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Wackersdorf

Deutschland 2018

 

 

»Wir sprechen von einer sauberen, effizienten, zeitgemäßen Hochtechnologie – eine Riesenchance!« Der junge, forsche Mann von der Gesellschaft zur Wiederaufarbeitung von Kernbrennstoffen bringt die Augen des oberpfälzischen Kommunalpolitikers zum Leuchten: 3.000 Arbeitsplätze, wenn Wackersdorf Standort der geplanten atomaren Wiederaufbereitungsanlage wird. SPD-Landrat Hans Schuierer sieht die Region schon in neuer Blüte und beste Aussichten für seine Wiederwahl. Doch ganz so reibungslos scheint das Vorhaben nicht zu realisieren: Einige Naturfreunde und Atomkraftgegner artikulieren bereits ihre Bedenken, und als sich Politik und Polizei über das Recht hinwegsetzen, beginnt Schuierer zu zweifeln. Seinem Gewissen verpflichtet, wird es ein schwerer Weg von Erkenntnis und Wandlung. Angefeindet und bedroht, scheut er keine Machtprobe. Zwei Jahre nach dem Super-GAU von Tchernobyl, nach sieben Jahren Widerstand, wird der Bau der WAA Wackersdorf eingestellt.

Absolut aktuell: ein starkes Plädoyer für Demokratie und Zivilcourage.

Fotos: Alamode Filmdistribution, München


 

Themen

(deutsche) Geschichte, Anti-Atomkraft-Bewegung, Demokratie, Familien- und Generationsbeziehungen, Gewissenskonflikt, Heimat, Ideale, Identität, Kommunikation, Konformismus und Widerstand, Macht- und Sozialstrukturen, Parteien, Politik, Protest, Recht und Gerechtigkeit, Toleranz, Überzeugungen, Verantwortung, Werte, Zivilcourage, ziviler Ungehorsam, Zusammenhalt

 

Fächer

Deutsch, Geschichte, Lebensgestaltung-Ethik-Religionskunde, Politische Bildung

 

Kritikerstimmen

»›Wackersdorf‹ ist ein großartiger politischer, ebenso kluger wie unterhaltsamer Film. Absolut sehenswert, sozusagen Staatsbürgerpflicht. Für ›Chaoten‹, ›verirrte Blumenkinder‹ und solche, die es werden wollen. Wenigstens in Bayern. Und in Sachsen sowieso.« Julia Teichmann film-dienst, Bonn

»Haffner buch­sta­biert dieses so essen­zi­elle ABC unserer poli­ti­schen Vergan­gen­heit – wie auch Gegenwart – mit einem hervor­ra­genden Ensemble und an Origi­nal­schau­plätzen durch, dekli­niert und konju­giert dabei so aufregend, und gleich­zeitig nicht vor großen Gefühlen zurück­schre­ckend, die verschie­densten Grund­dis­po­si­tionen von aktivem und passivem Handeln durch, dass man nach Wackers­dorf unwei­ger­lich seinen eigenen Stand­punkt hinter­fragt. Denke ich nicht nur, sondern handele ich auch genug?«
Axel Timo Purr, artechock.de, München

»Oliver Haffner geht es nicht um eine akribische Chronik der Ereignisse, stattdessen interpretiert er frei, an den Faktenkoordinaten entlang. Alles ist so wie es tatsächlich gewesen sein könnte. Statt ein Schlachtengemälde zu entwerfen, mit Polizeihundertschaften, Wasserwerfern und Rauchbomben, spürt der Film eher den Prozessen der Meinungsbildung und individuellen Lebensgeschichten nach. Der Stoff hat das Zeug zum Politthriller, kommt aber eher im Gewand einer Provinzposse daher, das bayerische Gemüt ist sehr genau aber auch liebevoll getroffen, eine Mischung aus Bauernschläue und Naivität, die allem Ernst zum Trotz immer wieder auch absurd komisch ist.«
Anke Sterneborg, kulturradio vom rbb, Potsdam/Berlin

