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Taxi Teheran
Taxi

Iran 2014

 

 

»Nichts kann mich am Filmemachen hindern«, sagt der iranische Regisseur Jafar Panahi. Vom Regime mit 20-jährigem Berufsverbot belegt, muss er das System überlisten und unterwandern. Hier funktioniert er seinen Wagen zum Taxi um, mit sich selbst als Chauffeur. Eine am Armaturenbrett befestigte Kamera filmt die Dispute mit den – nicht ganz zufälligen – Fahrgästen. Auf kleinstem Raum werden die größten Dinge verhandelt: Todesstrafe, Zensur, Frauenrechte. Ein Taxi als Ort freier Meinung, als Platz für Reflexionen über Politik, Religion, Kunst und Kultur. Panahis zehnjährige Nichte auf dem Rücksitz erläutert dem sichtlich amüsierten Onkel, was sie alles beachten muss, um für die Schule einen ›zeigbaren‹ islamischen Kurzfilm zu drehen. 

Mutig, ungebrochen, lebens- und schaffensfroh trotz aller Restriktionen: Jafar Panahis »Taxi Teheran« ist ein Schelmenstreich politischen Filmemachens, ein Kabinettstück des Kinos!

Texteinblendung am Ende des Films: Das Ministerium für islamische Führung genehmigt den Abspann von zeigbaren Filmen. Obwohl es mein Herzenswunsch ist, hat dieser Film keinen Abspann. Ich stehe in der Schuld aller, die uns geholfen haben. Ohne ihre Unterstützung gäbe es diesen Film nicht. Jafar Panahi.

Fotos: Weltkino Filmverleih, Feldafing

 

Themen

Berufsverbot, Demokratie, Familien- und Generationsbeziehungen, Filmpolitik, Filmverbot, Fundamentalismus, Heimat, Identität, Ideologie, Islam, Kunst- und Meinungsfreiheit, Menschenrechte, Propaganda, Religion, Selbstzensur, Toleranz, Werte, Zensur, Zivilcourage

 

Fächer

Deutsch, Kommunikation und Technik, Kunsterziehung, Lebensgestaltung-Ethik-Religionskunde, Philosophie, Politische Bildung

 

Kritikerstimmen

»In fließend montierten Szenen ergießt sich das pralle Leben wie eine Sturmflut in Panahis Taxi. Sie lässt sich nicht steuern, sie lässt sich nicht aufhalten. Man kann angesichts dieser atemberaubenden Präsenz nur eines tun: staunen. Das macht auch Panahi in der Rolle des Taxifahrers: Er staunt über dieses Volk, das ihm da begegnet. Es ist, als könne er nicht glauben, was er sieht und hört, und das ist auch eine Botschaft an das Regime, denn es könnte, wenn es denn wollte, hier mit eigenen Augen sehen, dass die Iraner keine gefährlichen Menschen sind, die es zu bändigen und zu unterdrücken gilt, sondern rührende Wesen, ausgestattet mit kreativer Kampfkraft.«
Ulrich Ladurner, Die Zeit, Hamburg

»Die Taxi-Metapher ist produktiv, sie zeigt die soziale Hierarchie von Klassen und Bildungsschichten auf (zumindest suggeriert das die Auswahl der Fahrgäste) und hat eine private wie öffentliche Funktion. In ›Taxi Teheran‹ ist das Taxi aber auch ein konkreter Ort, an dem gesellschaftliche Fragen verhandelt werden und der im Clash der unterschiedlichen Persönlichkeiten, die auf dem Rücksitz Platz nehmen, einer comedy of manners die Bühne gibt. Panahi ist sich der ironischen Zuspitzung dieser Situation bewusst.«
Andreas Busche, der Freitag, Berlin

»›Miesmacher‹ nennt man Leute, die so was treiben, bei uns. Panahi aber unterläuft den Vorwurf, indem er das Miese als gewandter, verspielter, katzenhaft geschmeidiger Komiker vorführt, also eher Spaßmacher ist, nur dass die Späße eben sehr ernst sind, weil die dahinterstehende Haltung kompromisslos explizit macht, wer und was hier mies ist, nämlich nicht die Kunst […] Schmerz, Todesgefahr, Ehekomödie, Gesellschaftskritik, und das alles wie nebenbei, mit schwebender Meisterhand gezeichnet. Wirklich, dagegen ist Quentin Tarantino bestenfalls ein Fahrrad-Pizzabote.«
Dietmar Dath, Frankfurter Allgemeine Zeitung

»Die Nichte, ganz modernes Medienkind, kommt mit einer Handykamera und benutzt den Onkel, um ihre Hausaufgaben durchzugehen: Die Lehrerin hat die Schüler aufgefordert, einen Übungsfilm zu drehen und dabei die wichtigsten Fehler zu vermeiden: Frauen nur mit Kopftuch, kein antisoziales Verhalten, Respekt vor Religion und Staat. Natürlich demonstriert ›Taxi‹ sogleich, wie unmöglich es ist, sich im realen Leben – selbst in Teheran – an diese Anweisungen zu halten. Insofern ist Panahis Film weit mehr als eine Spiegelung seiner eigenen Lage, sondern auch eine Reflexion über moderne Medien, das Filmemachen und Lüge und Wahrheit in seinem Lande. Und ohne Spur von Bitternis und Verbissenheit. Das ist vielleicht das größte Wunder.«
Hanns-Georg Rodek, Die Welt, Berlin

»Bevor Panahis Geschichte von der Überwindung der Repression durch die List beginnt, ihrerseits glatt zu werden und Widersprüche auszuschließen, lässt der Regisseur sie abbrechen. Der Abspann fehlt, weil die Nennung von Namen die Crew kompromittieren könnte. Und vielleicht schützt sich auch der Regisseur, indem er seinen Namen weglässt und behauptet, niemand habe diesen Film gemacht. Zugleich ist die Szene, die dem Schwarzbild vorausgeht, auch als Mahnung zu verstehen. Eine geglückte List bedeutet eben nicht, dass man auf immer über widrige Gegebenheiten triumphiert.« 
Cristina Nord, taz, Berlin

»Und so ist ›Taxi Teheran‹ eben auch ein hochpatriotischer Film geworden. Einer, der von einer besseren Zukunft träumt. Von einem Iran, in dem Taxifahrer die Taxis fahren und Filmemacher Filme machen. Filme mit Abspann.«
Patrick Wellinsky, Berliner Zeitung

»Ist ›Taxi Teheran‹ nun ein Dokumentar- oder ein Spielfilm? Der ausgebuffte DVD-Dealer erkennt den Regisseur jedenfalls gleich, mokiert sich über dessen ›Verkleidung‹ mit Brille und Schiebermütze, möchte wissen, ob die Leute, die sich eben über die Todesstrafe gestritten haben, nicht doch Schauspieler sind, und will Panahi auf der Stelle zu seinem Kompagnon machen. Die Kunst wird zur Schmuggelware, mit der sich Profit machen lässt, solange Panahi nur mitspielt – als er selbst. Ein virtuoses Verwirrspiel über das Starsystem der Dissidenz, wie man es auch von den Installationen des Chinesen Ai Weiwei kennt.«
Christiane Peitz, Der Tagesspiegel, Berlin



zuletzt aktualisiert am 25.11.2015

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