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Jeder schweigt von etwas anderem

Deutschland 2006

 

Inhalt
Jede Familie hat ein Geheimnis, einen dunklen Punkt, den keiner berühren will. Ihrer liegt in einem Land, das heute gar nicht mehr existiert: eine Reiseleiterin, ein Pfarrerehepaar, ein Schriftsteller. Weil sie damals nicht schweigen wollten, wurden sie zu Staatsfeinden – jetzt haben sie Angst vor den Fragen ihrer eigenen Kinder. Der Film zeigt drei Familien auf der Suche nach dem richtigen Umgang mit ihrer DDR-Vergangenheit. Anne, Utz, Matthias und Tine waren im selben Alter wie ihre Kinder heute, als sie in der DDR zu hohen Haftstrafen verurteilt wurden. Sie alle schwanken zwischen Berührungsangst und der Sehnsucht nach Austausch, denn es gibt Risiken und Wunden, die keiner aufreißen will. Anne wurde als junge Mutter zum gefährlichen Staatsfeind erklärt. Der Entzug ihres anderthalb Jahre alten Sohnes bleibt eine Narbe, die auch ihre Eltern bis heute schmerzt. Utz geriet schon als Schüler ins Visier der Staatssicherheit. Heute berichtet er fremden Kindern von seiner Vergangenheit, während seine eigenen Töchter Angst davor haben, ihn oder sich selbst mit ihren Fragen zu verletzen. Matthias und Tine wurden zusammen verhaftet. Heute verarbeiten sie ihre Erlebnisse gemeinsam und konfrontieren die Verräter von damals mit ihrer Geschichte, obwohl ihre Kinder dafür nicht immer Verständnis haben. Mit seinem eigenen Vater jedoch kann Matthias nicht mehr über dessen Stasi-Verwicklungen sprechen.

Themen
Deutsche Geschichte (DDR/Nachwende), Vergangenheits"bewältigung", Staatssicherheit, Ethik und Moral, Generationskonflikte, Vertrauen und Verrat, Schuld und Sühne, Gerechtigkeit und Wiedergutmachung, Reden und (Ver-)Schweigen

Fächer
Deutsch, Geschichte, Politische Bildung, Lebensgestaltung-Ethik-Religionskunde

Pressestimmen
»Reden oder Schweigen, das ist die Frage […] Reden oder Nichtredenkönnen, das ist auch das Thema von Marc Bauders und Dörte Frankes Dokumentarfilm. Dreimal Leben, dreimal Schweigen. Drei Familien, die mit der Vergangenheit kämpfen, und damit, was sie davon erzählen sollen […] Über den Nationalsozialismus und die eigenen Verstrickungen berichten die letzten Zeitzeugen derzeit vermehrt. Wahrscheinlich muss erst eine Enkelgeneration heranwachsen, bis auch die DDR so aufgearbeitet wird. Man umkreist sich vorsichtig, und kommt sich nicht näher. Drei Leben, dreimal Schweigen. Jedes wäre einen eigenen Film wert gewesen.«
Christina Tilmann. Tagesspiegel, Berlin

»Es geht allein um die ehemaligen Häftlinge und ihre heutigen Emotionen. Die Kamera überfliegt bei deren Erzählungen bisweilen die mittlerweile verlassenen Originalschauplätze im Gefängnis. Der Zuschauer sieht verwaiste Zimmer, ausgeräumte Schränke und leere Bänke. Die Täter leben zwar längst noch unter uns, haben sich aber irgendwie verflüchtigt. Geblieben sind die Opfer und ihre anhaltenden Albträume. Auf einnehmende Weise bietet ›Jeder schweigt von etwas anderem‹ Hintergrundinformationen zu Filmen wie 'Das Leben der Anderen' und ein Kontrastprogramm zu Komödien wie ›Good Bye, Lenin!‹ Der Dokumentarfilm setzt somit einen weiteren wichtigen Mosaikstein ins Gefüge der cineastischen Auseinandersetzungen mit der DDR-Vergangenheit.«
Oliver Zimmermann, ddp

»Die Opfer von damals tragen noch immer schwer an ihrer Erinnerung, die sie nicht teilen können mit denen, die nicht fragen können: ihren Kindern. Es ist ein Teufelskreis des familiären Schweigens […] Die beiden Filmemacher nähern sich den hervorragend ausgewählten Personen zurückhaltend an und reißen so manche Mauer in den Köpfen ein.«
Christine Deggau, rbb Kulturradio



zuletzt aktualisiert am 21.05.2013

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