Hauptnavigation

Filmernst | Wildes Herz

Filme | Wildes Herz | Inhalt

Unternavigation

 

Wildes Herz

Deutschland 2018

 

 

»Er ist schon ein krasser Mitbewohner, so'n Riesenbaby irgendwie«, sagt einer seiner Zimmergenossen. Jan Gorkow, ›Monchi‹ genannt, ist eine Wucht von Mensch – und als Frontmann von »Feine Sahne Fischfilet« ein Berserker. Laut und direkt, offen und ehrlich – und vor allem antifaschistisch. Einer, der seine Familie und Mecklenburg liebt, und der nicht zulassen will, dass seine Heimat im rechten Sumpf versinkt. Vier Jahre lang hat der Verfassungsschutz FSF observiert, über alle Nazi-Bands zusammen wurde nicht so viel berichtet wie über sie. Freilich, der Punker ist kein Chorknabe: Als Kind schon schloss er sich den Ultras von Hansa Rostock an, für das Abfackeln einer »Bullenschleuder« gab's zwei Jahre auf Bewährung – gefolgt von der Erkenntnis: »Ich will was anderes machen!« 2016, vor der Landtagswahl, starten sie eine große Kampagne gegen Rechts, mit einem Open-Air-Konzert in ›Monchis« Heimatort als Höhepunkt: »Wasted in Jarmen«. 

Ein Film mit klarer Kante: Arsch in der Hose und Herz in der Brust!

Fotos: Neue Visionen Filmverleih, Berlin



 

Themen

Antifaschismus, Biografie, Demokratie, Familie, Fußball-Hooligans, Heimat, Identität, Kunst und Gesellschaft, Linksextremismus, multikulturelle Gesellschaft, Musik, Nationalismus, Politik, Protest, Punk, Rechtsextremismus, Werte, Widerstand, Zivilcourage

 

Fächer

Deutsch, Lebensgestaltung-Ethik-Religionskunde, Musik, Politische Bildung, Sozialkunde

 

Kritikerstimmen

»Über drei Jahre haben Hübner und sein Koregisseur Sebastian Schultz immer wieder mit Gorkow und seiner Truppe gedreht. Heraus gekommen ist das berührende Porträt einer Haltung und das eines Landstrichs und seiner Konflikte. Einerseits erzählen hier wie in einem ganz konventionellen Dokumentarfilm Eltern und Freunde vom kleinen Monchi und wie aus ihm das wurde, was er heute ist. Andererseits erlebt man den engagierten Sänger, wie er in Interviews und Bühnenauftritten seine ›Botschaft‹ rüberbringt, gegen Rassismus und Homophobie, für Offenheit und Toleranz.«
Barbara Schweizerhof, Berliner Morgenpost

»›Wildes Herz‹ ist vieles, zuerst aber eine Coming-of-Age-Geschichte in Zeiten der blühenden Landschaften. In der Bushaltestellenleere der nordostdeutschen Provinz gehörte die Sozialisation mit neonazistischen Bands wie Landser zum unhinterfragten Bildungserlebnis, wie Gorkow erzählt. […] Durch den Film versteht man, warum es wichtig ist, sich zu positionieren und Solidarität zu üben. Und, so dämlich wie das klingt: wie das überhaupt geht. Auch deshalb ist ›Wildes Herz‹ ein berührender und wichtiger Film für Deutschland im Jahr 2018. 
Matthias Dell, SpOn/Spiegel online, Hamburg

»Rassismus und Sexismus, sagt er einmal, habe auch er im Kopf, aber er versuche, darüber nachzudenken und sich von seinen anderen Seiten leiten zu lassen. Schon allein deshalb ist ›Wildes Herz‹ keine klassische Heldengeschichte, sondern ein streitbarer Film, der mehr Fragen aufwerfen will, als er beantwortet: Wo verläuft eigentlich die Grenze zwischen Heimatverbundenheit und Nationalismus? Wie reagiert man auf Hass und das Gefühl der Hilflosigkeit? Wo anfangen und wie den Arsch hochkriegen?«
Annett Scheffel, Süddeutsche Zeitung, München

»Hübner lässt Zwischentöne zu, zeigt die Widersprüchlichkeit seines Protagonisten und spart die Konflikte zwischen ihm und seinem Umfeld nicht aus. Er bildet sehr viele Seiten des Sängers ab – den Proll, den Selbstdarsteller, den Humorvollen, den Reflektierten, den Humanisten. Und dadurch, dass Hübner ihn und seine Band durch bewegte politische Zeiten begleitet hat, ist am Ende auch ein Zeitdokument und partiell ein Gesellschaftsporträt daraus geworden.« Jens Uthoff, taz, Berlin

»Eine politische Botschaft, die Monchi, neben der Musik auf seinen Konzerten, auch als Diskurs neben der Bühne weiterführt. Vielleicht ist das nicht immer die Form der differenzierten Debatte, die sich das bürgerlich-intellektuelle Publikum unter Politik vorgestellt hat, wenn es die feiernden, halbnackten Jugendlichen sieht. Aber es macht gerade für diese einen echten Unterschied, ob jemand da ist, der sie abholt und gleichzeitig deutlich macht, dass es auch anders geht. So gelingt Hübner ein Film, der so mitreißend ist, wie die Band, die er porträtiert: ›Wildes Herz‹ bewegt die Körper zum Tanzen und regt gleichzeitig zum Denken und Handeln an.«
Silvia Bahl, programmkino.de, Osnabrück

»Die Stärke von ›Wildes Herz‹ liegt gerade darin, dass Monchi nicht als uneingeschränkt sympathisch dargestellt wird (seine Ex-Freundin bezeichnet ihn ungeschönt als Narzisst). Aber der Kraft seiner Botschaft gegen Hass und Ausgrenzung tut das keinen Abbruch. Sie wird von Hübner übernommen und geteilt, dabei kommt der Film ohne explizit linke politische Motive aus, was gerade vor dem Hintergrund des Linksextremismus-Vorwurfs essenziell ist, um ›Wildes Herz‹ nicht zur ideologisch aufgeladenen Predigt verkommen zu lassen. Tatsächlich ist das kraftvollste Motiv des Films eines, das sonst vor allem diejenigen für sich beanspruchen, gegen die Feine Sahne Fischfilet ansingen: die Heimatliebe. Wiederholt bekundet Monchi seine Liebe zu Mecklenburg-Vorpommern und lebt damit aktiv vor, dass sich Heimatverbundenheit und Willkommenskultur nicht ausschließen müssen.« Manuel Berger, filmstarts.de, Berlin




zuletzt aktualisiert am 09.11.2018

Zweite Hauptnavigation