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In meinem Kopf ein Universum
Chce się żyć

Polen 2013

 

 

»Glauben Sie mir«, sagt die Ärztin der Mutter: »Ihr Junge ist schwerstbehindert, Sie werden nie mit ihm kommunizieren können.« Ohne eine Funken Empathie vergleicht sie den an Zerebralparese leidenden Mateusz mit ihrem Hund: »Wenn ich dem den Napf zeige, fängt er auch an zu sabbern.« Mateusz’ Eltern aber wollen um keinen Preis der ärztlichen Empfehlung folgen und den Sohn in ein Heim für geistig Behinderte abschieben. Mit Mateusz als Mittelpunkt – und zwei weiteren Kindern – sind und bleiben sie trotz aller Probleme eine Familie. »Alles wird gut«, prophezeit der Vater, wenn er mit Mateusz in den Sternenhimmel blickt. Er zeigt ihm auch, wie man – ein Mann – mit der Faust auf den Tisch hauen muss. Was niemand ahnt: Der gelähmte, nicht sprechende Mateusz versteht jeden und alles, aber ihn, seine Hoffnungen und Wünsche, versteht keiner. Das Wunder, die nie für möglich gehaltene Wendung, kommt spät, als Mateusz schon 25 ist.

Einfühlsam, aufrichtig, mutmachend: Film und Hauptdarsteller sind eine Offenbarung!

Fotos: MFA FilmDistribution, Regensburg

 

Themen

Andersartigkeit, Außenseiter, Ausgrenzung, Diskriminierung, Empathie, Familie, Familien- und Geschwisterbeziehungen, Freundschaft, Identität, Inklusion, Integration, Krankheit, Liebe, Nächstenliebe, Polen, Selbstfindung, Sexualität, Sinn des Lebens, Sozialarbeit, Sprache, Toleranz, Vater-Sohn-Beziehung, Vertrauen, Vorurteile, Werte, Zerebralparese

 

Fächer

Darstellendes Spiel, Deutsch, fächerübergreifend, Lebensgestaltung-Ethik-Religionskunde, Polnisch, Psychologie, Sozialkunde

 

Kritikerstimmen

»Eine ›Zerebralparese‹ ist kein Vergnügen. Aber mit Hilfe moderner therapeutischer Hilfen, etwa der Logopädie, lässt sich heute Vieles richten, auch mit einem Code-System, das Ähnlichkeit mit der Blindenschrift hat. ›In meinem Kopf ein Universum‹ ist ein äußerst behutsamer Film, der ohne die üblichen Behinderten-Klischees auskommt und dennoch den Punkt trifft, auf den es ankommt: nämlich menschliche und gesellschaftliche Akzeptanz ohne wenn und aber!«
Herbert Spaich, SWR2 Kultur aktuell 

»Neben den beeindruckenden Leistungen von Kamil Tkacz (Mateusz als Kind) und Dawid Ogrodnik (Mateusz erwachsen) transportiert der Film die tröstliche Botschaft von der Kraft des Geistes, Widrigkeiten zu überwinden und das ­Leben so zu genießen, wie es ist. Emotionaler Höhepunkt ist die Szene, in der Mateus als erwachsener Mann zum ersten Mal mit ­seiner Familie verbal kommuniziert. Wer hier nicht weint, hat im Kino nichts verloren.« 

Peter Fuchs, zitty (Stadtmagazin), Berlin

»Doch nicht allein das Ensemble macht diesen Film zum außergewöhnlichen Kinoerlebnis – Pieprzyca balanciert auch souverän zwischen Drama und Komödie. Man ist berührt, aber es gibt keine forcierte Rührseligkeit oder aufgezwungene Betroffenheit. Ganz organisch wird man in die oft dokumentarisch anmutende Familiengeschichte verwickelt, leidet mit, empfindet Wut, hofft und muss vor allem oft lachen. Der visuelle Stil wirkt zunächst nüchtern; dabei finden Regie und Kamera immer wieder originelle Bilder, die das Leben aus der Perspektive von Mateusz schildern.«
Jessica Düster, Berliner Zeitung

