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Selma
Selma

USA 2014

 

 

»Ich nehme diese Ehre an …« Ein Mann übt vor dem Spiegel, eine Krawatte zu binden – und spricht dazu Dankesworte: Am folgenden Tag wird Martin Luther King der Friedensnobelpreis verliehen. Im Jahr darauf, 1965, empfängt ihn der US-Präsident Lyndon B. Johnson im Weißen Haus und möchte ihn für seine politischen Zwecke verpflichten. King aber fordert präsidiale Unterstützung im Kampf um die praktische Durchsetzung des Wahlrechts für die afroamerikanische Bevölkerung. Vor allem im Süden werden Schwarze nach wie vor massiv diskriminiert und daran gehindert, sich in die Wählerverzeichnisse einzutragen. Vom FBI ausspioniert, bedroht und diskreditiert, setzt Reverend King auf gewaltlosen Protest: verhandeln, demonstrieren, widersetzen. Getreu dieser Maxime organisiert er einen 80-Kilometer-Marsch von Selma nach Montgomery, der Hauptstadt Alabamas. Die staatliche Gewalt eskaliert, erst beim dritten Anlauf ist der Weg über die Edmund-Pettus-Bridge frei.

»Ich bin darauf fixiert, was Gott will«: ein Leben für Freiheit und Gerechtigkeit!

Fotos: StudioCanal, Berlin



 

Themen

Biografie, Bürgerrechte, Demokratie, Freiheit, Gewalt, Glaube, Gleichberechtigung, Ideale, Macht, Martin Luther King, Menschenrechte, Menschenwürde, multikulturelle Gesellschaft, Rassismus, Rebellion, Recht und Gerechtigkeit, Religion, Zivilcourage

 

Fächer

Deutsch, Englisch, Lebensgestaltung-Ethik-Religionskunde, Politische Bildung, Psychologie

 

Kritikerstimmen

»Eine pessimistische Sicht müssen die diesjährigen Oscar-Nomi-nierungen (2016) bestätigen: ›Selma‹ ist nur in den Kategorien Bester Film und Bester Song nominiert, nicht für die Regie, nicht für das Drehbuch, nicht für Oyelowos Hauptrolle. Das Dilemma ist im Film schon angelegt, wenn King seinen wichtigsten Berater fragt, welche Freiheit er denn erkämpft habe, wenn Schwarze zwar das Recht hätten, an jedem Imbiss zu essen, es sich aber nicht leisten könnten. Die Vermögens- und Einkommensunterschiede zwischen Schwarzen und Weißen sind heute größer als 1965. Wenn die letzten 50 Jahre eines bewiesen haben, dann, dass das abstrakte Recht auf Selbstbestimmung nicht mit tatsächlicher Gleichheit identisch ist.« Gary Younge, der Freitag, Berlin

»›Selma‹ – das ist die große Leistung des Films – baut seinem Helden kein Denkmal. Sondern zeigt einen Heiligen als Menschen aus Fleisch und Blut. Zum Zeitpunkt der Handlung steht Martin Luther King im Zenit seines Ruhms. Gerade hat er in Stockholm den Friedensnobelpreis entgegengenommen. Er ist ein Popstar der Protestkultur. Aber wenn er nicht einschlafen kann, ruft er Mahalia Jackson an und lässt sich durch den Hörer ein Gospel vorsingen.« 
Christian Schröder, Der Tagesspiegel, Berlin

»Ähnlich wie Steven Spielberg in ›Lincoln‹ vermeidet DuVernay eine voreilige Verklä­rung der Haupt­figur: King erscheint neben seiner rheto­ri­schen Begabung auch deshalb als Wort­führer der Bewegung, weil er versteht, was nötig und was möglich ist: Politik als Kunst des Möglichen. Als Vermögen der Taktik. Und Politik als Kunst des Charisma […] ›Selma‹ ist ein viel besserer Film, als es übli­cher­weise poli­ti­sche Biogra­fien aus Hollywood sind: Spannend, uner­wartet, eindring­lich, ein Films fürs Herz wie für den Verstand – man wird das erst richtig verstehen, wenn man hinein­geht.« 
Rüdiger Suchsland, artechock.de, München

»Ava DuVernays mutiges Leinwanddrama über diese entscheiden-den Monate des legendären Freiheitskampfes der amerikanischen Bürgerrechtsbewegung in Selma präsentiert sich als aufregendes Epos, das den Zeitgeist lebhaft spiegelt. Stilistisch knüpft die afroamerikanische Regisseurin damit an das amerikanische New Black Cinema der 90er Jahre, etwa Spike Lees Biopic ›Malcolm X‹, an. Obgleich sie mit ihrer Hommage auch unbekannteren Mitstreitern der Bürgerrechtsbewegung Tribut zollt und ihre Verdienste in berührender Weise dem Vergessen entreißt und in den Blickpunkt einer Weltöffentlichkeit rückt.«
Luitgard Koch, programmkino.de, Osnabrück

