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Das Leben der Anderen

Deutschland 2006

 

 

Berlin, Hauptstadt der DDR, fünf Jahre vor dem Ende des ›real existierenden‹ Sozialismus. Der Arbeiter- und Bauernstaat setzt zum Erhalt seiner Macht auf ein perfides System aus Kontrolle und Überwachung. Die Staatssicherheit, Schild und Schwert der Partei, hat ihre Augen und Ohren überall - nicht zuletzt in der für sie höchst zwielichtigen Kulturszene. Georg Dreyman, ein gesellschaftlich anerkannter und ausgezeichneter, aber an sich selbst zweifelnder Stückeschreiber, gerät auf besondere Weise ins Stasi-Fadenkreuz. Weil seine Lebensgefährtin, eine renommierte Theaterschauspielerin, die heimliche Geliebte des Kulturministers ist und auch bleiben soll, bedarf es erpresserischen Intimwissens über das Paar. Stasi-Oberstleutnant Grubitz leitet daher auf einen ›operativen Vorgang‹ ein - und hat für dessen Ausführung auch gleich den erfolgversprechenden Mann parat. Hauptmann Wiesler, bewährter Stasi-Verhörexperte, geht akribisch ans Werk, um sich im Leben der anderen einzunisten. Womit aber weder er noch sein karrieristischer Vorgesetzter gerechnet haben: Die permanente Teilhabe am Alltag der Observierten verändert auch den Spitzel. Das schonungslose Eindringen in die Realität des Paares und seiner Freunde – in die Liebe und die Kunst, in freies Denken und freies Reden – macht dem Spion die Armseligkeit seiner eigenen Existenz bewusst. Eine Umkehr scheint nicht möglich, der Auftrag kennt keine Alternative. Das diabolische System fordert einen unmenschlich hohen Preis. Als die Mauer fällt, beginnt ein anderes Leben - mit einer unerwarteten Begegnung zwischen Opfer und Täter.

Fotos: Buena Vista International


 

Themen

(deutsche) Geschichte, Anpassung, DDR, DDR- und Nachwendezeit, Diktatur, Ethik und Moral, Gerechtigkeit, Kunst und Politik, Schuld und Sühne, Staatssicherheit, Totalitarismus, Verrat, Widerstand, Wiedergutmachung

 

Fächer

Deutsch, Geschichte, Kunsterziehung, Lebensgestaltung-Ethik-Religionskunde, Philosophie, Politische Bildung

 

Kritikerstimmen

»Die Bandbreite dieser komplexen Geschichten ist längst noch nicht erschöpfend erzählt, und es mutet hoffnungsvoll an, dass sich ein junger, westdeutscher Regisseur ihrer mit einem so großartigen Ergebnis angenommen hat, handelt sein frühreifes Gesellschaftsporträt doch im Kern von zeitlosen Grenzsituationen, in denen ein Mensch aufgrund äußeren Drucks Position beziehen muss. Ein aufwühlender Einblick in die deutsche Zeitgeschichte …«
Alexandra Wach, film-dienst, Köln

»Die jüngste deutsche Geschichte bietet reichlich Stoff, und das Unterhaltungskino sollte sich souverän daraus bedienen. Das tut ›Das Leben der Anderen‹, und auch deshalb sollten wir froh sein, dass es diesen Film gibt. Kinounterhaltung ist eben nicht nur Gelächter und Schenkelklopfen, sondern auch Rührung, Tränen, Spannung … Henckel von Donnersmarcks Film ist, in Kinogenres übersetzt, ein melodramatischer Thriller.«
Thomas Brussig, Süddeutsche Zeitung, München

»Unterstützt von einem Ensemble grandioser Schauspieler, gelingt dem Regisseur ein Drama über das Dilemma der Rebellion … Donnersmarck zeigt auch, wieviel Elend von den Launen der Partei abhing, von den privaten Obsessionen einzelner ZK-Mitglieder – dass Repression also nicht allein das Geschäft der Stasi war. Wie kein Spielfilm zuvor polemisiert ›Das Leben der Anderen‹ gegen eine symbolische Aufarbeitung der DDR-Geschichte anhand der Stasi-Akten, gegen die Fixierung auf fragwürdige Quellen.«
Evelyn Finger, Die Zeit, Hamburg

»›Das Leben der anderen‹ hätte an moralischem Übereifer scheitern können. Aber der Film läßt sich Zeit, er beobachtet geduldig, wie die Konstellation, die er selbst aufgebaut hat, kippt, und fädelt dann die Katastrophe ein. Zu dieser Geduld gehört eine Herzenskälte, die bei Debütanten selten und bei lebensgeschichtlich Betroffenen noch seltener ist. Vielleicht ist es daher kein Zufall, daß von Donnersmarck aus Westdeutschland kommt […] Von Donnersmarck ... hat seinen Film wie ein Historiker recherchiert. ›Das Leben der anderen‹ gräbt die DDR aus und begräbt sie zugleich. Denn nach diesem Film wird jedes weitere Stasi-Drama wie ein Nachzügler aussehen, ganz gleich, wie gut es erzählt ist.«
Andreas Kilb, Frankfurter Allgemeine Zeitung

»Die Grundgeschichte in ›Das Leben der Anderen‹ ist verrückt und wahr und schön - soll heißen: ganz schön traurig. Der politische Sound ist authentisch, der Plot hat mich bewegt. Aber warum? Vielleicht war ich einfach sentimental bestochen, weil verführerisch viele Details aussehen, als wären sie aus meiner eigenen Geschichte zwischen dem totalen Verbot 1965 und der Ausbürgerung 1976 abgekupfert.« 

Wolf Biermann, Die Welt, Berlin 

»Es sind diese Vermischungen von behaupteter Geschichtsschreibung und ungehemmter Kolportage, die ›Das Leben der Anderen‹ letztlich scheitern lassen. Öfter scheint es, als hätten Geduld und Neugier die Filmemacher zyklisch verlassen. Denn neben sensiblen Passagen stehen plötzlich billigste Klischees […] Immerhin bleiben Momente, in denen die Perfidie des DDR-Systems ansatzweise aufblitzt. Vielleicht sollte ›Das Leben der Anderen‹ den MfS-Rentnern zwangsweise vorgesetzt werden, so wie Alex in ›Clockwork Orange‹ die Bilder aus Frau Riefenstahls ›Triumph des Willens‹.«
Claus Löser, taz, Berlin

»Ohne auf technische Schwächen des Filmes näher einzugehen, sei nur eine erwähnt. Auf dem Dachboden eines Wohnhauses installiert die Stasi eine Abhöreinrichtung, deren Bedienung sich im Schichtdienst abwechselt. Die Hausbewohner hätten demnach unter Zwangshypnose stehen müssen, dass dort die ›PGH Rohrtechnik‹ ein- und ausgeht. So hat der große Lauschangriff der Firma ›Horch und Guck‹ nicht funktioniert. Doch der gravierendste Fehler des Films besteht darin, dass es einen solchen Stasi-Offizier, der unter Lebensgefahr einen Dissidenten rettet, nicht gab und im System begründet liegt, warum es ihn nie geben konnte. Stauffenberg, Harnack, Sophie Scholl sind keine Erfindungen.«
Werner Schulz (DDR-Bürgerrechtler), Welt online





zuletzt aktualisiert am 24.02.2016

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