Die Rote Kapelle

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Die Rote Kapelle

Deutschland/Belgien/Israel 2020 / Dokumentarfilm / 125 Minuten / 10.-13. Jahrgangsstufe

Inhalt

»Meine Mutter und mein Vater, die lassen mich irgendwie nicht los«, bekennt der Historiker Hans Coppi jr. in ruhigem Ton. Doch was er berichtet, ist von tragischer Dimension. Im November 1942 brachte ihn seine Mutter in einem Gefängnis zur Welt. Im Dezember wurde sein Vater Hans hingerichtet, acht Monate später dessen Frau Hilde. Beide gehörten einem Berliner Netzwerk von Freundes- und Widerstandskreisen an. Menschen mit unterschiedlichen sozialen und politischen Hintergründen. Einig darin, gegen den Hitlerstaat etwas tun zu müssen. Harro Schulze-Boysen, Offizier im Luftfahrtministerium, verschafft sich Informationen zum geplanten Überfall auf die Sowjetunion. Der Dreher Hans Coppi funkt sie nach Moskau, aber Stalin schenkt ihnen keinen Glauben. Die Gestapo ist ihnen auf den Fersen, nennt sie »Rote Kapelle«. Ebenso wie einen zunächst in Brüssel, später auch in Paris tätigen, sowjetisch gesteuerten Spionagering. Zu beiden Gruppen gab es Anfang der 1970er Spielfilme: In der DDR »KLK an PTX«, in der BRD eine mehrteilige Serie. Ost wie West erzählten jedoch nur aus ihrer, einer stark ideologisch geprägten Sicht. Die doppelte Geschichte der »Roten Kapelle« wurde zwischen den Fronten des Kalten Krieges zerrieben. Hier nun gibt es – spannend und spektakulär – in zwei fesselnden Geschichtsstunden erstmals das ganze Bild.

Der historischen Wahrheit auf der Spur: eine Dokumentation der Extraklasse!

Bilder: farbfilm Verleih, Berlin

Themen

(deutsche) Geschichte   |  Nationalsozialismus   |  Faschismus   |  Drittes Reich   |  Recht und Unrecht   |  Ethik und Moral   |  Verantwortung   |  Zivilcourage   |  Widerstand   |  Illegalität   |  Spionage   |  Vertrauen   |  Verrat   |  Heimat   |  Identität   |  Werte   |  Erinnerungskultur   |  Propaganda   |  Filmgeschichte

Fächer

Deutsch   |  Lebensgestaltung-Ethik-Religionskunde   |  Geschichte   |  Politische Bildung

»Mit der Neubewertung der Netzwerke gibt der Film wertvolle Denkanstöße über den Stellenwert von Zivilcourage, Widerstand und Menschenrechten, gerade auch in einer Zeit, in der sich autoritäre und diktatorische Herrschaftsformen auf Kosten demokratischer Systeme wieder ausbreiten.«
Reinhard Kleber, film-dienst.de, Bonn

»Carl-Ludwig Rettinger weitet den Blick. Der Widerstand war nicht nur kommunistisch, er war bürgerlich, er war jüdisch, er war belgisch, französisch und er war weiblich. Die Vorgängerfilme erzählen die Geschichten der männlichen Helden. Aber 40 Prozent des Netzwerks waren Frauen. Auch sie wurden in Berlin vor das Reichskriegsgericht gestellt, neunzehn Frauen wurden hingerichtet.«
Simone Reber, rbbKultur, Berlin/Potsdam

»Beachtenswert ist, dass die Dokumentation nicht nur die Männer des Widerstands in den Blick nimmt, sondern auch die Geschichte der unbeugsamen Zofia Poznanska erzählt und Libertas Schulze-Boysen und Hilde Coppi als mutige Widerstandskämpferinnen porträtiert. Eine größere filmische Aufarbeitung der Geschichte der zahlreichen Frauen der ›Roten Kapelle‹ steht bislang aus und lässt auf weitere ähnlich gelungene Dokumentationen wie die besprochene hoffen.«
Christin Kaspari, ›antifa‹, Magazin für antifaschistische Politik und Kultur, Berlin

