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Heil

Deutschland 2015

 

 

Politisch absolut korrekt: Ein Deutscher mit afrikanischen Wurzeln hat ein Buch über den alltäglichen Rassismus in Deutschland geschrieben, »Das braun gebrannte Land«. Landauf, landab sorgt er damit für Aufklärung. Als vorerst letzte Station seiner Lesereise ist – tief im Brandenburgischen – Prittwitz auserwählt. Hier wird er von den lokalen Neonazis standesgemäß willkommen geheißen: mit Schlägen auf den Schädel. Derart begrüßt, verliert er das Gedächtnis, was der profilierungsgeile Ortsgruppenleiter als rechte Fügung begreift: Er lässt den in der Wolle gefärbten Schwarzen nun durch alle Talkshows tingeln und ihn zum Entsetzen der links und liberalen Anständigen braune Parolen dreschen. Alles scheint möglich, selbst – heim ins Reich –Panzer nach Polen. 

Auf grobe Klötze gehören grobe Keile: Eine verrückte Posse zur Lage der Nation – oder: Satire darf alles. Nur, weil ihm die Sache so bitterernst ist, kann der Film so brüllend komisch sein. Erst lachen, dann nachdenken, dann mitreden! 

Fotos: X Verleih, Berlin


 

Themen

Demokratie, Filmgeschichte, Groteske, Gruppendruck, Identität, Ideologie, Klischees, Manipulation, Medien, multikulturelle Gesellschaft, Parodie, Politik, Popkultur, Propaganda, Rassismus, Rechtsextremismus, Rollenbilder, Satire, Toleranz, Vorurteile, Werte, Zivilcourage

 

Fächer

Deutsch, Lebensgestaltung-Ethik-Religionskunde, Medienerziehung, Pädagogik, Politische Bildung, Psychologie, Sozialkunde

 

Kritikerstimmen

Dummheit ist per se lustig, und Neonazis sind ja sehr dumm. Wenn Leute unreflektiert durch die Gegend rennen, im Grunde nur eine Idee haben, die ihren Kopf ausfüllt – dann ist das komisch. Und wenn man das überspitzt darstellt, wird es noch komischer.«
Dietrich Brüggemann in einem Interview mit der »Zeit«, Hamburg

»›Heil‹ kommt roh daher und kantig; das ist ein Film, dem nichts heilig ist. Ob nun alle Gags zünden, mag dahingestellt sein […] Deutschland und die Neo-Nazis? Welcher Blick kann da denn angemessener sein als ein unversöhnlich böser auf die deutschen Verhältnisse, wo Einschüchterung und Gewaltandrohung von rechts Realität sind. Dagegen muss dann eben auch das zutiefst hemmungslose, respektlose Lachen zum Einsatz kommen.«
Hartwig Tegeler, Deutschlandfunk, Köln 

»In dieser überdrehten Komödie bleibt kein Auge trocken. Autor und Regisseur Dietrich Brüggemann macht sich über strunzdumme Neo-Nazis lustig, aber auch über politische Korrektheit, über hilflose Geheimdienste, selbstgefällige Journalisten und eigentlich über alles. Mit hoher Gag-Dichte und unterhaltsamer Unbekümmertheit steigert sich die Geschichte ins immer Absurdere hinein, ein befreiendes Lachen auslösend, das so im deutschen Kino selten zu hören ist.«
Knut Elstermann, radioeins, Potsdam

»Klingt wie eine schlimme Klamotte? Ist es auch. Aber es ist eine sehr, sehr schlaue schlimme Klamotte, denn Regisseur Dietrich Brüggemann macht sich hier mit bitterbösem Witz nicht nur über rechte Dummheit, linke Ideologie und Bio-Bürgertum, sondern auch und vor allem über Medien, Kulturbetrieb und Staatsgewalt lustig.« 
Maik Brüggemeyer, RollingStone, Berlin

»Der gewählten Form einer Farce entsprechend, ist der Humor flächendeckend plakativ: In erstaunlichem Tempo werden in einer weitverästelten Geschichte ohne zentralen Plot grobe Klischees ins Absurde gewendet, was gelegentlich besser funktioniert, als man erwarten konnte, und zumindest für die Dauer des Films kaschiert, dass hier kein substanzieller Denkstoff ­zugrunde liegt, sondern ›nur‹ Amüsement über Dumpfbacken aller Art ansteht.«
Lars Penning, tip (stadtmagazin), Berlin

»Brüggemann hat keinen Bock, über eine unübersichtliche, moralisch zwielichtige Welt zu lamentieren, sondern er führt in diesem knalligen Verwirrspiel Symbole und Ideologien ad absurdum. Der Film ist zwar nicht ausnahmslos gut, Brüggemanns Haltung, lustvoll Filme zu machen und zu experimentieren, dagegen schon.«
Katharina Schulz, cult-zeitung.de
(Kulturzeitung der Bayerischen Theaterakademie, München)

»›Heil‹ ist trotz des angewandten satirischen Gießkannen-verfahrens, bei dem alle etwas abbekommen, ein sehr persönlicher Film. Dietrich Brüggemann eifert gegen alle (bundes-)deutschen Unsitten, die ihm seit Jahren oder Jahrzehnten sauer aufstoßen (er macht sich sogar selbst zur Witzfigur, wenn er einen Schauspieler als den Regisseur der Komödie ›Geil Hitler‹ auftreten lässt) und aus ›Heil‹ wird so etwas wie sein eigener komischer Kino-Wutball.« 
Thomas Vorwerk, filmstarts.de

»Andererseits hat eben dieser Wahnsinn Methode. Brüggemann übersteuert und verzerrt so lange, bis die Spiegelung der Wirklichkeit darin immer deutlicher zutage tritt. Politisches Kino, sagt er, sei vielleicht überhaupt nur in der Form der Komödie möglich. Insofern ist ›Heil‹ ein eminent politischer Film. Und ein rasend unterhaltsamer Ritt auf der Rasierklinge scharfer Satire.«
Oliver Kaever, programmkino.de

»›Heil‹ ist der Grenzziehungsfilm par excellence, die Abnabelung vom gesellschaftlich korrekten Gremienprodukt. Brüggemann verweigert sich dem aufklärerischen Gestus eines Films, der davon ausgeht, dass es hinter der Fassade eine tiefere Wahrheit gibt; er verweigert den pädagogischen Impuls, der das Kino als ein Agens der Genesung betrachtet. Bei ihm gibt es die materialistische Sicht: Er nimmt die Fassade als das, was sie scheinen will: ›Heil‹ ist ein Film über öffentliches Sprechen und Handeln. Das Bild wird für bare Münze genommen. What you see is what is there: WYSIWIT.« 
Hanns-Georg Rodek, Die Welt, Berlin



zuletzt aktualisiert am 25.11.2015

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