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Good Bye, Lenin!

Deutschland 2003

 

 

»Am 26. August 1978 war die DDR auf Weltniveau – und mit unserer Familie ging es den Bach runter«, erinnert sich 1990 ein junger Mann an eine Zeit und ein Land, das gerade dabei war, sich abzuschaffen. Vor 22 Jahren war der Kosmonaut Sigmund Jähn mit Sojus 31 als erster Deutscher ins All geflogen, zugleich aber war Alex Kerners Erzeuger von einer Dienstreise in den goldenen deutschen Westen nicht mehr in den grauen deutschen Osten zurückgekehrt. Das große Herz der Mutter schlug fortan einzig für die Stärkung von Vaterland und Sozialismus. Doch der Herzschlag setzte aus, als sie – frisch geehrt als »Heldin der Arbeit« – am 7. Oktober 1989, dem 40. Republikgeburtstag, im Fernsehen Nachrichten sah: Bilder von auseinander geknüppelten Demonstrationen vor dem Palast der Republik, mitten drin ihr Sohn Alex. Ein Infarkt versetzt sie acht Monate ins Koma – währenddessen wandelt sich eine Welt. Wieder erwacht, ist es Sohnes Pflicht und Bürde, der Mutter vorzugaukeln, was nicht mehr existiert, die Nachrichten der »Aktuellen Kamera« inklusive.

Vorwärts immer, rückwärts nimmer: Ein Schelmenstück erster Klasse, eine Kino-Kult-Komödie! 

Fotos: X Verleih, Berlin


 

Themen

Familie, Familien- und Generationsbeziehungen, Heimat, Identität, (deutsche) Geschichte, DDR, DDR- und Nachwendezeit, deutsche Einheit, Vergangenheitsbewältigung, Erinnerungen, Reden und Verschweigen, Medienrealität, Fake News, Gesellschaftssatire, Komödie

 

Fächer

Deutsch, Lebensgestaltung-Ethik-Religionskunde, Politische Bildung, Geschichte

 

Kritikerstimmen

»Becker und Lichtenberg haben nun den richtigen Zeitpunkt getroffen. Für ihre Geschichte haben sie die Form der Tragikomödie gewählt, die die Tragweite der Wiedervereingung, besonders für die Ostdeutschen, einbezieht, ohne die DDR nostalgisch zu verklären. Ihr Augenmerk gilt aber ebenso der privaten Ebene. ›Good bye, Lenin‹ ist auch ein Film der großen Gefühle, voll origineller Ideen und einer Leichtfüßigkeit, die von vorn herein jede Wehleidigkeit ausschließt.« Michael Ranze, epd film, Frankfurt/Main

»Nach und nach bewegt sich sein Film auf allgemeinere Aussagen über die Wiedervereinigung zu, die etwas mit der Würde eines Ablebens zu tun haben und sich deshalb sowohl von Ostalgie als auch von jeder Siegermentalität abgrenzen […] Beckers Film ist eine ebenso unterhaltsame wie ernsthafte Annäherung aus an die DDR als Heimat und an das Phänomen Wiedervereinigung aus ostdeutscher Sicht.« Oliver Rahayel, film-dienst, Bonn 

»Was der wochenlang vor der Premiere gezeigte Trailer befürchten ließ, löst der Film Gott sei Dank nicht ein, kein Klamauk, kein Gagfestival, kein Lustigmachen über Trabbi und Tempo-Erbsen, sondern ein absurdes, aberwitziges Stück deutscher Geschichte, ganz real erlebt im noch existierenden und rasant untergehenden Sozialismus. ›Good Bye Lenin‹ ist auch ein Film über die Lüge, die alles darf, wenn Liebe das Motiv ist. Alex jedenfalls wird von niemandem dafür bestraft, auch nicht vom Leben. Nach ›Sonnenallee‹ und ›Helden wie wir‹ ist ›Good Bye Lenin‹ ein weiterer deutscher Film, der die Wiedervereinigung aus der Sicht der von den Ereignissen überspülten und entwurzelten DDR-Bürger mit Sympathie und Respekt thematisiert.« Gudrun Lukasz-Aden,
Kinder und Jugendfilm Korrespondenz, München

»Die wahnwitzige Inszenierung im Geiste des realen Sozialismus verselbständigt sich und kommt mit Pleiten, Pech und Pannen dem tatsächlichen Alltag in der DDR ziemlich nahe. Dabei bringt der Blick auf das wahre Leben im falschen vor allem den Riss zwischen persönlicher Biographie und politischer Doktrin ans Licht. Wo sich viele Ostdeutsche nach dem DDR-Zusammenbruch fragten, ob das Leben davor umsonst war, behauptet im Jahr dreizehn nach der Wende ein Film - die ›Frankfurter Allgemeine Zeitung‹ widmete ihm vor wenigen Tagen gar einen Leitartikel auf der Frontseite - ohne falsches Pathos, dass die Erinnerung ehemaliger DDR-Bürger auch emotional sein darf. Und dass dies nichts mit einer Ideologie, aber viel mit einem gelebten Leben zu tun hat.
Claudia Schwartz, Neue Zürcher Zeitung

»›Good Bye, Lenin!‹ beerdigt das Dasein der DDR mit gebotener Würde. Praktisch als Vollstrecker einer kollektiven Disposition läßt der Film seine Hauptfigur, eine gestandene sozialistische Mutter, zu Grabe tragen, für die das Ende der DDR eines ist, das erhobenen Hauptes zu dulden wäre. Somit gelingen Becker/Lichtenberg und dem gewohnt perfekten technischen Stab ein Film, auf den Deutschland gewartet hat. Und diesmal wirklich.« 
Oliver Baumgarten, Schnitt, Filmmagazin, Köln