»Die Geschichte eines im Kern linksaktivistischen Protests als Heimatfilm zu erzählen, ist natürlich eine doppelte Provokation. Gegen die CSU und ihre Trachtenjanker, die sich hier der Vertreter der Atomlobby überstreift, wenn's gerade passt. Aber auch gegen Linke, die gleich "Nazi" schreien, wenn Typen wie Schuierer es wagen, sich für ihre Heimat zu interessieren. Wie eine Provokation fühlt sich der Film aber gar nicht an, dafür ist die Stimmung, die er verbreitet, viel zu gut. Szenen wie das Weißwurst-Essen haben den Charme eines guten Helmut-Dietl-Films.«
Philipp Bovermann, Süddeutsche Zeitung, München

»Mit seiner Kinokamera konzentriert sich Haffner auf sein Kammerspiel. Die großen Schlachten von damals will er nicht noch einmal schlagen – und die Originalaufnahmen sagen auch heute noch mehr, als jede Nachverfilmung sagen könnten. Einmal sehen wir, wie gigantische Maschinen-Klauen einen Baum aus der Erde reißen und in Sekundenschnelle kleinholzen. Sowas lässt einen nicht unberührt im Kinosessel. Und wenn man später, nach dem Film, in den Nachrichten aktuelle Bilder aus dem Hambacher Forst sieht – einem Baumbesetzer wird beim polizeilichen Abtransport der Arm gebrochen, Planierraupen zerstören Holzhäuser – kommt einem Oliver Haffners Film wieder in den Kopf. Kino kann das noch … Menschen bewegen.«
Christoph Hartung, christophhartung.de
, Mainz 

»Mit dem friedliebenden Landrat, der sein blaues Wunder erlebt – und den Johannes Zeiler sorgsam zurückhaltend als einen Familienvater mit Moral und Gewissen spielt –, steht zum Glück eine Figur im Zentrum, mit der sich auch jene identifizieren können, die dem militanten Widerstand gegen die WAA eher skeptisch gegenüberstehen. Sie macht die Geschichte Wackersdorfs als Geschichte auch einer Befreiung für jeden nachvoll­ziehbar.« Alexandra Seitz, epd film, Frankfurt/Main

»›Wackersdorf‹ ist aber eben nicht nur ein Film über eine umstrittene Form der Energiegewinnung. Es ist vor allem auch ein Film über die Mündigkeit des Bürgers, über politische Verlockungen, über politische Gewalt. Regisseur und Co-Autor Oliver Haffner, der bei seinem letzten Kinofilm ›Ein Geschnek der Götter‹ über schauspielernde Arbeitslose sprach, nimmt auch hier wieder die Perspektive des einfachen Volkes ein. Menschen, die nicht wirklich etwas zu sagen haben, deren Anliegen ignoriert werden, die für die Politiker eine letztendlich lästige Angelegenheit sind, sobald sie ihr Kreuz in der Wahlurne gemacht haben.«
Oliver Armknecht, film-rezensionen.de, Falkensee

»Angereichert mit Original-Bildmaterial im Fernsehformat unterstreicht der Film den Gang der Handlung und zeigt: Das ist wirklich passiert. Allerdings ist Wackersdorf auch hier nicht immer explizit, lässt bewusst Leerstellen und stärkt dadurch seine Wirkung, wenn er eben nicht zeigt, was am Ende mit der Baustelle passiert, sondern stattdessen auf die Reaktionen in Deutschland auf das Reaktorunglück in Tschernobyl verweist. Gerade durch diese Szenen am Ende macht der Film nachdenklich auch über aktuellen Debatten wie Politik generell und zeigt, dass man – gerade im Zeitalter von Fake News – vor allem eins nicht verlernen darf als Bürger: das Zweifeln.« Verena Schmöller, kino-zeit.de, Mannheim

