Anna ist 12 und wohnt mit ihrer alleinerziehenden, gehörlosen Mutter Isolde in einer Wohnsiedlung in Wien. Eigentlich haben die beiden sich über alles lieb, auch wenn die Ein-Zimmer-Wohnung langsam zu eng wird. Doch als Anna auf eine neue Schule im reichen 1. Bezirk wechselt, muss sie ihr Leben plötzlich mit dem der anderen in ihrer Klasse vergleichen. Schnell versteht Anna, was in ihrem neuen Umfeld als Mädchen wichtig ist: Sie besorgt sich einen gefälschten Marken-Pulli und erzählt, dass sie den Schulschwarm Paul küssen will. Die teure Skifahrt mit der Klasse kann sie sich trotzdem nicht leisten. Dann findet sie eine Komplizin und Freundin
in ihrer Klassenkameradin Mara. Gemeinsam haben sie den Mut, sich auszuprobieren und neue Fragen an sich selbst und die Welt zu stellen.
Anderssein ist gut: Warmherzig und schrill erzählt der Film vom Ausbrechen aus vorgeschriebenen Erwartungen und zeigt Vielfalt als Selbstverständlichkeit.
Fotos: Arsenal – Institut für Film und Videokunst, Berlin
»›Wenn du Angst hast nimmst du dein Herz in den Mund und lächelst‹ ist besonders zart und empfindlich, aber auch äußerst schmerzhaft und zeichnet sich durch eine Inszenierung mit zahlreichen Verweisen auf die Popkultur aus, deren mitreißende Musik und leuchtende Farben im Kontrast zum Grau der Wiener Vorstadt und zu Momenten trauriger Resignation stehen. Die ständige Suche nach der eigenen Identität, die ersten Lieben, aber auch eine konfliktreiche, aber wunderschöne Mutter-Tochter-Beziehung (besonders emblematisch ist die Szene, in der die beiden zusammen im Schwimmbad schwimmen) machen diesen ersten Spielfilm von Marie Luise Lehner zu einem besonders lebendigen und pulsierenden Werk, das perfekt zu den Themen passt, die die Regisseurin in ihren früheren Kurzfilmen behandelt hat.«
Marina Pavido, Cinema Austriaco | Filmmagazin, Rom
»Dabei ist es nicht nur die außergewöhnlich erzählte Geschichte, die diesen Debütfilm so warmherzig macht. Auch die genau überlegten Bilder sorgen dafür, dass man sich den Figuren nahe fühlt. Nicht unerwähnt darf der Soundtrack bleiben. Marie Luise Lehner ist selbst Mitglied der feministischen Punkband Schapka. Im Film übernimmt die Musik so etwas wie eine Kommentarfunktion.«
Dominique Gromes, Falter, Wien
»Das zweite zentrale Thema des Langfilms sind Gehörlosigkeit und die damit einhergehenden Barrieren. Dabei vermeidet Lehner Darstellungen von Isolation und Hilflosigkeit. Isolde pflegt ein reges Sozial- und Liebesleben, arbeitet hart und lässt sich Alltagsdiskriminierungen nicht gefallen. Zu dieser Darstellung trug Darstellerin Mariya Menner nicht nur durch ihre hervorragende schauspielerische Leistung, sondern auch durch ihre gelebte Erfahrung als gehörlose Person bei.«
Hannah Segers, Standard, Wien
»Die 1995 in Wien geborene Regisseurin Marie Luise Lehner, die neben Kurzfilmen bereits sozialkritische Romane veröffentlichte ... zeigt in ihrem Spielfilmdebüt das Erwachsenwerden als eine Abfolge kleiner Erschütterungen, die sie zwischen der innigen Mutter-Tochter-Beziehung und den sozialen Gräben im schulischen Umfeld verortet [...] Präzise und nuanciert hält Lehner gesellschaftliche Unterschiede und Ausgrenzungen fest und nimmt dabei ihre jugendliche Protagonistin in ihren Widersprüchen ernst.«
Thomas Abeltshauser, Berliner Morgenpost
»›Wenn du Angst hast ...‹ ist farbintensiv gestaltet, stark musikalisiert und mit einem betont diversen Ensemble entstanden: Lehners Auseinandersetzung mit Klassismus und Diskriminierung ist als Utopie formuliert, nicht als Problemfilm. ›Eine Kollegin hat einmal zu mir gesagt, es gehe bei Filmen auch darum, was Leute daraus mitnehmen können. Diese Idee begleitet mich, denn oft sind Filme so, dass sehr viele Menschen nichts von ihnen haben. Auch klassische Heldenreisen können sehr frustrierend wirken, weil man selbst so wenig heroisch ist.‹ Sie habe das Bedürfnis, Filme so zu machen, ›dass Leute das Gefühl bekommen, von ihnen bestärkt zu werden. Es geht um Community, um Zusammenhalt.‹ Die Protagonistin des Films, Anna, ist sehr sozial, auch eloquent. Im Arthouse-Kino, das so gern von Opferbereitschaft und Tristesse berichtet, ist das ungewöhnlich.«
Stefan Grissemann, Profil, Wien
»›Wenn du Angst hast ...‹ ist weder wütender Rundumschlag gegen die herrschenden Verhältnisse noch utopisch-enthobener Gegenentwurf, sondern irgendwas dazwischen. Die urteilsfrei und facettenreich dargestellte Lebenswelt der Figuren stellt einiges, was gesellschaftlich falsch läuft, unaufgeregt infrage und normalisiert vieles, was in anderen Filmen ausführlich problematisiert worden wäre. Isoldes Gehörlosigkeit integriert sich in die kleinen und großen Diskriminierungen, wird vom Film aber stets mit Einfühlungsvermögen und Respekt behandelt.«
Leonard Krähmer, critic.de, Berlin
»Mit solch einer Ausgewogenheit macht Lehner wundervoll (und beinahe ohne didaktische Monologe) deutlich, dass wir zwar nicht im Alleingang die Strukturen aus der Welt schaffen können, die uns zu trennen drohen. Aber wir haben es alle in der Hand, Scham und Vorurteile abzustreifen, um empathischer, fürsorglicher und solidarischer miteinander umzugehen.«
Sidney Schering, filmstarts.de, Berlin
»Mit Leben füllen das queere Sozialdrama ... die authentisch gespielten Figuren, die ihre eigenen persönlichen und sozialen Konflikte zeigen, sowie kleine szenische Miniaturen der Einwohner*innen, die im Umfeld des Wohnblocks spielen. In nahbaren Bildern dürfen die Figuren fluchen, verzweifeln, wütend sein, kreischen, vor allem aber: sie selbst sein. Hoffnungslosigkeit obsiegt in ›Wenn du Angst hast ...‹ nie über die graue Realität, im Gegenteil. Auf dem spitzen Balkon stehend, sieht es so aus, als würden die Hauptfiguren auf dem Bug eines Schiffes in die Freiheit segeln.«
Paul Seidel, Riecks Filmkritiken, Berlin