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Glück ist was für Weicheier

Deutschland 2018

 

 

»Warum kann ich nicht so lange Beine haben wie die anderen?« Es klingt recht betrübt, wie sich das Mädchen beim Umziehen im Hallenbad mustert. Ihr Vater, der hier als Schwimmmeister arbeitet, findet Jessys Beine lang genug. Aussehen sei auch gar nicht so wichtig. Die 12-Jährige wirkt noch sehr kindlich und wie ein Junge, in der Schule wird sie von einigen gar »Neutrum« genannt. Jessy hat Sorgen und macht es sich schwer: Ihre ältere Schwester kämpft gegen ein schweres Lungenleiden, und der Vater kann, seit 11 Jahren schon, den Tod seiner Frau nicht verwinden. Kein Wunder, dass Jessy Schrullen und Tics ausbrütet und kultiviert: Für sie gibt es gute und schlechte Zahlen und die Kombinationen davon. Unter Druck und Anspannung rubbelt sie dutzendfach ihre Kniestrümpfe hoch und runter. Durch eine okkulte Methode möchte sie das Leben der Schwester retten: In einem aus der Bibliothek geliehenen Buch hat sie von sexuellen Heil-Praktiken gelesen. Nun sucht sie ein männliches Wesen, das mit Brini »den Beischlaf ausübt«, auf dass sich die Krankheit von ihr auf ihn übertrage. Das Experiment scheitert fast zwangsläufig; Jessy muss Abschied nehmen und neu ankommen im Leben.

Abstrus, makaber, komisch und dabei todernst: Ein Film, der unter die Haut geht und vor allem ins Herz.

Fotos: Concorde Filmverleih, München


 

Themen

Außenseiter, Erwachsenwerden, Familie, Familien-, Geschwister- und Generationsbeziehungen, Identität, Toleranz, Freundschaft, (erste) Liebe, Lebensentwürfe, Träume, Glück, Rollen- und Körperbilder, Sexualität, Krankheit, Sterben, Sterbebegleitung, Verlust eines Menschen, Verhaltensmuster, Zwänge, Neurosen, Zusammenhalt

 

Fächer

Lebensgestaltung-Ethik-Religionskunde, Deutsch, Sozialkunde, Psychologie, Philosophie

 

Kritikerstimmen

»Ella Frey war bereits als junge Anne Frank zu sehen und verkörpert ihre erste Hauptrolle, die zwangsgesteuerte Jessi, absolut überzeugend. Martin Wuttke ... spielt den Vater zwischen verständnisvollem Vorbild und überfordertem Alleinerzieher mit einer natürlichen Leichtigkeit. Emilia Bernsdorf versinkt als todkranke große Schwester nie in Vorabendserien-Kitsch-Klischees. Sein Ensemble und die vielen kleinen Figuren, die sich drumherum scharen, machen ›Glück ist was für Weicheier‹ zu dem, was er ist: Ein rundum überraschender Glücksfall fürs Kino.«
Lars Tuncay, filmtabs.de

»Wenn ›Glück ist was für Weicheier‹ von einer Familie erzählt, die auf eine ganz eigene Weise mit Trauer und Schmerz umzugehen versucht, dann kommt hier das Alltägliche und das Ungewöhnliche zusammen, das Komische und das Tragische. Das ist allein schon der wunderbaren Hauptdarsteller wegen sehenswert, wird trotz gelegentlicher Schwächen zu einem der bewegendsten Filme der letzten Zeit.« Oliver Armknecht, film-rezensionen.de, München

»In der Zeichnung der zahlreichen Neurosen, die Jessica und Stefan prägen, ähnelt ›Glück ist was für Weicheier‹ eher amerikanischen Komödien wie ›Little Miss Sunshine‹. Die Ernsthaftigkeit, mit der oft eine Szene später dann Fragen von Leben und Tod verhandelt werden, ist eines Dramas würdig. Das dieser Spagat gelingt, ist bemerkenswert und nicht zuletzt Ella Frey zu verdanken, die problemlos neben Martin Wuttke besteht und eine komplexe Mischung aus Kindlichkeit, Neurosen und Reife verkörpert.« Michael Meyns, indiekino.de, Berlin

»Ein skurriler Autounfall, der wie der Psychotherapeut für seinen Job als Sterbehelfer nur eingeschränkt taugliche Vater, eine seltsame Zweckfreundschaft zwischen Jessie und ihrem größten Feind, eine Küchenmaschine als kathartisches Wunderwerkzeug, Aleister Crowley und ein Zwangstagebuch, wer sich dem Charme dieses Films verschließt, ist selbst schuld […] Wenn man nur offen ist, kann man selbst im Text von Bonnie Tylers ›Total Eclipse of the Heart‹ anrührende Wahrheiten entdecken.«
Thomas Vorwerk, satt.org, Berlin