»Die recht eigentümliche Genre-Mischung funktioniert deshalb gut, weil der sehr realitätsnahe Film sehr viel Zeitkolorit bietet (besonders an einigen Originalschauplätzen) und weil dazu die Themen Atomkraft und ziviler Ungehorsam unverändert aktuell sind. Eine der am absurdesten klingenden Ideen des Films würde man einem Drehbuchautoren wohl nie durchgehen lassen, wenn sie nicht historisch verbürgt wäre: Als es nicht gelingt, den widerspenstigen Landrat, dessen Unterschrift man zwingend für den Baubeginn braucht, mundtot zu machen, wird einfach flugs ein Gesetz verabschiedet, um das Problem zu umgehen. Dieses trug sogar den inoffiziellen Namen Lex Schuierer.«
Thomas Vorwerk, filmstarts.de, Berlin

»Haffner inszeniert die Geschichte derart realistisch und bodenständig, dass man am Ende genau zu wissen glaubt, wie all das damals genau abgelaufen ist. Und mit der Idee, zwischendrin immer wieder echte Fernsehausschnitte aus den Achtzigerjahren einzuspielen, die mit der Tagesschau zu dem Atomunglück von Tschernobyl ihren zwar tragischen, aber doch irgendwie auch krönenden Abschluss finden, unterstreicht der Regisseur schließlich noch einmal, dass all das hier keine Fiktion ist, sondern einmal beklemmende Wirklichkeit war.«
Antje Wessels, programmkino.de, Osnabrück

»Der Nachteil einer Heldensaga mit Schuierer im Mittelpunkt liegt auf der Hand. Der Einfluss bundespolitscher Entwicklungen bleibt außen vor, und selbst vor Ort verkümmern die führenden Köpfe der Bürgerinitiative zu Nebenfiguren. Der Film erweckt den Eindruck, als sei es vor allem der innere Kampf des Hans Schuierer, der über Bau oder Stopp der WAA entschieden habe. Das entspricht natürlich nicht den Tatsachen. Eine schöne Randnotiz ist hingegen, wie Oliver Haffner die Figur der linksalternativen Aktivistin und anfänglichen Gegenspielerin Schuierers aufwertet. Er besetzt sie mit Anna Maria Sturm, bekannt aus der Heimatfilmtrilogie von Marcus H. Rosenmüller (›Beste Zeit‹). Die Schauspielerin ist die Tochter von Irene Maria Sturm, der prominenten WWA-Aktivistin und späteren Landtagsabgeordneten der Grünen. Anna Maria war selbst bei den Demos dabei, allerdings als Vorschulkind an der Hand ihrer Mutter.« Peter Gutting, cinetastic.de, Hamburg

»All das mag durchaus Teil der Wirklichkeit in den 1980er Jahren gewesen sein, aber man wünschte sich dann doch noch komplexere Figuren in ihren nicht geradlinigen Entwicklungen und Widersprüchen, wie das der Film eingangs wenigstens anreißt. Oder eine genauere erzählerische Betrachtung des Widerstandsmilieus in seinem durchaus spannungsvollen Verhältnis von Einheimischen und Zugereisten, im breiten Spektrum von konservativen Naturschützern bis linksradikalen Autonomen mit fürwahr unterschiedlichen Protestformen und politischen Vorstellungen. Diese Einwände gehen einem beim Betrachten des fraglos sehenswerten Films durch den Kopf. Da hört man plötzlich eine wutschnaubende Stimme, sieht den hochroten Kopf von Franz-Josef Strauß, wie er vor der lautstark protestierenden Schwandorfer Bevölkerung steht: ›Wenn Sie einen Funken demokratischer Disziplin, einen Funken von menschlichem Anstand, einen Funken von normaler Verhaltensweise hätten, dann würden Sie jetzt Ihr Maul halten‹. Und man fragt etwas verlegen in sich hinein: Vielleicht gab es in diesem Konflikt damals doch auch einfach Gut und Böse?«
Jens Brinkmann, zeitgeschichte-online.de, Potsdam 
https://zeitgeschichte-online.de/film/heimat-einmal-anders




zuletzt aktualisiert am 08.11.2018

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