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Nebel im August

Deutschland/Österreich 2016

 

 

»Du bist Zigeuner«, sagt der Klinikdirektor. »Wir sind Jenische«, entgegnet ihm selbstbewusst der 13-jährige Junge, als er am 5. Mai 1944 in eine »Heil- und Pflegeanstalt« eingewiesen wird. Ernst Lossas Mutter ist gestorben, der Vater fahrender Händler ohne festen Wohnsitz: Menschen wie sie werden von der Nazi-Ideologie als »asoziale Schädlinge« diffamiert und verfolgt. In der Anstalt macht sich der körperlich und geistig völlig gesunde Junge nütz-lich, ist beliebt beim Personal und den Insassen. Doch bald schon kriegt er mit, was hier geschieht: Ein Todesengel in Schwestern-tracht verabreicht den – vom Klinikchef selektierten – Patienten mit Himbeersaft versüßte Barbiturate: Lungenentzündung, lautet der amtliche Todesvermerk. Die Klinik ist Teil der NS-Euthanasie, Ärzte und Pfleger wirken mit an der Vernichtung »unwerten Lebens«. Als Ernst den Direktor einen Mörder nennt, ist sein eigenes Schicksal besiegelt.

Nach einer authentischen Geschichte: erinnern, mahnen und nicht vergessen.

Fotos: StudioCanal, Berlin

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Das Buch zum Film
Robert Domes: Nebel im August. Die Lebensgeschichte von Ernst Lossa.

Taschenbuch, 352 Seiten
Romanvorlage, cbt Verlag, 978-3-570-30475-4,
erschienen Februar 2008

Romanvorlage mit Filmbildern, cbj Verlag,
978-3-570-40328-0, erschienen Oktober 2016



 

Themen

(deutsche) Geschichte, Biografie, Erinnerungskultur, Ethik und Moral, Euthanasie, Identität, Ideologie, Jenische/Roma, Literaturverfilmung, Machtmissbrauch, Menschenrechte, Nationalsozialismus, NS-Rassenideologie, Schuld, Vater-Sohn-Beziehung, Vertrauen, Werte

 

Fächer

Deutsch, Geschichte, Lebensgestaltung-Ethik-Religionskunde, Philosophie, Politische Bildung, Psychologie, Recht

 

Kritikerstimmen

»Für die Produzenten war von Anfang an offenbar vor allem klar, was für einen Film sie mit ›Nebel im August‹ nicht drehen wollten: keinen ›weiteren Nazifilm‹, keinen Film ›aus der Täterperspektive‹ und zugleich keinen Film, der seine Zuschauer bloß in Verzweiflung stürzt. Und tatsächlich, all das ist ihnen gelungen, noch dazu, ohne in die gegenteiligen Fallen zu tappen: Beschönigung, Verharmlosung, Enthistorisierung.«
Jan Schulz-Ojala, Der Tagesspiegel, Berlin

»›Nebel im August‹ ist vielschichtig, ohne überladen zu sein; ist emotionsgeladen, ohne kitschig zu werden. Ein wichtiger Film, der sowohl eine jüngere Zielgruppe als auch ein älteres Publikum anspricht. Und ein Film, der beweist, dass es durchaus kluge, deutsche Produktionen gibt, die sich dem internationalen Vergleich stellen können. Es lohnt sich, über ›Nebel im August‹ zu sprechen – im Alltag und in der Schule.« Barbara Kotzulla, UNICUM ABI, 
Das Abiturienten- und Schülerportal, Bochum

»Einige Figuren wurden hinzugefügt, andere auch verändert, herausgekommen ist damit jedoch eine beeindruckende, berührende Erzählung, die sich auf das letzte Lebensjahr des Jungen konzentriert. Der Fokus liegt damit enger als beim Roman, stellt aber dafür den Aspekt der Euthanasie stärker in den Mittelpunkt und fungiert als flammendes Plädoyer dafür, dass solche Gräueltaten niemals wieder im Namen der Wissenschaft oder gar der Menschlichkeit stattfinden dürfen.« 
Peter Osteried, kritiken.de, Herford

»Ein Charakterdrama und ein Coming of Age-Film unter extremsten Bedingungen und zudem unbequem und komplex […] zutiefst erschütternd und zugleich zutiefst menschlich.«
Gregor Torinus, spielfilm.de, Nierstein

»Ein beachtlicher Balanceakt zwischen anklagendem Zeitdokument und zartem Coming-of-Age-Film, getragen von herausragenden Darstellern […] Ein vielschichtiges, herbes Drama, das die niederschmetternde Thematik Euthanasie so ungeschönt an den Zuschauer heranträgt, wie es sein muss. Bis zum bitteren Ende.« Antje Wessels, filmstarts.de, Berlin

»Vermittelt eindrucksvoll, auf welch schiefe Ebene die Sterbehilfe-Debatte geraten kann, wenn sich das Leben nach Kriterien der Nützlichkeit für einen Finanzhaushalt oder das soziale Leben bemisst. Der Film macht deutlich, wie sich die Gruppe der Opfer jederzeit ausweiten kann, aber auch, welche unterschiedlichen, mitunter befremdlichen Vorstellungen Menschen vom Mitleid haben.« Heidi Strobel, film-dienst, Bonn

»Die historische Aufklärung ist sicherlich ein Ziel von ›Nebel im August‹ gewesen. Mit der angemessenen Darstellung eines bisher vernachlässigten Themas gelingt ihm dies sichtlich. Abgesehen davon schneidet der Film jedoch im Allgemeinen die Frage nach der willentlichen Beendigung menschlichen Lebens an – nicht nur im Zuge der pränatalen Diagnostik. Ansichten aus Religion und Wissenschaft kollidieren hier und geben dem Zuschauer zu denken – aber erst nachdem er den Schockzustand überwunden hat und ein paarmal kräftig schlucken musste.«
Jonas Göken, moviebreak.de, Kassel

»Obwohl oder gerade weil ›Nebel im August‹ mit seinem Sujet sensibel umgeht, lüftet der Film den Schleier, der im deutschen Kino viel zu lange über dem ›Euthanasie‹-Programm der Nazis gelegen hat. Und gibt mit Ernst Lossas Geschichte den mehr als 200.000 Psychiatrie-Patienten ein Gesicht, die zwischen 1939 und 1944 systematisch ermordet wurden.«
Christopher Diekhaus, kino-zeit.de, Mannheim

»Es ist schwer, die Geschichte des Ernst Lossa zu erzählen, aber es verdient auch jeder Respekt, der es versucht. Denn er trägt dazu bei, dass wir, mit den Worten Uwe Johnsons, wenigstens in Kenntnis leben.« Wieland Freund, Die Welt, Berlin



zuletzt aktualisiert am 11.01.2017

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