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Der Staat gegen Fritz Bauer

Deutschland 2015

 

 

West-Deutschland, Ende der 1950er Jahre. Die Bundesbürger sonnen sich im Glanz des Wirtschaftswunders und blicken optimistisch nach vorn. Wer zurückblickt, wer die Vergangenheit mit der Gegenwart in Beziehung setzen, über Verantwortung und Schuld nachdenken möchte, der gilt schnell als Nestbeschmutzer: Ein Mann wie Fritz Bauer. Als hessischer Generalstaatsanwalt ist er auf den Spuren jenes Verbrechers, der im Namen der Nazis verantwortlich war für alles, was sie »Endlösung der Judenfrage« nannten. Adolf Eichmann, darauf deutet vieles hin, scheint sich in Argentinien zu verstecken. Bauer möchte ihn von dort entführen und in Frankfurt vor ein deutsches Gericht stellen. Aber niemand, von Bonn bis Washington, ist an einem solchen Prozess interessiert – und schon gar nicht die alten Kamerad- und neuen Seilschaften beim BND und BKA. »Wenn wir etwas für unser Land tun wollen, dann müssen wir es in diesem Fall verraten«, fordert Bauer einen jungen Kollegen aufs äußerste heraus.

Eine Erzählung von Mut, Moral und Menschlichkeit: Das Porträt eines Mannes von historischer Größe. 

Fotos: Alamode Film, München


 

Themen

(deutsche) Geschichte, Auschwitz, Biografie, Demokratie, Erinnerungskultur, Geschichtskultur, Gewissenskonflikt, historische Quellen, Holocaust, Homosexualität, Justiz, Kriegsverbrecherprozesse, Moral, Nationalsozialismus, NS-Prozesse, Recht und Gerechtigkeit, Schuld und Sühne, Vergangenheitsbewältigung, Wahrheit, Werte, Zivilcourage

 

Fächer

Deutsch, Geschichte, Lebensgestaltung-Ethik-Religionskunde, Politische Bildung

 

Kritikerstimmen

»Wie ›Im Labyrinth des Schweigens‹ wählt auch ›Der Staat gegen Fritz Bauer‹ die Vorbereitung des Auschwitz-Prozesses und das Bemühen um die Aufspürung Adolf Eichmanns als zeitlichen Rahmen. Wo der Film von Giulio Ricciarelli sich dabei zeitweise der Erzählmechanismen des Politthrillers bediente, da bleibt Kraume verhaltener und stellt ganz seine Figuren in den Mittelpunkt. Auch wenn sie gelegentlich zeithistorische Zusammenhänge deklamieren müssen, ist ihm damit doch ein überzeugender Film gelungen.«
Frank Arnold, Der Spiegel, Hamburg

»Dem couragierten Pionier der Aufarbeitung von NS-Verbrechen, der klarsichtig erkannte, dass der NS-Staat kein Betriebsunfall der Geschichte war, ein filmisches Denkmal zu setzen, ist längst überfällig […] Lars Kraume versucht, mit seinem Psychogramm eines Aufrechten dieser Aufgabe gerecht zu werden. Dabei hält er sich nicht immer nur an die nüchternen Fakten. So ist sein junger, verkappt homosexueller Staatsanwalt Karl Angermann, hervorragend dargestellt von Ronald Zehrfeld, ein fiktiver Charakter. Der dramaturgische Schachzug ermöglicht ihm künstlerische Freiheit, die sein kraftvolles Biopic um einiges spektakulärer gestaltet.«
Luitgard Koch, programmkino.de

»Die meisten Filme, die aus jener Nachkriegszeit erzählen, in der die Mode wieder eine Rolle zu spielen begann und Einbauküchen der letzte Schrei wurden, ertrinken in ihrem Dekor, das Ruinenchic mit buntem Fünfziger-Jahre-Kitsch vereint. ›Der Staat gegen Fritz Bauer‹ nicht. Auch die jazzige Musik von Julian Maas und Christoph M. Kaiser hebt sich ab vom Üblichen und gibt der Geschichte, die weitgehend dokumentarisch ist, einen Swing, ein Zeitgefühl, das sich ja nicht darin erschöpft, dass ein Schweigen zu brechen ist, sondern auch heißt: Leben war wieder möglich […] Lars Kraume macht diesen Mann zu einem deutschen Helden. Es wurde Zeit, denn es gibt keinen besseren.«
Verena Lueken, Frankfurter Allgemeine Zeitung

»Man kann das Kraume zugute halten, dass er nicht einfach einen Geschichtsbuchfilm dreht, in den sich neunte Klassen jagen lassen, sondern dass er auch dafür geradesteht, was er macht und denkt, dass er klarlegt, dass er ans Denkmal glaubt und ans Pathos, etwa wenn er Tschaikowskis 6. Symphonie, die ›Pathétique‹, auf den Plattenspieler legen lässt. Im Grunde verfolgt er ein amerikanisches Programm: ›Der Staat gegen Fritz Bauer‹ ist in erster Linie kein Aufarbeitungsaufarbeitungsfilm, sondern ein Thriller und ein Gerichtsdrama.«
Lukas Stern, critic.de 

»So wie Bauer als gelassen Getriebener charakterisiert wird, ist auch die Erzählgeschwindigkeit im Midtempo gehalten. Jenseits von Heroentum wird Bauer als energischer Mann gezeigt, der auch mal zaudert. Die Tätigkeit des Justiz- und Staatsapparats wird als systematischer Widerstand gegen alle Bestrebungen, die NS-Verbrechen zu verfolgen, dargestellt; und dies wird nicht – wie so oft – als bloße Verfehlung verharmlost. Versöhnungskitsch der Spätergeborenen mit der Elterngeneration findet sich in dieser Würdigung Bauers nicht. Und das ist für einen deutschen Film schon eine Leistung.«
Tobias Prüwer, jungle world, Berlin

»Klaußner und der kaum weniger präsente Zehrfeld verkörpern Männer im Zwiespalt ihrer Zeit. Schon wegen ihrer sexuellen Veranlagung erklärt eine gesellschaftliche Ordnung sie zu Straftätern, die ihrerseits Massenmörder beschützt […] Wohltuend hebt sich ›Der Staat gegen Fritz Bauer‹ von anderen, bloß von guten Absichten gespeisten Kinobeiträgen zur Aufarbeitung des Holocaust nach 1945 ab. Dem Publikumspreis von Locarno in diesem Jahr dürfen die Zuschauer vertrauen.«
Andreas Günther, kino-zeit.de

»Burghart Klaußner spürt dieser faszinierenden Figur bis in ihre Tiefen nach – eine wahrhaft oscarreife Leistung […] Auch der Rest des Ensembles spielt in Bestform: der gegen den Strich besetzte Ronald Zehrfeld, der schneidend scharfe Jörg Schüttauf und der mit herrlicher Fistelstimme chargierende Sebastian Blomberg. Diesen Schauspielern ist zu verdanken, dass ›Der Staat gegen Fritz Bauer‹ seine dramatische Wucht – wie auch seine komödiantischen Verschnaufpausen – aus den Figuren heraus entwickeln kann.«
Oliver Kaever, zeit-online.de, Hamburg



zuletzt aktualisiert am 13.12.2015

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