»Der Dokumentarfilm von Carl-Ludwig Rettinger ... versucht, die Menschen um Harro Schulze-Boysen, Hans Coppi, Leopold Trepper greifbar zu machen. Dabei erzählt er nicht nur von den Hauptakteuren der Kapelle, sondern schafft auch Aufmerksamkeit für die über hundert anderen Mitstreiter, die heute nahezu vergessen sind. Der Film ist gut geschnitten und präsentiert eine Fülle hochinteressanter Bilder in erstaunlich guter Qualität. Erkennbar ist das Bemühen der Filmemacher, Archivbilder zu verwenden, die noch nicht zu oft gesehen wurden, und nicht bereits in zig Dokumentarfilmen zuvor verwendet. Besonders schlüssig ist dabei die Entscheidung, das historische Material aus bewegten Archiv-Bildern und Fotografien nicht nur mit den Aussagen der Nachfahren der Widerstandskämpfer zu verknüpften, sondern noch mit einer weiteren Ebene. Regisseur Rettinger hat sich nämlich die zwei bisherigen fiktionalen Filmerzählungen zur Roten Kapelle vorgenommen - einen ostdeutschen DEFA-Film und eine westdeutsche Fernseh-Serie, beide etwa zur gleichen Zeit Anfang der 1970-er Jahre entstanden. Diese fiktiven mit bekannten Schauspielern gedrehten, actionreichen Filmbilder benutzt Rettinger wie historisches Quellenmaterial, ohne aber deren eigentliche Herkunft zu verschleiern.«
Rüdiger Suchsland, Telepolis (online-Magazin), Hannover

»Rettinger zeigt, dass fiktionalisierte Bearbeitungen zwar durchaus dabei helfen können, historische Ereignisse zu schildern und zu veranschaulichen – dass sie aber auch ein verfälschtes Bild liefern können, das sich fortan im kollektiven Gedächtnis festsetzt. Da die beiden genannten Werke [›Die rote Kapelle‹ von Franz Peter Wirth und ›KLK an PTX – Die Rote Kapelle‹ von Horst E. Brandt] jeweils nur einen eingeschränkten Blick auf die Aktivitäten des circa 400 Mitglieder umfassenden Netzwerks ermöglichen, lässt Rettinger die fiktionalisierten Stoffe klug ineinander montieren und weist zudem durch aktuelle Erkenntnisse auf Fehler in der Darstellung hin.« Andreas Köhnemann, spielfilm.de, Nierstein

»Spätestens in der zweiten Hälfte ist der Film spannend wie ein Spionage-Thriller, denn als die Wehrmacht den Gruppen auf die Spur kommt, beginnt ein lebensgefährliches Katz-und-Maus-Spiel. Historiker nehmen eine geschichtliche Einordnung der Ereignisse vor, aber der weitaus größere Reiz liegt in den Aussagen der Nachkommen, die zum Teil an den Originalschauplätzen auftreten. Besonders berührend sind die Ausführungen von Hans Coppi, der Rettinger auch als Fachberater unterstützt hat: Seine Eltern gehörten zur Berliner Gruppe. Beide sind 1942 verhaftet und wenige Monate nach Coppis Geburt im Gefängnis ermordet worden.«
Tilmann P. Gangloff, Menschen machen Medien/ver.di, Berlin

»Der Bundesnachrichtendienst, hervorgegangen aus dem Militär-Nachrichtendienst ›Fremde Heere Ost‹ des Generalmajors Reinhard Gehlen, schrieb in einem 400-seitigen Bericht den Gestapo-Mythos fort und warnte vor einer erneuten roten Verschwörung. Auf den haltlosen Beschwörungen basierte eine Titelgeschichte des Magazins ›Stern‹ mit der Überschrift ›Die Agenten sind unter uns‹. Kein Mitglied des Sonderkommandos, das auf die Gruppe angesetzt worden war, ist jemals dafür juristisch belangt worden. 102 Widerstandskämpfer der ›Roten Kapelle‹ wurden hingerichtet, begingen Selbstmord oder starben im KZ. Ihnen ist dieser im besten Sinne aufklärerische und bewegende Dokumentarfilm gewidmet.«
Christian Schröder, Tagesspiegel, Berlin

»Nach 1945 wurden die Taten der ›Roten Kapelle‹ im Osten verschwiegen und im Westen verzerrt. Trepper und Gurewitsch wanderten nach ihrer Rückkehr nach Moskau als Staatshäftlinge in die Lubjanka. Die Sowjetunion brauchte zwanzig Jahre, ehe sie die Widerstandsgruppen in Berlin und Brüssel offiziell anerkannte. In Westdeutschland setzte sich im Zeichen des Kalten Krieges das Geschichtsbild ehemaliger Mitglieder des Nazi-Machtapparats durch, in dem die Kreise um Harnack und Schulze-Boysen als Salonkommunisten und Handlanger Moskaus abgetan wurden. Dies alles wäre ein Thema für einen weiteren Film, den Rettingers Dokumentation nur skizziert. In ihm müsste es darum gehen, wie die Erinnerung an die ›Rote Kapelle‹ zum Spielball der Ideologien wurde – auch in den Filmen von Horst E. Brandt und Franz Peter Wirth. Bei Rettinger be­kommt man im­merhin eine Ahnung davon, unter wie viel Fiktion die Wahrheit damals begraben wurde. Leider bleibt es nur eine Ahnung.«
Andreas Kilb, Frankfurter Allgemeine Zeitung

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