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Wir sind jung. Wir sind stark.

Deutschland 2015

 

 

Rostock-Lichtenhagen 1992: Im trostlosen Wohngebiet hängen die Jugendlichen herum und wissen nichts mit sich anzufangen. Der Gruppendruck hält sie zusammen, Freundschaft und Loyalität sind nur Beiwerk einer aufgesetzten Ideologie. Von den Eltern und allen Autoritäten allein- und im Stich gelassen, gehören sie zu einer »unberatenen Generation«. Auch Stefan, der Sohn eines SPD-Lokalpolitikers, streift mit seiner Clique orientierungslos durch die Gegend, einer seiner Kameraden springt aus dem 8. Stock eines Plattenbaus in den Tod. Ohne Job und scheinbar ohne Aussichten auf ein sinnerfülltes Leben, ohne Träume und ohne Zukunft sind sie anfällig für rechtsradikale Parolen. Unter dem Beifall von Mitläufern, Gaffern, »normalen« Bürgern werfen sie auf dem Höhepunkt eines furchtbaren Pogroms gegen Migranten und Asylsuchende nicht nur den ersten Stein, sondern im sich steigernden Rausch der Gewalt tödliche Brandbeschleuniger in das Wohnheim vietnamesischer Gastarbeiter. 

»Wir sind jung. Wir sind stark.« erzählt die Geschichte eines Tages, des 24. Augusts 1992, aus dem Blickwinkel unterschiedlicher Menschen, Deutscher und Vietnamesen. Sie alle eint die Sehnsucht nach Heimat, Liebe und Anerkennung. »Wir sind jung. Wir sind stark.« ist Zeitgeschichte und Rückblick, aber mindestens ebenso Gegenwart und aktuelle Vergewisserung eigener Meinungen, Haltungen, Positionen.

Fotos: Zorro Filmverleih, München


 

Themen

(deutsche) Geschichte, Asyl, DDR- und Nachwendezeit, Demokratie, Erwachsenwerden, Familie, Familien- und Generationsbeziehungen, Flüchtlinge, Gewalt, Gruppendruck, Identität, Individuum und Gesellschaft, Menschenrechte, multikulturelle Gesellschaft, Rassismus, Träume, Vater-Sohn-Beziehung, Vorurteile, Werte, Zeitgeschichte, Zivilcourage

 

Fächer

Deutsch, Lebensgestaltung-Ethik-Religionskunde, Politische Bildung, Psychologie, Sozialkunde

 

Kritikerstimmen

»Hier wird keineswegs an ein abgeschlossenes Kapitel aus dem wiedervereinten Deutschland erinnert. ›Wir sind jung. Wir sind stark.‹ ist angesichts fremdenfeindlicher Demonstrationen wie auch der NSU-Mordserie geradezu beklemmend aktuell […] ist ein Thriller, dessen gesellschaftspolitischer Sprengstoff Zeitdokument und Fingerzeig zugleich ist. Der beste deutsche Film seit langem.«
Jörg Albrecht, Deutschlandfunk, Köln

»So sehr Qurbanis Film von einem politischen Ethos getragen und dem Kampf gegen Rechtsextremismus und Fremdenfeindlichkeit gewidmet ist, so wenig gibt er sich mit einfachen sozio-ökonomi-schen Erklärungen und politischen Ansagen zufrieden. Früher hätte man gesagt, ihn interessiere das Allgemein-menschliche. So ist es in der Tat. Und es hat gar nichts Tröstliches. […] Durchweg glänzende Schauspieler machen ›Wir sind jung. Wir sind stark.‹ zu einem wirklich großen Film, der vor dem Hintergrund sich neuerlich verschärfender Konflikte um Zuwanderung und kulturelle Toleranz genau zur richtigen Zeit kommt.« Eckhard Fuhr, Die Welt, Berlin

»›Wir sind jung. Wir sind stark.‹ ist kein Film über Rechtsradikalis-mus, sondern über die Fremdenfeindlichkeit, die in der viel beschworenen ›Mitte der Gesellschaft‹ entsteht. Er zeigt, wie Frauen, Männer, Kinder und Jugendliche sich zum Mob formieren und eine Gewaltorgie gegen Schutzlose zum Volksfest wird, bei dem man sich an eilig bereitgestellten Imbissbuden mit Bier versorgt. Es sind diese Bilder, die die Rezeption von ›Wir sind jung. Wir sind stark.‹ prägen werden. Angesichts der beschämenden Pegida-Demonstrationen eröffnet der Film erschreckende Parallelen.« Oliver Kaever, Spiegel-online Kultur, Hamburg

»Qurbani besteht auf der subjektiven Annäherung seines Films an das schwierige Thema, auf der offenen Erzählweise, die andere Fragen stelle als journalistische Kommentare und zeithistorische Analysen. Er und sein Ko-Autor Martin Behnke haben ihre Prota-gonisten in all ihrer Verlorenheit und Zerstörungslust lieben ge-lernt. Genau hier sieht Qurbani die Grenze zwischen seiner Haltung als Filmregisseur und seinem Blick als Zeitgenosse, der in der islamfeindlichen ›Pegida‹-Bewegung dieselben fatalen, immer wieder verdrängten Unterströme gewaltsamer Abgrenzung wirken sieht wie 1992. Dass Neonazis und Rassisten ›Wir sind jung. Wir sind stark.‹ für sich vereinnahmen könnten, befürchtet er aber nicht.« Claudia Lenssen, Der Tagesspiegel, Berlin

»Ein großartiger emotionaler Effekt ist das, den Regisseur Burhan Qurbani mit großer kinematographischer Souveränität erzeugt: Selten sieht man so etwas im Kino, schon gar nicht in einem deutschen Film. In perfekter Steigerung folgen wir diesem Tag von morgens bis abends, in vollkommenem dramatischem Aufbau präsentiert Qurbani die zunehmende Aggressivität, die sich am Abend in reinem Terror gegen die Rostocker Ausländer entlädt. Und das bezieht sich nicht nur auf die Entwicklung der Handlung oder auf die formalen Mittel, auch im Kleinen weiß Qurbani sehr genau, seine Akzente zu setzen: Etwa mit dem Leitmotiv dreier Kinder, die in einem geklauten Einkaufswagen Flaschen sammeln …« Harald Mühlbeyer, kino-zeit.de

»Und doch, das macht die Stärke des Films auch, löst sich nicht alles in naheliegenden Erklärungsmustern auf. Psychologie und Psychopathologie erscheinen als entscheidende Faktoren, gewissermaßen als Brandbeschleuniger. Die fabelhaften Darsteller beglaubigen diese These. Jonas Nay als Stefan, der als erster einen Brandsatz wirft, ist zerrissen zwischen Empathie und Aggressivität, Ekstase und Gewissensbissen. In seiner Lust an der Zerstörung liegt auch etwas Selbstzerstörerisches. Manchmal scheint es, als wolle er sich selbst auslöschen.«
Dietmar Kanthak, epd film, Frankfurt/Main



zuletzt aktualisiert am 11.01.2017

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