Sorry we missed you

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Sorry we missed you
Sorry we missed you

Großbritannien/Frankreich/Belgien 2019 / Spielfilm / 101 Minuten / 9.-13. Jahrgangsstufe

Inhalt

»Sie werden Herr über Ihr eigenes Schicksal, Ricky. Das trennt die Gewinner von den Losern.« Das Einstellungsgespräch ist kurz und knackig, aber eigentlich sind es nur Bullshit-Sätze, die das Scheitern schon vorausahnen lassen. Kein Wort über Risiken und mögliche Verluste. Wer wirklich will, der schafft es auch. Eine Philosophie ganz in Rickys Sinn. Er will dabei und endlich selbständig sein. Sein Schicksal selbst in die Hand nehmen, für die Familie etwas Neues aufbauen. In der Finanzkrise haben sie ihr Haus verloren, jetzt ist Zeit für einen weiteren Versuch, als Franchise-Nehmer eines Paket-Zustelldienstes: PDF = Parcels Delivered Fast. 1.000 Pfund Anzahlung und ein eigener Lieferwagen, das sind die Voraussetzungen. Allerdings muss seine Frau Abby für die Anschaffung des Vans ihr Auto verkaufen. Jetzt klappert sie mit dem Bus mühselig ihre traurige Tagestour als Altenpflegerin ab. Fahrtzeiten werden natürlich nicht bezahlt, Fürsorge und Mitgefühl ebenso wenig. Zwei prekäre Jobs und zwei pubertierende Kinder, das führt die Familie rasch an die Grenzen. Die Nerven liegen blank, und als Ricky die Hand ausrutscht bei seinem Sohn, ist eine Grenze überschritten. Der Traum von der Freiheit und wachsendem Wohlstand kann unter diesen Verhältnissen nur ein Trugbild sein.

Schöne neue Arbeitswelt oder: Die Kraft der Schwachen in einem Film über unsere Zeit.

Fotos: NFP marketing & distribution*, Berlin

Themen

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Fächer

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»Dabei sind es nicht die präzise beobachteten Etappen ihres Scheiterns, die die Geschichte so herzzerreißend machen, sondern die Momente zwischendurch, in denen es so aussieht, als könnten sie es doch noch schaffen. Ein Mann und ein Mädchen, beispielsweise, im Führerhaus eines Kleintransporters, und unter ihnen, im Tal, die Stadt. ›Sorry we missed you‹ steht auf den Zetteln, die Ricky abwesenden Paketempfängern in die Briefkästen wirft. Ein unabgeholtes Paket ist kein Unglück. Diesen Film zu verpassen aber wäre ein Fehler.«
Andreas Kilb, Frankfurter Allgemeine Zeitung

»Der Zuschauer fühlt sich bald wie ein weiteres Mitglied dieser Familie, die um ihren Zusammenhalt kämpft. Mit viel Feingefühl zeigen Loach und Laverty, wie die Figuren einander emotionale Verletzungen zufügen und dann verzweifelt versuchen, diese wiedergutzumachen. Dabei wirkt ›Sorry We Missed You‹ nie pathetisch oder rührselig. Er zeigt einfach nur Menschen, die sich bei allen noch so heftigen Auseinandersetzungen sehr lieben.«
Lars-Olav Beier, Der Spiegel, Hamburg

»Du kriegst dein Leben zurück! So lockte Boris Johnson die deregulierten Seelen in die Wärmestube der nationalen Gemeinschaft, wo sie angeblich wieder eine Würde haben und auch einen Wert. Ob Ricky darauf reingefallen wäre? Man weiß es nicht, er hat Stolz, aber kein Klassenbewusstsein, denn die working class gibt es in diesem großen, von Wut durchtränkten Film nicht mehr, es gibt nur noch eine anonyme Menge aus Einzelkämpfern, Konkurrenten und abgründig Fremden. Für Ken Loach ist das Kapitalismus in seiner rohesten Form.«
Thomas Assheuer, Die Zeit, Hamburg

»Loach dreht  seine Filme chronologisch, gibt den Schauspielern immer nur ein paar Seiten des Skripts. Zum Teil wissen sie nicht, was das Gegenüber als nächstes tun wird. So kitzelt er aus den Laien Emotionen, die manche Stars auch nach Jahren auf Filmschulen nicht hinbekommen.
Es entsteht so ein Sozialdrama, bei dem man bis zum Ende den Atem anhält — und danach beschließt, bei Amazon so schnell nichts mehr zu bestellen.«
Maria Wiesner, kino-zeit.de, Mannheim

