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Was werden die Leute sagen
Hva vil folk si

Norwegen/Deutschland/Schweden 2017

 

 

»Wir alle müssen lügen, um deine Ehre zu retten«, wirft ein Vater empört und voller Zorn seiner Tochter vor. Die Familie ist aus Pakistan nach Norwegen gekommen und hat sich hier eine neue Existenz aufgebaut. Die Traditionen und Werte, die Gebote und Verbote ihrer Heimat bestimmen aber nach wie vor ihr Leben. Der Vater ist zwar stolz auf seine 15-jährige Tochter und schwärmt vor anderen, sie habe das Zeug dazu, Ärztin, Ingenieurin oder Anwältin zu werden. Als er sie dann aber in ihrem Zimmer mit einem Jungen erwischt, ist es vorbei mit dem Verständnis. Zur abschreckenden Strafe wird sie von der eigenen Familie regelrecht nach Pakistan entführt, um unter strenger Aufsicht zur Besinnung zu kommen. Doch auch hier gerät Nisha in Konflikt mit Sitte und Moral, mit den Rollenbildern und Regeln. Der Vater holt sie zurück nach Norwegen, per Skype wird ihre Ehe mit einem pakistanischen Arzt in Kanada arrangiert. Die Ehre scheint wiederhergestellt und Nisha sich zu fügen. Wie wird sie sich entscheiden?

Zwischen den Kulturen: ein wuchtiges Plädoyer für Toleranz und Selbstbestimmung.

Fotos: Pandora Film, Aschaffenburg


 

Themen

Familie, Familien- und Generationsbeziehungen, Gehorsam, Geschlechterrollen, Heimat, Identität, Individualität, Integration, Menschenrechte, Migration, multikulturelle Gesellschaft, patriarchalische Gesellschaft, Rebellion, Sexualität, Toleranz, Tradition/Moderne, Vergebung, Vertrauen, Werte, Zwangsehe

 

Fächer

Deutsch, Lebensgestaltung-Ethik-Religionskunde, Politische Bildung, Sozialkunde

 

Kritikerstimmen

»Die Regisseurin und Drehbuchautorin Iram Haq stammt selbst aus dem kulturellen Kontext ihrer Protagonisten und verarbeitet in ihrem zweiten Spielfilm … eigene Erfahrungen, die sie geschickt mit fiktionalen Details anreichert. So gelingt ihr ein intensiver und erschreckend konsequenter Film über die schier unüberbrückbare Kluft zwischen Tradition und Moderne, der noch lange nachhallt.« Jens Balkenborg, filmstarts.de, Berlin

»›Was werden die Leute sagen‹ erzählt daher zwar in erster Linie, aber nicht nur von Nisha, sondern auch von ihrer Familie: Von ihrem Bruder, der ihr nicht beisteht, aus Gehorsamkeit gegenüber den Eltern, vielleicht aber auch, weil er nun mehr Aufmerksamkeit bekommt. Von ihrer Mutter und ihrer Tante, die sich dem System untergeordnet haben und deshalb nur noch in ihrer Funktion innerhalb der Familie, aber nicht mehr als Individuum existieren. Von ihrem Cousin, der weitaus schwächer ist als Nisha. Dadurch entstehen vielschichtige Figuren in einem komplexen und klugen Film.« Sonja Hartl, kino-zeit.de, Mannheim

»Iram Haq zeigt das schonungslos und mit brutaler Direktheit, mischt Entwicklungsgeschichte und den Widerstreit der Kulturen. Es entsteht das Bild eines verstörenden Systems der sozialen Kontrolle, in dem Väter, Brüder und Onkel zu dessen gewalttätigen Sachwaltern werden und die meist namenlosen Ehefrauen deren willige Helferinnen. In dieser bigott verkorksten Gesellschaft dreht sich alles um die makellose Fassade und das öffentliche Ansehen. Aber auch das norwegische Sozialsystem bleibt hier fragwürdig als eine Parallelwelt: Es fehlen die Mittel, ernsthaft einzugreifen.« 
Ruth Bender, RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND), Hannover

»Dabei verzichtet der Film wohltuend auf den Gestus moralischer Überlegenheit, mit dem derartige Culture-Clash-Szenarien häufig verhandelt werden. Vielmehr vermittelt er eindrücklich, dass es für eine Heranwachsende wie Nisha, die zwischen den Kulturen steht, vermutlich keinen einfachen Ausweg gibt, der sich für sie richtig anfühlt. Das Gleiche gilt wohl auch für ihre Familie – so unnötig die Probleme scheinen, die sie ihrer Tochter bereiten.«
Stephanie Grimm, kunst+film, Kassel/Berlin

»Haqs aufwühlender und doch nie polemischer Film verdeutlicht, dass für individuelle Freiheit, umso mehr an der Schnittstelle unterschiedlicher Kulturen, ein Preis zu zahlen ist. Es ist nicht zuletzt diese Aufrichtigkeit, die den Film zu einem Ereignis macht.« Karl Gedlicka, Der Standard, Wien

»Haqs schonungsloses Drama, das mutig darauf pfeift, was wohl einige ihrer Landsmänner dazu sagen werden, verkommt dank ihrer persönlichen Betroffenheit nie zu einer plumpen und gefährlichen Verurteilung einer anderen Kultur. Stattdessen zeigt es unverblümt, was patriarchale Traditionen für verheerende Schäden anrichten können - sowohl bei den Opfern als auch den Tätern.« 
Gabriele Summen, radio Köln



zuletzt aktualisiert am 08.11.2018

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