Gegen die Wand

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Gegen die Wand

Deutschland 2003 / Spielfilm / 121 Minuten / 8.-13. Jahrgangsstufe

Inhalt

»Dein Türkisch ist ganz schön im Arsch. Was hast du mit deinem Türkisch gemacht?« Cahits künftiger Schwager Yilmaz hat so seine Zweifel am Bräutigam der Schwester. Ein ziemlich abgerissener, zwielichtiger Typ, doppelt so alt wie Sibel. Bei deren Vater hält der 40-Jährige um die Hand der Tochter an – und da Cahit eben ein Türke ist, erfüllt er die wichtigste Voraussetzung für die Ehe – Sprache hin oder her. Was ihre Eltern nicht ahnen: Die Verbindung soll nur auf dem Papier ihre Gültigkeit haben und Sibil die Freiheit bringen, nach der sie sich sehnt. Widerwillig lässt sich Cahit auf das falsche Spiel ein und sogar das Hochzeitsfest über sich ergehen. Danach wird für ihn ja alles bleiben, wie es war. Er räumt in einer Kneipe die Gläser ab, steigert seine schlechte Laune in Wut, prügelt sich, fährt ungebremst gegen die Wand. Doch irgendwie ist Sibel nun eben doch in seinem Leben. War vielleicht gar keine schlechte Idee zu heiraten, meint er, als sie zum ersten Mal Biber Dolması kocht. Dann verlässt er die Wohnung und hat Sex mit Maren. Wie es ist, kann es nicht bleiben: Im Affekt erschlägt Cahit ein deutsches Großmaul, und während er einsitzt, fliegt Sibel zur Cousine nach Istanbul. Dort werden sie sich noch einmal wiedersehen – und beim Blick auf den Bosporus wissen: Diese Geschichte ihrer Liebe geht ohne Happy End aus.

Zwischen Liebe und Zorn: Diese Tragikomödie hat jeden Goldenen Bären verdient!

Bilder: timebandits films / Wüste Film, Berlin

Themen

Familie   |  Familien- und Generationsbeziehungen   |  Herkunft   |  Tradition/Moderne   |  Ehre   |  Geschlechterrollen   |  Frauenbild   |  Emanzipation   |  Scheinehe   |  Identität   |  Heimat   |  multikulturelle Gesellschaft   |  Werte   |  Freiheit   |  Vorurteile   |  Toleranz   |  Drogen   |  Liebe   |  Türkei

Fächer

Deutsch   |  Lebensgestaltung-Ethik-Religionskunde   |  Psychologie

»Und wie er das alles aufeinander prallen lässt, wie er die Gefühle ex- und implodieren lässt, und wie die Musik dazu spielt, der Jazz und der Rock und der Pop, wie die Farben dazu strahlen, warnen und besänftigen, das Rot der Bars, das Blau nächtlicher Straßen und das Braun intimer Zimmer, wie Sibel Kekilli naives Rebellentum versprüht und sich in Birol Ünels Gesicht der ganze Film noch einmal abspielt - das ist Leben in seiner spannendsten Form: Leben als große Kunst.«
Iris Alanyali, Die Welt, Berlin

»›Gegen die Wand‹ ist ein konsequenter Zusammenprall der Leidenschaft und Verzweiflung, ein in allen Belangen virtuoses, weil atemloses, ungebremstes Ohnmachtsdrama. Akin lässt nichts aus falscher Rücksicht weg, ist hart und trotzdem mitfühlend gegenüber allen Figuren. Er hat das Gespür für wahrhaftige Bilder und Stimmungen sowie einen Witz, der ebenso entlarvend wie tröstlich und satirisch sein kann. Birol Ünels verkratertes, verkatertes Gesicht und Sibel Kikellis wandlungsfähige Aura, die hier von Schärfe bis zur Sanftmut alles einschließt, haben eine kaum zu beschreibende Präsenz. Beide lassen sich tief fallen in diesem Film, geben jede Hemmung auf, und Akin hat sie dafür nicht enttäuscht.«
Oliver Hüttmann, Spiegel, Hamburg

»Für Akin ist das kurze Glück auch nur ein Atemholen auf dem Abstieg in die Hölle. Das Arrangement der beiden läuft unvermeidlich aus dem Ruder, als Cahit merkt, daß ihm mehr an Sibel liegt, als er zugeben will. So steht auf der Achterbahnfahrt der Emotionen der steile Absturz überhaupt erst bevor – und er mündet in jene Szene, die in ihrer selbstzerstörerischen Konsequenz das Gegengewicht zur Wucht des Anfangs bildet. Da steht dann Sibel auf einer nächtlichen Straße in Istanbul und provoziert eine Gruppe von Männern so lange, bis einer durchdreht. Und wenn das Messer in ihren Körper dringt, ist es fast schon eine Erlösung, aber noch lange nicht das Ende. Zwischen Lebenswut und Todessehnsucht liegt Fatih Akins überraschende Stärke darin, wirklich bis zu jenem Punkt vorzudringen, wo nichts mehr geht.«
Michael Althen, Frankfurter Allgemeine Zeitung

