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Good Bye, Lenin!

Deutschland 2003

 

 

Gerade erst ist sie im Palazzo Prozzi zum 40. Jahrestag der DDR als »Heldin der Arbeit« dekoriert worden. Auf dem Nachhauseweg gerät sie in eine Vorwende-Demo, kommt unfreiwillig mit einem Vopo-Knüppel in Berührung und fällt ins Koma. Als sie erwacht, ist der Arbeiter- und Bauernstaat verschwunden, die Mauer gefallen und nichts mehr, wie es mal war. Um die Gesundung nicht zu gefährden, darf die gute Sozialistin von der kapitalen Wende erst mal nichts mitbekommen – und so sind ihre Kinder Alex & Ariane gefordert, die DDR über ihren Untergang hinaus am Leben zu erhalten. Selbst die »Aktuelle Kamera« muss weiter Erfolgsberichte verkünden, die Alex’ Arbeitskollege Denis in perfekter Illusion über den getürkten Sender bringt.

Ein Schelmenstück erster Klasse, eine Kino-Kult-Komödie! 

Fotos: X Verleih, Berlin


 

Themen

(deutsche) Geschichte, DDR- und Nachwendezeit, deutsche Einheit, Familie, Gesellschaftssatire, Heimat, Identität, Werte, Zeitgeschichte

 

Fächer

Deutsch, Lebensgestaltung-Ethik-Religionskunde, Politische Bildung

 

Kritikerstimmen

»Good Bye, Lenin! beerdigt das Dasein der DDR mit gebotener Würde. Praktisch als Vollstrecker einer kollektiven Disposition läßt der Film seine Hauptfigur, eine gestandene sozialistische Mutter, zu Grabe tragen, für die das Ende der DDR eines ist, das erhobenen Hauptes zu dulden wäre. Somit gelingen Becker/Lichtenberg und dem gewohnt perfekten technischen Stab ein Film, auf den Deutschland gewartet hat. Und diesmal wirklich.«
Oliver Baumgarten, Schnitt, Filmmagazin, Köln

»In der Tat hat die Grundidee von ›Good Bye, Lenin!‹ viel Charme. Es ist ein Glücksfall für die Komödie, wenn sie davon handelt, wie der eine den anderen etwas vorspielt und sich dabei in der eigenen Inszenierung verfängt. Damit lässt sich die Alleingeltung der Wirklichkeit suspendieren; dem sich daraus ergebenden Spiel der Möglichkeiten beizuwohnen, ist einer der besten Gründe, ins Kino zu gehen.«
Cristina Nord, taz, Berlin

»Mit einigem Abstand traut sich Good Bye, Lenin wie Michael Ehrenreich in seinen Tagebüchern der Sonnenallee, die Geschichte der DDR aus einem nachgeborenen Blickpunkt neu zu schreiben. Damit könnte Beckers Film für das neue Deutschland im besten Falle werden, was Jean-Pierre Jeunets Amélie vor zwei Jahren für Frankreich wurde – eine filmische Versicherung nationaler Identität.«
Matthias Dell, der Freitag, Berlin

»Nach und nach bewegt sich sein Film auf allgemeinere Aussagen über die Wiedervereinigung zu, die etwas mit der Würde eines Ablebens zu tun haben und sich deshalb sowohl von Ostalgie als auch von jeder Siegermentalität abgrenzen […] Beckers Film ist eine ebenso unterhaltsame wie ernsthafte Annäherung aus an die DDR als Heimat und an das Phänomen Wiedervereinigung aus ostdeutscher Sicht.« 
Oliver Rahayel, film-dienst, Bonn

»Letztlich geht es in Good Bye, Lenin! ja weniger um psychologische Plausibilität einzelner Figuren als um den psychologischen Epochenbefund. Der Film deutet die enorme Verdrängungsleistung an, die eine politische Wende erfordert. Da stürzt ein Land von einer Ehe in die nächste, raus aus der 40 Jahre lang mühsam eingerichteten Wohnung, rein ins nächste Spießerparadies. Doch zum Schluss gibt es für alle ostdeutschen Zuschauer ein Trostpflaster: Sigmund Jähn, Held der sozialistischen Raumfahrt und Beweis für die gelegentliche Überlegenheit des Ostens, wird Staatsratsvorsitzender. Selbstbehauptung kann nie schaden. Denn solange die DDR als Erfahrung noch existiert, ist der Systemvergleich nicht abgeschlossen.«

