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Sonnenallee

Deutschland 1999

 

 

»Sie urinieren auf den antifaschistischen Schutzwall? Sie urinieren auf unseren Staat? Auf die Gräber derer, denen Sie ihre kostenlose Ausbildung und ein Leben in Frieden und Wohlstand verdanken.« Die Schuldirektorin ist hellauf empört, als sie Micha und Mario zur Rede stellt, Mitte der 70er Jahre in Ostberlin. Die beiden 17-Jährigen und ihre Freunde sind zu Hause in der Sonnenallee, deren längeres Stück weit in den Westen reichte, die aber im Osten endete. Die Wohnung von Michas Familie ist eng, der Nachbar bei der Stasi und der Onkel von drüben schmuggelt Nylons durch die Kontrollen. Politik ist Micha ziemlich egal. Er will das System lieber von innen aufmischen. Dabei wird schon der Erwerb einer Rolling-Stones-Platte unter dem wachsamen Auge des Genossen ABV zum aufregenden Abenteuer. Michas größtes Problem jedoch ist triebgesteuert: Wie kriegt er die mit einem Westschnösel knutschende Miriam rum?Miriam rum? 

Das Bunte in den Grautönen: Im grandiosen Finale drehen alle durch und dem Film geht die Farbe aus. Ein Klassiker!

Fotos: Delphi Filmverleih GmbH, Berlin / DCM Film Distribution GmbH, Berlin

Buchtipp

Thomas Brussig: Am kürzeren Ende der Sonnenallee
Verlag Volk & Welt, Berlin 1999 (Erstausgabe Hardcover)
144 Seiten, 14,30 € ISBN-10: 3353011684

verschiedene weitere Taschenbuchausgaben im
Fischer Taschenbuchverlag

Leander Haußmann: Sonnenallee. Das Buch zum Farbfilm
Quadriga Verlag, Berlin 1999
Taschenbuch, 175 Seiten
ISBN-10: 3886793389 ISBN-13: 978-3886793389


Link

https://www.lehrer-online.de/unterrichtseinheit/ue/thomas-brussig-am-kuerzeren-ende-der-sonnenallee/



 

Themen

Berliner Mauer, DDR, Erwachsenwerden, Familie, Filmgenre, Freiheit, Gesellschaftssatire, Heimat, Identität, Ironie, Komödie, Lebensentwürfe, Liebe, Musik, Ost-West, Popkultur, Satire, Staatssicherheit, Verrat, Werte, Zeitgeschichte

 

Fächer

Deutsch, Geschichte, Lebensgestaltung-Ethik-Religionskunde, Musik, Politische Bildung

 

Kritikerstimmen

»Der erste Film des Theaterregisseurs Leander Haußmann will ein Lügenmärchen sein und eine Hommage. Deshalb ist er am fünfzigsten Jahrestag der Gründung der DDR in die Kinos gekommen. Natürlich hätte man ihn auch am 9. November, dem Tag des Mauerfalls, starten können, aber zum Todestag feiert es sich schlecht. Und dieser Film feiert etwas, das mit der DDR vor zehn Jahren starb: die Verweigerung als Lebensprinzip – und sei sie noch so klein. In der ›Sonnenallee‹ wohnen lauter Subversive und solche, die sich dafür halten. Alle frisieren sie sich ihr Selbstbild zurecht wie Michael, der sich in den Tagebüchern, die er nachträglich für Miriam schreibt, als Widerstandskämpfer von Kindesbeinen an stilisiert.« Andreas Platthaus, Frankfurter Allgemeine Zeitung (1999)

»Ein Film über das Abhaun / Ein Film über das Exil auf der Hauptstraße / Ein Film über die siebziger Jahre / Ein Film über das Dableiben / Überhaupt kein Film über die achtziger Jahre / Ein Film über Rock and Roll / Ein Film für alle coolen und alle doofen Ossis und Wessis zusammen / Ein Film für Deutschland / Ein Film gegen Deutschland / Ein Feelgood-Film / Eine der leichtfüßigsten deutschen Film-Komödien überhaupt / Ein Film über Beengtheit, Freiheit und über das, was daran relativ ist/Ein Film über meine Jugend, obwohl ich gar nicht von der ›Sonnenallee‹ komme, sondern von ›An der Liebfrauenkirche‹ – ist: Eine Straße in Westdeutschland / Eine Straße in einem beengenden West-Nest namens Neustadt am Rübenberge …« 
Andreas Thomas, filmzentrale.com, Göttingen (2003)

»Es ist ja nicht so, dass es in ›Sonnenallee‹ nichts zu lachen gibt. Wenn sich der Film ab und zu aus seiner ostigen Kuschelecke in die Absurditäten einer DDR-Wirklichkeit begibt, scheinen Qualitäten durch, die seine dramaturgischen und erzählerischen Schwächen noch deutlicher machen. Dann ärgert man sich erst richtig daruüber, welche Chancen hier verschenkt wurden, einen aberwitzigen Film über eine irreale DDR zu drehen. In seiner Lausbubenhaftigkeit und Augenzwinkerei darf ›Sonnenallee‹ tatsächlich das adäquate Geschenk der Filmschaffenden Haußmann und Brussig zum Republikgeburtstag genannt werden. So viel Biedersinn hätte man ihnen nicht zugetraut.« Frank Junghähnel, Berliner Zeitung (1999)

