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Die Adern der Welt

Deutschland/Mongolei 2020

 

 

»Wir sollten das Geld nehmen und wegziehen, bevor sie uns gar nichts mehr geben.« Die junge Frau versucht, ihrem Ehemann ins Gewissen zu reden, doch der lässt sich nicht überzeugen. Er will sich nicht vom Land seiner Vorfahren vertreiben lassen, will nicht klein beigeben im Streit mit den Mächten, die den Boden aufreißen und nach dessen Schätzen suchen. 20 Prozent der mongolischen Fläche sind bereits als Bergbaugebiet ausgewiesen, zumeist haben global waltende Konzerne die Hand darauf. Der elfjährige Amra erlebt den Streit der Eltern und steht auf der Seite des Vaters. Erst recht, als der bei einem Autounfall ums Leben kommt und der Nomadengemeinde nun der Sprecher und Verhandlungsführer fehlt. Die meisten haben schon unterschrieben und die Ausgleichszahlungen angenommen, der ungleiche Kampf scheint entschieden. Die Mutter möchte weg, weil sie allein aus dem Verkauf von Ziegenkäse die Familie nicht über die Runden bringen kann. Nun liegt es an Amra, über sich hinauszuwachsen und das Vermächtnis des Vaters zu erfüllen: Er wird, beim TV-Talentwettbewerb in der Hauptstadt, das Lied von den »Adern der Welt« singen – und alle in seiner Heimat sehen und hören ihm zu.

In weiter Ferne, ganz nah: Bilder von großer Schönheit, Bilder eines drohenden Verlusts.

Fotos: Pandora Film, Aschaffenburg


 

Themen

Heimat, Heimatverlust, Mongolei, Nomaden, Tradition/Moderne, Fortschritt, Werte, Familie, Familien- und Generationsbeziehungen, Vater-Sohn-Beziehung, Trauer und Tod, Identität, Ökologie, Bodenschätze, Landschaftsveränderung/-zerstörung, Zivilcourage, Musik, Begabungen und Talente, Talentwettbewerbe, Medien

 

Fächer

Deutsch, Sachunterricht, Lebensgestaltung-Ethik-Religionskunde, Musik, Darstellendes Spiel, Geografie

 

Kritikerstimmen

»Die 1971 geborene Byambasuren Davaa, die als Moderatorin beim mongolischen Staatsfernsehen begann, in Ulaanbaatar ihr Filmstudium aufnahm und später in München fortsetzte, gilt als wichtigste Regisseurin der Mongolei. Diesen Ruf begründete sie mit der deutsch-mongolischen Koproduktion »Die Geschichte vom weinenden Kamel« (2003), einem Dokumentarfilm über eine Nomadenfamilie, der neben anderen internationalen Preisen auch eine Oscar-Nominierung erhielt. Um so erstaunlicher, dass es ihr sehr schwer gemacht wurde, ihren ersten Spielfilm zu finanzieren. Ohne den energischen Einsatz der RBB-Redakteurin Cooky Ziesche, so die Produzenten, hätte der Film nicht realisiert werden können.«
Frank-Burkhard Habel, junge Welt, Berlin

»Am schönsten aber sind die stillen starken Sekunden, mit denen keiner gerechnet hat. Ich erlebte eine nach dem schönsten Film, den ich bisher gesehen habe: ›Adern der Welt‹ im Kinderprogramm [der Berlinale 2020]. Er spielt in der malerischen Landschaft der mongolischen Nomadenvölker. Hier muss sich der elfjährige Amra nach dem Tod seines Vaters früh für ein eigenes Leben entscheiden. Soll er Ziegen durch die Steppe treiben wie seine Mutter? Motoren reparieren wie sein Vater? Mit Glücksrittern in gefährlichen Erdlöchern nach Gold suchen? Oder allein auf sich gestellt singen bei ›Mongolia’s Got Talent‹? Ein Lied über das Land der wandernden Nomadenzelte, das für die Schätze von wenigen zerschürft wird und in dem die Menschen seit Jahrhunderten sagen: ›Wenn die letzte Ader Gold aus der Erde gezogen ist, zerfällt die Welt zu Staub‹. Jeder hat ein Leben, um ein gutes draus zu machen. Was würde man dafür opfern? Darüber nachzudenken, dafür ist Kino da.« Robert Ide, Der Tagesspiegel, Berlin

»In ruhigen Einstellungen werden traumhafte Landschaftsaufnahmen von der mongolischen Steppe und vom traditionellen Nomadenleben gezeigt, aufgenommen vom libanesischen Kameramann Talal Khoury. Aber auch die Bilder von Erdenes selbstgebauten Mercedes, der sich durch die Landschaft schlängelt, oder von den riesigen aufgerissenen Abbauflächen wirken noch lange nach [...] Der Film eignet sich sicherlich besonders für ein junges Publikum, vermag jedoch mit seinen eindringlichen Bildern und seiner umwerfenden Geschichte auch Erwachsene zu bewegen.« Bärin, uncut.at, Graz





zuletzt aktualisiert am 04.11.2020

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