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Chavela

USA 2017

 

 

»Piensa en mí cuando sufras – Denk an mich, wenn du leidest.« Tränen treibend, dieses Liebeslied. In Pedro Almodovars »Die Waffen einer Frau« kann man es sehen und hören, gesungen von Luz Casal. Die wahrhaftigste Interpretin dieses Songs aber ist Chavela Vargas, eben weil es genau die Pole verbindet, die das lange Leben dieser Frau bestimmt haben: Liebe und Leid. Chavela ist eine Legende in Mittel- und Südamerika, sie war die Königin des ur-mexikanischen Ranchera-Gesangs – melancholisch-lasziv, rauh und bestimmend, als lesbische Frau eine »Macha«. Ihr Auftreten und ihr Stil machten sie absolut einmalig und anstößig-attraktiv. Sie war eine Freundin Frida Kahlos, Liebling der Boheme. Aber stets auch abhängig vom Tequila, der Karriere, Freundschaften und Beziehungen ruinierte. Pedro Almodovar war von Chavelas Stimme und Schicksal ergriffen – und erfüllte der über 90-Jährigen den Traum vom Auftritt im legendären Pariser »Olympia«.

Die großartige Hommage auf eine wunderbare Künstlerin!

Fotos: Arsenal Filmverleih, Tübingen


 

Themen

Biografie, Dokumentarfilm, Drogen, Feminismus, Gender, Geschlechterrollen, Homosexualität, Identität, Kunst als Provokation, Künstlerbiografie, Latein- und Südamerika, Liebe, Machismo, Mexiko, Musik, Rollenbilder, Sucht, Tabus, Vorurteile, Werte

 

Fächer

Deutsch, Kunsterziehung, Lebensgestaltung-Ethik-Religionskunde, Musik, Spanisch

 

Kritikerstimmen

»In eigenwilligen Harmonien singt Chavela gnadenlos nostalgisch über Liebe, Schmerz und Einsamkeit. Ein Leidensweg, eingefangen von altem Videomaterial, Bildern und Interviews, womit Catherine Gund und Daresha Kyi ein liebevolles, bewegendes und intimes Porträt gelungen ist, das für 90 Minuten Chavela wieder zum Leben erweckt.« Daniela Rivas, amerika21.de, Berlin

»Die Originalaufnahmen der Auftritte sorgen für Gänsehaut. Ehemalige Weggefährtinnen und Partnerinnen füllen oder kontrastieren Chavelas Erinnerungen, die von der Regisseurin Catherine Gund vor rund 20 Jahren aufgenommen wurden. Auch wenn Chavela heute noch als Gallionsfigur der Queer-Bewegung Mexikos gilt, zeigt sie sich auch in dieser Rolle als widerspenstige Protagonistin. Der offene Umgang mit diesen Widersprüchen macht den Dokumentarfilm zu einer ehrlichen, weitsichtigen Femmage an eine außergewöhnliche Frau und Künstlerin.«
Clarissa Lempp, AVIVA, Berlin

»Gund und Kyi gelingt es in der Dokumentation, die markige Fassade zu durchbrechen, die Chavela im Lauf ihres Lebens erbaut hat: Die Macho-Attidtüde, deren sie sich im öffentlichen Gespräch bedient, bröckelt durch Erzählungen ihrer Weggefährten, aber auch durch ihre eigenen Schilderungen ihrer Lebensumstände. Ihre Botschaft, für den Moment zu leben und das Leben mit allen Höhen und Tiefen voll auszukosten, lebte Chavela mit jeder Faser ihres Körpers und vor allem mit jedem Ton aus ihrer Kehle. Chavela ist ein stimmiges Porträt einer Ausnahmkünstlerin, das allerdings nicht die Wirkung und die Gefühlstiefe von Chavelas Liedern erreicht, die ihre Fans und Bewunderer so an ihr schätzen.«
Paula Brügel, filmrezensionen.de, Falkensee
»Anfangs, erzählt Chavela, trat sie im typischen Outfit jener Zeit auf, mit aufgetürmten Haaren, High Heels und weiten Röcken. Wie ein Transvestit sei sie sich vorgekommen. Und sieht man die Fotos aus der Zeit, kann man ihr nur zustimmen. Doch als sie entnervt diese Kostümierung ablegte, in Hosen und einem Poncho auftrat, wurde die Welt plötzlich aufmerksam. Chavela wurde ein Star der Volksmusik. Sie sang mit einer Ernsthaftigkeit und Expressivität, die dieser Musik alles Gefällige austrieb. Eingeschobene Aufnahmen von ihren Konzerten und Filmen zeigen immer wieder, was für eine ungewöhnliche Künstlerin sie war. Liebe war eine Sache auf Leben und Tod, und nichts zum Röcke rascheln: ›Verzweiflung, verwundete Seelen und die Tragödie des Lebens.‹ Das Publikum und die Künstler liebten sie. Von den Tavernen ging es in die eleganten Nachtclubs. Das Leben war ein Fest!« Anja Seeliger, perlentaucher.de, Berlin

»›Chavela‹ erforscht auch die düsterste Periode im Leben der Sängerin: Während der Achtziger lebt sie als schwere Trinkerin mittellos – ihre Platteneinnahmen hatten andere kassiert – in einem abgelegenen Dorf. Viele dachten damals, sie sei bereits gestorben. Wie sie mit der Hilfe ihrer Freundinnen, einer Geliebten und zwei mutiger Barbesitzerinnen aus dieser Sackgasse herauskommt, gehört zu den staunenswertesten Kapiteln der Dokumentation. Auch Pedro Almodovar, der Chavela verehrt und ihre Lieder in seinen Filmen verwendete, unterstützt ihr Comeback. Als sie 1995 schließlich im monumentalen Palacio de Bellas Artes von Mexiko-Stadt auftritt, scheinen alle Demütigungen vergessen zu sein. Sie singt: ›Ich träume davon, zurückzukommen in deine Arme‹. Beim ›Volver‹ (Zurückkommen) stimmt das Publikum mit ein. Chavela Vargas freut sich sichtlich – und breitet beim Schlussapplaus die Arme aus wie eine triumphierende Königin. Nun hat sie auch ein Film-Denkmal.« Nadine Lange, Der Tagesspiegel, Berlin

»Ein Teil der Kunst von Chavela Vargas besteht darin, dass das Pathos nie als solches erscheint, sondern als Ausdruck einer Persönlichkeit. Das kontrastiert bisweilen schroff mit den oft etwas schäkernden Interviewaufnahmen, in denen Vargas mit ­großer Lässigkeit Fragen beantwortet und Erinnerungen wiedergibt. Als Gegenpol kombinieren die Regisseurinnen die Interviews mit Audioaufnahmen von Vargas’ Liedern, die das Erzählte zu kommentieren scheinen. Nimmt man die Auftritte und Interviews zusammen und stellt sie den Gesprächen mit Partnerinnen und Freundinnen gegenüber, wird deutlich, wie sehr Vargas auch in den scheinbar so lockeren Interviews ein Bild von sich selbst aufrechterhält. Die Gespräche mit Partnerinnen und Freundinnen stellen diesem öffentlichen Bild widersprüchlichere private Eindrücke gegenüber.« Fabian Tietke, taz, Berlin



zuletzt aktualisiert am 09.11.2017

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