Geschwister – Kardeşler

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Geschwister – Kardeşler

Deutschland 1997 / Spielfilm / 84 Minuten / 9.-13. Jahrgangsstufe

Inhalt

»Lasst uns jetzt auf unseren Soldaten anstoßen!« Der Vater hebt das Glas, die drei anderen am Familientisch folgen ihm eher widerwillig. Erol ist gerade zur Armee einberufen worden. In der Nähe von Istanbul wird seine Kaserne sein, weit weg von Berlin-Kreuzberg. Hier lebt er mit den Eltern und seinen jüngeren Geschwistern, Ahmed und Leyla. Die Mutter eine Deutsche, der Vater Türke – die Erziehung der Kinder eher liberal als traditionell. Der 21-jährige Erol driftet so dahin in seinem Viertel um das Kottbusser Tor. Nichts kriegt er so recht auf die Reihe, hat bei jedem Schulden, Döner schneiden will er nicht. Beim Militär sieht er seine Chance, jemand zu sein, respektiert zu werden. Dabei spreche er doch nicht mal richtig türkisch, wie Ahmed sagt. Der ist in den Augen des Bruders ganz anders: Geht zur Schule, macht das Abi, hat eine deutsche Freundin. Richtig rund läuft’s aber auch bei ihm nicht. Leyla ist von beiden Brüdern genervt, auch vom Vater und der langweiligen Lehre als Näherin. Die drei sind ständig am Streiten über alles und jedes, absolut verschieden und doch irgendwie gleich. In permanenter Bewegung, im Rhythmus von und mit Kreuzberg. Irgendwann mal 30 zu sein, können sie sich nicht vorstellen. Am Ende steigt Erol ins Taxi des Vaters, und die ganze Familie bringt ihn zum Flughafen Tegel.

Eine Kunst, das Leben wie das Leben zu zeigen. So lakonisch, so lebendig.

Bilder: Trans-Film / ZDF / SDK

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Deutsch   |  Lebensgestaltung-Ethik-Religionskunde   |  Kunst   |  Musik

»›Geschwister‹ ist eine sensible Skizze jugendlicher Identitätssuche, mit Sympathie, aber ohne falsch verstandenen Paternalismus den eigenen Figuren gegenüber. Gerade weil ›Geschwister‹ gar nicht erst den Anspruch erhebt, mehr als eine kleine, unprätentiöse Geschichte erzählen zu wollen, wirkt er Lichtjahre überzeugender als alle gewollt authentischen Milieustudien. Zugleich ist er für einen deutschen Film, der keine Komödie sein will, von einer überraschend unterhaltsamen Leichtigkeit. Ein beiläufiger, seine Protagonisten scheinbar bloß begleitender Straßenfilm, ein Roadmovie, nur eben ohne Auto, mit detailverliebt plazierter Musik im Hintergrund. Ein Glücksfall.«
Daniel Bax, taz, Berlin

»Sie laufen und laufen. Gemeinsame Gänge als Ritual, Zeitvertreib, Freundschaftsversicherung. Inbesitznahme des Terrains zwischen Kottbusser Tor und Görlitzer Bahnhof. Die Straße ist das Wohnzimmer der Brüder Erol und Ahmed. Beim Laufen tragen sie alles aus: erste Liebe, Geldprobleme, Diskussionen über den Militärdienst in der Türkei, über die Schule, die Familie oder Pitbulls. ›Geschwister‹ ist Cruising ohne Auto.«
Katja Nicodemus, tip Magazin, Berlin

»Thomas Arslan gibt sich aber nicht mir Stereotypen zufrieden. In langen ruhigen Einstellungen erzählt er sensibel vom Alltag der Familie und ihren Konflikten, die sich kaum vom Alltag deutscher oder anderer Familien unterscheidet. Es geht um die Schwierigkeiten bei der Selbstsuche junger Menschen, die bei jedem der drei Jugendlichen individuell verläuft. Weder die deutsche Mutter noch der türkische Vater dienen dabei als Vorbild. Wie auch bei Yüksel Yavuz’ Film ›Aprilkinder‹ grenzen sich die Kinder bewusst von ihren Eltern ab, ohne aber wirklich Alternativen für sich selbst zu entwickeln.«
Helga Fitzner, kultura-extra.de, Berlin

»Drei Geschwister, drei Blicke, drei Suchen. Drei Haltungen zu Deutschland als Heimatland. Das Schöne an Thomas Arslans Kino der verschiedenen Gangarten ist, dass man ganz beiläufig in ein Lebensgefühl hineingezogen wird. Im Fall von ›Geschwister‹ lässt es sich weder als deutsch noch als türkisch noch als deutschtürkisch umschreiben. Vielmehr lernt man junge Menschen kennen, die noch im scheinbar klischeebehafteten Gespräch über Kampfhunde alle Festlegungen über den Haufen schmeißen  […] All das ergibt keine klassische Erzählung, sondern eine Folge von Miniaturen, Alltagsgesprächen, Auseinandersetzungen und Versöhnungen. Jede Szene steht für sich, und manch eine funktioniert wie ein in sich geschlossener Kurzfilm.« 
Anke Leweke, Die Zeit, Hamburg

»Vom Verzicht auf einen klar herausgearbeiteten Plot, auf die Schürzung eines dramaturgisch abzuarbeitenden Knotens sollte man sich nicht täuschen lassen: Arslans Absicht ist keineswegs ein naiver Dokumentarismus; sehr bewusst sucht er die Aufhebung in der Form: seine Kadrierungen sind präzise, keine Kamerabewegung ist überflüssig, die Dialogie sind zwar der Sprache deutsch-türkischer Jugendlicher genau abgelauscht: die Lakonik und der Aufbau der einzelnen Szenen jedoch, die Komik, die sich dem Lakonischen verdankt, entfernen den Film weit von allem Naturalismus. Genau das ist Thomas Arslans Kunst, hier noch um einiges unauffälliger (und weniger streng) als in den folgenden Filmen: er setzt sein Formbewusstsein auf die Wirklichkeit an und macht so, als wäre es ein Leichtes, aus Leben Kunst.«
Ekkehard Knörer, jump cut

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