Ein nasser Hund

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Ein nasser Hund

Deutschland 2020 / Spielfilm / 103 Minuten / 9.-13. Jahrgangsstufe

Inhalt

»Türken, Araber, Kurden, wir sind eine Familie. Willkommen im Wedding, Habibi!« Als ihn Husseyn mit derart warmen Worten seiner Gang präsentiert, fühlt sich Soheil durchaus an- und aufgenommen. Er sieht ja auch aus wie sie, er möchte so sein wie sie, aber in einem Punkt ist er nicht wie sie. Der 16-jährige, der mit seinen iranisch-stämmigen Eltern aus dem eher beschaulichen Göttingen nach Berlin kam, ist kein Muslim, sondern Jude. Bisher spielten das Religiöse und seine familiären Wurzeln keine große Rolle, mit einem Mal aber schon. Damit ihn keiner noch einmal als »dreckiger Jude« beschimpft, lässt er die von seiner Oma geschenkte Kette mit dem Davidstern besser nicht sehen. Um Respekt und Anerkennung zu finden, sucht er nach Bewährungsproben, gibt er sich als harter Hund, wird kriminell. Er kopiert den Slang, dealt mit Drogen, setzt als Sprayer »King Star« seine Zeichen. Bei einer Schlägerei mit Kreuzberger Rivalen nimmt er das ihm zugesteckte Messer und sticht zu. Soheils Status steigt, er scheint, trotz gelegentlicher Zweifel, einer der ihren. Erst recht, als er mit seiner türkischen Mitschülerin Selma anbandelt. Doch als er an die Schulfassade das Wort »Jude« sprüht, führt die Aufklärung des Skandals zu Soheils Offenbarung. Der falsche Muslim ist ein richtiger Jude. Aus vermeintlichen Brüdern werden wieder Todfeinde – oder gibt es eine andere Lösung?

Rau und realistisch, eine Milieustudie von enormer Wucht.

Fotos: carte blanche International / Warner Bros. Pictures Germany

Das Buch, nach dem der Film entstand:
Arye Sharuz Shalicar: Ein nasser Hund ist besser als ein trockener Jude. Die Geschichte eines Deutsch-Iraners, der Israeli wurde – Autobiografie. dtv Verlagsgesellschaft, München 2021
248 Seiten, 10,90 €. ISBN: 978-3-423-34980-2




Themen

Antisemitismus   |  Rassismus   |  Außenseiter   |  Familie   |  Familien- und Generationsbeziehungen   |  Heimat   |  Identität   |  multikulturelle Gesellschaft   |  Gruppenzugehörigkeit   |  Freundschaft   |  Vertrauen   |  Respekt   |  Toleranz   |  Vorurteile   |  Religion   |  Muslim   |  Jude   |  Diskriminierung   |  Hass   |  Gewalt   |  Liebe   |  Werte   |  Zivilcourage   |  Literaturverfilmung

Fächer

Deutsch   |  Lebensgestaltung-Ethik-Religionskunde   |  Kunst   |  Politische Bildung   |  Psychologie   |  Darstellendes Spiel   |  fächerübergreifend

» … überzeugt als Milieustudie und lebt von der Kraft der jungen Darsteller, die ihre Aufgabe großartig meistern … Es ist ein Film, der gerade auch wegen seiner Schwächen zu vertiefenden Diskussionen einlädt. Der Autor des Buches, Arye Sharuz Shalicar, war bei der Preview in Hamburg dabei. Er habe teilweise ›tief durchatmen müssen›, besonders bei der Rahmenhandlung. Der Film verkürze und banalisiere manches. Aber er nahm es sportlich. Der Regisseur habe das Publikum wohl nicht überfordern wollen. Im Buch gehe es um weit mehr als um das Verhältnis von Juden und Palästinensern. Shalicar und seine Familie leben heute in Israel, er arbeitet dort als Publizist und Mitarbeiter der israelischen Regierung.«
Heide Soltau, juedische-allgemeine.de, Berlin

»Sein Film ist in den bestimmenden Rollen mit Laien besetzt, die sich zum Großteil selber spielen. Dadurch gewinnt der Film eine große Authentizität bei gleichzeitiger dramatischer Schärfe und bleibt nicht auf der Ebene eines bewegenden Sozialdramas im Fernsehformat, das Lukačević durchaus auch bedienen kann, stecken.«
Ulrich Sonnenschein, epd film, Frankfurt/Main