»Ella Frey macht exakt das, was Julius Weckauf als Hape Kerkeling hingekriegt hat. Sie nimmt den Film mit all seinem Gewicht auf die Schultern und trägt ihn zum Erfolg […] Das ›Glück‹ der Anca Miruna Lăză­rescu ist kein perfekter Film. Aber einer, von denen man gern mehr sehen würde in Deutschland. Stille Filme, in denen alles Mögliche passieren kann, gern auch bei Kindern, falls sie so geradezu extremistisch begabt sind wie Frey und Weckauf. Filme auch, in denen Humor gewagt wird, nachtschwarz und lebenswahr, was ja in Deutschland eine eher tote Kunst ist. Und in denen ein Herz schlägt. Filme, die fein tanzen auf des Messers Schneide zwischen Kitsch und Tiefe.« Elmar Krekeler, Welt, Berlin

»Die Kern­ge­schichte von ›Glück ist was für Weicheier‹ (ist) stark genug, um am Ende zu über­zeugen. Nicht nur, weil sich Lăzărescu wieder subti­leren Spiel­arten des Humors zuwendet, sondern auch weil sie dem Tod dann doch bereit ist, ins Auge zu schauen und über­zeu­gend zeigt, dass auch jugend­li­chen Menschen mehr zugemutet werden kann, als es in unserer arg behüteten Erzie­hungs­land­schaft allgemein üblich ist.«
Axel Timo Purr, artechock.de, München


»Die junge Ella Frey ist hinreißend in der Rolle der jüngeren Schwester, die zwischen Niedergeschlagenheit und Rettungsengel-Elan hin und her geworfen wird. Auf der Suche nach neuen Wegen landet der Film jedoch auch gelegentlich in allzu grotesken Fahrwassern. Das gilt vor allem für die Vaterfigur, die als unbeholfener Don Quijote angelegt ist, von Martin Wuttke jedoch oft an der Grenze zur Hölzernheit gespielt wird. Aber das sind nur kleine Mangelerscheinungen in einem Film, der sich sich dem Thema Trauer und Verlustangst auf mutige, sensible und erfrischende Weise nähert, ohne die komplexen Gefühlswelten seiner Figuren ins leicht verdauliche Mainstream-Format zu banalisieren.« Martin Schwickert, Südkurier, Konstanz

Ella Frey trägt auch die kleine, aber für das Gesamtgefüge des Films ungemein wichtige komödiantische Ebene. Bei ihrer Führung hat Lazarescu sorgsam darauf geachtet, dass nicht die Rolle, sondern die jeweiligen Umstände komisch sind, etwa Jessis Besuche bei einem etwas ratlosen Therapeuten (Christian Friedel), der ihr nutzlose Flirt-Tipps gibt, oder ihr daraufhin vergeblicher Versuch, sich an den Schulschwarm (Tim Dieck) ranzumachen, der sie prompt für schwul hält. Sehr interessant neben den stimmigen Bildern für Jessis Innenwelt (Kamera: Christian Stangassinger) ist auch die Musik (Ketan und Vivan Bhatti), die mit ihrer Mischung aus Gute-Laune-Melodien und schwermütigen Untertönen die Handlung perfekt untermalt.

»Ella Frey trägt auch die kleine, aber für das Gesamtgefüge des Films ungemein wichtige komödiantische Ebene. Bei ihrer Führung hat Lazarescu sorgsam darauf geachtet, dass nicht die Rolle, sondern die jeweiligen Umstände komisch sind, etwa Jessis Besuche bei einem etwas ratlosen Therapeuten (Christian Friedel), der ihr nutzlose Flirt-Tipps gibt, oder ihr daraufhin vergeblicher Versuch, sich an den Schulschwarm (Tim Dieck) ranzumachen, der sie prompt für schwul hält. Sehr interessant neben den stimmigen Bildern für Jessis Innenwelt (Kamera: Christian Stangassinger) ist auch die Musik (Ketan und Vivan Bhatti), die mit ihrer Mischung aus Gute-Laune-Melodien und schwermütigen Untertönen die Handlung perfekt untermalt.«
Tilmann P. Gangloff, tittelbach.tv, Berlin





zuletzt aktualisiert am 12.11.2020

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