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Karakum – Ein Abenteuer in der Wüste

Deutschland/Turkmenistan 1993

 

 

»Ich verlange, dass man mich hier wegbringt und zwar sofort! Ich will zu meinem Vater!« Ein Abenteuerurlaub soll es werden, mit Touren in die Wüste und ans Kaspische Meer. Roberts Vater ist als Ingenieur in Turkmenistan, hilft Erdgasquellen zu erschließen.
Der Sohn kommt aus Hamburg, ausgerüstet mit Gameboy und Walkman – den Markenzeichen der Jugendkultur Anfang der 1990er. Nach der Landung die erste Enttäuschung: Nicht der Vater, sondern ein russischer Fahrer holt ihn ab. Doch dieser – angeblich zuverlässige – Pjotr lädt erst seinen Neffen zu, weicht dann von der Route ab und setzt den LKW schließlich in den Sand. Als er aufbricht, um Wasser zu holen, sind die beiden gleichaltrigen Jungen auf sich gestellt. Hitze, Durst und ein Wettlauf gegen die Zeit: Robert und Marud müssen – ohne die Sprache des anderen zu verstehen – zusammenfinden und einander vertrauen, um ihr Leben zu retten. Der Abenteuerurlaub gewinnt ungeahnte Dimensionen.

Digitalisiert, neu geschnitten und neu vertont: Ein Kinderfilmklassiker in frischem Glanz!

Fotos: MFA+ FilmDistribution, Regensburg


 

Themen

Abenteuer, andere Kulturen, Bewährungsproben, Fantasie, Freundschaft, Heimat, Identität, Mut, Natur, Selbstbewusstsein, Sprache, Toleranz, Vater-Sohn-Beziehung, Vorurteile, Werte

 

Fächer

Deutsch, Geografie, Geschichte, Lebensgestaltung-Ethik-Religionskunde, Politische Bildung

 

Kritikerstimmen

»Agthe erzählt die spannende Geschichte vor allem mittels Bildern von atemberaubender Schönheit: die Wüste mit ihren ständig variierenden Oberflächenstrukturen bietet einen optischen Reiz ohnegleichen, das Licht wechselt im Verlauf eines Tages und wird mit großer Intensität und Atmosphäre eingefangen. Mit wenigen optischen Akzenten deutet Agthe aber auch an, daß es hier um keinen ›luftleeren‹ Fantasie-Raum geht, sondern um eine konkrete Region, die mit ihren Problemen zu kämpfen hat. Verfallene Bohrtürme und Industriemüll liegen ebenso am Wegesrand wie ein verrottetes Hammer-Sichel-Denkmal, das von vergangenen sowjetrepublikanischen Zeiten kündet. Nur wenige Pinselstriche genügen Agthe auch, um den Jungen ausreichend Profil zu geben und sie zu Sympathieträgem zu machen.« 
Horst Peter Koll, film-dienst, Bonn

»Robert erweist sich als extrem tüchtig, ein Junge aus dem Westen, der mit Technik umgehen kann: Assistiert von Murad baut er aus der Ladung und der Plane des Wagens einen Strandsegler. Der Vater ärgert sich mit den einheimischen Rettungskräften herum. Einmal berühren sich beide Bewegungen, die Fahrt des Sohnes, der Flug des Vaters: Aber Banditen, die Robert und Murad gefangen haben, können den Vater täuschen. Trotzdem wird das gute Ende kommen, unvermeidlich.«
Wilhelm Roth, epd film, Frankfurt/Main 

»›Karakum‹ – mit ausgezeichneten Schauspielern besetzt, wobei die beiden jugendlichen Hauptdarsteller Max Kullmann und Murat Orasov sowie Pjotr Olev, der den zwielichtigen LKW-Fahrer spielt, hervorzuheben sind – zieht einen von Anfang an in seinen Bann, ein Film voller Spannung, Abenteuer, wunderbaren Wüstenbildern (die ein wenig an die Fotografien von Otl Aicher aus der Sahara erinnern) und auch ein Film über eine langsam wachsende Freundschaft zwischen zwei Gleichaltrigen aus ganz verschiedenen Kulturkreisen: Ein Film, der zu Recht beim Kinderfilmfest der internationalen Filmfestspiele Berlin mit dem UNICEF-Preis der Erwachsenenjury ausgezeichnet wurde.«

Thomas Thiel, Kinder- und Jugendfilm Korrespondenz, München

Fragen an den Regisseur Arend Agthe

MFA: Ein Film kehrt zurück - Warum jetzt Karakum? 

Arend Agthe: Weil der Film in vielerlei Hinsicht heute aktueller ist.

MFA: Wie kann ein Film, der 1993 entstand, heute noch aktuell sein? 

Arend Agthe: Das Thema ›interkulturelle Begegnung‹ ist aktueller denn je. Karakum hat vor dem Hintergrund der anhaltenden Flüchtlingsbewegung und den vielfältigen Integrationsproblematiken in Gesellschaft und Schule, einen nachhaltigen Sinnbezug erfahren. Die Geschichte zweier gleichaltriger Jungen, aus unterschiedlichen Kulturen - der muslimische Murad aus Turkmenistan und der westeuropäische Robert, aus Deutschland - gehen in der Wüste verloren. Kulturell einander fremd - die Sprache des anderen nicht verstehend - raufen sich die beiden Jungen zusammen und retten nicht nur ihr Leben, sondern auch das ihres Betreuers. 

Was der Film als reale Utopie vorführt, wurde von Kindern unterschiedlicher Nationen, die den Film auf Festivals sahen, direkt verstanden. Es zeigt sich, dass unser Film, der über weite Strecken nonverbal oder in zwei nicht synchronisierten, parallelen Sprachen verläuft– ubiquitär verstanden wird; eine Art Völkerverständigung im Kleinen. Ich hoffe, dass wir mit dem Neustart unseres Films einen kleinen Beitrag auch zur gegenseitigen Verständigung und Integration und zur Überwindung der Fremdheit im eigenen Lande beitragen können... 

MFA: Sie haben den Film auch technisch und inhaltlich erneuert. 

Arend Agthe: Wir haben ihn, was Standards und Sehgewohnheiten angeht, auf den neusten Stand gebracht. Er war ja ursprünglich auf 35mm Film gedreht worden. In einem sehr aufwendigen Verfahren, wurde er Bild für Bild vom Original digitalisiert und liegt uns jetzt als DCP vor. Auch der Ton wurde komplett überarbeitet: aus einem rauschigem Lichtton-Mono mixten wir 7.1 Stereo – mit Hilfe der alten Stereo-Master-Bänder. Und ich habe dem Film durch kleine Schnittveränderungen ein schnelleres Erzähltempo gegeben; das hat ihm gutgetan. Ich bin mit dem Ergebnis sehr zufrieden und danke der Filmförderungsanstalt Berlin FFA, ohne deren Hilfe es Karakum in dieser Form nicht gäbe.

Interview: MFA+ FilmDistribution, Regensburg




zuletzt aktualisiert am 06.11.2017

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