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Luther
Luther

USA/Großbritannien/Deutschland 2003

 

 

»Hier stehe ich und kann nicht anders!« Eine Luther-Legende, diese Worte. Auch wenn sie so nicht gesprochen wurden auf dem Reichstage zu Worms 1521, manifestieren sie Luthers Geist und Gewissen. Der Film widmet sich den Stationen vor und nach diesem Bekenntnis: Im Juli 1505 vom Blitze verfehlt, nimmt Luther dies als Zeichen. Er gibt das Jura-Studium auf und wird Mönch in Erfurt. Auf eine Pilgerfahrt nach Rom folgt das Theologiestudium in Wittenberg. Hier schlägt er 1517 seine 95 Thesen als Protest gegen den Ablasshandel an die Tür der Schlosskirche. Im Jahr darauf verlangt Rom den Widerruf. Vom Papst exkommuniziert und vom Kaiser geächtet, wird Luther zum Ketzer erklärt. Zu seinem Schutze auf die Wartburg gebracht, übersetzt er binnen elf Wochen das Neue Testament aus dem Griechischen ins Deutsche. Das Wort wird mächtig, die Reformation ist unaufhaltsam.

Eine opulente Film-Biografie und ein beeindruckendes Geschichtstableau!

Fotos: NFP marketing & distribution, Berlin


 

Themen

Ablasshandel, Bibel, Biografie, deutsche Geschichte, Geschichtskultur, Gewissenskonflikt, Glaube, Glaubensbekenntnis, Identität, Kirche, Konformismus und Widerstand, Macht, Protestantismus, Reformation, Religion

 

Fächer

Deutsch, Geschichte, Kunsterziehung, Lebensgestaltung-Ethik-Religionskunde, Philosophie, Politische Bildung

 

Kritikerstimmen

»Passender hätte der Film nicht kommen können. Alle reden über Reformen, und in den Kinos sehen wir Martin Luther, den Reformator, der die europäische Welt veränderte. Wir erleben einen Menschen, der sich seines eigenen Verstandes bedient und Zivilcourage in entscheidenden Momenten des Lebens zeigt, der seinem Gewissen folgt und keine Angst davor hat, dass die Karriere oder gar das Leben Schaden nehmen könnten.«
Friedrich Schorlemmer, der Freitag, Berlin

»Mit Hilfe des ›Oscar‹-preisgekrönten Ausstatters Rolf Zehetbauer und des Kameramannes Robert Fraisse, der sich in seiner Bild- und Lichtgestaltung die Malerei des 17. Jahrhunderts zum Vorbild genommen hat, zeichnet Till trotz relativ bescheidener Produktionsmittel ein weitgehend authentisches Bild jener von Aufruhr geprägten Zeit, das sich mehr in stimmungsvollen Tableaus als in effekthascherischen Szenerien niederschlägt. Nur der pathetische Soundtrack übertreibt ein wenig.« 
Rolf-Ruediger Hamacher, film-dienst, Bonn 

»Aber was liegt näher, als den Dämon, den Luther auf Dachböden rumoren hörte, zum bösen Geist der eigenen Seele zu machen? Ohne seine Abgründigkeit wäre Luther niemals Luther geworden. Ohne sie wäre nicht entstanden, was man später die deutsche Innerlichkeit nennen würde. Joseph Fiennes macht in dem liebevoll und bewusst altmodisch inszenierten Zweistundenopus die unlöschbaren Seelenfeuer sichtbar, die ihn von innen her verbrennen. Dieser Luther weigert sich zu widerrufen, nicht weil er ein Held ist, sondern weil er keiner ist. Weil etwas in ihm ist, das stärker ist als er – beinahe gegen seinen Willen. Man sieht Fiennes an, wie furchtbar fehl sein Mönchlein fehl am Platze ist auf den großen Tribunalen der päpstlichen Macht.« 

