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Siebzehn

Österreich 2017

 

 

»Das, was so glücklich macht, ist die Gegenwart von etwas Schwankendem im Herzen …« Paula wird dieses Zitat im Kopf haben. Die 17-Jährige liest Proust, kann bei einem Sprachwettbewerb ohne jede Peinlichkeit sagen, was sie an ihm so fasziniert. Paula mag das Französische – und es schwankt mächtig in ihrem Herzen. Die Gefühle sind in Aufruhr, bei ihr und den anderen in der Klasse. Paula träumt von Charlotte, die mit Michael geht. Tim müht sich on- und offline, um Paula für sich zu gewinnen. Lilli provoziert alle und jeden. Marvin und Kathrin liegen mit Paula im Bett, schauen »Sturmhöhe« und spinnen von einem Dreierbund. Es geht um nicht viel und doch um alles: um Sehnsucht und Freiheit, Hoffnungen und Enttäuschungen – furchtbar schön. Zwischen diesen Polen schwankt das Leben mit 17, in einem Provinznest in Niederösterreich. 

Genau beobachtet und einfühlsam inszeniert: Blicke und Berührungen, schwankende Gefühle in einem Film, der verwirrend glücklich macht. 

Fotos: Edition Salzgeber, Berlin


 

Themen

(erste) Liebe, Alltag, Eifersucht, Erwachsenwerden, Familien-, Geschwister- und Generationsbeziehungen, Freundschaft, Gemeinschaft, Heimat, Homosexualität, Identität, Individualität, Jugendkultur, Kommunikation, Lebensentwürfe, Lehrer-Schüler-Verhältnis, Literatur, Musik, Provinz, soziale Netzwerke, Werte

 

Fächer

Deutsch, Lebensgestaltung-Ethik-Religionskunde, Musik

 

Kritikerstimmen

»Die Liebe zum fran­zö­si­schen Auto­ren­kino gibt diesem Film die Richtung. Regis­seurin Monja Art, Jahrgang 1984, hat bei Michael Haneke in Wien studiert; offen­sicht­lich mag sie Auto­fahren, Musik und Literatur, und das alles zeigt sie in ihrem Debüt. Sie hat auch einen Mut zur Intel­lek­tua­lität, der faszi­niert, besticht und bezaubert – zumal die Intel­li­genz dieses Films nie aufdring­lich ist. Paula ist eine junge Schwester von Antoine Doinel aus Truffauts gleich­na­migem Film­zy­klus, und auch sie ist überzeugt, dass das Alltäg­liche der Tod der Liebe ist, dass das Abwesende oft viel faszi­nie­render ist, als das Anwesende. So ist ›Siebzehn‹ ein Initia­ti­ons­drama voller Träume, Phan­ta­sien und subjek­tive Ansichten der Welt – und einfach ein wunder­voller, nahezu perfekter Film.«
Rüdiger Suchsland, artechock.de, München

»›Siebzehn‹ wirkt echt. Weil Art beobachtet und abbildet, weil die Dialoge spontan und unverkrampft rüberkommen, Szenen wohltuend fließen gelassen werden, Raum bleibt für das Unvorhergesehene […] ›Siebzehn‹ ist ein 104 Minuten langer Blick ins Leben einer kleinen Menschengruppe im Nirgendwo und Überall, der sein Publikum mit Erinnerungen beschenkt, mit der Realität, mit sich selbst.« Tania Witte, sissy mag, Berlin

»›Siebzehn‹ ist neben alldem Zwischenmenschlichen ein Liebesbrief an die Provinz. Da, wo sich die Jugendlichen freitags zwangsläufig in der einzigen Disco in der Umgebung treffen oder der Bus nur einmal die Stunde fährt. Wo junge Menschen ihre Freunde haben und damit eigentlich alles, was sie brauchen. Es muss eben nicht immer Berlin oder New York sein.« Marcel Reich, Die Welt, Berlin