»Dass der Regisseur den Stoff ursprünglich als Komödie umsetzen wollte, blitzt noch in der einen oder anderen Szene auf; von herzergreifender Komik ist vor allem die Figur von Cahits Freund Seref (Güven Kiraç), einem türkisch-deutschen Lebenskünstler. Es ist das Verdienst von Fatih Akin, dass er nicht wertet, dass er vor allem nicht abwertet: weder Sibels Bruder, dem die Verzweiflung ins Gesicht geschrieben steht, wenn er sagt, dass es um ihre Ehrenrettung gegangen sei, noch Sibels Vater, dem die Tränen über die Wangen laufen, als er die Fotos seiner Tochter verbrennt, oder Sibels Mutter, die ihre Tochter versteht, ihr aber nicht helfen kann. Niemand ist ohne Makel. Auch nicht Kusine Selma – eine unabhängige Frau und erfolgreiche Hotelmanagerin in Istanbul –, zu der Sibel flüchtet. Wäre ›Gegen die Wand‹ eine griechische Tragödie (und damit kokettiert der Film durchaus), wäre der Film nach seiner weiblichen Hauptfigur benannt: Es ist die Kraft Sibels, die Cahit wieder zum Leben erweckt, die aber zugleich die Tragödie heraufbeschwört.«
Gerda Wurzenberger, Neue Zürcher Zeitung

»Man merkt, dass hier jemand mit dem ganzen Herzen bei der Sache war. Dem stehen die Schauspieler in nichts nach. Sibel Kikelli ist eine echte Entdeckung, das sich über ein Jahr hinziehende Casting hat sich gelohnt. Interessant ist zudem, dass Akin seinem ›verrückten Bruder‹ Birol Ünel die Rolle des Cahit auf den Leib schrieb. Ünel ist in etwa ein charmantes enfant terrible, jemand, der zwar enorm talentiert ist, es sich aber auch selbst oft schwer macht. Ein Schauspieler, der einmal, weil er provoziert wurde, auf der Bühne einen Kollegen verprügelte, Verurteilung wegen Körperverletzung inklusive. Eine Aktion, die man ihm aber andererseits so nicht zutrauen würde. Diese Ambivalenz macht auch Cahit zu einer enorm interessanten Figur, ständig zwischen Aggressivität und Sanftheit schwankend.«
Jonas Reinartz, filmzentrale.com, Göttingen

»Die Hauptdarstellerin ist direkt von der Straße gecastet, gerade der Mangel an professionellem Handwerk bekommt der Figur exzellent. Akin hat kein großes künstlerisches Konzept, das ist alles mit sehr viel mehr Intuition als Bewusstsein hingehauen, Bild für Bild. Aber es stimmt. Es passt. Es hat Kraft. Eine Komödie, eine Tragödie, eine Tragikomödie. Ein trauriges, ein versöhnliches, ein leises Ende.«
Ekkehard Knörer, Jump Cut

»Birol Ünel in der Rolle des tragischen Helden Cahit und die unschuldig und obszön zugleich wirkende Sibel Kekilli tragen die Ballade mit schauspielerischer Inbrunst. Sie lassen verstehen, wieso Exzeß, Haß und Leid so untrennbar durch ein Leben führen können. Unfaßbar und ernüchternd, daß die Hauptdarstellerin die Wirklichkeit durch schmierige Erpressungen der Boulevard-Presse und dadurch ausgelöste Einhaltung traditioneller Erstarrung eingeholt hat.«
Constanze Frowein, schnitt.de, Köln

»Eingeübte Reflexe, welche aber die eigentliche Signifikanz des Meilensteins ›Gegen die Wand‹ verkennen: Fatih Akin und Sibel Kekilli und Cem Özdemir und Oktay Urkal möchten nicht mehr beschützt werden. Der Goldene Bär für Akins Film ist eine dreifache Unabhängigkeitserklärung, die der Filmfigur Sibel von den Fesseln einer überholten Tradition, die der Schauspielerin Sibel Kekilli von der eingeengten Lebensperspektive als Supermarktkassiererin oder Müllsachbearbeiterin – und jene der dritten Generation von Dönerdeutschen, die seit ihrer Geburt hier waren und nirgendwo anders hingehen werden.«
Hanns-Georg Rodek, Die Welt, Berlin

»Von Zeit zu Zeit schneidet der Film zu einer Band, die auf einer Bühne aus türkischen Teppichen am Ufer des Bosporus auftritt, mit Istanbul im Hintergrund. Diese musikalischen Zwischenspiele lassen vermuten, dass wir eine Version einer Ballade oder Volkslegende sehen, die durch Generationen von urbanem Grunge verarbeitet wurde. Was ich über den Film sagen kann, ist das, was ich auch über ›Barfly‹,›Last Exit to Brooklyn‹ und ›Sid & Nancy‹ sagen könnte, nämlich, dass die Figuren in diesen Filmen ihre Fehler machen, damit wir sie nicht machen müssen. Ich kann auch feststellen, dass ich mit Faszination zugeschaut habe. Der Film ist gut und furchtlos gespielt, und der Autor/Regisseur (Fatih Akin) ist entschlossen, seine Geschichte zu einem logischen und glaubwürdigen Ende zu führen, anstatt alle mit einem konventionellen Ende vom Haken zu lassen.«
Roger Ebert, RogerEbert.com, Chicago Il. Übersetzt mit DeepL Translator

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