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vincent will meer

Deutschland 2010

 

 

Zwei Außenseiter lernen sich in einem Therapiezentrum kennen. Vincent leidet unter dem Tourette-Syndrom, Marie ist magersüchtig. Vincents verbale und motorische Tics sind vor allem seinem Vater peinlich, einem ehrgeizigen Lokalpolitiker. Gerade mal wieder im Wahlkampf, hat er den Sohn in die Klinik abgeschoben, damit er ihm draußen nicht das Image ramponiere. Doch Vincent ist beseelt von einem Traum: Er will nach Italien, ans Meer, um dort den Wunsch seiner verstorbenen Mutter zu erfüllen und ihre Asche ins Wasser zu streuen. Von Marie zur Flucht überredet, geht es im gestohlenen Wagen gen Süden - mit dem unter Sauberkeitswahn leidenden Alex als Dritten im Bunde. Ihnen dicht auf den Fersen – und in heftigem Widerstreit – sind Vincents wütender Vater und die düpierte Psychologin. Mit all ihren Macken gelangen die drei Ausbrecher tatsächlich ans Ziel ihrer Wünsche. Doch am Ende der Reise muss jeder für sich entscheiden, wie es weitergeht, wie es gelingen soll, das eigene Leben zu meistern.

Fotos: Concorde Film Verleih


 

Themen

Familien- und Generationsbeziehungen, Freundschaft, Identität, Inklusion, Körperbilder, Krankheit, Krisen und Bewältigung, Persönlichkeitsentwicklung, Rivalität und Zusammenhalt, Roadmovie, Selbstfindung, Selbstvertrauen, Selbstverwirklichung, Toleranz, Vater-Sohn-Beziehung, Verlust eines Menschen, Vorurteile

 

Fächer

Deutsch, Kunsterziehung, Lebensgestaltung-Ethik-Religionskunde, Psychologie

 

Kritikerstimmen

»Ein ungewöhnlich vielschichtiger Film: Familiendrama und dann doch eine erstaunlich gut funktionierende Komödie. Das Leben als ewige Suche nach dem schönen und wahren Augenblick. Dabei leicht serviert von einem Komödienhandwerker, dem es nicht reicht, wie ein Fernsehcomedian gute Pointen zu setzen […] Eine Komödie ohne Witze mit der Brechstange. Das ist ja schon mal was, besonders in Deutschland.«
Josef Schnelle, Deutschlandradio Kultur, Berlin

»Ziel der Reise ist nicht das Meer, sondern die Erlösung. ›Vincent will meer‹ treibt ein Spiel mit der Innenwelt der Figuren und den Reak­tionen der Außenwelt, mit Erstar­rung und Bewegung, Selbst­täu­schung und Selbst­er­kenntnis. Die Jugend­li­chen, anfangs blicklos auf den eigenen Schmerz konzen­triert, werden aus ihrer Zurück­ge­zo­gen­heit weit genug heraus­gelöst, dass sie die Angebote der Welt wahr­nehmen können, die über das Erwartete doch hinaus­gehen.«
Doris Kuhn, artechock.de, München

»Doch so standardisiert auch der Aufbau, so metaphorisch eindeutig die Dramaturgie und so seicht manches Komödien-element – die traurig-trotzig-sympathischen Randgestalten, mit all ihren schrägen Ticks, retten den Film vor dem Genreklischee. Vincents selbstverständliche Coolness, die immer wieder in Kollision mit seinen Aus-Ticks gerät, Alex’ spießige Zwangsneurose, die im selben Maße verständlich wie liebenswert wird und Maries eigenartige Empathie, die nur scheinbar im Gegensatz zu ihrer krankhaften Egozentrik steht, machen ›vincent will meer‹ zu einem traurigen und lässigen Road Movie.«
Sarah Sander, Schnitt - Das Filmmagazin, Köln

»Florian David Fitz hat als Vincent nicht nur den schwierigsten Part zu spielen - die Tics hätten schnell ins Lächerliche kippen können -; er hat auch, was Schauspieler selten tun, das Drehbuch geschrieben und beweist mit diesem Debüt erstaunliche Stilsicherheit und Dialogwitz. Es mag für den Regisseur Ralf Huettner wie für die anderen Mitwirkenden seltsam gewesen sein, dass der Autor selbst vor der Kamera stand. Und doch stimmt die Chemie zwischen den Darstellern, ist diese merkwürdige Dreierkiste fein ausgelotet. Und am Ende wird das Ziel zwar erreicht, ist aber nur der Start für eine ganz neue Reise.«
Peter Zander, Die Welt, Berlin

»Dass die etwas schematisch-akademisch anmutende Struktur des Buches auf der Leinwand funktioniert, verdankt der Film dem geglückten Balanceakt zwischen tragischen und komischen Momenten. Die Inszenierung gewinnt den Humor vor allem aus situativer Komik, aus Pointen, die ihren Ursprung in den Charakteren und deren zwanghaftem Verhalten haben, ohne jedoch die Handicaps der Protagonisten, allen voran Vincents Tourette, als vordergründige Gagquelle zu nutzen. Zudem vermeidet ›vincent will meer‹ jedwede Bloßstellung seiner Figuren, indem er einen Blick hinter deren Fassaden gestattet, wo sich glaubhaft dargestellte Verwerfungen aus Einsamkeit, Sehnsucht nach Akzeptanz oder Harmonie offenbaren – der Humor gerät auf diese Weise zur Oberfläche vor einem komplexen und zum Teil tragischen Hintergrund.«
Robert Zimmermann, critic.de



zuletzt aktualisiert am 23.10.2016

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