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Fritzi – Eine Wendewundergeschichte

Deutschland 2019

 

 

»Du hast keine Ahnung, was hier abgeht!« Bela ist der Neue in Fritzis Klasse – und fällt nicht nur dadurch auf, dass er kein rotes Pionierhalstuch trägt. Fritzi hat durchaus mitgekriegt, dass die Stimmung zu Beginn des neuen Schuljahres anders ist als sonst. Vor allem aber beschäftigt sie, weshalb ihre beste Freundin noch immer fehlt. Sophie war mit ihrer Mutter in den Urlaub nach Ungarn gefahren und hatte »Sputnik«, den geliebten Hund, in Fritzis Obhut gelassen. Längst müsste sie zurück sein, ruft aber nur aus Budapest an. Bela scheint mehr zu wissen, was in Leipzig los ist – und nimmt Fritzi in die Nikolaikirche mit, wo sich Menschen zum Montagsgebet versammeln. Nachrichten im West-TV zeigen Bilder von Demonstranten, auch Fritzi ist zu erkennen. Die Eltern sind in höchster Sorge, die Schule droht Konsequenzen an. Doch immer mehr reihen sich in die Montagsdemos ein, immer lauter werden ihre Proteste, bis am 9. November das absolut Unglaubliche passiert. Tags darauf fährt Fritzi mit »Sputnik« gen Westen, ihrer Freundin entgegen.

Klug, einfühlsam, authentisch: Der historische Herbst 89 für die Kinder von heute.

Fotos: Weltkino Filmverleih GmbH, Feldafing

 

Themen

Familie, Familien- und Generationsbeziehungen, Freundschaft, Heimat, Identität, DDR-Geschichte, Ausreise/Flucht, Protest, Kirche, Demonstrationen, Zivilcourage, Diktatur, Demokratie, Mauerfall, Wende, Freiheit, Reisefreiheit, Werte, Schule, Animationsfilm, Literaturverfilmung

 

Fächer

Deutsch, Lebensgestaltung-Ethik-Religionskunde, Geschichte, Kunst

 

Kritikerstimmen

»In der Diskus­sion über Filme, die nach dem Ende der DDR das Leben im selbst ernannten ›Arbeiter-und-Bauern­staat‹ zeigen, hört man immer wieder, die meisten seien von Wessis gemacht. Deshalb präsen­tierten sie nur die westliche Perspek­tive. Dieses Dilemma haben die Produ­zenten quasi salo­mo­nisch gelöst. Die Regie wurde von einem Duo über­nommen. Ralf Kukula wuchs in der DDR auf. Matthias Bruhn in der BRD. Nun, wenn künst­le­ri­sche, perso­nelle Entschei­dungen durch die Quote entschieden werden, fällt das Ergebnis meistens gerecht aus aber auch enttäu­schend. Anders bei diesem Film. Den Regis­seuren ist es kongenial gelungen, das Drehbuch spannend und unter­haltsam zu verfilmen. Als auch, sozusagen nebenbei, die drama­ti­schen, poli­ti­schen Ereig­nisse. Fritzis persön­liche Abenteuer und die Geschichte der DDR gipfeln in einem mitreißenden Höhepunkt, der Öffnung der Berliner Mauer.« Leo Mayer, artechock.de München

»Im Fernsehen laufen die weltbekannten Szenen der Demonstrationen, Genscher in Prag, die Maueröffnung, die sich für immer in unser Gedächtnis eingeprägt haben. Die Realbilder sind im Film noch als Originale erkennbar, aber zur Animation verfremdet, womit die Regisseure Matthias Bruhn und Ralf Kukula eine visuelle Ästhetik als Brücke zwischen damals und heute schaffen und den Ruf ›Wir sind das Volk‹ den friedlichen Protestanten zurückgeben, denen sie gehören. Gleichzeitig machen sie der heutigen jungen Generation Mut, sich weiterhin an den Freitagsdemonstrationen der Umweltbewegung zu engagieren. Fritzi ist im besten Sinne ein Vorbild für die heutige Zeit.«
Katrin Hoffmann, epd film, Frankfurt/Main

»Es gibt eine Filmmusik, die die Szene gut untermalt und gut klingt. Und auch die Dialoge sind gut geschrieben und gesprochen. Das animierte Leipzig von 1989 ist exakt beobachtet und es macht richtig Spaß, sich diese Bilder anzusehen.« 
Stefan Petraschewsky, MDR KULTUR, Leipzig