»Entstanden ist der Film in einer Mischung aus festem Drehbuch mit geschriebenen Dialogen und freier Improvisation, die vor allem immer dann zum Tragen kam, wenn die Szenen mit zwei Darsteller_innen recht intim waren. Das Wunderbare ist, dass man diese Wechsel überhaupt nicht bemerkt, sondern vielmehr beinahe durchgängig das Gefühl hat, dass man hier ganz nah dran ist an der Seelenwelt der Heranwachsenden. Das ist mitunter verwirrend, manchmal so banal und öde wie das Leben selbst und dann wieder mit herrlich lässiger Beiläufigkeit von großen Gefühlen erzählend, wie man dies viel zu selten in Coming-of-Age-Filmen umgesetzt sieht.« Joachim Kurz, kino-zeit.de, Mannheim

»Sie habe einen Film über Sehnsucht drehen wollen, sagte Monja Art in Saarbrücken. Doch so reizvoll sich das Abwesende gibt und so erzählenswert es dadurch wird, so kompliziert gestaltet sich dessen filmische Darstellung. Art ist sie gelungen, mit Szenen voll schamhafter Wortlosigkeit und scheuer Blicke, die ihre Wirkung im Kopf des Zuschauers entfalten. Zudem baut die Filmemacherin manche ›Was-wäre-wenn?‹-Sequenz ein, kurze Tagträume von einer möglichen anderen Wirklichkeit, in der sich alles zum Guten wendet.« Kaspar Heinrich, die Zeit, Hamburg

»Die sexuelle Orientierung der Figuren steht bei alldem nicht im Vordergrund. Erfrischend ist auch, dass es keine Rolle spielt, wer wen attraktiv findet. Die Faszination für einen anderen Menschen scheint spontan und äußert sich dann jeweils mit Blicken, so ist ›Siebzehn‹ ein Fest für die, die sich auf die Blicke einlassen können, die die Gefühle erfühlen und nicht hinterfragen. Bereits für das Drehbuch hatte Monja Art 2014 den Carl Meyer Drehbuchpreis erhalten. Die Regisseurin bleibt ganz dich an den Jugendlichen dran. Erwachsene spielen hier keine Rolle. ›Siebzehn‹ zeigt die Machtspiele der Heranwachsenen untereinander, wie sie ihre Gesellschaft innerhalb der Gesellschaft erkunden.«
Elisabeth Nagy, www.baf-berlin.de

»Es ist schön, wie wenig Aufhebens der Film davon macht, dass sich hier ein Mädchen für ein Mädchen interessiert, was auch damit zu tun hat, dass ohnehin noch nichts in Stein gemeißelt ist […] So eröffnet sich in Klassenräumen und Mädchenzimmern, in der obligatorischen Dorfdisco und gelegentlich auch unter freiem Himmel zwischen leisem Flirt und forscher Anmache eine wechselhafte Dynamik des Begehrens, ein Coming-of-Age, in dem das Coming-out keine große Sache ist.«
Anke Sterneborg, epd film, Frankfurt/Main

»Eine vergleichbare Mischung aus Zeitlosigkeit und Gegenwartsnähe – und das ohne die Anbiederung an einen angeblichen Zeitgeist – muss man im deutschen Kino (und Coming-of Age-Film) lange suchen. So gelingt es Art zum Beispiel, die mobile Kommunikation so in die Alltagsrealität einzubauen – Textnachrichten oder Displayfenster ploppen immer wieder ins Bild –, dass sie wirklich etwas erzählt, anstatt nur als trendy Schauseite des digitalen Zeitalters herzuhalten.« Esther Buss, der Freitag, Berlin

»Nicht die Flucht vor der – im österreichischen Film allzu oft als Ort der Tristesse gezeichneten – Provinz ist ihr Ziel, sondern einfach nur, mit den Dingen klarzukommen. Das verleiht diesem Film eine Leichtigkeit, die sich in Momenten puren Glücks findet.«
Michael Pekler, Der Standard, Wien



zuletzt aktualisiert am 12.12.2017

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