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Heidi

Deutschland/Schweiz 2015

 

 

Die schwarze Pädagogik war es, gegen die Johanna Spyri um 1880 mit zwei Romanen anschrieb, die von der kleinen Schweiz aus die weite Welt eroberten. Das mediale Bergecho ist gigantisch: In 50 Sprachen übersetzt, acht Trickfilme, fünf TV-Serien, elf Spielfilme – und der leidige Ohrwurm »Heidi, deine Welt sind die Berge«.
Der neue Film lässt alles beim Alten und macht alles besser.
Ohne Kitsch und Alpenromantik erzählt er die Geschichte des kleinen Waisenmädchens, das zum bärbeißigen Großvater auf die Alm geschickt wird. In Gottes freier Natur blüht sie auf, freundet sich mit dem Geißenpeter an und gewinnt das Herz des Almoehi. Doch dann folgt die Vertreibung aus dem Paradies, wird sie ins steinerne Frankfurt verbracht, zur Gesellschaft eines im Rollstuhl sitzenden Mädchens. Die Enge und die Zwänge, die Normen und Regeln lassen sie vor Heimweh krank werden. Das Mädchen sucht ihre Heimat und ihre Identität – einen Ort und Menschen, bei denen sie sich daheim und geborgen fühlen kann.

»Den eigenen Augen und Ohren trauen«: Diese Heidi ist ein Naturereignis!

Fotos: StudioCanal, Berlin


 

Themen

Abschied nehmen, Anpassung, Erziehungsmethoden, Familie, Familien- und Generationsbeziehungen, Freundschaft, Heimat, Heimweh/Fernweh, Identität, Literaturverfilmung, Natur, Stadt/Land, Tiere, Vertrauen, Werte

 

Fächer

Deutsch, Deutsch als Zweitsprache, Kunsterziehung, Lebensgestaltung-Ethik-Religionskunde, Sachunterricht

 

Kritikerstimmen

»Eine Geschichte also, die bis hierhin auch heute noch geschrieben werden kann, denkt man etwa an die zerris­senen Familien in den Armenhäusern Europas wie der Republik Moldau oder Maze­do­nien, wo ebenfalls nur die Kinder und Alten zurück­bleiben, damit ihre Eltern ihr Glück in den reichen Metro­polen der Welt machen können. Zu Heidis Zeiten ist das Frankfurt. Anders als die Kinder Moldaus darf Heidi aller­dings nach Frankfurt nach­kommen. Doch was sie dort erlebt, ist dann doch zu viel des ›Culture Clashs‹, entfacht ein Aufbe­gehren und reißt gewis­ser­maßen die gute Gesell­schaft, das Esta­blish­ment, gleich mit.«
Axel Timo Purr, artechock.de, München

»Die von Spyri geschilderte Härte des ländlichen Alltags im 19. Jahrhundert hat wohl keine Adaption direkter gespiegelt. Das zeitliche Umfeld ist aufwendig rekonstruiert, die Handlung aber entstaubt – und so der zeitlose Kern um Entfremdung und Entwurzelung freigelegt […] Die heutige Pädagogik müsste dieses Heidi zur Ikone der Resilienz erheben.«
Urs Bühler, Neue Zürcher Zeitung

»Regisseur Alain Gsponer zeigt starke Kontraste: Arm und Reich, Natur und Kultur, Enge und Freiheit. Patriotische Schönfärberei war gestern. Das neue Heidi kommt natürlich frisch und ungewaschen daher.« Selim Petersen, Schweizer Fernsehen, srf.ch 

»Klar, nicht immer kommt die Umdeutung des Stoffes gegen die Eindeutigkeit der Bilder an. Aber was soll man machen, so ein Nebelmeer ist eben malerisch. Und als Kinderbuch über Mädchenfreundschaft und die spontane Heilung einer nicht geländegängigen Kranken an der guten Bergluft endets natürlich auch im gewohnten Spyritismus. Aber es soll niemand mehr sagen, das Heidi tauge nur zum rechtsnationalen Mythenmotor. Es erzählt sich jetzt seine eigenen Geschichten. Siehe da: Als Wirbelwind der Empathie taut das Heidi nicht mehr nur die anderen auf – sondern endlich auch sich selbst.« Pascal Blum, Tagesanzeiger, Bern

