Mein Vater, der Gastarbeiter

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Film – Schule – Kino
im Land Brandenburg

Mein Vater, der Gastarbeiter
Misafir işçi babam

Deutschland 1995 / Dokumentarfilm / 52 Minuten / 8.-13. Jahrgangsstufe

Inhalt

»Du musst es besser machen als ich. Du darfst hier nicht alt werden. Höre nicht auf andere. Laß dich nicht mit Frauen ein. Denk immer daran, hier bist du ein Fremder.« Während der langen Reise hatte der Vater weitestgehend geschwiegen. Nun aber, nach der Ankunft in Hamburg, legt er seinem Sohn einige Grundregeln ans Herz. Cemal Yavuz lebte und schuftete schon seit zwölf Jahren in Germanistan. Jetzt hatte er vom Heimaturlaub außer dem Koffer noch seinen 15-jährigen Sohn Yüksel mitgebracht. In Kurdistan blieben die Mutter und fünf Kinder. Als Cemal Ende 1968 nach Deutschland gerufen wurde, arbeitete er zunächst in einer Fischfabrik, dann auf einer Werft. Täglich, zehn Stunden pro Schicht, zerschnitt er als Schweißer 15 Tonnen Stahl. 1984 kehrte er in sein Dorf zurück. Seine besten Jahre hatte er hingegeben für ein Land, von dem er nicht viel kennenlernte. Gewohnt hat er in »Klein-Istanbul«, einer Barackensiedlung. 12qm Deutschland pro Gastarbeiter. Zusammen mit dem Sohn blieb nur noch die Hälfte. Yüksel wird Regisseur und dreht seinen ersten Film über die Lebensgeschichte des Vaters, der Familie. Er reist nach Kurdistan und lässt auch seine Mutter sehr offen erzählen. Als ihn die Eltern 1994 in Hamburg besuchen, schließt sich ein Kreis – für den »Gastarbeiter« und die nächsten Generationen.

Ein leiser, berührender Film über das Leben zwischen zwei Welten.

Bilder: Zero one film, Berlin



Themen

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Fächer

Deutsch   |  Lebensgestaltung-Ethik-Religionskunde   |  Politische Bildung

»Yüksel Yavuz erzählt, leise und konzentriert. Wenn sich Daumen und Zeigefinger vom Teeglas lösen, bleiben sie gebogen wie eine Klammer, die etwas Flüchtiges vor seinen Augen fixieren soll. Irgendwo zwischen einer Barackensiedlung in Neuenfelde und einem Dorf in Türkisch-Kurdistan ist eine Illusion verlorengegangen. Statt dessen sind Bilder entstanden und mit ihnen die Identität eines jungen kurdischen Filmemachers in Hamburg […] Im Sommer vergangenen Jahres drehte Yavuz mit zwei Mitstudenten, einer französischen Tontechnikerin und einem deutschen Kameramann, ohne Drehgenehmigung im Dorf seiner Eltern in Kurdistan […] ›Es war einmal in Deutschland‹ sollte ›Mein Vater, der Gastarbeiter‹ ursprünglich heißen. Aber ein kurdischer Filmemacher hat keine Märchen zu erzählen.«
Heinz-Günter Hollein, taz.am Wochenende, Hamburg/Bremen (20. 5. 1995)

»Während der Dreharbeiten fuhren häufig Panzer die Straße entlang, und in der Ferne konnte man Brände erkennen. Die Familie ist gespalten, ein Teil lebt in der Türkei, der Rest in Deutschland. Mutter Güzel war vorher noch nie in ›Germanistan‹, doch für die Dokumentation hat Yüksel Yavuz beide Eltern nach Hamburg geholt. Für Güzel hat sich damit ein Lebenstraum erfüllt, während Cemal in nostalgischen Erinnerungen schwelgt. In ›Klein-Istanbul‹ kennt er kaum noch jemanden, da er Deutschland schon 1984 verlassen hat. Seinen Arbeitsplatz darf er nicht besuchen. Sein Sohn hat keine Dreherlaubnis erhalten, und nicht einmal allein und ohne Kamera darf der Vater seine alte Arbeitsstätte besuchen. Trotz allem ist er froh, denn er kann seine Enkelkinder in die Arme schließen.«
Helga Fitzner, kultur-extra.de, Berlin


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