»All das könnte etwas weniger dramatisches Pathos und ein bisschen mehr Humor vertragen. Dennoch gelingt dem inzwischen 83-jährigen Regisseur eine eindrucksvolle Darstellung der psychischen und sozialen Folgen der so genannten ›Gig Economy‹, in der Pseudo-Selbstständige sich um jeden kleinen Einzelauftrag bemühen müssen. Damit macht Loach ökonomische Zusammenhänge sichtbar, die oft ignoriert werden. Das ist verdienstvoll und sehenswert – gerade für diejenigen, die genervt sind, wenn ihr Paket mal wieder nicht rechtzeitig ausgeliefert wird.«
Philipp Rhensius, kunst+film.de, Kassel/Berlin

»Auch wenn Ken Loach sehr deutlich ein Lehrstück erzählt, in dem die Fronten etwas schematisch gestaltet sind, bleiben die Charaktere in Rickys Familie sensibel gezeichnet und berühren durch ihren Kampf darum, einander nicht zu verlieren. Wenn Abbies Warmherzigkeit und Güte in der eigenen Erschöpfung immer mehr verloren geht, oder wenn man das Ende der Kindheit ihrer Tochter spürt, die an ihrem Versuch des Krisenmanagements zerbricht, dann bekommt man eine Ahnung davon, was gesellschaftlich auf dem Spiel steht, wenn man den Markt über die Würde des Menschen stellt. Dem 83-jährigen Regisseur ist erneut ein Alterswerk gelungen, das in seiner Kritik kaum aktueller und dringlicher sein könnte.«
Silvia Bahl, filmdienst.de, Bonn

»Scharf beobachtet, emphatisch und voll gerechter Verbitterung: Ken Loachs beklemmendes Gesellschaftsbild lenkt den Blick auf die Leidtragenden eines unmenschlichen Jobmarkts. Die authentischen Figuren sind macht- und mittellose Vertreter der kollabierenden Arbeiterklasse. Naturalistisches Schauspiel vermittelt schmerzlich, wie ständige Herabwürdigung die moralische Integrität der Charaktere erodiert. Loachs typischer Galgenhumor erhellt nur sporadisch die triste Realität. Doch gerade diese herbe Lebensnähe und schonungslose Systemkritik braucht nicht nur ein Prekariat zwischen Zukunftsangst und Altersarmut dringender als Feel-Good Movies.«
Lida Bach, moviebreak.de, Kassel

»Der Brexit kommt in der Geschichte nicht vor, obwohl der Film in einer Zeit entstanden ist, als er in Großbritannien Dauerthema war. Auf welcher Seite der Debatte stünden Abbie und Ricky? Vielleicht auf keiner. Als Rassisten kann man sich die beiden nicht vorstellen, aber ansonsten könnte man ihnen viel erzählen. Um herauszufinden, ob die EU sie um ihre Rechte als Arbeitnehmer gebracht hat, hätten sie schlicht keine Zeit.«
Susan Vahabzadeh, Süddeutsche Zeitung, München

»Wie immer bei Loach gibt es leichte und zarte Momente. Seine Helden verlieren auch im Moment des Untergangs nicht den Humor. Und doch ist es erschütternd mitanzusehen, wie die Kettenreaktion in diesem kafkaesken Szenario ihren unvermeidlichen Lauf nimmt. Weil man sich jederzeit in dem immer gehetzteren Blick von Hauptdarsteller Kris Hitchen wiedererkennt, der hinter dem Steuer seines Lieferwagens im Verlauf des 100-minütigen Films vor den Augen des Zuschauers um Jahre zu altern scheint – ein Untoter, der nicht sterben darf, um mit dem Eröffnungsfilm des 72. Festival de Cannes zu sprechen.«
Thomas Schultze, Blickpunkt:Film, München

»It might occasionally overdo the ›salt-of-the-earth‹ characteristics of the parents and some of the people they have to deal with in their work; but sentimentality is generally held firmly at by a pleasingly acerbic sense of humour and by Loach and Laverty’s customary concern for authenticity. There are no real villains here – even Ricky’s self-proclaimed nasty-bastard ‘boss’ at the franchise is shown merely to be a cog in the gig-economy machine, part of a system that exploits everyone but the shareholders – and no sermonising as such, although there are a number of exchanges which make very clear why Ricky and Abby’s hopes turn to confusion and despair.«
Geoff Andrew, British Film Institute (bfi), London

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