»Vor allem aber konstruiert der Film keinen platten ideologischen Gegensatz zwischen Stadt und Land, wie das die Zeichentrickserie getan hat: Dort war das Leben in den Schweizer Alpen heiter, ehrlich und echt, von Frankfurt hat man dagegen nur riesige graue Mauern gesehen, hinter denen verzärtelte, böse Menschen hausten. Ein erfülltes Leben schien dort unmöglich! Petra Volpe und Alain Gsponer machen dagegen klar: Heidi leidet in Frankfurt, aber nicht an der Stadt selbst, sondern daran, dass ihr Herz in den Bergen bei ihrem Großvater geblieben ist.« Bettina Steiner, Die Presse, Wien

»Mut zum Dialekt (den man ruhig auch im Frankfurter Sesemann-Haus hätte aufbringen können) und authentisch-düstere Darstellungen der ärmlichen Dorf- und Bergbewohner in ihren kargen Behausungen, die von dem alles akzeptierenden Kind Heidi gar nicht so wahrgenommen werden, reichern ›Heidi‹ zu einem kräftig-alpengrünen Film an, der trotz intensiver Farben und großer Bilder weniger Panoramapostkarte als viel mehr Sozialdrama ist. Und das ist ganz im Sinne der Erfinderin.«
Jenni Zylka, Der Spiegel, Hamburg

»Heidi ist zwar eine Meisterin der Anpassungsfähigkeit, doch die Entwurzelte leidet. Im Stillen. Nicht an der Stadt, sondern an der Sehnsucht nach dem Großvater in den Bergen. Das ist ein wichtiger Unterschied. Der Film spielt Stadt und Natur nicht gegeneinander aus […] Heidi darf heim. Ihre Rückkehr zum Alm-Öhi ist einer der berührendsten Momente des Films.«
Melanie Mühl, Frankfurter Allgmeine Zeitung

»Das ist es, was das neue ›Heidi‹ ausmacht, dass es ganz nah dran ist an dem, was die Realität von damals war, dass es die vermeintliche Alpenkitschgeschichte unverstellt, ungekitscht fühlbar macht, dass man des Öhis Hütte riechen kann. Und ein bisschen sogar den Alpöhi, der wenig Gesicht hat, aber sehr viel Bart.« Elmar Krekeler, Die Welt, Berlin

»Eine Buchvorlage von 1881, in der die Erwachsenen so oft danebenliegen, ist in diesem Sinn auch eine ungewöhnlich gute Geschichte fürs Heute. Um sie in die Gegenwart zu bringen, muss man sie eigentlich nur nacherzählen. Das gelingt Alain Gsponer, mit gewaltigen Aufnahmen aus den Bündner Bergen, großartigen Schauspielern und einer Moral, die niemals ins Rührselige kippt: Du musst selbst entscheiden, ob du deinen Augen trauen willst.«
Charlotte Theile, Süddeutsche Zeitung, München

»Wirklich wunderbar ist Bruno Ganz als unbeugsamer Almöhi. Wortkarg, wie es sich gehört, aber trotz altersgebeugter Gestalt von einer gesunden physischen Präsenz, wie man sie bei diesem Zögerer und Zweifler seit Gott weiß wann nicht gesehen hat. Er gibt der liebevoll amodischen, kein bisschen piefigen und ausgesprochen maßvoll pathetischen Klassikeradaption eine erdige Rauheit Marke Neuer Heimatfilm.«
Gunda Bartels, Der Tagesspiegel, Berlin



zuletzt aktualisiert am 30.04.2018

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