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Beale Street
If Beale Street Could Talk

 

 

 

»Ich mag Menschen, die sich lieben.« So überraschend einfach kann es sein, wenn einem der Hausbesitzer eine Wohnung vermieten will. Nachdem man schon ewig gesucht hat und dann doch immer wieder abgesagt wurde: Die Hautfarbe spricht dagegen. Aber dieser junge jüdische Mann erkennt in Tish und Fonny wohl etwas Besonderes. Eine Glück ausstrahlende Aura liegt über dem Paar, eine warme Farbenpracht hüllt sie ein. New York, Anfang der 1970er. Die beiden kennen sich aus Kindertagen und planen ihre gemeinsame Zukunft. Doch wenig später trennt eine dicke Glasscheibe ihre Begegnung, wenn Tish ihren Geliebten im Gefängnis besucht. Eine puerto-ricanische Frau hat Fonny der Vergewaltigung bezichtigt, was gar nicht sein kann, weil er zur Tat weit entfernt war von jenem Ort. Tishs Familie tut alles, um Anklage und Verurteilung abzuwenden, letztlich vergebens. Die Wahrscheinlichkeit, dass einem Unschuldigen die Gesellschaft zum Albtraum werden kann, ist höher, wenn man schwarz ist. »Die Beale Street ist unser Erbe«, schrieb James Baldwin.

Ein erschreckend schöner Film. Bilder, Farben, Musik – vielfach grandios!

Fotos: DCM Film Distribution, Berlin


 

Themen

Familie, Familien-, Geschwister- und Generationsbeziehungen, Liebe, Geschlechterrollen, Identität, Rassismus, Diskriminierung, Gewalt, Bürgerrechte, Recht und Gerechtigkeit, Polizei- und Justizgewalt, Strafrecht/Rechtssystem, Werte, Empathie, Vertrauen, Verantwortung, Religiosität, Filmsprache, Filmmusik, Black Cinema, Literaturverfilmung

 

Fächer

Lebensgestaltung-Ethik-Religionskunde, Politische Bildung, Deutsch, Literatur, Kunst, Geschichte, Englisch, Psychologie

 

Kritikerstimmen

»›In die Vergangenheit zurückzuschauen‹, sagt Barry Jenkins über die Aktualität des Romans, ›ist in mancher Hinsicht mächtiger als ein Blick auf die Gegenwart. Es ist beschämend: Wie zur Hölle konnten wir dieses Problem bis heute nicht lösen?‹ Zwei Sequenzen mit Schwarz-Weiß-Fotografien, inspiriert von Gordon Parks’ Fotoessay ›A Harlem Family‹, stellt Jenkins an den Beginn und ans Ende seines Films. Schwarze Kinder und junge Männer in den Straßen New Yorks. ›Children of our Age‹ nennt Baldwin sie in ›If Beale Street Could Talk‹.« Andreas Busche, Der Tagesspiegel, Berlin

»›Die Liebe hat euch hierher gebracht‹ – Jenkins hat im Vorfeld seiner Adaption von ›If Beale Street Could Talk‹ immer wieder betont, wie sehr ihm vor allem diese Zeile aus Baldwins Roman unter die Haut ging und bei der Umsetzung des Materials regelrecht zum Mantra wurde. Das Resultat dieser offensichtlichen Seelenverwandtschaft zwischen dem engagierten Romantiker Baldwin und einem ihm gleichgesinnten Regisseur lässt sich schließlich in jeder Faser, jedem Pulsschlag dieses wunderbar melancholischen Films spüren [...] ›Beale Street‹ ist Kino vom Feinsten: aufregend, poetisch und bewegend zugleich. Ein Film über die Liebe wie über das Leben, über die Wut im Bauch und die Ungerechtigkeit auf den Straßen, gestern wie heute und morgen.« Pamela Jahn, ray Filmmagazin, Wien

»In satte Farben und weiches Licht taucht er seine Figuren, erzählt in lyrischen Rückblenden von der idealisierten Liebe zwischen Tish und Alonzo, einer Liebe, so scheint es, die alle Hindernisse überstehen wird. Man mag das als kitschiges Märchen betrachten, als Illusion, die die Realität von Gefängnis, Rassismus und alleinerziehenden Müttern ignoriert. Vielleicht ist es aber auch eine notwendige Illusion, mit der eine bessere Welt beschworen wird und der Ungerechtigkeit der Realität eine zumindest im Kino mögliche Alternative entgegengesetzt wird.«
Michael Meyns, programmkino.de, Osnabrück