»›Ein nasser Hund‹ ist ganz dicht dran an den Figuren, nimmt sich immer wieder Zeit, diese durchaus liebevoll zu porträtieren. Wenn Soheil und Husseyn mit dem Roller durch Wedding cruisen, erzählen wenige Bilder unglaublich viel über diese Bromance – was später dann auch ungemein wichtig wird. Denn so wird trotz der deutlich auf Soheil fokussierten Erzählung auch die massive Enttäuschung des besten Freundes klarer.«
Björn Becher, filmstarts.de, Berlin

»Der Film ist hart und dramatisch, wenn er von Diskriminierungs- und Gewalterfahrungen, von Initiationsriten und Leichtsinn in Straßengangs und nicht zuletzt von den inneren Konflikten des Protagonisten erzählt. Und ebenso ist er warm und zärtlich, wenn es um Familien- und Freundschaftsdynamiken sowie um die erste Liebe geht.«
Andreas Köhnemann, kino-zeit.de, Mannheim

»Soheils verzweifelte Frage an seinen Vater jedoch bleibt ohne Antwort: ›Warum hassen sie uns so?‹ Dass der im Libanon geborene Muslim Kida Khodr Ramadan, der seit der Clans-of-Neukölln-Serie ›4 Blocks‹ Kultstatus in der arabischstämmigen Community genießt, Soheils warmherzigen Vater spielt, darf durchaus als Statement gelesen werden. Für Toleranz, Respekt und Mitmenschlichkeit.«
Gunda Bartels, Der Tagesspiegel, Berlin

»In seinem Regiedebüt spielt Damir Lukacevic mit Klischees und zeigt viel Mut bei der ambivalenten Darstellung einer scheinheiligen Gesellschaft. Damit offenbart er nicht nur die Tragik vieler Menschen jüdischen Glaubens in Deutschland, die mit wachsender Feindseligkeit konfrontiert sind. Ebenso wie er den Antisemitismus an den Pranger stellt, verfährt er mit dem Rassismus und mit Vorurteilen gegen die Jugend, gegen den Islam, gegen Türken und Araber – um nur einige Gebiete zu nennen, auf denen sich populistische Vereinfacher so gern betätigen.«
Gaby Sikorski, programmkino.de, Berlin

»Zumindest beiläufig befasst sich das Drama auf diese Weise mit dem Thema kultureller Identität und dass wir letztendlich nie so frei sind, wie wir es gerne wären. Vorurteile werden weitergegeben, ohne dass wir sie hinterfragen oder als solche wahrnehmen. Wir sind für andere immer auch das Produkt ihrer eigenen Erfahrungen und Erwartungen. Damit verbunden ist jedoch die Aufforderung, sich zu öffnen, bewusster mit anderen umzugehen. ›Ein nasser Hund‹ will kein reines düsteres Sozialdrama sein, sondern zugleich Hoffnung machen und Mut zusprechen. Wenn Soheil eines zeigt, dann dass man sich auch unter diesen Umständen noch finden kann.«
Oliver Armknecht, film-rezensionen.de, München

»Der Film veranschaulicht, wie tief der diffuse Hass auf alles Jüdische und die Juden unter arabisch-, kurdisch- und türkischstämmigen Jugendlichen verwurzelt ist. Allerdings differenziert die Inszenierung nur bedingt und lediglich in der Figur von Husseyn. Durch die Besetzung mit jungen, unbekannten Darstellern aus dem Wedding erfährt das Kiezviertel eine authentisch erscheinende Präsenz, weil einige der Darsteller Laien sind und sich offensichtlich zum Teil selbst spielen. Das wirkt mitunter holprig, wobei vor allem das Machohafte stark betont wird, doch das passt zur Stimmung unter den Jugendlichen und großen Jungs, die so gerne Gangster und Rapper sein wollen und sich in einem ständigen Hahnenkampf befinden.«
Jörg Taszman, filmdienst.de, Bonn

»Für Damir Lukačević ist der Film ein klares Statement gegen Gewalt und Hass. Er zeigt aber auch echte Brüderlichkeit und Herzenswärme. Und einen Schimmer der Hoffnung auf Toleranz und Menschlichkeit.«
Claudia Kuhland, ttt – titel, thesen, temperamente, ARD | Das Erste


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