»Die durchdachte Erzählstruktur lässt den Zuschauer an Mateusz' Innenleben teilnehmen. Man versteht aber auch, warum selbst diejenigen, die ihn mögen, in ihm nur das ›Gemüse‹ sehen. Die zufällige Begegnung mit einer Logopädin ermöglicht ihm schließlich den Moment, den man den ganzen Film über herbeisehnte: den Ausweg aus seinem seelischen Alcatraz. Mateusz kann sich mitteilen. In einer ohne Hollywoodpathos bewegenden Begegnung am Ende richtet er schließlich den ersten Satz an seine Mutter: ›Ich bin kein Gemüse.‹«
Manfred Riepe, epd film, Frankfurt/Main

»Der Film berührt, ergreift und lässt einen nicht mehr los. Durch eine großartige schauspielerische Leistung gelingt es Dawid Ogrodnik, einen authentischen Protagonisten zu schaffen, der nicht ausschließlich Mitleid erregt. Immer wieder hört man die selbstironische innere Stimme von Mateus und nimmt an seiner Gefühls- und Gedankenwelt teil. Realistisch wird der Umgang mit schwerbehinderten Menschen gezeigt, die sich ihrem Schicksal fügen müssen.«
Kathrin Wesolowski, Bonifatiusbote, Mainz

»Gerade auch jungen Menschen macht der Film anschaulich, wie wichtig es ist, auch Menschen mit Behinderungen eine Bildung angedeihen zu lassen, mit der sie zur kommunikativen Teilhabe befähigt werden, wozu es äußerst engagierter Gleichaltriger und Erzieher bedarf. Mit diesem Anliegen gesellt er sich thematisch zu Jean-Pierre Alméris’ ›Die Sprache des Herzens‹: Anhand beider Filme lässt sich bestens darüber diskutieren, welche Tragweite die Rede von der Inklusion überhaupt besitzt.«
Heidi Strobel, film-dienst, Bonn

»Mateus, der zuckende Junge von ›In meinem Kopf ein Universum‹, beißt sich die Lippen blutig, wenn er im Liegen gefüttert wird. Keiner kommt auf die Idee, ihn hinzusetzen, stattdessen werden ihm die Schneidezähne gezogen. Nach der Entdeckung seiner geistigen Zurechnungsfähigkeit bekommt er Zahnersatz. Im Abspann sieht man den „echten“ Mateus. Er heißt Przemek und lebt bis heute unter geistig Behinderten. Als er mit seinem Darsteller Dawid Ogrodnik lacht, sieht man seine großen Zahnlücken. So gaukelt das Kino der Krankheit eine kathartische Wirkung vor oder gar ein Happy End – und kommt ihr nie ganz bei. Schön, wenn ein Film den Unterschied nicht unterschlägt.«
Christiane Peitz, Der Tagesspiegel, Berlin

»Trocken, lakonisch und auch grotesk. Das schließt Figuren ein, die den Helden benutzen und dennoch ein Segen sein können, weil sie ihn überhaupt ansehen, berühren, erst nehmen. Dass der Film zugleich eine (musikalisch überdekorierte) Chronik der jüngeren polnischen Geschichte von Solidarnosc bis zum Ende des Kommunismus ist, liegt an den Zeitdimensionen, in denen sich Mateus’ Drama vollzieht. Er braucht (wie sein reales Vorbild) Jahrzehnte, um seine Umwelt begreifen zu lassen, dass er versteht. Die schmerzhafte Spannung, die daraus erwächst, ist beachtlich, ebenso wie der erfrischende Umgang des Films mit jeder anderen Art von Behinderung, die das Leben mitbringen kann.«
Robert Weixlbaumer, tip (Stadtmagazin), Berlin




zuletzt aktualisiert am 19.01.2016

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