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Königin von Niendorf

Deutschland 2017

 

 

»Irgendwie sind alle komisch geworden«, findet Lea zum Abschluss des Schuljahres. Eigentlich hatte die Zehnjährige ihre Freundin wieder ins Sommercamp begleiten wollen, aber Lara sagt, sie fährt gar nicht – was letztlich geschwindelt ist. Als Lea eher beiläufig von der Lüge erfährt, ist sie längst bedeutungslos für sie. Hinter ihr liegt ein Sommer in Niendorf, wie er aufregender und schöner nicht hätte sein können. Anfangs allerdings sieht es eher nach Langeweile aus. Absolut nichts los in diesem brandenburgischen Dörfchen. Natur und Stille und ein paar sonderbare Erwachsene. Wie Mark, der Musiker, der dunkle Songs komponiert, weil er von seinem Bauernhof-Idyll vertrieben werden soll – kein Platz mehr für Aussteiger wie ihn. Merkwürdig auch der Feuerwehrmann, der als Fitnesstrainer seiner Zwillingssöhne mit ihnen durch den Wald hetzt. Lea radelt durch die Gegend, und weil sie nichts erwartet, nehmen die Ferien Fahrt auf: Als sie einer Jungsbande auf die Spur kommt, will sie als einziges Mädchen deren Mitglied werden. Furchtlos besteht sie Mutproben, bewahrt Geheimnisse, bleibt einfach sie selbst und beeindruckt die andern. Dem melancholischen Abschiedslagerfeuer in Marks Hof folgt ein lustiges Lollipop-Ende im Freibad.
Oh wie schön ist Brandenburg: wunderbar leichte Ferien in einem wunderbar leichten Film – mit Geräuschen und Tönen, die nur auf dem Land zu hören sind.

Fotos: Darling Berlin/ UCM.ONE, Berlin


 

Themen

alternative Lebensformen, Familien- und Cliquenbeziehungen, Farben, Freundschaft, Geheimnisse, Geschlechterrollen, Heimat, Identität, Landleben, Lieder/Lieblingssongs, Mutproben, Naturgeräusche, Selbstvertrauen, Stadt/Land, Vertrauen, Zugehörigkeit, Zusammenhalt

 

Fächer

Deutsch, Kunst, Lebensgestaltung-Ethik-Religionskunde, Musik, Sachunterricht

 

Kritikerstimmen

»Das ist ein Film, der sein Publikum denken lässt und nachdenken lässt und all das in eine nur oberflächlich leichtfüßig erzählte Geschichte verpackt […] Bemerkenswert, beglückend für einen Debutfilm. Ohne öffentliche Förderung, weil das, wie man hört, eh viel zu lang gedauert hätte. Stattdessen an Ort und Stelle, zum Teil mit Laiendarstellern entstanden, finanziert aus Spenden und schließlich von einem Festival zum nächsten durchgereicht ...
Der schönste, beste deutsche Kinderfilm seit langem.« 
Rochus Wolff, kinderfilmblog.de, Berlin

» … der es tatsäch­lich einmal ganz anders versucht als die im gegen­wär­tigen deutschen Kinder­film vorherr­schende Blödelei und Stereo­ty­pendre­schei, der es wirklich wagt, seine Haupt­dar­stel­lerin fast ohne ein Lächeln durch den Film zu schicken. Und nicht nur das: der zeigt, dass es wirklich noch Origi­nal­dreh­bücher im deutschen Kinder­film gibt, es ohne bekannte Vorlage, irgendein Kinder­buch oder eine schon exis­tie­rende Serie wirklich gelingen kann, einen tollen Kinder­film zu machen und ihn auch noch in die Kinos zu bringen.« Axel Timo Purr, artechock.de, München