»Auch verwendet Jenkins wie schon im Vorgängerfilm besondere Farbfilter, die sich durch die gesamte Story ziehen. Während es in ›Moonlight‹ vor allem kühle Blautöne waren, ist in ›Beale Street‹ alles gelb und grün: Von der Anfangssequenz an, in der das Paar durch gelbes Laub spaziert, scheint den gesamten Film über Herbst zu sein, obwohl mindestens eine komplette Schwangerschaft nacherzählt wird. Zudem ist in jeder Szene ein grünes Detail: ein Vorhang, der Boden, ein Pullover, die Tür. Die Farbe der Hoffnung zieht sich bis zum bitteren Ende dieses Films, dessen Hauptfiguren ihren Optimismus trotz allen Elends nicht aufgeben werden.« Fatma Aydemir, taz, Berlin

»Der Film ist gütig. Seine Farben werden durch die für den Oscar nominierte Musik von Nicholas Britell vertieft, die von einer einsamen Trompete bis zu bebenden Streichern reicht. Wie bei ›Moonlight‹ schauen die Charaktere manchmal direkt in die Kamera, in unsere Augen. Und dann, wie eine Ohrfeige, kommen schwarz-weiße Fotografien von Männern, Frauen und Kindern, die von weißen Polizisten brutal behandelt werden. Baldwins Worte, erzählt von Tish, schneiden dann wie stumpfe Sicheln in weiches Fleisch.« Marietta Steinhart, Die Zeit, Hamburg

»Barry Jenkins besitzt, das ist schon in ›Moonlight‹ zu sehen, ein souveränes Gespür für Atmosphäre, für das, was an Emotionen zwischen Menschen und in Räumen zirkuliert. Kaum ein anderer Regisseur der Gegenwart kann das Timbre eines Moments so stimmig einfangen; nur wenige können eine solch einnehmende Nähe zu ihren Charakteren herstellen. In ›Beale Street‹ erweckt er, inspiriert von der Straßenfotografie von Gordon Parks und Jack Garofalo, eine Epoche zu pulsierendem Leben, in der er noch nicht geboren war. Es gelingt ihm, einem Melodram romantische Integrität zu verleihen, das der harschen Realität trotzt, ohne die Augen vor ihr zu verschließen. Ohne die Perspektive von Tish wäre das nicht gelungen; sie filtert den Zorn, den ihr Autor empfand.« Gerhard Midding, epd film, Frankfurt/Main

»Beinahe noch beeindruckender (als Tishs Mutter/d.Red.) ist die Figur von Ernestine, Tishs Schwester, und ihre energische Aufforderung: ›Erhebe deinen Kopf, Schwester!‹ Was so viel heißt wie: Niemals sollst du dich schämen, nicht als Schwarze, nicht als Frau, nicht als schwarze Frau und schon gar nicht als eine, die schwanger ist. Gäbe es einen Oscar für schwarzes weibliches Empowerment, dann hätte die Schauspielerin Teyonah Parris ihn mehr als verdient.«
Philipp Stadelmaier, Süddeutsche Zeitung, München

»Baldwin fühlte sich den Tatsachen verpflichtet, auch wenn sie kein gutes Bild auf seine Charaktere warfen. Allein deshalb lohnt es sich in diesem Fall, neben dem Film auch zum Buch zu greifen. Jenkins unterdrückt diese geschlechterspezifische Gewalt in seinem Film. Dass der junge Regisseur Dinge verharmlosend darstellt, um bestimmte Effekte zu erzielen, hatte zuletzt Bret Easton Ellis im Zusammenhang seines Oscar-prämierten Dramas ›Moonlight‹ kritisiert. Darin habe Jenkins die körperliche Begegnung seiner beiden Hauptdarsteller auf ein Minimum reduziert, um das Publikum nicht mit echter Homosexualität zu konfrontieren, so Ellis Kritik.« Thomas Hummitzsch, intellectures.de, Berlin

»Barry Jenkins ist u.a. dafür bekannt, dass er herkömmliches Filmmaterial als quasi ›rassistisch‹ bezeichnet, weil er sich nur durch die Möglichkeiten der digitalen Aufzeichnung und der Farbbearbeitung in der Lage sieht, die filigranen Nuancen dunkler Hautfarben adäquat wiederzugeben. Entsprechend ist Jenkins auch ein Regisseur, der unglaublich viel Arbeit in jede Einstellung, fast jedes einzelne Frame steckt. Das konnte man schon bei ›Moonlight‹ beobachten, in If Beale Street Could Talk ist es noch auffälliger. Die Szenenbilder, die Kostüme, die Musik, die kleinen Details (Rheingold-Bierflaschen), die Kameraführung, die Lichtsetzung ... Jenkins macht einen Kinobesuch zu einem Fest, bei dem man sich fast nicht sattsehen kann.« Thomas Vorwerk, satt.org, Berlin



zuletzt aktualisiert am 05.11.2020

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