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Unter dem Sand – Das Versprechen der Freiheit
Under Sandet

Deutschland/Dänemark 2016

 

 

Vor Hunger können sie sich kaum mehr auf den Beinen halten. Keine Kraft, keine Konzentration, keine ruhige Hand. Genau die aber bräuchten sie bei ihrem Himmelfahrtskommando. Junge Männer, die als Gefangene nach dem verlorenen Krieg den »Dreck« wegräumen müssen: 1,5 Millionen Landminen. An der dänischen Westküste im Sand vergraben, in der Annahme, die Invasion der Alliierten könnte hier erfolgen. »Glaubst du, dass ihr mir leid tut«, fragt der dänische Feldwebel den Deutschen, der für seine Kameraden um Essen bittet. Als Sieger präsentiert er den Verlierern eine einfache Rechnung: Pro Stunde sechs Minen entschärfen – und in drei Monaten zu Hause. Die Jungs träumen davon, was sie dann machen werden und wissen doch genau, wie furchtbar nah sie dem Tode sind.

Zwischen Hoffnung und Verzweiflung, zwischen Routine und Katastrophe: Ein brückenschlagender Anti-Kriegsfilm, im wahrsten Sinne des Wortes hochexplosiv und zutiefst berührend.

Fotos: Koch Media, Planegg



 

Themen

(deutsche) Geschichte, Ethik und Moral, Filmgeschichte, Kriegsfolgen, Landminen, Macht, Nationalsozialismus, Schuld und Sühne, Strafe, Tabus, Verantwortung, Wiedergutmachung, Zivilcourage, Zweiter Weltkrieg

 

Fächer

Deutsch, Geschichte, Kunsterziehung, Lebensgestaltung-Ethik-Religionskunde, Politische Bildung

 

Kritikerstimmen

»Immer wenn man glaubt, über den Zweiten Weltkrieg sei nun wirklich alles auserzählt, kommt wieder ein neuer Film, der einen eines Besseren belehrt. Und noch mal neue Aspekte in den Fokus rückt […] Der Film, sagt Regisseur Zandvliet, untersuche natürlich auch die dänische Schuld an jenem Kapitel Nachkriegsgeschichte. ›Ein Kapitel, das bei uns in Dänemark noch nie wirklich an die Öffentlichkeit gekommen ist, dafür belastet es vermutlich viel zu sehr das historische Gewissen.‹ Je länger sein Team in der Vorbereitung zu dem Film recherchierte, desto mehr Belege fanden sie, dass dieses Thema noch immer so etwas wie ein historisches Tabu darstellt. Peter Zander, Berliner Morgenpost

»Martin Zandvliet hat mit ›Unter dem Sand‹ einen eindringlichen, manchmal nur schwer zu ertragenden Film gedreht über die Grausamkeit von Kriegen und das maßlose Leid, das sie hinterlassen. Ein packender Anti-Nachkriegsfilm, der auch deswegen so gelungen ist, weil er auf Sentimentalitäten oder manipulative Bilder verzichtet.«
Jörg Albrecht, Deutschlandfunk, Köln

»Regisseur Martin Zandvliet aus bislang ungesehener Perspektive ins Visier: Sein Kriegsfilm kommt ohne Kampfhandlungen oder Waffen und mit einem Minimum an Pyrotechnik aus. Alle Schlachten sind geschlagen, aber ihre mörderischen Folgen stecken noch im Boden. Und in den Köpfen […] Ein psychologisch präzises Kammerspiel, das mit reduzierten Mitteln mitreißende Wucht entfaltet.« Swantje Seberg, kunst+film, Kassel

»›Unter dem Sand‹ ist, man kann es sich denken, kein Gutelaunefilm. Es ist aber ein sehr guter Film. Auch wenn die Entwicklung des Verhältnisses zwischen Rasmussen und den Jungs hin zu einem verantwortungsvollen, ja kameradschaftlichen Umgang miteinander von eher konventionellen Erzählmustern und dramaturgischen Standards markiert wird […] Wie subtil Møller das spielt, ist fantastisch. Er schleust seine Figur sozusagen heimlich in die Sympathie der Zuschauer ein, die dann Mitgefühl mit einem mitleidlosen Mann haben, der eben das schon nicht mehr ist.« Alexandra Seitz, epd film, Frankfurt/Main

»Wer so starke Bilder einfängt, kann sich in den Dialogen beschränken. Also gibt es nur wenige und wenn mit Dialogen gar Gespräche gemeint sein sollen, dann bleiben zwischen den gebrüllten Befehlen kaum eine Handvoll. Sie sind umso kostbarer. […] Am Ende wird ›Unter dem Sand‹ die komplizierten Mechanismen des zwischenmenschlichen Miteinanders nach einem solch großen Trauma aufgedeckt haben und zeigen: Wer in Frieden weiterleben will, hat keine Wahl. Er muss wieder zum Mensch werden.« Wenke Husmann, Die Zeit, Hamburg

»Der schnörkellos strukturierte Film verzichtet auf Kameradschaftsklischees, zeigt die blutjungen Ex-Soldaten bei den entsetzlichen Räumarbeiten und schockiert vor allem mit der geschilderten Vorgehensweise des Militärs, dem in Gestalt eines Kommandanten (Roland Møller) ein ambivalentes Gesicht gegeben wird.« Peter Hoch, Klenkes, Stadtmagazin Aachen

»Von den Mitteln her reduziert, aber ungemein effektiv tastet sich Regisseur Martin Zandvliet durch die von ihm gewählte Extremsituation, auf der Suche nach Wahrheiten, die es sich nicht einfach machen. Großes Glück hat er dabei mit seinem Hauptdarsteller Roland Møller, der vom blutigen Vergelter bis zum Ersatzvater viele Facetten in einer Rolle aufzufächern weiß. Auch deshalb gelingt diese Lektion in Menschlichkeit furios.«
Thomas Taborsky, Die Furche, Wien 

»Dieser gestandene Mann steht unter gewaltigem Druck seiner rachedurstigen Vorgesetzten: Er arbeitet sich langsam empor aus der Verrohung. Am Ende hält er sogar sein Versprechen und lässt die wenigen überlebenden Minensucher in die Freiheit, will sagen Heimat ziehen – gegen den ausdrücklichen Befehl der hohen Militärs, die sie für ein neues Himmelfahrtskommando vorgesehen hatten. Nur im militärischen Ungehorsam liegt Menschlichkeit – das ist die Quintessenz dieses eindrucksvollen Kriegsfilms. Und sie gilt für Deutsche wie für Dänen. Sie gilt letztlich für alle kriegerischen Auseinandersetzungen. Man kann sie gerade in unseren Zeiten nicht oft genug aussprechen und künstlerisch umsetzen.«
Tilman Krause, Die Welt, Berlin

 



zuletzt aktualisiert am 28.12.2016

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