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Pre Crime

Deutschland 2017

 

 

»Wir reden nicht über die Zukunft. Die Zukunft ist schon da«, raunt es zu nachtdunklen Bildern im Intro dieses erhellenden Dokumentarfilms. Was in »Minority Report« noch Fiktion war, ist heute Wirklichkeit: mit »Predictive Policing« Risikogebiete und potentiell Verdächtige eingrenzen. In Chicago und London geschieht das, aber auch in München und Berlin. Muster in sozialen Netzwerken aufspüren, statistische Wahrscheinlichkeiten berechnen, Warnungen aussprechen, im Blick behalten. Aber einmal in der Matrix, auf einer Liste von Verdächtigen gelandet, gibt es kein Entkommen. Weil es der Computer doch sagt. Weil es kein geregeltes Verfahren gegen den Irrtum der Maschinen gibt. Wie funktioniert eigentlich ein Algorithmus, der uns Sicherheit verspricht? Warum tun wir uns diese Technologien an? Warum bezahlen wir freiwillig und in großer Zahl mit der wertvollsten aller Währungen: mit unseren Daten? Es fehlen die Antworten, heißt es, aber wir müssen die Fragen stellen.

Codes mögen kein Gewissen haben, dieser Dokumentarfilm aber beweist hell- und weitsichtigen Verstand.

Fotos: Rise and Shine Cinema, Hamburg


 

Themen

Algorithmen, Datenanalyse, Demokratie, Freiheit, Globalisierung, Kriminalitätsbekämpfung, Menschenrechte, Sicherheitspolitik, Software, Überwachung, Verantwortung, Verbrechensprävention, Werte, Wissenschaft und Forschung, Zukunftsperspektiven

 

Fächer

Deutsch, Lebensgestaltung-Ethik-Religionskunde, Politische Bildung, Psychologie

 

Kritikerstimmen

»›Pre-Crime‹ informiert den Zuschauer ausführlich darüber, wie einige Staaten die Handlung des 2002 erschienenen Steven-Spielberg-Blockbusters ›Minority Report‹ heute bereits Realität werden lassen. Vor 15 Jahren schien es noch wie eine weit entferne Zukunftsvision, dass man künftige Verbrechen vorhersagen und Straftäter dingfest machen kann, bevor sie weitere Delikte begehen. ›Pre-Crime‹ zeigt eindrucksvoll, wie weit u.a. die digitale Überwachung der Gesellschaft zwecks Verbrechensprävention, im Jahre 2017 bereits vorangeschritten ist. Fazit: Kritisch und objektiv hinterfragt der Film Möglichkeiten und Gefahren modernster präventiver Ermittlungstechniken – differenziert und allumfassend.« Björn Schneider, spielfilm.de, Nierstein

»Man denkt: Von Deutschland sind diese Szenarien doch weit entfernt. Und dann fällt einem der Juli in Hamburg ein, der G-20-Gipfel, bei dem 32 Journalisten ihre Akkreditierung entzogen bekamen, wegen ›Sicherheitsbedenken‹. Die ›Bedenken‹ entsprangen polizeilichen oder nachrichtendienstlichen Dateien. Was sich bei vieren als nachweislich falsch herausstellte, bei den 28 anderen mauern die Behörden. 
Das schlagendste Beispiel für die Anwendung von ›Pre-Crime‹ kam zu spät für diese Kinodokumentation, demonstriert aber perfekt das System: Es werden nicht nur verurteilte Straftäter gespeichert, sondern zusätzlich Menschen, die – auf welche Art auch immer – mit Straftaten in Berührung kamen, und sei es als Opfer.«
Hanns-Georg Rodek, Die Welt, Berlin

»Schließlich kommen Macher wie Opfer hier parallel zu Wort: Das ist das investigative Pfund dieses sehenswerten, sehr zeitgeistigen Reportagefilms, der naturgemäß keine glasklaren Antworten liefern kann, aber beim Zuschauer zumindest eine konkrete Ahnung davon entstehen lässt, warum Algorithmen auch in der gegenwärtigen – verharmlosend ›präventiv‹ genannten – Arbeit der Polizeieinsatzkräfte zusehends massive Bedeutung erfahren. Plötzlich bist du in deinem Viertel stigmatisiert – und gleichzeitig wurdest du datentechnisch unwiderruflich wie polizeibehördlich gebrandmarkt. Ist es das Ganze wirklich so wert? Und muss unsere gar nicht schöne neue Big-Data-Welt tatsächlich immer genau so aussehen? Oder anders gefragt: Wo bitteschön ist hier der reset button? Pre-Crime liefert zu diesen Überlegungen reichlich brisanten Input.« Simon Hauck kino-zeit.de, Mannheim

»Auch die Polizei-Software in westlichen Staaten verbindet in einigen der gezeigten Beispiele längst die weit umfangreicheren Social-Media-Daten und allerhand kommerzielle Informationssammlungen mit den staatlichen Datenbanken. Social-Media-Daten werden dafür aktiv beobachtet und eingebunden, Gewohnheiten und Bewegungen von Nutzern ausgewertet. Der Unterschied ist nur: Im Westen ist das Profilieren der Menschen auch ein Geschäft, das als Dienstleistung angeboten wird. Wenn die Anbieter von Predictive-Policing-Produkten versprechen, Software könne ermitteln, wer künftig straffällig wird und wer nicht, ist das Teil ihrer Produktvermarktung. Dass es dabei zu rassistischen und sozialen Diskriminierungen kommt, braucht dem Kinogänger vom ab und an den Filmfluss unterbrechenden Narrator nicht einmal ins Gesicht gesagt werden, so deutlich wird es.« Constanze Kurz, netzpolitik.org, Berlin

»Das alles lässt einen ein wenig ratlos zurück, was weniger am informativen Film als an der augenscheinlichen Wahnwitzigkeit des Sujets liegt. Man kann diese gesellschaftliche Zurichtung mittels ›Beware Software‹ und omnipräsenten Überwachungskameras auch als weiteren Schritt hin zur Ausmerzung jeglichen Zufalls oder jeglicher Abweichung auf allen Ebenen sehen – ähnlich dem Fernsehbeweis in der Bundesliga oder dem akustischen Tadelsignal für nicht angeschnallte Autofahrer. Wer aber glaubt, dass es sich bei Pre-Crime nur um paranoide Science-Fiction handelt, der möge den Begriff einfach mal bei Google in die Suchmaske eingeben.«
Arne Koltermann, film-dienst, Bonn


zuletzt aktualisiert am 09.11.2017

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