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Einer von uns

Österreich 2015

 

 

»Wo ist die Aussicht am schönsten«, fragt der Chef den Supermarkt-Azubi. »Auf Brusthöhe, da schaut der Kunde hin!« Auf volle Regale mit leeren Versprechungen. Super-Angebote für den Konsum, aber nicht fürs Leben. Das fühlt sich eher fad und falsch an für Julian, Marko und Victor, hier in diesem österreichischen Provinznest. Sie hängen rum und hängen ab, mit Alkohol und Joints, mit coolen Rap-Songs und protzigen Rapper-Sprüchen. Der Supermarkt, wie ein gläsernes Ufo im Niemandsland, scheint einziger Anziehungs- und Treffpunkt der jungen Männer, misstrauisch beäugt von den Orts-Gendarmen. Gegenseitige Provokationen, wenig Worte und viel Gehabe. Ein nächtlicher Einbruch in die saubere Warenwelt findet in Gang 3a sein schmutziges, tödliches Ende. Die Putzmaschine macht am Morgen wieder alles sauber. Inspiriert von einer wahren Begebenheit, die in Österreich für Entsetzen und Empörung sorgte.

Eine lakonische Milieustudie, ehrlich und erschütternd, ohne Schuldzuweisungen, aber mit viel Stoff zum Reden.

Fotos: Little Dream Entertainment, Köln


 

Themen

(Jugend-)Kriminalität, Außenseiter, Ethik und Moral, Familien- und Cliquenbeziehungen, Filmmusik, Freundschaft, Gruppendruck, Heimat, Identität, Individualität, Jugendkultur, Lebenskonzepte, Provinz, Recht und Gerechtigkeit, Rollenbilder, Schuld, Verantwortung, Vorurteile, Werte

 

Fächer

Deutsch, Lebensgestaltung-Ethik-Religionskunde, Musik

 

Kritikerstimmen

»Anfang August 2009 wurde ein 14-jähriger Einbrecher in einem Kremser Supermarkt von einem Polizeibeamten angeschossen und starb. Auf das Ereignis folgten lebhafte Debatten – nicht zuletzt der allzu lockere Umgang mit der Dienstwaffe wurde scharf kritisiert. Der Polizist verteidigte sich vor Gericht damit, dass er in der Situation, von Angst übermannt, überreagiert habe. Richters Film lässt sich auf die gängigen Täter-Opfer-Konstellationen allerdings erst gar nicht ein. ›Einer von uns‹ erzählt die Vorgeschichte des nächtlichen Unglücks in nüchternen, distanzierten Bildern, die keine eindeutige Parteinahme suchen, aber durchaus Anteilnahme erlauben.« Dominik Kamalzadeh, Der Standard, Wien

»Richters Film versteht sich nicht zuletzt als künstlerische Antwort auf den Diskurs über den Fall. ›Einer von uns‹ ist keine Rekonstruktion mit Wahrheitsanspruch, sondern eine behutsame Interpretation, die vereinfachenden Kurzschlussurteilen jeder Art eine ausdifferenzierte Sichtweise entgegenstellen möchte.«
Andrey Arnold, Die Presse, Wien

»Die Diskussion in Österreich wurde angeheizt durch einen Kommentar im Boulevardblatt ›Kronen Zeitung‹: ›Wer alt genug zum Einbrechen ist, ist auch alt genug zum Sterben‹, hieß es da zynisch. Aber Richter hat den Fall nicht authentisch rekonstruiert, er interpretiert ihn, verwandelt ihn in eine existenzialistische Studie. Einmal klettern Julian und seine Freundin aufs Dach des Supermarktes. Wie er es denn finde, fragt sie. ›Voll schön‹, antwortet er, und die Kamera zeigt sie, wie sie auf einer riesigen Fläche voller Kies sitzen. Aber ironisch ist das auch nicht gemeint.« 
Rudolf Worschech, epd film, Frankfurt/Main

»Eingefangen von einer überaus präzisen und bildfindungsreichen Kamera (Enzo Brandner), virtuos geschnitten und mit einem überaus hörenswerten Soundtrack unterlegt (komponiert von Maja Osojnik und Matija Schellander und ergänzt durch österreichischen HipHop), gelingt Stephan Richter ein zu gleichen Teilen beunruhigend realistisches wie über die Maßen stilisiertes Werk, das vieles offenlegt, aber nicht alles auserzählt, das anschneidet, betört, zum Nachdenken verführt und dennoch emotional zutiefst erschüttert.« Joachim Kurz, kino-zeit.de, Mannheim

»Stephan Richter ist mit EINER VON UNS eine wirkungsvolle und atmosphärisch dichte Mischung aus Sozialstudie, Coming-of-Age-Drama und Gesellschaftskritik gelungen, die nicht nur komplex und spannend erzählt, was 2009 in Österreich passiert ist, sondern was überall und jederzeit passieren kann.«
Matthias Pasler, deadline – Das Filmmagazin, Losheim am See

»Es sind vor allem das Spiel der talentierten jungen Darsteller und die unaufgeregte, analytische Erzählweise, die diesen Film so unter die Haut gehen lassen.« 

Angela Sirch, ray Filmmagazin, Wien

»Dabei ist der österreichische Film zugleich äußerst spannend, denn die unterkühlten Bilder und die unheimliche, teils durch Rap ergänzte Musik lassen einen von Anfang an nichts Gutes ahnen. Selbst wer nichts über die Geschichte weiß, spürt hier schnell, dass etwas unfassbar Tragisches in der Luft liegt. Immer intensiver wird sie Stimmung, der Umgang untereinander feindseliger und von Beleidigungen wie Drohungen geprägt. Unter der trügerischen Ruhe rumort es: im Supermarkt, in der Vorstadt, im Land. Und am Ende? Die Fassungslosigkeit, wie etwas Derartiges passieren konnte. Trauer. Wut.« Oliver Armknecht, film-rezensionen.de, Falkensee 

»In gekonnt arrangierten Einstellungen schafft Stephan Richter es, im Mikrokosmos Supermarkt den Makrokosmos der Gesellschaft zu entdecken. Einer von uns erzählt nicht die Geschichte von der schiefen Bahn, falschen Freunden, Drogenmissbrauch, Kriminalität, Grausamkeit oder psychischer Störung. Es werden keine Schuldzuweisungen gemacht, sondern ein Zustand illustriert. Ein Zustand geordneter Monotonie und Verschwendung: Wer aus dieser Ordnung ausbricht, muss aussortiert werden, genauso wie ein Päckchen Kondome aus der Katzenfutterabteilung.«
Ursula Demling, tfmviennale2015, Wien

»Der Supermarkt ist eine Metapher für die Absurdität, die Schuldfrage wird außen vor gelassen – ein genialer Einfall. Dem Film ist es gelungen, so gut wie gar nicht zu emotionalisieren, bei einem Vorfall der emotionsbehafteter nicht sein könnte. Bravo!« 
Merlin Mayer, tfmviennale2015, Wien










zuletzt aktualisiert am 07.11.2017

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