»In der Tat hat die Grundidee von ›Good Bye, Lenin!‹ viel Charme. Es ist ein Glücksfall für die Komödie, wenn sie davon handelt, wie der eine den anderen etwas vorspielt und sich dabei in der eigenen Inszenierung verfängt. Damit lässt sich die Alleingeltung der Wirklichkeit suspendieren; dem sich daraus ergebenden Spiel der Möglichkeiten beizuwohnen, ist einer der besten Gründe, ins Kino zu gehen.« Cristina Nord, taz, Berlin

»Mit einigem Abstand traut sich Good Bye, Lenin wie Michael Ehrenreich in seinen Tagebüchern der Sonnenallee, die Geschichte der DDR aus einem nachgeborenen Blickpunkt neu zu schreiben. Damit könnte Beckers Film für das neue Deutschland im besten Falle werden, was Jean-Pierre Jeunets Amélie vor zwei Jahren für Frankreich wurde – eine filmische Versicherung nationaler Identität.« Matthias Dell, der Freitag, Berlin

»Letztlich geht es in Good Bye, Lenin! ja weniger um psychologische Plausibilität einzelner Figuren als um den psychologischen Epochenbefund. Der Film deutet die enorme Verdrängungsleistung an, die eine politische Wende erfordert. Da stürzt ein Land von einer Ehe in die nächste, raus aus der 40 Jahre lang mühsam eingerichteten Wohnung, rein ins nächste Spießerparadies. Doch zum Schluss gibt es für alle ostdeutschen Zuschauer ein Trostpflaster: Sigmund Jähn, Held der sozialistischen Raumfahrt und Beweis für die gelegentliche Überlegenheit des Ostens, wird Staatsratsvorsitzender. Selbstbehauptung kann nie schaden. Denn solange die DDR als Erfahrung noch existiert, ist der Systemvergleich nicht abgeschlossen.« Evelyn Finger, Die Zeit, Hamburg

»Ein restlos begeisterter Bildungsminister Steffen Reiche (SPD) hat die Schüler des Landes aufgefordert, den Film ›Good Bye, Lenin‹ anzusehen. ›Der Film ist für Schüler ein guter Grund, um über die DDR und deren Nachwirkungen reden zu können‹, sagte der 42-jährige Reiche. Der gelernte Pfarrer hatte deshalb am Dienstagabend Schüler der Potsdamer Voltaire-Gesamtschule ins Thalia-Kino eingeladen und bat anschließend zum Gespräch über den Film. Dabei regte Reiche an, ›Good Bye, Lenin‹ künftig im Politik- oder Geschichtsunterricht zu verwenden. Die Schüler der elften Klasse konnten sich diesem Vorschlag durchaus anschließen. […] CDU-Bildungsexpertin Carola Hartfelder sprach sich am Mittwoch indes dagegen aus, den Film im Geschichtsunterricht zu verwenden. ›Dort sollten nur Dokumentarfilme gezeigt werden, keine Spielfilme‹, sagte sie. Zudem belüge der Hauptdarsteller im Film permanent seine Mutter. Hartfelder: ›Solch ein Verhalten in der Schule zu zeigen, ist sehr problematisch›.« Martin Klesmann, Berliner Zeitung

»Niemand scheint sich zu wundern. Nicht Peter Gauweiler, der Antikriegsheld der CSU, der sagt, er freue sich auf diesen Film, weil er sich den ganzen Tag über den Irak-Krieg ärgern musste. Auch nicht Renate Schmidt, Bundesfamilienministerin der SPD, die sagt, man könne sicher viel lernen von der DDR, zum Beispiel, dass die Nachbarschaft echt gut war. Nicht einmal Werner Schulz, Grünen-Promi aus dem Osten, der sagt, das mit der DDR-Vergangenheitsbewältigung sei eben eine vertrackte Sache und er wolle jetzt erst mal abwarten, ob ihm der Film gefällt. Tatsächlich, keines der etwa 250 erschienenen Mitglieder von Bundestag und -regierung wundert sich, warum es eigentlich diese Einladung gab gestern Abend. Eine Einladung zu ›Good bye, Lenin!‹« 
Jan Thomsen, Berliner Zeitung

»Da marschierten über 200 Bundestagsabgeordnete im Gänsemarsch ins Ost-Berliner Kult-Kino ›International‹ auf der Karl-Marx-Allee, und versuchten wieder einmal auf Augenhöhe mit ihren Bürgen zu kommen. Von Peter Gauweiler bis Petra Pau saßen sie dann vereint nebeneinander, zuerst etwas verlegen und unsicher auf dem fremden Terrain, später scherzend und ausgelassen, wie Grundschüler auf einem Klassenausflug, wenn es nach der Fabrikbesichtigung Cola und Fresspakete gibt. Das gab es hier natürlich auch, neben anderen DDR-Nostalgica vor allem die unvermeidlichen Spreewaldgurken […] Klassensprecherin Renate Schmidt fand den Film zum Beispiel mit bayerischer Deutlichkeit ›saugut‹, Wolfgang Schäuble schmunzelte etwas schüchtern, und der einstige Klassenrabauke Gauweiler erinnerte sich tatsächlich an seine früheren DDR-Fahrten im Gefolge von Franz-Josef Strauß selig. So konnte sich jeder ganz persönlich ›einbringen‹, was ja vielleicht auch das Erfolgsgeheimnis des Films ist.« 
Rüdiger Suchsland, artechock.de, München



zuletzt aktualisiert am 19.11.2019

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