»Die Ereignisse des berüchtigten ›Bloody Sunday‹ erscheinen authentisch und aufrüttelnd, jedoch fern jeder pathetischen Überhöhung. Die Botschaft des Films ist daher eine versöhnliche: Die Gruppe der schwarzen Bürgerrechtler, in der sich Menschen unterschiedlichster Herkunft und Glaubensausrichtung zusammengefunden haben, agiert nicht gegen die Weißen, sondern will diese von der Berechtigung ihres Kampfes überzeugen und auf ihre Seite ziehen. Friedliches Zusammenleben statt Zweiteilung des Landes – vor dem Hintergrund der jüngsten Rassismusdebatte um den Tod junger Schwarzer durch weiße Polizisten stellt ›Selma‹ nicht zuletzt auch einen durchaus mutigen Appell dar.«
Marius Nobach, film-dienst, Bonn 

»›Selma‹ interpretiert zwar Geschichte, nicht zuletzt aber als etwas, das im Moment seines Werdens weder Interpretation noch Bedeu-tung kennt. Den großen Sätzen und Gesten, vor denen DuVernay nicht zurückschreckt, gibt sie ihre Unmittelbarkeit wieder. Wenn der Film sich also lebendiger, relevanter anfühlt als ähnlich ange-legte Geschichtslehrstücke, dann nicht nur wegen des nuancierten Schauspiels ... und der stets mit Spannung aufgeladenen Kamera Bradford Youngs; dann nicht nur, weil DuVernay sich dem patrioti-schen Schlussstrich verweigert und Fragen aufwirft, die spätestens seit Ferguson wieder auf der politischen Agenda stehen.«
Till Kadritzke, critic.de – die Filmseite, Berlin

»Besonders schön sind die Momente, wenn der Film die Wider-sprüche aufzeigt, die den großen Fluss der Geschichte stocken lassen. Martin Luther King als Taktiker – wir müssen alles richtig machen, erklärt er den Mitstreitern, so wie der Sheriff, solange der seine Verhaftungen diszipliniert durchführt. Eine Frage politi-schen Stils […] Unter der politischen Erfolgsgeschichte verläuft eine zweite, die eines Mannes in seiner Unsicherheit, seinem Verlangen nach Geborgenheit und Liebe, Momente der Zwiespältigkeit.«
Fritz Göttler, Süddeutsche Zeitung, München

»Nun ist die Frage, wie wahrheitsgetreu ein historischer Spielfilm sein muss, in der Tat nicht an Fakten allein festzumachen. Ein Leinwanddrama, das einen bewegenden Moment in der Geschichte darstellt, zieht naturgemäss viele Register, die ›Wahrheit‹, die es vermittelt, setzt sich nicht aus Dokumenten, sondern aus Bildern, Figuren, Kameraführung und dramatischem Setting zusammen. Bezüglich der Atmosphäre kann ›Selma‹, da sind sich auch seine Kritiker einig, an vielen Punkten Glaubwürdigkeit beanspruchen.«

Andrea Köhler, Neue Zürcher Zeitung

»›Selma‹ ist so durchkomponiert wie der Sonntagsstaat, den die Akteure auf ihren Märschen tragen. Vielleicht war Oprah Winfrey ein wenig zu dominant, die den Film nicht allein mitproduziert hat, sondern auch die Rolle der Annie Lee Cooper spielt: Wenn man schon aus Gründen der historischen Redlichkeit Gewalt zeigen muss, dann aber bitte wohltemperiert und mit einem goldenen Pathosrahmen versehen. Man kann sich ziemlich sicher sein, dass es 1965 auf dem Freeway von Selma nach Montgomery nicht immer gar so feierlich zuging.« Frank Olbert, Berliner Zeitung

»Oyelowo porträtiert einen charismatischen, starken aber auch komplizierten Martin Luther King und wirkt dabei unglaublich authentisch. Doch auch die Nebendarsteller zeigen sich von ihrer besten Seite. Carmen Ejogo spielt die warme und mutige Coretta King, während die Co-Produzentin Oprah Winfrey in die Rolle der Annie Lee Cooper schlüpft und trotz großteils glaubwürdiger Ähnlichkeit und Darstellung der tragischen Figur, auch ein bisschen Oprah durchschimmern lässt. Währenddessen verkörpert Tim Roth als Gouverneur Wallace einen exzellenten Antagonisten.«
Bianca Hofbauer, pressplay.at, Wien


zuletzt aktualisiert am 04.11.2016

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