»Die Erwachsenen sind auf diesem Kinderplaneten nur ziemlich ferne Lichter, die eigenen Gesetzmäßigkeiten folgen. Sie können indifferent sein oder Probleme haben, die den Kindern manchmal interessant genug für kurze abenteuerliche Interventionen erscheinen. Hier verbringen Kinder ihre Tage noch weitgehend unbeaufsichtigt und kommen womöglich auf dumme Gedanken wie einer Mutprobe am Bahngleis. Aber eine wahre Welt ist eben eine, in der Sicherheiten an ihre Grenzen stoßen.« 
Bianka Piringer, kino-zeit.de, Mannheim 

»So werden Regenschauer zur unmittelbaren Naturerfahrung und die Sommernächte zu lakonisch inszenierter Idylle, untermalt von Liedern zwischen Leichtigkeit und Härte. Lisa Moell spielt Lea, wie sie stoisch und ohne eine offensichtliche emotionale Regung durch den Sommer gleitet. Nur am Ende, wenn sie vornewegradelt und die Jungenclique ihr folgt, da meint man, ein feines Lächeln wahrzunehmen. Aus dem Off erklingt dazu der ›Lollipop‹-Song als Schlussakkord zu einer wunderbaren Ferienzeit: ›Sweeter than candy on a stick‹.« Katrin Hoffmann, epd film, Frankfurt/Main

»Ein kleiner, aber feiner Kinderfilm. Ohne große Mittel, aber mit Liebe zu den Figuren, viel Einfallsreichtum, überzeugenden Nachwuchsdarstellern und großem Herz gedreht, holt Joya Thomes Debüt gleichermaßen kleine wie große Zuschauer ab. In einem abenteuerlichen Sommer ist für die junge Protagonistin alles anders, irgendwie komisch und doch ganz normal. Aber was ist schon normal und wer entscheidet, wer die Norm erfüllt und wer von ihr abweicht?« Falk Straub, spielfilm.de, Nierstein

»Statt stundenlang in ihren Zimmern vor Spielkonsolen zu hocken, spielen die Kinder noch den ganzen Tag draußen in der Natur. Dort trifft sich die Bande im Baumhaus, spielt Verstecken im Maisfeld, baut einen riesigen Hahn aus Strohballen, fährt auf einem Floß durch den See oder zieht durchs Dorf, um die Geheimnisse der kuriosen Dorfbewohner auszukundschaften. ›Königin von Niendorf‹ ist eine einfühlsam und ruhig inszenierte Geschichte von einem starken Mädchen, von wahrer Freundschaft und einem trotz ernster Momente doch wild-idyllischen Kindheitssommer auf dem Land.« Stefanie Borowsky, berliner-filmfestivals.de

»Joya Thome hat ein feines Händchen für die Schauspieler aller Altersklassen, hat ein waches Auge für zauberhaftes Licht und farbenstarke, träumerisch-schöne Bilder, hat ein feines Ohr für die leisen Töne, überhaupt ein Gespür für ein ideales Zusammenwirken der verschiedenen Gewerke eines Filmes […] In ihrer Haltung zum Leben und zum Kino erinnert Thoma an Renoir ohne auch nur eine Sekunde nostalgisch oder epigonenhaft zu wirken. Fürs deutsche Kino ist das ein Wunder.« Stefe, Filmjournalisten.de, Neubiberg

»Ein wenig aus dem Rahmen fällt dafür die Auswahl der Filmmusik mit einem Song von Tocotronic, einer Cover-Version eines ›Noir Désir‹-Songs von Sophie Hunger und insbesondere die Live-Performance ›Germanisch Depressiv‹ von Wagenburg-Darsteller Mex Schlüpfer, die als eine Art Meta-Ebene eine weitere Perspektive formuliert, was so gar nicht zur reflektierten Naivität des Films passen will.« Ulrich Kriest, filmdienst.de, Bonn

»Unlängst verkündete der deutsche Nouvelle-Vague-Regisseur Rudolf Thome, dass er keine Filme mehr drehen werde. Nun ist die nächste Generation dran: Mit ihrem Langfilm-Debüt greift seine Tochter Joya viele klassische Themen ihres Papas auf und findet doch ihren eigenen Weg.« Teresa Schomburg, tip, Berlin



zuletzt aktualisiert am 02.07.2018

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