Kerstin Decker, Der Tagesspiegel, Berlin

»So wird aus ›Luther‹ ein Historienfilm, dessen Ausstattung aller Ehren wert ist. Fraglich bleibt dabei aber immer, ob dieser Umgang mit dem historischen Luther gerechtfertigt ist. Der Mann des Wortes, der die römische Kurie mit der Kraft der Bibel – die den herkömmlichen Geistlichen zu dieser Zeit meist gar nicht geläufig war – anging und dort die Begründungen fand, um beispielsweise den Ablasshandel und den Nepotismus im Vatikan anzugreifen, verschwindet hinter dem Mann des Volkes, der als Kämpfer für die Gerechtigkeit antritt.« 
Eberhard Spohd, taz, Hamburg

»Er bedeutet zwar eine Menge, aber selten mehr als er tatsächlich zeigt. Der Film sucht nicht nach einer behaupteten Persönlichkeit hinter der geschichtlichen Person. Er setzt ihr keine Liebesgeschichte auf oder dichtet ihr einen Vaterkomplex an. Er enthält sich weitestgehend Psychologisierungen und beläßt es bei Andeutungen. Der innere Konflikt Luthers wird dem äußeren gleichgesetzt, dem Konflikt mit dem Glauben, und das genügt als treibende Kraft hinter den Ereignissen.«
Matthias Grimm, Schnitt – Filmmagazin, Köln 

»Die strenge Linie wird gewahrt, aber dabei erweist sich der Film als erstaunlich respektlos im Umgang mit seinen Figuren, mit der so genannten historischen Wahrheit. Das bringt wunderbare Momente hervor - in den Szenen zwischen Luther und seinem weisen Kurfürsten, erinnert sich Peter Ustinov, haben wir zusammengespielt wie in einem Wimbledon-Herrendoppel - und viele verhuschte, langweilige Sequenzen.« 
Fritz Göttler, Süddeutsche Zeitung, München

»Die Lehre Luthers nach Till ist vor allem deswegen so attraktiv, weil sie um alles verschlankt ist, was keinen Spaß macht. Hätten die Thesen mehr Raum bekommen, dann hätte Joseph Fiennes komplett unattraktive Dinge sagen müssen wie: Das ganze Leben ist Buße. Genaugenommen ist die Lutherkirche, wenngleich heute weltoffener als ursprünglich gedacht, extrem sündenfeindlich: Der wahre Evangele ist ein Ausbund an Tugend und Bescheidenheit, der nichts als seinen Glauben hat, mit seinen unbeichtbaren Sünden alleingelassen wird, für deren Erlass er gefälligst sein Bestes zu tun hat, ohne je zu erfahren, ob er fertig ist mit Büßen.« 
Susan Vahabzadeh, Süddeutsche Zeitung, München

»Eine wahre Freude für Wittenberg und die Welt ist Sir Peter Ustinov. Als Kurfürst Friedrich der Weise ein Kasper erster Güte. Verdruss und Verschlagenheit spielt er mit der Oberlippe. Ein gebeugter Landesherr, der grübelnd und schlau im Burgstübchen hockt und heimlich die Reformation leitet und, weil er so ein lieber treuer, deutscher Landesvater ist, Luther rettet. Ustinov bezirzt mit Alterscharme den jugendlichen Kaiser Karl V. , brüskiert mit intrigantem Lächeln den Papstgesandten Aleander und lässt sich mit seligem Kindermund von Luther die fertige Bibelübersetzung überreichen. Im Leben haben sich Luther und Friedrich leider nie gesehen.« Detlef Friedrich, Berliner Zeitung

»Was im Film noch einigermaßen realistisch dargestellt wird, ist Luthers Kritik an der päpstlichen Allmacht, als ›Stellvertreter Christi auf Erden‹ zu bestimmen, wie die Bibel auszulegen ist und der Glauben auszusehen habe, und Luthers Angriff auf ein Papsttum, das sich längst in Geschäft und Politik verstrickt hatte, statt im Glauben zu leben. Insgesamt gesehen jedoch reduziert Eric Till die Darstellung der Person Luthers eben auf die Auseinandersetzung um diese Glaubensfragen und damit die Reformation auf eine religiöse Angelegenheit, was sie auch, aber weiß Gott, nicht nur war.« Ulrich Behrens, filmzentrale.com, Berlin



 







zuletzt aktualisiert am 04.11.2016

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