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Der Junge und die Welt
O Menino e o Mundo

Brasilien 2013

 

 

Punkt, Punkt, Komma, Strich – fertig ist das Mondgesicht. Dazu noch drei Haare auf dem Kopf, fadendünne Ärmchen und Beine, ein rot-weiß geringeltes Hemdchen. Viel zu simpel, so scheint es, als ob daraus der Held eines Zeichentrickfilms werden könnte. Nicht mal einen Mund hat dieser Junge – und statt großer Kinder-Kulleraugen nur lange schmale Schlitze. Aber was er damit sieht und uns allen offenbart, ist eine fantastisch-farbige, prächtig-paradiesische Welt. Mit seinen Eltern lebt er auf dem für ihn schönsten Fleck dieser Erde: einem kleinen Dorf am Rande des brasilianischen Urwalds. Nichts, was ihm fehlen könnte für Glück und Geborgenheit, die Tage enden mit einem vom Vater auf der Flöte gespielten Gute-Nacht-Lied. Eines Tages aber muss der Vater weg, um anderswo nach Arbeit zu suchen. Vergebens sehnt der Sohn seine Rückkehr herbei und bricht schließlich auf, um – der Flötenmelodie folgend – den Vater zu suchen. Es wird eine Reise, die ihn auf Baumwollplantagen, in Textilfabriken, eine gigantische Großstadt und futuristische Sphären führt. Hier hat die Idylle ihre Unschuld verloren, das Paradies ist voller Flecken, Risse, Wunden, aber nicht ohne Hoffnung. 

Punkt, Punkt, Komma, Strich: Nichts ist simpel in und an diesem Film. Es ist der neugierige, unschuldige Blick eines Kindes auf die globalen Probleme, Kontraste und Umbrüche der Zeit. Eine Collage aus Bildern und Tönen, ein Kaleidoskop der Farben und Formen. Die Worte in einer Fantasiesprache, die Bedeutung universell – für Kinder wie für Erwachsene.

Fotos: Grandfilm


 

Themen

Animationsfilm, Brasilien, Familie, Fantasie, Farben und Formen, Filmsprache, Globalisierung, Glück, Heimat, Identität, Natur, Paradies, Stadt/Land, Technikfortschritt, Vater-Sohn-Beziehung

 

Fächer

Deutsch, Kunsterziehung, Lebensgestaltung-Ethik-Religionskunde, Musik, Sachunterricht

 

Kritikerstimmen

»Wie beredt sind diese einfachen Bilder. Und wie schön. Man könnte jede einzelne Szene rahmen und nur dem bezwingenden Spiel der Farben und Formen folgen. Oder man sieht den Film als gezeichnete Kulturkritik: Denn das kindliche Strichwesen, auf die Leinwand gehaucht, macht das Nächstliegende. Es folgt dem Vater, der Arbeit in der großen Stadt finden will. Die Stadt mit den Augen des Jungen: Die Menschen in ihr sehen aus wie der Aussatz der Erde.«
Kerstin Decker, Der Tagesspiegel, Berlin

»›Der Junge und die Welt‹ erzählt somit, als Reisegeschichte, von dem großen Schmerz, der jede Suche nach dem besseren Leben begleitet. Davon, dass man in der großen Welt oftmals nur immer wieder heimzukehren versucht, dass alle Arbeit in der Fremde nur die Rückwege nach Hause pflastern soll. Wenn nur Zeit, Wirtschaft und Gesetze nicht dazwischen kämen. Und so erscheint dieser Film, der allgemeingültig von sehr konkreten Belangen erzählt, zur rechten Zeit. Denn Deutschland braucht gerade Erziehung in Empathie, quer durch alle Schichten.«
Nino Klingler, critic.de

»Kinder mögen nicht alle Bezüge und Zusammenhänge erfassen, diesen Film werden sie dennoch nicht so schnell vergessen – schon deshalb, weil sein Stil aus der breiten, vom Kinderprogramm gewohnten Masse so heraussticht. Den Eltern bietet sich eine zweite und dritte Ebene, freilich nicht so ironisch, nicht so locker und leicht wie bei ›Alles steht Kopf› oder bei ›Shaun das Schaf‹, dafür umso poetischer.«
Falk Straub, spielfilm.de

»Die Hauptfigur in Ale Abreus ›Der Junge und die Welt‹ ist zwar ein kleiner Junge, der mit kindlicher Neugier die Welt entdeckt, dennoch ist dieser brasilianische Animationsfilm alles andere als Kinderkram. So naiv und unschuldig die Bilder in den ersten Minuten auch wirken: Spätestens wenn die Suche nach seinem Vater den Jungen in eine nicht zufällig an Rio de Janeiro erinnernde Metropole führt, wird ›Der Junge und die Welt‹ zu einer visuell berauschenden Kapitalismuskritik.«
Michael Meyns, filmstarts.de

»Je weiter und komplexer seine Welt wird, umso vielfältiger werden auch die Animationstechniken, die Abreu einsetzt. Sind es am Anfang noch einfache Zeichnungen, die an Bleistifte und Pinselstriche erinnern, scheinen die Tiermaschinen später klassischen Technikzeichnungen entsprungen zu sein, die große Stadt schließlich ist überbordende Collage aus Zeitungsfetzen, Bildern und Farbe.«
Rochus Wolff, kino-zeit.de

»Einen Preis auf dem Festival von Annecy zu gewinnen, ist im Genre der Animation wie ein Ritterschlag. Alê Abreus poetischer Kinderfilm gewann gleich zwei, den Großen und den Publikumspreis – beide verdientermaßen.«
Gerhard Midding, epd film, Frankfurt/Main



zuletzt aktualisiert am 09.03.2016

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