wut und Verletzlichkeit des verlassenen Kindes und dem rührend überheblichen Trotz, den Teenager am allerbesten beherrschen. Marinelli, zu Recht in der A-Liga des italienischen Schauspiels, zeigt Paolo als ungeschickten Kommunikator mit wachsenden Gefühlen für das Mädchen, das wie er niesen muss, wenn es Schokolade isst.«
Katharina Böhm taz.de, Berlin
»Angenehm offen erzählt Jung von der langsamen Annäherung von Tochter und Vater, lässt ihre Geschichte nicht auf einen großen Knall hinauslaufen, verzichtet auf kathartische Momente. Stattdessen sieht man zwei Menschen zu – die eine älter als sie eigentlich ist, der andere noch längst nicht so reif, wie sein Alter vermuten ließe – die sich umkreisen, kennenlernen und dabei auch etwas über sich selber lernen.«
Michael Meyns, programmkino.de, Berlin
»Aber der tollste Moment ist wohl, als Paolo und Leo auf der Düne am Strand stehen, im eisigen Wind, die Kamera von hinten. Und Paolo anfängt, Leo mit seinem Körper ganz leicht zu tangieren, immer wieder leicht zu ihr wippt, und Leo schließlich das erste Mal den Kopf an seine Schulter schmiegt. Ein ganz kurzer, inniger Moment ist das zwischen diesen sich fremden und doch irgendwie auch vertrauten Seelen, dass einem als Zuschauer das Herz zerspringt. Und es zerspringt tatsächlich, als Paolo diesen Moment zerstört und Leo wieder von sich weist. Es sei einfach der falsche Moment, er müsse sich auf Emilia konzentrieren, wolle nicht den gleichen Fehler noch einmal machen. Der Konflikt könnte nicht größer sein.«
Barbara Schuster, THE SPOT media & film, München
»Die italienische Küste zeichnet ›Paternal Leave‹ nicht als sonnendurchflutetes Paradies, sondern als rauen, unwirtlichen Ort, an dem Gefahren lauern; einmal kommt sogar eine Figur abhanden. Trotzdem findet Leo dort Anschluss. In der schnell entstehenden Freundschaft mit Edoardo finden sich zwei Verstoßene, die das Leben mit Galgenhumor nehmen. Am Beispiel von Edoardos Familienleben zeigt der Film zwar, dass gemeinsame Gene kein Garant für ein harmonisches Zusammenleben sind.«
Kira Taszman, filmdienst.de, Bonn
»Wenn Paolo gerade seine Bar renoviert oder Zeit mit seiner anderen Tochter verbringt, läuft Leo verloren und allein durch diese fremde Umgebung. Jung und Steinbrecher fangen das in unaufdringlich starken Bildern ein, die Leo in nebelverhangenen, verlassenen Spielplätzen oder in dichten Waldstücken zeigen. Durch die dabei oft genutzten, distanzierten Totalen wird Leo als kleiner Teil der Umwelt fast von ihr verschluckt.«
Joannis Kiritsis, critic.de, Berlin
»Mindestens so wichtig wie die gesprochenen Worte ist dabei, was in Blicken und Körperhaltungen spürbar wird, was in kleinen Gesten der Zuwendung und Zurückweisung mitschwingt, all die Sehnsüchte und Hoffnungen, Ängste und Enttäuschungen. So wie die Figuren ihre Gefühle nur widerwillig offenbaren, hält sich der Film damit zurück. Statt eines verlogenen Happy Ends gewährt er einen kaum merklichen Moment der Annäherung: Vater und Tochter schauen aufs Meer, berühren sich fast zufällig an den Hüften, geraten dabei in sanfte Schwingung wie ein menschliches Newton-Pendel.«
Anke Sterneborg, epd film, Frankfurt/Main
»Es gibt eine Binnenerzählung in diesem Film, die schöner ist, als die Tochter-Vater-Geschichte. Leo lernt den etwa gleichaltrigen Edoardo kennen (überzeugend: Arturo Gabbriellini), der unter anderem für den kleinen Laden mit seinem Moped die Kunden beliefert. Sein Vater legt ihm überall Pornomagazine hin, aber Edoardo will das nicht. Er ist schwul und manchmal bekommt er dafür Schläge. Leo und Edoardo verbrennen die Pornohefte bei Italopop und Bier. Und auch Leo wirft ihr Frageheft in die Flammen. Kurze Momente des Glücks, des Einverständnisses, der Freiheit.«
Gregor Keuschnig, glanzundelend.de (Magazin für Literatur und Zeitkritik), Frankfurt/Main
»Das gestörte Vater-Tochter-Verhältnis findet auf der visuellen Ebene eine Entsprechung in der winterlichen Kälte der fast menschenleeren Ortschaft in der Emilia Romagna, die mit ihren verrammelten Geschäften und Läden eine abweisende Tristesse ausstrahlt. Kalt ist auch das Wasser der Adria: Um von den Spannungen abzulenken, nimmt Paolo die Jugendliche einmal an den einsamen Sandstrand mit. Beide tragen Neoprenanzüge, als er ihr im Meer zeigt, wie man mit dem Surfbrett umgeht. Danach braucht Leo erst mal eine heiße Dusche.«
Reinhard Kleber, artechock.de, München