»Sich dieser Realität im Zeichen­trick­stil anzu­nehmen, ist zunächst schwer vorstellbar. Doch schon die ersten Bilder zeigen absolut stimmig und sehr genau die Struktur der Stadt Leipzig mit ihrer viel­sei­tigen Bausub­stanz, die Atmo­s­phäre in den grünen Hinter­höfen, die prägenden Türme, auch kleine Details wie Plakate von der Leipziger Dokwoche mit der Frie­dens­taube und – das ist wirklich wunderbar gelungen – die unver­wech­sel­bare Niko­lai­kirche mit den grünen Palm­we­deln, Kapi­tellen und weißen Säulen. Am Ende, zum langen Abspann, sind histo­ri­sche s/w-Fotos von den Demonstra­tionen im Herbst 1989 einge­blendet, ein würdiger Abschluss, der auf die realen Ereig­nisse verweist. ›Fritzi – Eine Wende­wun­der­ge­schichte‹ ist ein gelun­gener Beitrag zum 30. Jahrestag der Fried­li­chen Revo­lu­tion, wobei die Stadt Leipzig eine wichtige Rolle gespielt hat.« Christel Strobel, artechock.de, München

»Die Animation im Zeichentrickstil, mit ihren klaren Konturen und den schön und einfach ausgemalten Hintergründen, wirkt sehr ansprechend. Die baufällige Tristesse der DDR-Stadt Leipzig wird abgebildet, ohne sie zu karikieren. Gerade für Kinderaugen hat sie auch eine gewisse Heimeligkeit, sie ist eben Fritzis Stadt. Der Film ist in vieler Hinsicht vorbildlich und dabei sehr didaktisch, wie in ein Abenteuer verpacktes Lehrmaterial. Und er regt Erwachsene zur Diskussion darüber an, inwiefern sich die Essenz dieser Wende, ihre dramatische Fallhöhe so vereinfacht einfangen lässt. Vielleicht werden das die Fragen, die das Kinderpublikum stellt, beantworten.« Bianka Piringer, spielfilm.de, Nierstein

»Nicht zuletzt optisch überzeugen diese Momente, die im Stil den Aquarellbildern der Vorlage nachgeahmt sind, in denen Gerda Raidt die Stimmung des Herbst 89 einfing. Fast dokumentarisch wirken die Szenen in der Nikolaikirche oder auf dem Leipziger Marktplatz, bis ins Detail genau wirkt die Stadt nachgebildet und mit ihr die Atmosphäre, die vor 30 Jahren zur friedlichen Revolution führte. In diesen Passagen gelingt ›Fritzi - Eine Wendewundergeschichte‹ historische Ereignisse kindgerecht aufzubereiten und sowohl als Film zu überzeugen, wie als Ausgangspunkt für weiterführende Diskussionen.« Michael Meyns, programmkino.de, Osnabrück

»Noch bemerkenswerter aber ist, wie diese differenzierte Geschichtsschreibung für Kinder herunterdekliniert und damit für ein junges Publikum interessant und verständlich gemacht wurde. Die Ereignisse um die Wende in der DDR werden konsequent aus Fritzis Sicht erzählt, was nichtsdestotrotz auch für ein erwachsenes Publikum äußerst interessant ist. All ihre Handlungen richten sich ungewollt gegen die Obrigkeit, sie entstehen aus der naiven Logik und Direktheit einer Zwölfjährigen. Es ist ihr ausgeprägter Gerechtigkeitssinn, der Fritzi sich zu einem politisch denkenden Kind entwickeln lässt. Doch bei aller Politik ist Fritzi zuvorderst ein Mädchen, das gern im Baumhaus spielt, mit Hund Sputnik herumtollt und dessen Kniestrümpfe ständig herunterrutschen. 
Barbara Felsmann, kinder-jugend-filmportal.de, Remscheid

»Bestechend aber ist die untergründige Botschaft dieses kleinen, feinen, absolut sehenswerten Films: In der einen Hälfte unserer heutigen selbstverständlich erscheinenden­ gesamtdeutschen Republik gelang einst eine friedliche Revolution. Nun müssen wir alle gemeinsam alles dafür­ tun, um unsere Demokratie und unsere staatsbürgerlichen Freiheiten vor Demagogen zu bewahren­.«
Ina Hochreuther, Stuttgarter Nachrichten



zuletzt aktualisiert am 29.10.2019

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