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Das richtige Leben

Deutschland 2015

 

 

Schöne Gegend hier, das Bergland am Rande der Republik, direkt an der deutsch-tschechischen Grenze. Die Stimmung allerdings könnte besser sein, sie spiegelt die Lage: Das Versprechen blühender Landschaften hat sich anders erfüllt als einst erhofft. Viele junge Leute sind gen Westen gezogen, der Arbeit und dem Glück hinterher. Manche ihrer Eltern haben resigniert, einige kämpfen noch immer mit den Schatten der Vergangenheit.
So wie Tommys geschiedener Vater, ein Textil-Ingenieur und Wendeverlierer, der nun zufrieden sein soll mit einer Praktikantenstelle im Altenheim. Sein 19-jähriger Sohn hat immerhin einen Ausbildungsplatz, kein Traum-, sondern eher ein Knochenjob: Tommy schuftet als Bäckerlehrling, der Meister ist noch vom alten Schlage, fordert Fleiß und Disziplin. Was die Zukunft angeht, sind Tommys Vorstellungen klar: mit seiner großen Liebe Julia eine kleine Familie gründen, Wohnung einrichten, in der Heimat bleiben. Klingt einfach, ist aber schwer zu machen, weil Julias Vater alle Hebel in Bewegung setzt, die beiden zu trennen. Der wohlhabende Bauunternehmer sperrt der Tochter das Konto, und als die 18-Jährige gleich nach dem Abitur schwanger wird, verlangt er eine Abtreibung. Auf sich allein gestellt, fehlt dem jungen Paar bald das Geld, wachsen ihnen die Probleme über den Kopf. Der scheinbaren Rettung folgt die Strafe ohne Bewährung: Als Kurier hat Tommy Umschläge mit Crystal Meth über die Grenze geschmuggelt. Leicht verdientes Geld, wie eine Droge, die vielleicht kurz euphorisierend, aber auf lange Sicht nur zerstörend wirkt.

Romeo und Julia in der Oberlausitz. Eine Geschichte großer Gefühle und mit der Zuversicht, dass es möglich ist: das richtige Leben.

Fotos: © Andrej Johannes Thieme & Filmuniversität Babelsberg


 

Themen

DDR- und Nachwendezeit, Drogen, Familie, Familien- und Generationsbeziehungen, Heimat, Identität, Kommunikation, Kriminalität, Lebenskonzepte, Liebe, Schwangerschaft, Selbstverwirklichung, Träume, Vater-Sohn-Beziehung, Verantwortung, Vertrauen, Werte

 

Fächer

Deutsch, Geschichte, Lebensgestaltung-Ethik-Religionskunde, Psychologie

 

Kritikerstimmen

»In ›Das richtige Leben‹ geht es um Grenzkonflikte im wahrsten Sinne, um deutsch-tschechische und um soziale Grenzen. Neben Drogen und Liebe greift der Film in den Nebensträngen noch viele weitere Themen auf – DDR-Vergangenheiten zum Beispiel. Fein und subtil lässt er dem Zuschauer Raum für eigene Assoziationen. Der Film wirkt aufgrund der sehr guten Leistung der Schauspieler und wegen der Originalschauplätze authentisch.« 

Rita Orschiedt, Potsdamer Neueste Nachrichten

»Der Film idealisiert die Beziehung des jugendlichen Paares ... keineswegs – zuweilen geht es zwischen dem Bäckerlehrling und der Abiturientin ziemlich ruppig zu; irgendwann können beide die Frage ›Ist alles OK?‹, die sie sich gegenseitig stellen, nicht mehr bejahen. Das titelgebende ›richtige‹ Leben, das sie zu führen versuchen, ist von Anfang an das völlig unmögliche ›richtige Leben im falschen‹. Und doch: Für diesen kurzen Moment war die Welt für Tommy und Julia schön – und dieser Moment begleitet einen auch noch, wenn man sich aus dem Kinozelt zurück ins Festival-Getümmel geworfen hat und einen frozen yogurt snackt. ›Das richtige Leben‹ ist junges, aufregendes, zorniges Kino aus Deutschland – mehr davon, bitte!« 
Andreas Köhnemann, kino-zeit.de

»Könnte man bei der ersten Beschreibung denken, dass es sich hier um eine weitere moderne Romeo-und-Julia-Verfilmung handelt, täuscht man sich. Der 90-minütige Spielfilm hebt sich vor allem dank seiner Erzählperspektive von ähnlichen Streifen ab. Der Zuschauer verfolgt hier nicht die Verzweiflung der schwangeren Julia, sondern begleitet Tommy, der alles dafür tut, seiner Freundin und dem erwarteten Kind eine Perspektive zu bieten. Dabei ist er keineswegs das naive Dummchen, das sich der verklärt romantischen Vorstellung einer Kleinfamilie hingibt. Er weiß ganz genau, was er tut. Selbst als er sich in die Illegalität begibt.«
Mandy Jochmann, filmab!, Magazin zum filmkunstfest Mecklenburg-Vorpommern

»Fast im Stil der belgischen Brüder Dardenne kommt hier nirgendwo der Weichzeichner zum Einsatz [...] Er hält dann doch den Trost parat, dass es ganz so schlimm, wie es die Tradition der Tragödie vorsieht, nicht kommen muss: Ökonomische Zwänge können absoluter erscheinen, als sie tatsächlich sind.« 
Thomas Groß, Mannheimer Morgen



zuletzt aktualisiert am 11.01.2017

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