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Die Mühle und das Kreuz
Mlyn i krzyz

Polen/Schweden 2011

 

 

»Ich will arbeiten wie eine Spinne«, sagt der Künstler, als er dem Auftraggeber des Werkes seine Intentionen veranschaulicht. »Mein Bild wird viele Geschichten erzählen. Es muss groß genug sein, um alles aufnehmen zu können.« Pieter Bruegel wird für den Antwerpener Kaufmann und Kunstmäzen Nicolas Jonghelinck die Kreuztragung Christi in ein Gemälde fassen. Aber er wird das biblische Geschehen statt in historischer Zeit und auf dem Weg nach Golgota in seiner Gegenwart und in seiner Heimat ansiedeln: Bruegels »Wimmelbild« zeigt das Flandern 1564, kein Landidyll, sondern ein Ort, wo sich der junge niederländische Protestantismus der spanisch-katholischen Knute erwehren muss. Der Film führt buchstäblich in das Gemälde hinein, greift ein Dutzend Protagonisten heraus und verknüpft ihre Schicksale mit Gott und der Welt. Fast ohne Dialoge, aber in einer imposanten Vielfalt von Tönen und Geräuschen, entwickeln sich malerisch opulente Szenen – tableaux vivants – von symbolischer Kraft. Schauplätze, die wir auf dem Bild nur im Hintergrund oder am Rande sehen, rücken ins Zentrum. Die Mühle hoch oben auf dem Fels wird zu Gottes Ausblick und einem Mahlwerk von Geschichte und Geschichten. 80 Minuten lang holt der Film das berühmte Gemälde aus dem Museum, die letzten fünf Minuten bringt er den Bruegel wieder zurück: Die Kamera entfernt sich ganz behutsam aus dem belebten Bild, gibt einen Rahmen und dann den Raum des Kunsthistorischen Museums zu Wien frei, neben der »Kreuztragung Christi« hängt »Der Turmbau zu Babel«.
Absolut unmuseal: Eine Synästhesie von Kunst und Sinnen, technisch brillant und malerisch schön!

Fotos: Neue Visionen Filmverleih, Berlin


 

Themen

biblische Motive, Bildinterpretation, Blue Screen, Filmsprache, Ikonographie, Kunst als Auftragswerk, Kunstgeschichte, Künstlerbiografie, Malerei, Niederlande unter spanischer Herrschaft, Passionsgeschichte, Pieter Bruegel: Leben und Werk, Religion

 

Fächer

Darstellendes Spiel, Deutsch, Geschichte, Kunst, Lebensgestaltung-Ethik-Religionskunde

 

Kritikerstimmen

»Ein unglaublich sinnlicher Film, den man vergleichen kann mit den berühmten Malerei-Filmen von Greenaway und Jarman. Oder mit einem Gang in ein Museum, mit einem Gang vielleicht auch in einen Gottesdienst, wo man sich einfach mal zwei Stunden darauf einlässt, dass einem da eine märchenhafte, poetische Geschichte erzählt wird, und man zugleich auch eine ganze Menge erfahren kann – sowohl über das 16. Jahrhundert, wie über die Kunst an sich, also auch über das Kino.« Rüdiger Suchsland, Telepolis

»Majewski übersetzt damit Kunstgeschichte in Film und schafft selbst ein bildgewaltiges Kunstwerk, das Kunstinteressierte erfreuen wird. Mit der doppelten Bedeutung des ›bewegten Bildes‹ und der Vormachtstellung des Bildes gegenüber dem Wort offenbaren sich darüber hinaus die Stärken des Mediums Film in seinen kleinsten Einheiten: Bild und Einstellung. Aufgrund der hohen Qualität sowie der innovativen Inszenierung und Umsetzung bietet ›Die Mühle und das Kreuz‹ hochwertigen filmischen Bildgenuss in Reinform, in Form von Tableaux vivants – lebenden Bildern.«
Martina Zerovnik, pressplay.at, Wien

»Das Bild ist ein Bild und nichts, was echt wäre, und doch besitzt es mehr Wahrheit, als Kinobilder sonst beanspruchen können. Mit Blue Screen, 3D-Effekten und einem riesenformatig nachgestellten Gemälde erzielt Majewski eine seltsame halluzinogene Wirkung, als würde das Kino eben erst aus dem Geist des Puppentheaters entstehen.« Willi Winkler, Süddeutsche Zeitung, München