»Daß sich die DDR im Nachhinein nur zur Burleske eigne, vermutet Brussig im Presseheft zum Film bestimmt nicht ganz zu Unrecht, und tatsächlich gelingt ihm und Haußmann eine – so noch nicht dagewesene – Beschreibung dessen, was den Alltag im System der DDR ausgemacht haben könnte. Die gewollte Künstlichkeit, das Sichtbarmachen des Inszenierten gehört dabei zum Konzept – wenn sich hier auch weniger ein generisch filmsprachliches Mittel vermuten ließe, als vielmehr ein sich durch die Herangehensweise des vom Theater kommenden Haußmanns nebenbei einstellender Effekt.« Thomas Waitz, schnitt – Das Filmmagazin, Köln (1999)

»Nein, Drehbuchautoren und Regisseur waren offenbar wild entschlossen, eine besonders respektlose, urkomische Geschichtsparodie aufs Parkett zu legen, ohne zu merken, auf welch dünnes Eis sie sich damit begeben. Denn abgesehen von den erwähnten dramaturgischen Schwächen handelt es sich einfach um einen sehr, sehr schlechten Film. Dem Humor geht jede Doppelbödigkeit ab, viele Gags zielen auf billige Schadenfreude. Bei den Wohnzimmer-Szenen müssen den Autoren mitunter Fernsehserien wie ›Ein Herz und eine Seele‹ oder ›Motzki‹ vorgeschwebt haben; sie bewegen sich aber weit unter deren Niveau, erinnern eher an die angestaubten bundesdeutschen Komödien der 50er- und 60er-Jahre.« Claus Löser, film-dienst, Bonn (1999)

»Muss man es noch einmal wiederholen, dass Lachen eine Form von Selbstbehauptung ist; in ›Sonnenallee‹ nicht bloßer Frohsinn verbreitet wird, sondern die ernstgenommene Komödienform auch die tragische Dimension von DDR-Geschichte erst glaubwürdig macht? Mit der unterschiedlich erfahrenen deutsch-deutschen Alltagsgeschichte müssen wir uns auseinanderzusetzen Iernen. Wer aber Komödienmacher blindlings verklagt, offenbart nicht nur einen gravierenden Mangel an Humor, sondern auch seine Gesprächsunfähigkeit, mithin Demokratieunwillen.«
Gunnar Decker, Neues Deutschland, Berlin (2000)

»Hier trifft Haußmann den Kern des Pop wirklich, und in diesen Momenten verdichtet sich deutsch-deutsche Popgeschichte. So ist die Schlußszene des Films auch konsequent und gut: die Ostler marschieren, nein sie tanzen gegen die Mauer an und wirken dabei wie wildgewordene Travolta-Zombies. In diesen Szenen kommt der Film zu sich selbst, er wird zu dem was er sein möchte: Pop. Und so gelingt es Haußmann doch noch, dem Pop ein Denkmal zu setzen, dafür, dass er den Weg in die politische Freiheit mitgeebnet hat – die Hippierepublik wurde allerdings dafür geopfert.«
Max Herrmann, artechock.de
, München

»Der Film besticht somit durch eine gelungene Mischung aus sozialistischer Plattenbauästhetik und poppigem Seventies-Charme. Obwohl nur der gute DDR-Kenner alle Anspielungen auf ostdeutsche Kultur- und Filmgeschichte verstehen wird, ist der Film auf jeden Fall sehenswert und meilenweit entfernt von Slapstick-Streifen wie zB ›Go Trabi Go‹. Marc Altenburg, Cineclub, Bochum

»Das ist es dann auch, was ›Sonnenallee‹ auszeichnet: Voller Charme erzählt Haußmann die Geschichte von irgendwo liebenswerten Jugendlichen, die sich nicht viel darum kümmern, wo sie sind oder in welchem System sie leben, so lange sie nur heiße Musik zu hören bekommen und mit der Traumfrau zusammen sein dürfen. Opportunistisch? Unambitioniert? Vielleicht, aber eben auch menschlich. Und spätestens wenn zum Schluss die Lösung auf alles lautet, einfach die Anlage weiter aufzudrehen und zu der Musik zu tanzen, die man nun eben hat, dann ist man längst selbst von der guten Laune infiziert. Wer das noch nicht von sich behaupten kann, darf dies seit Neuestem in HD tun, denn der Film erschien unlängst das erste Mal auf Blu-ray.«
Oliver Armknecht, film-rezensionen.de, Falkensee (2015)


zuletzt aktualisiert am 08.11.2018

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