Evelyn Finger, Die Zeit, Hamburg

»Ein restlos begeisterter Bildungsminister Steffen Reiche (SPD) hat die Schüler des Landes aufgefordert, den Film ›Good Bye, Lenin‹ anzusehen. ›Der Film ist für Schüler ein guter Grund, um über die DDR und deren Nachwirkungen reden zu können‹, sagte der 42-jährige Reiche. Der gelernte Pfarrer hatte deshalb am Dienstagabend Schüler der Potsdamer Voltaire-Gesamtschule ins Thalia-Kino eingeladen und bat anschließend zum Gespräch über den Film. Dabei regte Reiche an, ›Good Bye, Lenin‹ künftig im Politik- oder Geschichtsunterricht zu verwenden. Die Schüler der elften Klasse konnten sich diesem Vorschlag durchaus anschließen. […] CDU-Bildungsexpertin Carola Hartfelder sprach sich am Mittwoch indes dagegen aus, den Film im Geschichtsunterricht zu verwenden. ›Dort sollten nur Dokumentarfilme gezeigt werden, keine Spielfilme‹, sagte sie. Zudem belüge der Hauptdarsteller im Film permanent seine Mutter. Hartfelder: ›Solch ein Verhalten in der Schule zu zeigen, ist sehr problematisch›.«
Martin Klesmann, Berliner Zeitung,

»Niemand scheint sich zu wundern. Nicht Peter Gauweiler, der Antikriegsheld der CSU, der sagt, er freue sich auf diesen Film, weil er sich den ganzen Tag über den Irak-Krieg ärgern musste. Auch nicht Renate Schmidt, Bundesfamilienministerin der SPD, die sagt, man könne sicher viel lernen von der DDR, zum Beispiel, dass die Nachbarschaft echt gut war. Nicht einmal Werner Schulz, Grünen-Promi aus dem Osten, der sagt, das mit der DDR-Vergangenheitsbewältigung sei eben eine vertrackte Sache und er wolle jetzt erst mal abwarten, ob ihm der Film gefällt. Tatsächlich, keines der etwa 250 erschienenen Mitglieder von Bundestag und -regierung wundert sich, warum es eigentlich diese Einladung gab gestern Abend. Eine Einladung zu ›Good bye, Lenin!‹«
Jan Thomsen, Berliner Zeitung

»Da marschierten über 200 Bundestagsabgeordnete im Gänsemarsch ins Ost-Berliner Kult-Kino ›International‹ auf der Karl-Marx-Allee, und versuchten wieder einmal auf Augenhöhe mit ihren Bürgen zu kommen. Von Peter Gauweiler bis Petra Pau saßen sie dann vereint nebeneinander, zuerst etwas verlegen und unsicher auf dem fremden Terrain, später scherzend und ausgelassen, wie Grundschüler auf einem Klassenausflug, wenn es nach der Fabrikbesichtigung Cola und Fresspakete gibt. Das gab es hier natürlich auch, neben anderen DDR-Nostalgica vor allem die unvermeidlichen Spreewaldgurken […] Klassensprecherin Renate Schmidt fand den Film zum Beispiel mit bayerischer Deutlichkeit ›saugut‹, Wolfgang Schäuble schmunzelte etwas schüchtern, und der einstige Klassenrabauke Gauweiler erinnerte sich tatsächlich an seine früheren DDR-Fahrten im Gefolge von Franz-Josef Strauß selig. So konnte sich jeder ganz persönlich ›einbringen‹, was ja vielleicht auch das Erfolgsgeheimnis des Films ist.«
Rüdiger Suchsland, artechock, München



zuletzt aktualisiert am 19.11.2015

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