»Der Spielfilm des polnischen Regisseurs Lech Majewski haucht dieser opulenten Leinwandszenerie aus dem Museum Leben ein, ausgehend von der Bildanalyse des Kunsthistorikers Michael Francis Gibson (The Mill and the Cross: Peter Bruegel’s ›Way to Calvary‹) […] Mit hohem technischem Aufwand, akribisch in Kostüm-, Setdesign und Ton, entwickelt Majewski eine emphatische Erzählform und Bildsprache, die an ein Gemälde heranzuführen vermag, das sich bei einem Besuch im Kunsthistorischen Museum so nicht erschließt.« 
Ulrike Mattern, epd film, Frankfurt/Main

»Majewski übernimmt aus der Vorlage auch das Prinzip der Gleichzeitigkeit des Ungleichzeitigen: Charlotte Rampling präsentiert er als Mater Dolorosa, die schon bei Bruegel im Vordergrund Jesus bereits beweint, obwohl der ja noch in der Bildmitte sein Kreuz trägt. Er kombiniert Blue Screen, eine selbst gemalte Riesenkopie des Gemäldes und reale Landschaften in aufwendigen digitalen Verfahren zu unzähligen übereinander liegenden Schichten. Alle Symbolik bleibt dadurch geerdet, jedes figürliche Detail wird so sorgfältig herausgearbeitet, dass man nicht nur in das Bild, sondern in das Vermögen der Kunst selbst hineinzusinken meint. Mehr passiert eigentlich nicht, trotzdem glaubt man, ein Wunder gesehen zu haben.« Cosima Lutz, Die Welt, Berlin

»Zu hören ist außer dem Soundtrack ab und an ein Satz von Bruegel oder seinem Mäzen, ansonsten sehen wir eine düstere, gewalttätige Welt, fernab jeder Erlösung, die die Passionsgeschichte ansonsten verheißt. Doch was sich hier technisch kompliziert anhört, wirkt im Film organisch. Doch ›Die Mühle und das Kreuz‹ wird nicht zum Historienfilm, sondern zum faszinierenden Eintritt in ein Gemälde.« Hartwig Tegeler, Deutschlandfunk, Köln

»Mindestens so interessant wie die Belebung des Gemäldes ist die hochartifizielle filmische Umsetzung. Der polnische Regisseur Lech Majewski war von Michael Francis Gibsons Buch ›The Mill and the Cross‹, einer akribische Analyse des Bruegel-Bildes, begeistert. Majewski, Maler, Filmemacher, Videokünstler und Opern-Regisseur, verwendete für sein jüngstes Kunstwerk neuste 3D-Effekte und schuf einen vielschichtigen Bildteppich, der auf computeranimierten Hintergründen basiert. Die Schauspieler agierten sowohl vor eine Blue Screen als auch vor realen Landschaften und einem 2D-Hintergrund, einer Mega-Kopie des Bruegel-Werks, nachgemalt von Majewski.« Rolf Breiner, cineman.ch, Zürich

»Majewski erweist sich in ›Die Mühle & das Kreuz‹ ebenfalls als Bilderzähler, der hintereinander viele Gemälde schafft, die bei Bruegel noch ineinander verschachtelt sind. Ein wenig spielt er Herrgott, so wie der Müller auf der Mühle, die in Bruegels Bild das Geschehen überragt. Als im Film der Maler im Vordergrund und der Müller auf dem Fels einander zuwinken, erstarrt jede Bewegung. Für einen Moment fallen alle Zeitebenen zusammen. Dann geht es weiter gen Golgatha.« Nicola Kuhn, Der Tagesspiegel, Berlin

»The film, however, is never showy. It engages, amuses and educates the audience and then takes a bow. The ending gently suggests audiences can find these stories and many more hanging on walls at museums and galleries. Majewski has merely stepped in and done the imagination work for us.« 

Theodor Schwinke, Transition online / tol.org, Prag









zuletzt aktualisiert am 25.07.2017

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