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Pünktchen und Anton

Deutschland 1998

 

 

Inhalt

»Ich habe ja schon immer gewusst, dass du reich bist. Aber so reich …« Staunend steht Anton auf der Terrasse der Villa und schaut auf den Garten, in dem sich viele Gäste zu einem Empfang versammelt haben. Pünktchens Mutter ist gerade aus Afrika zurück, wo sie für Hilfsorganisationen Projekte mit Kindern betreut. Schon viele Male war sie in diesem Jahr für wohltätige Zwecke unterwegs. Pünktchen vermisst sie, aber eigentlich fehle es ihr doch an nichts, meint ihr Vater, ein viel beschäftigter Herzchirurg. Eine resolute Haushälterin und ein französisches Au-Pair-Mädchen kümmern sich um das Mädchen – und außerdem hat sie ja noch Anton. Der allerdings hat gerade ziemliche Sorgen: Seine allein erziehende Mutter ist schon länger krank, das Geld knapp und ihr Job in Gefahr. Anton vertritt sie so gut er kann in der italienischen Eisdiele, bis spätabends. Dafür schläft er dann in der Schule öfter mal ein. Pünktchen setzt alles daran, ihrem besten Freund aus dieser und einigen weiteren Notlagen zu helfen: mit großem Herz und starker Stimme. 

Der Klassiker eines Klassikers: auf der Höhe der Zeit!

Fotos: Buena Vista (Germany) / Croco Filmverleih & Vertrieb, Berlin 

 

Themen

Familie, Familien- und Generationsbeziehungen, Eltern-Kind-Beziehung, Erziehungsmethoden, Freundschaft, Hilfsbereitschaft, Vorurteile, Vertrauen, Verantwortung, Armut, Reichtum, Wahrheit, Gerechtigkeit, Werte, Toleranz, Literaturverfilmung

 

Fächer

Deutsch, Lebensgestaltung-Ethik-Religionskunde, Musik, Sachunterricht

 

Kritikerstimmen

»Caroline Link mußte eine Reihe pragmatischer Entscheidungen treffen, um die Gegenwart einzuholen. Prestigeberufe, Gewohnheiten und Umgangston wohlhabender Leute, die Signale von Reichtum und Armut – diese Dinge haben sich geändert seit der Zeit, in der Fabrikantentöchter vom Chauffeur zur Schule gefahren wurden. Auch Streichhölzer dürften sich nicht mehr so leicht nachts auf der Straße verkaufen lassen wie damals, als Pünktchen und Anton damit heimlich Geld verdienten. Die entsprechenden Veränderungen sind wohldurchdacht und auf das sorgfältigste ausgeführt, mit viel Witz und Liebe zum Detail. Viele Szenen sind wunderbare kleine Milieustudien, es ist keine Übertreibung darin, kein falscher Ton. Schon hier hätte vieles schiefgehen können. Und wäre Caroline Link hier stehengeblieben, dann hätte sie Erich Kästner auf bewundernswerte Weise neu verfilmt. Sie geht aber einen entscheidenden Schritt weiter: Sie erzählt ihn neu.« 
Monika Osberghaus, Frankfurter Allgemeine Zeitung

»Caroline Links ›Pünktchen und Anton‹ ist ein Film über Gegensätze, zum einen zwischen den beiden besten Freunden, die in solch unterschiedlichen Verhältnissen aufwachsen und dennoch füreinander durch Dick und Dünn gehen. Zum anderen aber auch über die Gegensätze innerhalb der Familie, zwischen den Eltern, die aufgrund ihrer Arbeit keine Zeit für ihre Kinder haben und diese deshalb mit jährlich wechselnden Au-Pair-Mädchen vertrösten, und den Kindern selbst, die diese Zeit mit ihren Eltern so gern hätten. Insofern kommt auch Caroline Links Version nicht ohne den erhobenen Zeigefinger aus, was sich bisweilen zu sehr in die Länge zieht, besticht aber andererseits, ebenso wie Kästners Werke, durch die Liebe zu den Figuren und den kleinen Details, die diese Werke so liebenswürdig gemacht haben. Der Film lässt den Figuren, selbst unwichtigeren wie der dicken Bertha, viel Raum, sich zu entfalten, sich so dem Zuschauer zu öffnen, ohne dass dabei die flotte, unterhaltsame Geschichte aufgehalten wird.« 
Frank Geissler, www.filmreporter.de, München

»Anton hingegen fehlt es nicht an der Mutterliebe, aber schlicht am Geld. Tausend Mark für eine Erholungsreise, das wär's. Pünktchen bittet ihre Eltern, doch mal im Hier und Jetzt zu helfen, jedoch ohne Erfolg. Als Anton erstmals in Pünktchens Haus kommt, ist er sprachlos über den sichtlichen Reichtum. Die Versuchung, etwas Wertvolles mitzunehmen, um der Not zu Hause ein Ende zu machen, ist groß. Aus Liebe zur Mutter wird er zum Dieb und löst damit eine Kette von Ereignissen aus, eine von Caroline Link erdachte Tat, die dem Film zusätzliche Brisanz verleiht und den erwachsenen Zuschauer zwingt, sich mit seinem Rechtsempfinden und dem des Kindes auseinander zu setzen.« Gudrun Lukasz-Aden, Christel Strobel, Kinder- und Jugendfilm Korrespondenz, München

»Pünktchen will ihrem Freund unbedingt helfen, liest erst ihrer Mutter die Leviten und wirft ihr selbstsüchtige Medieneitelkeit vor mit ihrem wohltätigen Engagement. Wie das intelligente Mädchen entschlossen pragmatisch unter die Straßenmusikanten im Münchner U-Bahngeschoß geht, um Geld für ihren Freund Anton und seine Mutter zu ›verdienen‹, das hat viel Charme und plausiblen Biß. Und daß Anton der Versuchung nicht widerstehen kann und - anders als bei Kästner - zum Dieb wird, ist verständlich und verachtenswert gleichzeitig. Die Moral in der Realität ist nicht einfach, menschliches Verhalten viel zu widersprüchlich, um sich simplifizierend einordnen zu lassen. Caroline Link macht das ganz ohne erhobenen Zeigefinger spürbar und den Aberwitz realer sozialer Konfliktsituationen deutlich.« fh, kino.de, Berlin

»Das Drehbuch ›entstaubte‹ sie etwas, machte die Figuren dreidimensionaler. Während bei Kästner die Erwachsenen Funktionsträger waren, ließ Caroline Link allen Protagonisten ihre leichten Schwächen und machte sie damit liebenswerter. Mit ihrer ›komplexen Gestaltung‹ und dem Aufbrechen der Schwarz-Weiß-Zeichnung von Gut und Böse erleichtert sie den Zugang zu den einzelnen (Neben-)Figuren. So wurde aus der strengen Gouvernante ein ganz normales Au-Pair-Mädchen, aus der egoistischen Frau Pogge der Prototyp einer modernen Frau, die alles haben will - berufliche Anerkennung und liebende Familie.«
Margret Köhler, film-dienst, Bonn



zuletzt aktualisiert am 27.10.2019

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